Das Phänomen zuckender Beine, insbesondere morgens beim Strecken, kann auf das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auch bekannt als Syndrom der unruhigen Beine, hindeuten. RLS ist eine neurologische Störung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang in den Beinen gekennzeichnet ist, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten des RLS, um Betroffenen ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.
Was ist das Restless-Legs-Syndrom?
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Störung, die einen Bewegungsdrang in den Beinen auslöst. Menschen mit RLS spüren ein unbehagliches Kribbeln, Jucken oder Ziehen in den Beinen und haben das drängende Bedürfnis, die Beine zu bewegen. Die Beschwerden treten vor allem abends und beim Ausruhen auf und lassen zumindest vorübergehend nach, wenn man die Beine bewegt. Daher können sie den Schlaf stören und die Lebensqualität beeinträchtigen. Zwischen drei und zehn Prozent der Bevölkerung sind betroffen, wobei Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Die Häufigkeit des RLS steigt mit dem Lebensalter.
Symptome des Restless-Legs-Syndroms
Das Leitsymptom des RLS ist ein unangenehmer Bewegungsdrang, oft, aber nicht immer, begleitet von Missempfindungen oder einem Druckgefühl. Diese Beschwerden sind meistens auf die Beine konzentriert, können sich bei einem schweren Verlauf aber auch auf die Arme ausbreiten und sogar die Brustwand betreffen. Typischerweise verstärken sich die Beschwerden in Ruhe, also beim Sitzen oder im Liegen. Umgekehrt nehmen die Beschwerden in der Regel durch Bewegung ab, zumindest solange man in Bewegung ist. Die Symptome des Restless-Legs-Syndroms treten vor allem abends oder nachts auf beziehungsweise sind zu dieser Zeit schlimmer als tagsüber. Die auftretenden Symptome lassen sich nicht ausschließlich auf eine andere bestehende Krankheit zurückführen.
Weitere typische Empfindungen sind:
- Ziehen
- Kribbeln
- Jucken
- Schmerzen
- Pochen
- Hitzegefühl
Im Schlaf bewegen manche Menschen mit Restless Legs die Beine häufig ungewollt, seltener auch die Arme. Fachleute bezeichnen das als „Periodic Limb Movements of Sleep“ (PLMS). Dadurch schlafen Menschen mit Restless-Legs-Syndrom auch schlechter durch. Tagsüber sind sie dann möglicherweise erschöpft, gereizt und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei morgendlichen Beinkrämpfen
Ursachen des Restless-Legs-Syndroms
Die genauen Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom (RLS) sind unbekannt. Vermutlich spielen dabei verschiedene Faktoren eine Rolle, vor allem eine genetische Veranlagung und Veränderungen im Nervensystem. Häufig haben Menschen mit Restless Legs einen gestörten Eisenstoffwechsel im zentralen Nervensystem, durch den nicht ausreichend Eisen im Gehirn verfügbar ist - obwohl oft im Blut kein Eisenmangel festgestellt werden kann. Eine weitere bekannte Ursache ist ein unausgewogener Dopamin-Haushalt. Dopamin ist ein Botenstoff im Gehirn, der für die Übertragung von Nervenreizen zuständig ist.
Weitere Faktoren, die RLS begünstigen können:
- Genetische Veranlagung: Das Syndrom tritt oft innerhalb von Familien auf, was auf eine erbliche Komponente hindeutet.
- Eisenmangel: Ein Mangel an Eisen kann die Dopaminproduktion beeinträchtigen und somit RLS-Symptome auslösen oder verstärken.
- Nierenerkrankungen: Nierenschäden können zu einem Ungleichgewicht von Elektrolyten und anderen Substanzen im Körper führen, was RLS-Symptome verursachen kann.
- Schwangerschaft: Hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft können bei einigen Frauen RLS auslösen. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome nach der Geburt wieder.
- Neurologische Erkrankungen: Erkrankungen wie Polyneuropathie oder Morbus Parkinson können mit RLS assoziiert sein.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, wie Antidepressiva oder Neuroleptika, können RLS-Symptome als Nebenwirkung verursachen.
Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen ist die Lebensqualität aufgrund der Erkrankung häufig bereits in erheblichem Maß eingeschränkt. Hinzu kommt bei etwa 80% der Dialysepatienten ein mangelnder Schlaf. Darüber hinaus tritt während der Dialyse eine weitere Beeinträchtigung bei RLS-Betroffenen auf, da hier der Patient länger ruhen muss, was wiederum die RLS-Beschwerden zu Tage bringt. Dies kann für die Betroffenen sehr belastend sein. Die genauen pathophysiologischen Ursachen, die dem urämischen RLS zugrunde liegen, sind noch nicht vollständig verstanden. Neben einer genetischen Veranlagung spielen weitere RLS-auslösende Faktoren eine Rolle. Man weiß, dass sich das RLS gleichmäßig proportional zum Anstieg von Kreatinin entwickelt und nicht durch die Dialyse selbst verursacht wird. Als mögliche Einflussfaktoren gelten u.a. der Grad der Niereninsuffizienz, Eisenmangel, Diabetes mellitus, Gefäßerkrankungen insbesondere bei Frauen, chronische Entzündungen, Schlafapnoe und Neuropathien.
