Fusobacterium nucleatum und seine Auswirkungen auf das Gehirn: Aktuelle Forschungsergebnisse

Einführung

Fusobacterium nucleatum ist ein Bakterium, das natürlicherweise in der Mundhöhle vorkommt und dort eine Rolle bei der Entstehung von Parodontitis spielen kann. Jüngste Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass dieses Bakterium auch außerhalb der Mundhöhle, insbesondere im Darm und möglicherweise sogar im Gehirn, eine Rolle spielen könnte. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Forschung zu Fusobacterium nucleatum und seine potenziellen Auswirkungen auf die Gehirngesundheit, einschließlich der Beteiligung an neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer.

Fusobacterium nucleatum: Ein Überblick

Fusobacterium nucleatum ist ein gramnegatives, anaerobes Bakterium, das zur normalen Flora der Mundhöhle gehört. Es ist Teil des sogenannten "orangenen Komplexes", einem Keimgemisch, dessen Wachstum mit der Entstehung von Parodontitis einhergeht. In diesem Zusammenhang sorgt F. nucleatum für ein anaerobes Milieu, in dem sich dann die noch schädlicheren Keime des roten Komplexes breitmachen können.

Vorkommen und Verbreitung

Obwohl F. nucleatum hauptsächlich in der Mundhöhle vorkommt, kann es auch andere Gewebe besiedeln, insbesondere wenn die Körperabwehr geschwächt ist. Dies geschieht möglicherweise, weil das Bakterium ein Blockadeprotein nutzt, um die Rezeptoren von natürlichen Killerzellen des Körpers zu blockieren und so zu verhindern, dass die Abwehrzellen Krebszellen attackieren und ausschalten. Das Innere von Tumoren mit seinem niedrigen Sauerstoffgehalt kann zu einer von F. nucleatum bevorzugten Nische werden, was dem Bakterium ermöglicht, sich auszubreiten und seinen Lebensraum zu vergrößern.

Fusobacterium nucleatum und Darmerkrankungen

Einige Studien haben gezeigt, dass F. nucleatum im Darm vorkommen kann, insbesondere bei Personen mit Parodontitis. Das Bakterium wird verschluckt, siedelt sich im Darm an und kann dort zu Darmentzündungen führen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass F. nucleatum ein Promotor von Darmkrebs sein könnte.

Zusammenhang mit Darmkrebs

Forscher haben eine Korrelation zwischen einem erhöhten Auftreten von Dickdarmkrebs und einer dichteren Besiedlung mit F. nucleatum im Darm festgestellt. Immunologen haben herausgefunden, dass der Keim mit einem Protein die Rezeptoren von natürlichen Killerzellen des Körpers blockiert und dadurch verhindert, dass die Abwehrzellen Krebszellen attackieren und ausschalten.

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Fusobacterium nucleatum und das Gehirn

Die Forschung zu den Auswirkungen von F. nucleatum auf das Gehirn ist noch in einem frühen Stadium, aber es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass das Bakterium eine Rolle bei der Entstehung oder dem Fortschreiten von neurodegenerativen Erkrankungen spielen könnte.

Gehirnabszess nach parodontaler Behandlung

Ein Fallbericht aus dem Jahr 2016 beschreibt einen Gehirnabszess, der mit Fusobacterium nucleatum nach parodontaler Behandlung in Verbindung gebracht wurde. Bei einer Patientin wurde nach mehreren parodontalen Behandlungen ein Gehirnabszess festgestellt, der neurologische Anfälle verursachte. In den Drainagemassen wurde Fusobacterium nucleatum gefunden. Eine orale Untersuchung ergab ein schweres, parodontal geschädigtes Gebiss. Nach neurochirurgischer Behandlung und intravenöser Antibiotikatherapie erholte sich die Patientin vollständig. Um mögliche Entzündungsherde zu beseitigen, mussten mehrere Zähne extrahiert werden. Dieser Fallbericht deutet darauf hin, dass auch Patienten ohne besondere Notwendigkeit einer Antibiotikaprophylaxe dem Risiko ausgesetzt sein können, nach parodontalen Behandlungen einen durch Bakteriämie verursachten Gehirnabszess zu entwickeln.

