Das geheimnisvolle Gehirn: Ausstellungen in Basel und darüber hinaus

Die Welt der Kunst und Wissenschaft ist oft von dem Wunsch getrieben, das Unbekannte zu erforschen und zu verstehen. Ausstellungen in Basel und anderswo bieten faszinierende Einblicke in das geheimnisvolle Gehirn, die menschlichen Sinne und die komplexen Beziehungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.

Kunst als Provokation und Spiegelbild der Gesellschaft

Die Ausstellung einer Skulptur des Künstlers Mason Storm in der Basler Kunstmeile in der Rümelin-Passage, die den US-Präsidenten Donald Trump in der Kleidung eines Häftlings und an ein Kreuz gefesselt zeigt, verdeutlicht die Rolle der Kunst als Provokation und Spiegelbild gesellschaftlicher Debatten. Die Skulptur, die bereits im September im Basler Bahnhof SBB hätte präsentiert werden sollen, sorgte aufgrund von Sicherheitsbedenken für Aufsehen.

Die Galerie "Gleis 4" in Zug, die Mason Storm vertritt, möchte mit ihren Aktionen künstlerische Ausdrucksformen fördern und einen Ort für Begegnung und Dialog schaffen. Die Galeristen Melanie und Konrad Breznik setzen sich dafür ein, dass Kunstwerke wie das von Mason Storm Diskussionen anregen und zum Nachdenken über gesellschaftliche Werte anregen.

Die Kontroverse um die Skulptur erinnert an frühere Skandale in der zeitgenössischen Kunst, wie das Foto "Piss Christ" von Andres Serrano aus dem Jahr 1987. Solche Werke verletzen oft religiöse Gefühle und provozieren heftige Reaktionen. Im Fall der Trump-Skulptur verurteilte der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler das Kruzifix als "schlichtweg abartig".

Trotz der Kontroversen betont Galeristin Melanie Breznik, dass die Symbolik des Kunstwerks bewusst offen angelegt ist. Sie lädt die Betrachter ein, über die Bedeutung des Werkes zu diskutieren und verschiedene Lesarten in Betracht zu ziehen. Die Skulptur kann als gewaltvolle Rache-Phantasie interpretiert werden, aber auch als Kritik an der politischen Situation in den USA.

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Der Skandal um die Skulptur hat sich für die Galeristen gelohnt, da sie das Werk bereits an eine "international bekannte Person" verkauft haben, die anonym bleiben möchte. Dies verdeutlicht die Mechanismen des Kunstmarktes, bei denen Skandale oft den Wert eines Kunstwerks steigern.

Odilon Redon: Einblicke in das menschliche Unterbewusstsein

Eine weitere Ausstellung in Basel widmet sich dem Werk von Odilon Redon, einer der zentralen Künstlerpersönlichkeiten des französischen Symbolismus. Redon thematisierte in seinen Kohlezeichnungen und Lithografien das menschliche Unterbewusstsein mit seinen Ängsten und Albträumen. Seine Werke zeichnen sich durch eine geheimnisvoll-mystische Wirkung aus, die den Betrachter in eine andere Welt entführt.

Die Ausstellung zeigt anhand von über 200 Werken die zentrale Bedeutung Redons für die im Entstehen begriffene Moderne. Redon beeinflusste zahlreiche Künstler, darunter Cézanne, Degas, Matisse, Duchamp, die Surrealisten und Jasper Johns.

"À bruit secret": Das Hören in der Kunst im Museum Tinguely

Das Museum Tinguely in Basel widmet sich in seiner Ausstellung "À bruit secret. Das Hören in der Kunst" dem menschlichen Gehörsinn. Die Besucherinnen und Besucher können mit Induktionskopfhörern neue Klangfenster entdecken und die Geräusche unter der Wasseroberfläche des Rheins hören.

Die Ausstellung ist die vierte von fünf Themenausstellungen, die sich experimentell in die Welt der menschlichen Sinne begeben. Zuvor wurden bereits das Riechen, Tasten und Schmecken thematisiert. In zwei Jahren folgt dann das Sehen.

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Die Ausstellung zeigt Kunst aus 100 Jahren mit 25 verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Sie verdeutlicht, dass das Ohr sensibler, genauer und leistungsfähiger ist als das Auge. Der Gehörsinn kann bis zu 400.000 Töne unterscheiden.

Die Ausstellung passt perfekt in das Museum Tinguely, da Jean Tinguely stets den Sinnen zugewandt war. Er wollte die Menschen berühren und sie über einen sinnlichen Zugang seine Kunst erleben lassen.

Die Ausstellung "À bruit secret" animiert das Publikum zum Kopfkino und Nachdenken. Sie wirft die Frage auf, ob der Mensch wirklich alles hören und verstehen muss. Der Planet ist eine einzige riesige Komposition, aber der Mensch hört nur einen Bruchteil davon.

Geisterwelten in der Kunst

Eine weitere Ausstellung in Basel befasst sich mit der Vorstellung von Geistern in der Kunst. Die Ausstellung zeigt, wie sich die Vorstellung von Geistern im Laufe der Zeit verändert hat und welche Rolle die Kunst dabei gespielt hat. Sie zeigt auch, welche Instrumente im 19. Jahrhundert verwendet wurden, um mit dem Jenseits in Kontakt zu treten, und wie die Geister mit dem Erscheinen der modernen Psychologie schließlich als Schatten real erlebter Traumata in unseren Gemütern eine neue „Heimat“ fanden.

Die Erforschung des Gehirns: Ein Blick in die Zukunft

Neben den Kunstausstellungen in Basel gibt es auch bedeutende wissenschaftliche Fortschritte bei der Erforschung des Gehirns. Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI erhalten eine Förderung durch das Nationale Gesundheitsinstitut der USA (NIH) im Rahmen der sogenannten «BRAIN Initiative». Ziel dieser Initiative ist es, die Geheimnisse des Gehirns, insbesondere seine Architektur und Verschaltungen, zu lüften.

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Der Neurobiologe Adrian Wanner, Gruppenleiter am PSI, ist Hauptverantwortlicher für das Projekt. Er und sein Team arbeiten an der Entwicklung neuer Methoden zur Kartierung des Konnektoms, einer Art Schaltplan des Gehirns.

Die Entschlüsselung des Konnektoms ist eine große Herausforderung, da das Gehirn zu den komplexesten Gebilden der Natur gehört. Das menschliche Denkorgan enthält etwa 100 Milliarden Gehirnzellen und ein Vielfaches an Verknüpfungen, den sogenannten Synapsen.

Die Forschenden am PSI verfolgen einen neuen Ansatz, der die Bildgebung robuster machen soll. Sie stellen zunächst dickere Schnitte des Gehirngewebes her und scannen diese dann mit einem Mehrstrahl-Rastertransmissionselektronenmikroskop. Anschließend fräst ein Breitband-Ionenstrahl eine Schicht von wenigen Nanometern von der Probe ab, woraufhin die gesamte Prozedur wiederholt wird.

Dieses Verfahren soll es ermöglichen, das Konnektom von Mäusen zu kartieren. Die Erforschung des Maus-Konnektoms könnte entscheidende Einsparungen und Beschleunigungen erfahren wird, soll in den kommenden drei Jahren geklärt werden.

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