Das Gegenteil der Parkinson-Krankheit: Einblicke in Bewegungsstörungen und Tremor

Die Neurologie befasst sich intensiv mit Bewegungsstörungen, die nach zerebrovaskulären Erkrankungen und epileptischen Störungen den dritthäufigsten Grund für neurologische Konsultationen darstellen. Innerhalb dieser vielfältigen Gruppe nimmt der essentielle Tremor eine besondere Stellung ein, mit einer Prävalenz von über 400 pro 100.000 Einwohnern. Traditionell werden Bewegungsstörungen wie Parkinson-Syndrome, Dyskinesien, Dystonien, Tics, Tremor und Chorea den Basalganglienerkrankungen zugeordnet, wobei die Basalganglien als graue Kernkomplexe tief in den Hemisphären lokalisiert sind.

Die Basalganglien: Mehr als nur "Keller des Gehirns"

Zu den Basalganglien gehören das Striatum (Putamen und Nucleus caudatus), der innere und äußere Globus pallidus sowie der Corpus amygdaloideum. Funktionell werden auch der Nucleus subthalamicus und die Substantia nigra hinzugezählt. Obwohl der Begriff "extrapyramidales System" historisch mit den Basalganglien verbunden war, ist dieses Konzept überholt. Neben den Basalganglien und dem pyramidalen System sind auch andere Hirnstrukturen wie Thalamus und Kleinhirn an der Ausführung von Motorik beteiligt. Zudem sind die Basalganglien intensiv mit pyramidalen Strukturen im frontalen Kortex verschaltet. Der Oberbegriff extrapyramidale Erkrankungen umfasst auch Syndrome, bei denen bisher keine primäre Pathologie in den Basalganglien gefunden wurde.

Diagnostischer Ansatz bei Bewegungsstörungen

Die Diagnose von Bewegungsstörungen stützt sich primär auf Anamnese und neurologische Untersuchung. Die klinische Phänomenologie ist entscheidend für die Einordnung, da zunächst syndromatisch vorgegangen wird. Im Gegensatz zur üblichen neurologischen Befundinterpretation steht bei Bewegungsstörungen die phänomenologische Einordnung vor der Frage nach der neuroanatomischen Lokalisation der Funktionsstörung. Dies liegt daran, dass der primäre Ort der Funktionsstörung für viele Bewegungsstörungen unbekannt ist, verschiedene Lokalisationen in Betracht kommen oder die Störung nur im Rahmen eines übergeordneten neuronalen Systems verstanden werden kann. Bewegungsstörungen sind Krankheitszeichen mit vielfältigen Ursachen.

Von Akathisie bis Tremor: Ein Überblick über die Phänomenologie

Die Tabelle 1 bietet eine Übersicht über verschiedene Bewegungsstörungen, ihre klinischen Zeichen und mögliche Ätiologien:

  • Akathisie: Unfähigkeit, ruhig zu sitzen, verbunden mit subjektivem Gefühl der Unruhe. Mögliche Ursache: Neuroleptikatherapie.
  • Akinese (Bradyhypokinese): Bewegungsverlangsamung, Verminderung der Bewegungsamplituden und Hemmung der Bewegungsinitiation. Mögliche Ursache: Idiopathische und sekundäre Parkinson-Syndrome.
  • Athetose: Wurmförmige, langsame Bewegungen, vorwiegend distal an den Extremitäten. Mögliche Ursache: Perinataler Hirnschaden.
  • Ataxie: Störungen in der Bewegungskoordination und Gleichgewichtsregulation. Mögliche Ursache: Kleinhirnaffektionen.
  • Ballismus: Abrupte, proximal betonte, ausholende Bewegungen einer Extremität. Mögliche Ursache: Ischämie im kontralateralen Nucleus subthalamicus.
  • Chorea: Schnelle, unregelmäßige, ruckartige Bewegungen, die von einer Körperregion zur anderen wechseln. Mögliche Ursachen: Degenerative, ischämische, toxische oder entzündliche ZNS-Erkrankungen.
  • Dyskinesien: Überbegriff für medikamenteninduzierte Überschussbewegungen. Mögliche Ursachen: Neuroleptika, L-Dopa.
  • Dysmetrie: Falsche Zielbewegungen mit überschießenden Bewegungen und Korrekturen. Mögliche Ursache: Zerebelläre Störungen.
  • Dystonie: Anhaltende Muskelkontraktionen, die repetitive Bewegungen und abnorme Haltungen verursachen. Mögliche Ursache: Idiopathisch.
  • Myoklonus: Rasche Muskelzuckungen, willkürlich nicht unterdrückbar. Mögliche Ursache: Allgemeines ZNS-Symptom.
  • Rigor: Wächserne Erhöhung des Muskeltonus. Mögliche Ursache: Parkinson-Syndrome.
  • Tics: Plötzliche, arrhythmische, stereotype motorische Bewegungen oder Lautäußerungen.

