Die arabische Welt hat im Laufe der Geschichte bedeutende Beiträge zur Wissenschaft und Medizin geleistet, insbesondere im Bereich der Gehirnforschung. Diese Beiträge reichen von der Bewahrung und Weiterentwicklung antiker griechischer Texte bis hin zu bahnbrechenden Entdeckungen und Innovationen, die das Fundament für moderne medizinische Praktiken legten.
Der Einfluss der Muttersprache auf das Gehirn
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben herausgefunden, dass die Muttersprache die Struktur und Vernetzung des Gehirns beeinflusst. In einer Studie wurden die Gehirnscans von 94 deutschen und arabischen Muttersprachlern verglichen. Dabei zeigte sich, dass arabische Muttersprachler eine stärkere Vernetzung zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte aufwiesen, was auf die komplexere semantische und phonologische Verarbeitung im Arabischen zurückzuführen sein könnte. Deutsche Muttersprachler hingegen zeigten eine stärkere Konnektivität im Sprachnetzwerk der linken Hemisphäre. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, wie sich das Gehirn an die kognitiven Anforderungen der Muttersprache anpasst und wie die Muttersprache das strukturelle Netzwerk der Sprache prägt.
Psychologische Unterstützung für Geflüchtete
Die Betreuung von Studierenden mit Fluchthintergrund erfordert ein besonderes Augenmerk auf mögliche Traumatisierungen. Ahmed A. Karim, Neurowissenschaftler und Psychotherapeut an der Universität Tübingen, gibt Lehrkräften Ratschläge, wie sie mit traumatischen Erfahrungen von geflüchteten Studierenden umgehen können. Typische Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung sind Flashbacks, Dissoziationen, Geistesabwesenheit, betrübte Stimmung oder erhöhte Schreckhaftigkeit. Lehrkräfte sollten Ruhe bewahren und die Betroffenen an Beratungsstellen an der Hochschule oder außerhalb verweisen. Ein guter Einstieg in ein Gespräch ist, die Person nach ihrer Stimmung, Konzentrationsfähigkeit und ihrem Schlafverhalten zu fragen. Es ist wichtig, den Studierenden auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen gegebenenfalls von eigenen Erfahrungen mit Belastungen zu erzählen. Hochschulen sollten regelmäßige Supervisionssitzungen für Lehrkräfte anbieten, die mit geflüchteten Studierenden arbeiten, um schwierige Einzelfälle zu besprechen und einen sensibleren Umgang mit Menschen anderer Kulturen zu erlernen. Peer-Beratung durch Studierende mit Fluchthintergrund kann ebenfalls sehr wertvoll sein, um praxisorientierte Tipps und Insider-Informationen zu erhalten. Geflüchtete selbst können ihre Belastungen besser bewältigen, indem sie auf ihre Gedanken und ihr Verhalten achten und beispielsweise auf das Ansehen belastender Internetvideos verzichten. Positive Gedanken können die Struktur des Gehirns verändern und zur Heilung seelischer Krankheiten beitragen.
Avicenna (Ibn Sina): Ein Universalgelehrter der Medizin
Einer der bedeutendsten arabischen Ärzte und Philosophen war Avicenna (Ibn Sina, um 980-1037). Sein "Kanon der Medizin" war an medizinischen Fakultäten in Europa jahrhundertelang ein Lehrbuch. Avicenna beherrschte die Philosophie, Mathematik, Geometrie, Astronomie, Geodäsie, Mechanik, Tier- und Pflanzenkunde und schließlich auch die Medizin. Er beschrieb in seiner Autobiografie, wie er sich als frühreifes Wunderkind und mit unersättlicher Wissbegier die Wissenschaften aneignete. Avicenna widmete sich intensiv der Erforschung der Seele und argumentierte, dass die Seele als eine vom Körper unabhängige und unsterbliche Substanz zu begreifen sei. Sein berühmtes Gedankenexperiment vom "fliegenden Menschen" sollte beweisen, dass ein Mensch auch ohne Sinneswahrnehmung ein Bewusstsein seiner selbst haben kann.