Diagnose des Restless-Legs-Syndroms
Die Diagnose des Restless-Legs-Syndroms (RLS) basiert hauptsächlich auf den vom Patienten geschilderten Symptomen. Es gibt keine spezifischen Tests, die RLS eindeutig bestätigen können. Die Diagnose wird in der Regel anhand der folgenden fünf Kriterien gestellt, die von der International RLS Study Group festgelegt wurden:
- Drang, die Beine zu bewegen: Ein unkontrollierbarer Drang, die Beine zu bewegen, oft begleitet von unangenehmen Empfindungen.
- Verschlimmerung in Ruhe: Die Symptome verschlimmern sich oder treten nur in Ruhe auf, wie z. B. beim Sitzen oder Liegen.
- Besserung durch Bewegung: Die Symptome bessern sich vorübergehend durch Bewegung, wie z. B. Gehen oder Dehnen der Beine.
- Tageszeitliche Schwankung: Die Symptome sind abends oder nachts stärker ausgeprägt als tagsüber.
- Keine andere Ursache: Die Symptome können nicht auf eine andere Erkrankung zurückgeführt werden.
Zusätzlich zur Erhebung der Krankengeschichte und der Überprüfung der oben genannten Kriterien kann der Arzt folgende Untersuchungen durchführen, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen:
Lesen Sie auch: So beugen Sie morgendlichen Wadenkrämpfen vor
- Körperliche Untersuchung: Eine allgemeine körperliche Untersuchung, einschließlich einer neurologischen Untersuchung, um Anzeichen für andere Erkrankungen zu erkennen.
- Blutuntersuchungen: Bluttests, um den Eisenstatus, die Nierenfunktion, die Schilddrüsenfunktion und andere mögliche Ursachen für RLS-Symptome zu überprüfen.
- Schlafstudie (Polysomnographie): In einigen Fällen kann eine Schlafstudie durchgeführt werden, um periodische Beinbewegungen im Schlaf (PLMS) zu überwachen, die häufig bei RLS-Patienten auftreten.
- L-Dopa-Test: Bei diesem Test wird dem Patienten eine Dosis Levodopa (L-Dopa) verabreicht, ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Wenn sich die Symptome nach der Einnahme von L-Dopa bessern, unterstützt dies die Diagnose RLS.
Behandlung des Restless-Legs-Syndroms
Die Behandlung des Restless-Legs-Syndroms (RLS) zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlungsstrategien umfassen sowohl nicht-medikamentöse als auch medikamentöse Ansätze.
Nicht-medikamentöse Behandlungen
- Gute Schlafgewohnheiten: Regelmäßige Schlafzeiten, eine entspannende Schlafumgebung und ausreichend Schlaf können helfen, RLS-Symptome zu reduzieren.
- Bewegung: Regelmäßige moderate Bewegung, wie z. B. Spaziergänge, Joggen oder Yoga, kann die Symptome lindern. Es ist jedoch wichtig, intensive körperliche Aktivität kurz vor dem Schlafengehen zu vermeiden.
- Massagen und Dehnübungen: Massagen der Beine und Dehnübungen können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Durchblutung zu verbessern, was die Symptome lindern kann.
- Warme oder kalte Bäder: Wechselbäder oder warme Bäder vor dem Schlafengehen können helfen, die Muskeln zu entspannen und die Symptome zu reduzieren.
- Vermeidung von Auslösern: Bestimmte Substanzen, wie z. B. Koffein, Alkohol und Nikotin, können RLS-Symptome verstärken. Es kann hilfreich sein, diese Substanzen zu vermeiden oder ihren Konsum einzuschränken.
- Eisenzufuhr: Da Eisenmangel ein Risikofaktor für RLS sein kann, kann eine Eisensupplementierung hilfreich sein, insbesondere wenn der Eisenwert im Blut niedrig ist.
- Entspannungstechniken: Stress kann RLS-Symptome verschlimmern. Entspannungstechniken wie Meditation, progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
- Spinale Gleichstromstimulation (tsDCS) und Infrarotlicht-Therapie: Es gibt aussichtsreiche Forschung zu nicht-medikamentösen Verfahren wie der Spinalen Gleichstromstimulation (sogenannte anodale transkutane spinale Gleichstromstimulation (tsDCS)) und der Infrarotlicht-Therapie, die möglicherweise das Behandlungsspektrum ergänzen können. Sprechen Sie dazu mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin - allerdings sind beide Methoden bislang noch keine Kassenleistung.
Medikamentöse Behandlungen
Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichend sind, um die Symptome zu kontrollieren, können Medikamente eingesetzt werden. Die am häufigsten verwendeten Medikamente zur Behandlung von RLS sind:
- Dopaminagonisten: Diese Medikamente, wie z. B. Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin, ahmen die Wirkung von Dopamin im Gehirn nach und können helfen, die Symptome zu lindern.