Hypokinesen umfassen Parkinson-Syndrome, während Hyperkinesen Tremor, Dystonie, Athetose, Tics, Myoklonus, Dyskinesien und Ballismus einschließen. Ataxien nehmen eine Sonderstellung ein und lassen sich nicht direkt in das dualistische Konzept von Hypo- und Hyperkinesen einordnen.

Lesen Sie auch: Harmonisches Gleichgewicht

Parkinson-Syndrome: Eine detaillierte Betrachtung

Leitsymptom des Parkinsonismus ist die Bewegungsverarmung (Bradyhypokinese). Die Bradyhypokinese zeigt sich am deutlichsten bei wiederholter Ausführung rascher, repetitiver Bewegungen. Außerdem äußert sich Bradyhypokinese durch einen Verlust an Spontanmotorik wie Gestik, vermindertes Mitschwingen der Arme beim Gehen oder einen schlurfenden kleinschrittigen Gang und reduzierte spontane Gesichtsmotorik (Hypomimie). Die Stimme verliert an Volumen und wird im Verlauf heiser und monoton (Hypophonie). Für den Patienten äußert sich Bradykinese als mangelnde Geschicklichkeit und Flüssigkeit bei alltäglichen Bewegungen.

Schwierig ist die Abgrenzung der verschiedenen Parkinson-Syndrome untereinander, insbesondere in den ersten Krankheitsjahren die Differenzierung des idiopathischen Parkinson-Syndroms von anderen neurodegenerativen Parkinson-Syndromen wie bei den Multisystematrophien (MSA). Von den hypokinetischen Syndromen abzugrenzen sind psychomotorische Verlangsamungen bei psychiatrischen Erkrankungen, insbesondere Depressionen, Paresen, motorischem Neglekt, Frontalhirnsyndromen mit vermindertem Antrieb (Abulie) und Gangstörungen bei älteren Menschen (frontale Gangstörungen, subkortikales Dysequilibrium, vorsichtiger Gang des älteren Menschen, bei PNP). Die sog. frontalen Gangstörungen führen häufig zur diagnostischen Fehlinterpretation eines idiopathischen Parkinson-Syndroms (IPS) bei kommunizierendem Hydrozephalus und der subkortikalen arteriosklerotischen Enzephalopathie (SAE), wenn die weiteren typischen Symptome wie demenzielle Entwicklung oder Blaseninkontinenz noch fehlen. Diese Krankheitsbilder führen zu einer parkinsonartigen Gangstörung, die aber bei genauer Beobachtung gut von derjenigen bei IPS abgrenzbar ist. Das Gangbild ist kleinschrittig und von deutlichen Startschwierigkeiten und Blockaden („Magnetgang“) geprägt. Anders als bei Parkinson-Patienten ist die Schrittbasis infolge begleitender Gleichgewichtsstörungen verbreitert, die Gleichgewichtsstörungen sind ausgeprägter als jene des IPS, und die Beweglichkeit der oberen Körperhälfte - die Gestik, das Mitschwingen der Arme beim Gehen und die Haltung des Rumpfes - ist in der Regel normal.