Exazerbation der Alzheimer-Pathogenese

Eine Studie aus dem Jahr 2022 untersuchte den Zusammenhang zwischen F. nucleatum und der Alzheimer-Krankheit. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das parodontale Pathogen Fusobacterium nucleatum die Alzheimer-Pathogenese über spezifische Signalwege verschlimmern kann. Die Forschenden hoffen, dass die Bekämpfung des F. nucleatums eines Tages das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verlangsamen könnte.

Das Darm-Hirn-Achse und Fusobacterium nucleatum

Die Darm-Hirn-Achse ist eine bidirektionale Kommunikationsverbindung zwischen dem Darm und dem Gehirn. Diese Verbindung wird über verschiedene Mechanismen vermittelt, darunter:

  • Metabolite der Darmbakterien: Kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) wie Acetat, Butyrat und Propionat, die von Darmbakterien produziert werden, können die Gehirnfunktion beeinflussen.
  • Immunzellen: Immunzellen, die von den Mikroben trainiert werden, können in Richtung des Gehirns wandern und dort Entzündungen beeinflussen.
  • Nervus vagus: Dieser Nerv verbindet den Darm direkt mit dem Gehirn und ermöglicht eine schnelle Kommunikation.

Es wird angenommen, dass F. nucleatum die Darm-Hirn-Achse beeinflussen und so die Gehirnfunktion beeinträchtigen kann.

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Die Rolle des Mikrobioms

Das Mikrobiom, die Gesamtheit der Mikroorganismen, die in unserem Körper leben, spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit. Eine vielfältige mikrobielle Lebensgemeinschaft im Darm ist entscheidend für eine gute Gesundheit. Faktoren wie Ernährung, Alter, Umweltfaktoren und Medikamente können die Zusammensetzung des Mikrobioms beeinflussen.

Einfluss der Ernährung

Eine ballaststoffreiche Ernährung fördert die Vielfalt des Mikrobioms und unterstützt die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren. Ballaststoffe dienen als Nahrungsquelle für bestimmte Bakterien im Darm, die diese Fettsäuren produzieren. Eine pflanzenbasierte, ballaststoffreiche und abwechslungsreiche Kost ist ideal, um ein breit aufgestelltes Ökosystem im Darm zu fördern.

Mikrobiom-Testungen

Mikrobiomanalysen per Stuhltest können Informationen über die Zusammensetzung des Darmmikrobioms liefern. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hält privat beauftragte Mikrobiomanalysen jedoch für zu oberflächlich und nicht zweifelsfrei interpretierbar. Es ist wichtig, die Ergebnisse richtig zu interpretieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Prävention und Behandlung

Die Forschung zu F. nucleatum und seinen Auswirkungen auf das Gehirn ist noch nicht abgeschlossen, aber es gibt einige Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Risiko einer Besiedlung mit diesem Bakterium zu verringern und die Gehirngesundheit zu fördern:

  • Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen, Zahnseide und professionelle Zahnreinigungen können helfen, die Anzahl von F. nucleatum in der Mundhöhle zu reduzieren.
  • Behandlung von Parodontitis: Eine frühzeitige Behandlung von Parodontitis kann verhindern, dass F. nucleatum in den Darm gelangt und dort Entzündungen verursacht.
  • Ballaststoffreiche Ernährung: Eine Ernährung, die reich an Ballaststoffen ist, fördert die Vielfalt des Mikrobioms und unterstützt die Bildung von kurzkettigen Fettsäuren, die die Gehirnfunktion verbessern können.
  • Probiotika und Präbiotika: Die Einnahme von Probiotika (lebende Mikroorganismen) und Präbiotika (Nahrungsquellen für Mikroorganismen) kann helfen, das Gleichgewicht des Mikrobioms zu verbessern.

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