- Alpha-2-Delta-Liganden: Diese Medikamente, wie z. B. Gabapentin und Pregabalin, werden auch zur Behandlung von Epilepsie und neuropathischen Schmerzen eingesetzt. Sie können helfen, die Nervenaktivität zu reduzieren und die Symptome zu lindern.
- Opioide: In schweren Fällen von RLS, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind, können Opioide eingesetzt werden, um die Schmerzen und Beschwerden zu lindern. Aufgrund des Risikos von Nebenwirkungen und Abhängigkeit werden Opioide jedoch in der Regel nur als letzte Option eingesetzt.
Es ist wichtig zu beachten, dass die medikamentöse Behandlung von RLS individuell angepasst werden muss und dass die Wirksamkeit der Medikamente von Person zu Person variieren kann. Es ist wichtig, die Behandlung mit einem Arzt zu besprechen, um die beste Option für die individuellen Bedürfnisse zu finden.
Bei Dialysepatienten ist bei Dopaminagonisten zu beachten, dass Pramipexol zu 90 % über die Niere ausgeschieden wird. Daher ist bei Dialysepatienten die Anwendung von Pflastern mit dem Wirkstoff Rotigotin, das über die Leber verstoffwechselt wird, zu bevorzugen. Wird Rotogotin wegen Hautproblemen nicht vertragen, so ist Ropinirol eine Alternative. Bei auftretender Übelkeit, kann vorübergehend Domperidon eingenommen werden. Metoclopropamid ist nicht zu empfehlen, da es die RLS Symptome verstärken kann. Opioide sind auch mögliche Medikamente bei RLS, insbesondere in Verbindung mit einer Schmerztherapie. Auch hier sind die Pflaster zu bevorzugen, da der Wirkspiegel gleichmäßig eingestellt werden kann.
Tremor als Ursache für zuckende Beine
Wenn die ruhige Hand nachlässt und irgendwann einmal zu zittern anfängt, kann das vieles bedeuten. Manchmal zittern unsere Hände aus anderen Gründen, wie Kälte, Angst oder zu viel Kaffee. Ein deutlich sichtbarer Tremor kann allerdings auch Symptom einer Erkrankung oder selbst die Erkrankung sein. Er kann auch schon bei Menschen ab dem 20. In den Schön Kliniken sind wir auf Erkrankungen der Nerven und des Gehirns spezialisiert. Ein Tremor ist eigentlich eine Bewegungsstörung. Er tritt am häufigsten an Händen oder Armen auf, aber auch der Rumpf oder der Kopf können betroffen sein. Mindestens jeder Hundertste leidet in Deutschland unter einem essenziellen Tremor, das heißt einem Zittern ohne erkennbare neurologische Grunderkrankung. Bei dieser Form sind oft sogar mehrere Mitglieder der Familie betroffen.
Lesen Sie auch: Umgang mit Demenz-Erkrankung
Es gibt verschiedene Arten von Tremor:
- Ruhetremor
- Haltetremor
- Bewegungstremor
- Intentionstremor
Ursache können unterschiedlichste Erkrankungen sein, wie eine Überfunktion der Schilddrüse oder Nebenschilddrüsen, Kalziummangel, Unterzucker oder Vitamin-B12-Mangel. Die bisherigen Forschungsergebnisse deuten hier darauf hin, dass ein Nerven-Regelkreis zwischen Kleinhirn, Hirnstamm und Mittelhirn gestört ist. Typisch ist hier eine hohe Frequenz der Zitterbewegungen. Das typische Zittern bei Parkinson-Patienten ist ein Ruhetremor. Manchmal kann auch ein Haltetremor dazukommen. Das Zittern betrifft vor allem Füße undHände, aber nur selten den Kopf.
Zuckungen und andere Ursachen
Solche Zuckungen sind lästig, aber häufig harmlos. Zum Beispiel ist der Einschlaf- bzw. Manchmal jedoch stecken hinter den Muskelzuckungen auch ernsthafte Erkrankungen. Dazu zählen besondere Formen der Epilepsie, aber auch Gehirnentzündungen oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Ebenso können Stoffwechselstörungen Zuckungen auslösen, etwa bei Unterzuckerung (Hypoglykämie), Leber- und Nierenversagen. Ein vererbbares Syndrom mit Myoklonien ist die Startle-Erkrankung. Babys mit dieser Störung sind am ganzen Körper angespannt und reagieren auf kleinste Reize mit heftigen Zuckungen an Armen und Beinen. Nicht zuletzt wird die Ärzt*in immer auch überprüfen, ob Medikamente für die Zuckungen verantwortlich sind. Übrigens: Der Tic, wie er beispielsweise beim Tourette-Syndrom auftritt, gehört nicht zu den Myoklonien. Denn in diesem Fall lässt sich die Zuckung zumindest für eine kurze Zeit unterdrücken.
RLS-Selbsthilfegruppen
Die RLS e.V. Deutsche Restless Legs Vereinigung ist Ansprechpartner für alle Betroffene sowie Interessierte, Ärzte, Ärztinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.