Zum Parkinson-Syndrom gehört der Rigor, der durch einen charakteristischen, zähen und gleichmäßigen Widerstand (wie beim Biegen eines Bleirohres) gekennzeichnet ist. Durch Aufforderung, mit der anderen Extremität spiegelbildliche Bewegungen durchzuführen oder einen Gegenstand wie eine Armlehne fest zu umgreifen, lässt sich der Rigor in der untersuchten Extremität bahnen. Die bei passiver Bewegung einer Extremität getestete Tonuserhöhung kann bei Tremor als Zahnradphänomen rhythmisch unterbrochen werden. Die Muskeldehnungsreflexe können bei der Parkinson-Krankheit auf der betroffenen Seite lebhafter auslösbar sein. Im Unterschied zur Spastik ist der erhöhte Dehnungswiderstand der Muskulatur beim Rigor geschwindigkeits- und winkelunabhängig. Typisch für die Spastik ist ein einschießender Widerstand gegen passive Drehung bei schneller Beugung in einem Gelenk, wobei es im Verlauf der Bewegung zu einem plötzlichen Nachlassen dieses Widerstandes kommt (sog. Klappmesserphänomen).

Hyperkinesen: Wenn Bewegung zum Zuviel wird

Neben der intendierten Motorik kommt es zu zusätzlichen, im Allgemeinen nicht intendierten oder gewünschten Bewegungen. Oft wird von unwillkürlichen Bewegungen gesprochen. Allerdings ist ein großer Teil der normalen Gestik unwillkürlich. Dasselbe gilt für automatisierte Bewegungen wie den Lidschluss. Die Unterscheidung zwischen willkürlich und unwillkürlich ist somit nicht hilfreich. Psychische Einflüsse auf Hyperkinesen sind ausgeprägt, und psychologische Faktoren können gerade bei Krankheiten, die Ausdrucksmotorik und Kommunikation betreffen, sekundär komplizierend sein.

Akathisie: Die Unfähigkeit zu sitzen

Übersetzt bedeutet dies „Unfähigkeit zu sitzen“. Subjektiv ist die Akathisie gekennzeichnet von einem Gefühl der inneren Unruhe, die nach Ansicht mancher Autoren das einzige Symptom darstellen kann. Objektiv äußert sich die Akathisie in einer allgemeinen Bewegungsunruhe, in Umherlaufen, Trippeln, ständigen Gewichtsverlagerungen beim Sitzen, Über- und Entkreuzen der Beine und anderen zwecklosen, oft komplexen Bewegungen der oberen Extremität (Stereotypien). Praktisch als Synonym gilt der Begriff der Tasikinesie, einem unstillbaren, von der Körperlage unabhängigen Bedürfnis, sich ständig zu bewegen.

Lesen Sie auch: Nervensystem und Gesundheit

Athetose, Chorea und Ballismus: Ein Kontinuum unwillkürlicher Bewegungen

Athetose, Chorea und Ballismus bilden ein Kontinuum einer Art von Bewegungsstörungen, wobei die Athetose die kleinste Amplitude aufweist. Athetose bezeichnet andauernde, wurmförmige, langsame Bewegungen, vorwiegend distal an den Extremitäten. Man kann Athetose als eine langsame, distale Form der Chorea beschreiben. Im Gegensatz zur Dystonie sind die Bewegungen weder repetitiv noch durch ein bestimmtes Aktivierungsmuster oder durch anhaltende Muskelkontraktionen gekennzeichnet.

Ballismus, meist als Hemiballismus auftretend, ist durch eine abrupte, proximal betonte, weit ausholende Bewegung der Extremität gekennzeichnet, die in ihrer extremen Form zu Verletzungen führt. Man kann den Ballismus als eine hochamplitudige Form der Chorea beschreiben.

Chorea, vom griechischen Wort „Tanz“, bezeichnet kräftige, schnelle, unregelmäßig auftretende ruckartige Bewegungen. Die Bewegungen können an Komplexität einer koordinierten Handlung gleichkommen und zu Symptombeginn oft mit einer scheinbar sinnvollen Bewegung kaschiert werden (Parakinesie). Die Bewegungen sind ständig im Fluss, unvorhersehbar von einer Körperregion in die nächste zufällig wechselnd und können in ihrer Natur eher spielerisch anmuten. Durch Willkürbewegungen kommt es in der Regel zu einer Verstärkung von Chorea. Anhaltende willkürliche Muskelkontraktionen sind schwer durchzuführen (motorische Impersistenz), sodass Ungeschicklichkeit ein Problem wird.