Fortschritte in der modernen Gehirnforschung
Die Gehirnforschung hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Durch bildgebende Verfahren wie EEG, PET und MRT konnte die Kartierung des Gehirns verfeinert und verschiedene mentale Leistungen bestimmten Hirnregionen zugeordnet werden. Auf zellulärer Ebene wurden Aufbau, elektrophysiologische Wirkungsweise und Zusammenarbeit von Neuronen aufgeklärt. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung am Gehirn haben Konsequenzen für die Behandlung neurologischer und psychischer Erkrankungen wie Depression, Schizophrenie, Parkinson und Alzheimer. Neue Erkenntnisse über die Signalübertragung zwischen Neuronen und über die Beteiligung bestimmter Hirnregionen an mentalen Leistungen ermöglichen die Entwicklung von immer besseren Neuroprothesen zur Wiederherstellung verlorener motorischer oder sensorischer Fähigkeiten. Das Gehirn ist über die gesamte Lebensspanne anpassungsfähiger als bisher vermutet. Es verbessert die synaptische Kommunikation zwischen den Nerven und legt neue neurale Pfade an, wenn etwas Neues gelernt wird. Auch im Erwachsenenalter ist das Gehirn in der Lage, neue Nervenzellen zu bilden.
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Großprojekte der Gehirnforschung
Das "Human Brain Project" der Europäischen Kommission hat das Ziel, das gesamte bestehende Wissen über das menschliche Gehirn zusammenzuführen und dieses auf Supercomputern in Modellen und Simulationen detailgetreu nachzubilden. Das so entstandene virtuelle Modellgehirn bietet die Möglichkeit, die Struktur und Funktionsweise des gesunden, aber auch des erkrankten Gehirns besser zu verstehen. Die US-amerikanische "BRAIN Initiative" (Brain Research through Advancing Innovative Neurotechnologies) hat das Ziel, die Aktivität sämtlicher rund 100 Milliarden Nervenzellen im Gehirn zu erfassen und eine detaillierte Karte des menschlichen Gehirns zu erstellen.
NeuroBridges: Eine internationale Fachtagung
Die internationale Fachtagung NeuroBridges bringt arabische, israelische und deutsche Forscher auf dem Gebiet der Neurowissenschaften zusammen, um den wissenschaftlichen Dialog und den interkulturellen Austausch zu fördern. Die Tagungsteilnehmer stellen ihre neuesten Erkenntnisse im Bereich der Systems und Computational Neuroscience vor.
Neue Erkenntnisse über den Zweitspracherwerb
Forschende des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben herausgefunden, dass sich das Gehirn verändert, wenn Erwachsene eine neue Sprache lernen. In einer Studie mit syrischen Flüchtlingen, die Deutsch lernten, zeigten MRT-Scans eine Verstärkung der Nervenverbindungen innerhalb des Sprachnetzwerks in der linken Gehirnhälfte sowie die Beteiligung zusätzlicher Regionen in der rechten Hemisphäre. Die Konnektivität zwischen den Spracharealen in beiden Hemisphären nahm mit dem Lernfortschritt zu. Diese Studie könnte zu einem tieferen Verständnis darüber beitragen, wie Erst- und Zweitsprachen gelernt und verarbeitet werden.
Spezialisten für Neurochirurgie
Prof. Dr. med. Makoto Nakamura ist Spezialist für Neurochirurgie und Chefarzt der Neurochirurgischen Klinik der Kliniken der Stadt Köln in Merheim. Er verfügt über große klinische und wissenschaftliche Erfahrung auf dem Gebiet der chirurgischen Behandlung von intrakraniellen Meningeomen. Mit innovativen Techniken operiert er und sein Team die sensiblen Strukturen an Gehirn und Nerven so schonend wie möglich. Die Neurochirurgische Klinik verfügt über modernste Ausstattung und bietet ein kompetentes interdisziplinäres Team zur Diagnostik und Therapie von Erkrankungen, Fehlbildungen und Verletzungen des Gehirns, des Rückenmarks, der Wirbelsäule sowie der peripheren Nerven.
Herausforderungen und Missstände
Eugen Adelsmayr, ein österreichischer Intensivmediziner, wurde in Dubai des Mordes angeklagt und musste jahrelang um seine Unschuld kämpfen. Trotz Gutachten, die seine Unschuld belegten, wurde der Prozess fortgesetzt. Adelsmayr deckte auf, dass die Anklage auf einer Fälschung beruhte, was jedoch keine Änderung bewirkte. Dieser Fall verdeutlicht die Herausforderungen und Missstände im Rechtssystem der Vereinigten Arabischen Emirate, insbesondere die Diskriminierung von Ausländern und die Beeinflussung von Gerichtsurteilen.
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