Dyskinesien: Medikamenteninduzierte Bewegungsstörungen

Dyskinesie bedeutet „abnorme Bewegung“ und könnte als Überbegriff für alle Bewegungsstörungen dienen. Traditionsgemäß wird Dyskinesie jedoch mit Bewegungstörungen assoziiert, die infolge von Medikamenten auftreten. Bekannt ist die L-Dopa-Dyskinesie, die sich bei etwa 50 % der Patienten mit einem IPS nach mehrjähriger L-Dopa-Therapie entwickelt; im Vordergrund stehen choreatische und dystone Elemente. Akute und tardive Dyskinesien treten nach Einnahme von Medikamenten vom Neuroleptikatyp auf. Die klassische, orobukkolinguale tardive Dyskinesie (bukkolingualmastikatorisches Syndrom) stellt ein spezifisches nosologisches Syndrom dar, welches durch kauende, grimassierende Bewegungen im Kiefer-, Zungen- und Mundbereich gekennzeichnet ist. Die Bewegungen sind häufig rhythmisch mit einem Zungenwälzen in Ruhe.

Dystonien: Anhaltende Muskelkontraktionen

Die dystonen Syndrome fassen Bewegungsstörungen zusammen, die durch sich wiederholende Bewegungen oder abnorme Haltungen als Folge rascher (phasischer) oder langsamer (tonischer) Muskelkontraktionen gekennzeichnet sind. Tremoröse und myokloniforme Aktivierungsmuster können hinzukommen, womit sich differenzialdiagnostische Schwierigkeiten ergeben können. Wenn die Dystonie nur auf eine bestimmte Körperregion begrenzt ist, spricht man von fokalen Dystonien (Blepharospasmus, Torticollis spasmodicus, Schreibkrampf als aktionsinduzierte fokale Dystonie der Hand).

Lesen Sie auch: Aufrichtigkeit: Mehr als nur nicht nerven?

Manierismen: Verschrobene Handlungen

Dieser Begriff meint „verschrobene Manieren“ (nach Kraepelin). Vorwiegend bei psychiatrischen Kranken kommt es ohne medikamentöse Verursachung zu verschrobenen Handlungen. Für sich selbst stehend und nicht wiederholt könnten diese Handlungen sinnvoll sein, z. B. ständig wiederkehrendes Reiben an der Wange, sich wiederholender Kniefall, Drehen um die Körperachse beim Gehen durch eine Tür.

Myoklonus: Unwillkürliche Muskelzuckungen

Ein Myoklonus stellt eine unregelmäßige, oft jedoch auch rhythmische Muskelkontraktion von einer Dauer von weniger als 300 ms dar. Die Dauer beträgt meist 20-120 ms und führt zu einer synchronen Erregung einer größeren Zahl von Vorderhornzellen.

Tremor: Wenn der Körper zittert

Tremor (Zittern) ist eine unwillkürliche, oszillatorische Bewegung eines Körperteils. Man unterscheidet beschreibend einen Ruhetremor von einem Aktionstremor. Letzterer kann in Haltetremor, Bewegungstremor und Intentionstremor (Zielbewegungstremor) unterteilt werden. Tremor kann entweder als Symptom einer anderen Erkrankung oder als eigenes Krankheitsbild vorkommen.

Verschiedene Formen des Tremors

Beim Tremor werden verschiedene Formen unterschieden. Zu den häufigsten gehört der essentielle Tremor, der beidseits bei aktiven Bewegungen auftritt und deutlich sichtbar ist. Typisch sind sechs bis acht Zitterbewegungen pro Sekunde, vor allem, wenn die Hände nach vorne gestreckt oder Gegenstände gehalten werden. Die genaue Ursache ist bisher noch nicht vollständig geklärt. Im Gegensatz dazu ist der physiologische Tremor kaum wahrnehmbar und das sehr schnelle und feine Zittern wird meist nicht als störend empfunden. In der Regel muss er auch nicht therapiert werden. Menschen mit einem essentiellen Tremor werden irrtümlicherweise oft für ängstlich und alkoholabhängig gehalten. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Zahl der Erkrankten, bei den über 65-Jährigen sind es 4,6 Prozent. Der essentielle Tremor ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, für die es bisher keine Heilung gibt.

Klassifikation der Tremorerkrankungen

Nach einem Konsensuspapier werden Tremor-Erkrankungen wie folgt klassifiziert:

  • Physiologischer Tremor
  • Verstärkt physiologischer Tremor
  • Essentieller Tremor
  • Parkinson-Tremor
  • Orthostatischer Tremor
  • Aufgaben- oder positionsspezifischer Tremor
  • Dystoner Tremor
  • Zerebellärer Tremor
  • Holmes Tremor
  • Gaumensegeltremor
  • Tremor bei Neuropathie
  • Medikamenteninduzierter und toxischer Tremor
  • Psychogener Tremor
  • Unklassifizierbarer Tremor

Physiologischer Tremor

Der physiologische Tremor beschreibt die mechanische Eigenschaft eines jeden Körperteils im Raum zu schwingen, ohne dass es dabei zu störenden Amplituden kommt. Dieser Tremor wird durch ein aktives Vorhalten der Extremitäten produziert, ist meistens nicht oder nur minimal sichtbar, aber in der Tremoranalyse messbar. Im Falle der oberen Extremitäten lässt sich ein feinschlägiger, hochfrequenter (7-12 Hz) Tremor mit Frequenzreduktion unter Gewichtsbelastung nachweisen. Der physiologische Tremor wird meist nicht als störend empfunden, hat daher auch keinen Krankheitswert und bedarf in der Regel keiner Therapie.

Verstärkt physiologischer Tremor

Der verstärkt physiologische Tremor ist im Gegensatz zum physiologischen Tremor meist sichtbar und situativ oder dauerhaft störend. Unter Haltebedingungen zeigt sich in der Tremoranalyse ein fein- bis mittelschlägiger, hochfrequenter (7-12 Hz) Tremor, der neben der mechanischen Komponente häufig eine synchrone Aktivität der Muskulatur aufweist. Jeder Mensch kennt das - das Zittern der Hände. Ausgelöst wird das Zittern beispielsweise durch Kaffee, Angst oder Aufregung. Andere häufige Ursachen sind Erschöpfung, Stress, Kälte, Überfunktion der Schilddrüse, Unterzuckerung und andere Stoffwechselstörungen.

Essentieller Tremor

Der Essentielle Tremor ist der häufigste pathologische Halte- und Bewegungstremor und eine der häufigsten Bewegungsstörungen überhaupt. Er kann sich in jedem Alter manifestieren, schreitet langsam voran und behindert zunehmend auch durch Auftreten bei zielgerichteten Bewegungen (Intentionstremor). Der essentielle Tremor findet sich häufig symmetrisch an den oberen Extremitäten, kann aber auch ein Zittern des Kopfes (Kopftremor), der Stimme (Stimmtremor), des Rumpfs oder der unteren Extremitäten einbeziehen. Eine familiäre Häufung ist bekannt. Die Ursache für den essentiellen Tremor ist bislang nicht geklärt, involviert sind Gehirnabschnitte wie der Hirnstamm und das Kleinhirn. Die Abgrenzung zu einem verstärkt physiologischen Tremor oder einem Parkinson-Tremor ist mitunter schwierig. Eine Reduktion des essentiellen Tremors durch kleinere Mengen Alkohol ist charakteristisch.

Parkinson-Tremor

Der Parkinson-Tremor (4 - 7 Hz) tritt als Symptom beim Parkinson auf. Für die Therapie des Parkinson-Tremors ist zunächst eine adäquate Behandlung des M. Parkinson von Bedeutung.

Orthostatischer Tremor

Der orthostatische Tremor ist ein nicht-sichtbarer, hochfrequenter Tremor (12-20 Hz), der bei Anspannung der Beinmuskulatur im Stehen zu einer deutlichen Standunsicherheit führt. Das Gehen ist in der Regel deutlich weniger beeinträchtigt. In der Tremoranalyse findet sich eine hohe Kohärenz zwischen den abgeleiteten Muskeln. Die Ursache für den primären orthostatischen Tremor ist nicht bekannt, es wird ein Tremor-Generator im Hirnstamm angenommen.

Dystoner Tremor

Beim dystonen Tremor handelt es sich um einen irregulären Tremor um 3-7 Hz, der durch die Anspannung der gegensätzlichen (antagonistischen) Muskulatur bei Vorliegen einer Dystonie zustande kommt. Beispiele hierfür sind der dystone Kopftremor, der dystone Schreibtremor oder der dystone Stimmtremor. Die Therapie des dystonen Tremors folgt denen der Dystonie.

Zerebellärer Tremor

Der zerebelläre Bewegungs- und Intentionstremor ist durch eine große Amplitude und langsame Frequenz (2-5 Hz) charakterisiert, der im Alltag zu einer deutlichen Behinderung führt. Er kann sich als Rumpf- oder Extremitätentremor manifestieren. Häufig ist er mit einer zerebellären Ataxie assozi.

Hilfe im Alltag bei Tremor

Einfache Tricks und Helfer können den Alltag für Menschen mit einem essentiellen Tremor etwas erleichtern. Dazu gehört der Verzicht auf Substanzen wie Koffein. Es kann dazu beitragen, dass sich die Symptome verstärken. Ebenso verstärkt Stress oftmals die Symptome. Ein Hilfsmittel zum Essen ist ein „Tremorlöffel“ und zum Schreiben gibt es einen speziellen „Tremorstift“.

Tremorerkrankungen - Diagnose und Therapie

Zur Quantifizierung der Tremorstärke und -frequenz sowie zur Differenzierung von Tremorerkrankungen wird die sogenannte Tremoranalyse durchgeführt. Hierdurch ist eine Unterscheidung zwischen einem zentralen oder peripheren Tremor möglich.

Da hinter einem Tremor verschiedenste Ursachen stecken können, sollte man generell immer einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Denn die Tremor-Analyse und die Diagnose der Ursache sind entscheidend für die richtige Behandlung und Prognose. Die Symptome eines Tremors bemerken übrigens häufig zuerst die Angehörigen und nicht die Betroffenen selbst.

Ärztinnen und Ärzte stellen zunächst Fragen zu den Symptomen und der Krankengeschichte der Patientinnen und Patienten. Danach wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, die auf eine mögliche Ursache des Tremors hinweisen kann. Zusätzlich wird die Krankengeschichte der Betroffenen analysiert. Anschließend erfolgt die Analyse des Tremors selbst. Dabei achten die Ärztinnen und Ärzte darauf, welche Körperteile vom Tremor betroffen sind und wie schnell die Bewegungen in verschiedenen Situationen sind. Zudem können Tests wie der Finger-Nase-Test und die Armvorhalteuntersuchung durchgeführt werden, um zwischen Aktionstremor, Intentionstremor und Haltetremor zu unterscheiden.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zur Therapie eines Tremors. Diese richten sich in erster Linie natürlich nach der eigentlichen Ursache. Vor allem, wenn der Tremor die Folge einer anderen Erkrankung ist, hängt die Verbesserung der Symptome oft mit der Behandlung der primären Erkrankung zusammen. Eine wichtige Säule der Therapie ist natürlich die medikamentöse Behandlung, welche vor allem darauf abzielt, das Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn auszugleichen, welches häufig zum Muskelzittern führt. Welches Medikament im Einzelfall zum Einsatz kommt, hängt von zahlreichen Faktoren ab und kann deshalb erst nach einer ausführlichen Diagnose durch Ärztinnen und Ärzte entschieden werden.

Botox-Injektionen können bei Tremor-Formen helfen, welche Kopf und/oder Stimme betreffen. Zudem gibt es ganz unterschiedliche Behandlungsziele. Nicht nur bei Parkinson, sondern auch bei seltenen Tremor-Syndromen lässt sich das Muskelzittern oft nicht vollständig therapieren. Dann zielen Behandlungen wie Physio- und Ergotherapie vor allem darauf ab, die Beweglichkeit im Alltag zu verbessern, um die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Betroffenen möglichst lange zu erhalten. Außerdem kann ein Tremor, auch wenn das Muskelzittern selbst oft nicht gefährlich für die Gesundheit ist, zu erheblichen psychischen Problemen führen. In diesen Fällen ist eine Psychotherapie eine wichtige, ergänzende Behandlung. Auch Bewegung und Ernährung können dabei helfen, Stress zu reduzieren, um so den Tremor zu lindern.

Kreativität und Neurodegeneration: Eine überraschende Verbindung

Parkinson und Huntington sind neurodegenerative Erkrankungen, bei denen Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen absterben, die für Bewegung, Denken und Stimmung entscheidend sind. Inmitten dieser schweren Symptome berichten manche Patientinnen oder Patienten von einem neuen Drang, kreativ tätig zu werden, während andere das Gegenteil erleben.

Das Gehirn aus dem Takt

Das menschliche Gehirn ist ein hochkomplexes Netzwerk, in dem Dopamin eine Schlüsselrolle für Antrieb, Belohnung und Flexibilität spielt. Bei Parkinson und Huntington werden genau jene Nervenzellen geschädigt, die Dopamin produzieren oder mit ihm arbeiten, was die fein abgestimmte Balance der Netzwerke ins Wanken bringt.

Parkinson: Dopaminmangel und seine Folgen

Bei Parkinson sterben schrittweise Nervenzellen in der Substantia Nigra ab, einer Region im Mittelhirn, die entscheidend für die Produktion des Neurotransmitters Dopamin ist. Fehlt dieses Dopamin nun, geraten die Schaltkreise der Basalganglien aus dem Gleichgewicht. Bei Betroffenen von Parkinson äußert sich dies in Symptomen wie Zittern, Bewegungsverlangsamung oder Muskelsteifheit. Hinzu kommen häufig Symptome wie Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen und eine kognitive Rigidität - das Festhalten an Denk- und Handlungsmustern.

Huntington: Ein zweiphasiger Verlauf

Bei Huntington beschädigt ein fehlerhaftes Protein Nervenzellen, besonders das Striatum, einen zentralen Teil der Basalganglien. Betroffene entwickeln unwillkürliche Bewegungen, die als Chorea bezeichnet werden. In den frühen Stadien der Erkrankung herrscht häufig eine Überaktivität von Dopamin, während mit Fortschreiten der Krankheit das Dopamin erschöpft ist, die Nervenzellen sterben weiter ab und es kommt zum Dopaminmangel.

Kreativität im Wandel

Kreativität ist die Fähigkeit, etwas Neues zu schaffen. Dopaminerge Nervenzellen reagieren auf Vorhersagefehler - also auf die Differenz zwischen dem, was wir erwarten, und dem, was tatsächlich eintritt. Ist die dopaminerge Aktivität zu schwach, werden Vorhersagefehler kaum beachtet, und Kreativität nimmt ab. Bei einem mittleren, ausgewogenen Maß jedoch werden Vorhersagefehler präzise gewichtet, und das Gehirn ist flexibel, bewertet Überraschungen als bedeutsam, probiert neue Verknüpfungen und bringt so kreative Ideen hervor. Gerät die dopaminerge Aktivität aber ins andere Extrem, werden selbst kleinste Abweichungen als bedeutsam markiert, und die Gedanken überschießen.

Kreative Therapie und Fenster ins Gehirn

Kreativität bei neurodegenerativen Erkrankungen sollte nicht bloß als Nebenprodukt gestörter Neurochemie betrachtet werden, sondern als Fenster in die Funktionsweise des Gehirns. Künstlerische Tätigkeiten eröffnen neue Wege des Ausdrucks und helfen Patient:innen, ihre Identität zu bewahren, Resilienz aufzubauen und Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Offene Fragen und aktuelle Forschung

Die bisherigen Befunde sind allerdings uneindeutig. Einige der von Parkinson Betroffenen berichten von einem kreativen Aufschwung, andere fühlen sich geistig starrer und weniger ideenreich. Auch bei Huntington ist das Bild vielschichtig. Diese Spannbreite macht deutlich: Kreativität ist kein einheitliches Symptom, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Neurobiologie, Persönlichkeit, Krankheitsverlauf und sozialem Umfeld.

tags: #gegenteil #von #parkinson