Das Gehirn ist die "Kontrollzentrale" des Körpers und steuert alle Aktivitäten. Es besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die Informationen empfangen, verarbeiten und weiterleiten. Die Verbindungsstellen zwischen den Neuronen, die Synapsen, sind entscheidend für die Signalübertragung und die Bildung komplexer Netzwerke, die es uns ermöglichen, mit unserer Umwelt zu interagieren und geistige Höchstleistungen zu vollbringen.
Die Bedeutung der geistigen Fitness
Ein gesunder Körper und ein gesunder Geist sind beide durch den Alterungsprozess gefährdet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Hirnleistung langsam ab, das Lernen und Denken verlangsamen sich. Dies liegt unter anderem daran, dass Neuronen absterben und die Verbindungen zwischen den Nervenzellen (Synapsen) abgebaut werden. Die Neuroplastizität, die Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur und Funktionen durch die Bildung von Zellen und Synapsen zu verändern, ermöglicht es uns jedoch, dem altersbedingten Abbau der Hirnleistung vorzubeugen und geistig fit zu bleiben.
Wie man das Gehirn trainieren kann
Wer rastet, der rostet - das gilt auch für das Gehirn. Werden Synapsen nicht benutzt, baut der Körper sie ab oder schwächt sie. Andersherum bleiben Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn erhalten, wenn sie häufig beansprucht werden - oder das Gehirn baut sie sogar aus, wenn neue Verbindungen sinnvoll erscheinen. Die Antwort auf die Frage „Was tun für geistige Fitness?“ lautet also ganz einfach: Neues lernen.
Musik beflügelt Körper und Geist
Musik kann die Hirnnerven stimulieren und die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe wie Cortisol, Testosteron und Östrogen beeinflussen. Diese Steroidhormone beeinflussen die Neuroplastizität und somit die Anpassungsfähigkeit des Gehirns. Ob Musikhören einen ähnlichen Effekt wie eine Hormonersatztherapie zur Vorbeugung von Alzheimer und Demenz haben könnte, wird derzeit diskutiert.
Fremdsprachen lernen
Wer eine neue Sprache lernt, nutzt eine Vielzahl umfangreicher Nervennetzwerke im Gehirn. Das fördert die Neuroplastizität und kann die Gehirnleistung verbessern - und zwar in jedem Alter. Eine Studie mit Senioren zeigte, dass ein Englischkurs über vier Monate bestimmte kognitive Leistungen erhöhte und die einzelnen Gehirnregionen enger miteinander vernetzte.
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Körper und Geist trainieren
Wer Sport treibt und aktiv lebt, tut auch etwas für seine geistige Fitness. Regelmäßige Bewegung und Sport kann die Hirngesundheit fördern - und den Alterungsprozess verlangsamen. Selbst einfache Bewegung, zum Beispiel Spaziergänge, Treppensteigen statt Fahrstuhlfahren, Fahrradfahren oder Gartenarbeit können sich positiv auf das Gehirn auswirken. Besonders profitiert der Hippocampus von Bewegung, wo der Körper noch im hohen Alter neue Nervenzellen bilden kann.
Weitere Strategien zur Steigerung der Gehirnleistung
Neben den bereits genannten Möglichkeiten gibt es noch weitere Strategien, um die Gehirnleistung zu steigern:
- Arbeitsgedächtnis trainieren: Durch die richtige Stimulation kann die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses erhöht werden, zum Beispiel durch spezielles Gehirntraining auf dem Smartphone oder Tablet. Auch Freizeit- und Alltagsaktivitäten wie Lesen, Meditieren, Musizieren oder Schach spielen können das Arbeitsgedächtnis fordern.
- Struktur schaffen: Durch effizientes Arbeiten werden die Potenziale voll genutzt. Gedanken werden geordnet, und man trainiert sich selbst, auf bestimmte Art und Weise zu denken und zu arbeiten. Ein übersichtlicher Zeitplan und feste Routinen helfen, den Kopf nicht mit überflüssigen Aktivitäten zu belasten.
- Ernährung optimieren: Komplexe Kohlenhydrate, Eiweiße, B-Vitamine und Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Nährstoffe für das Gehirn.
- Bewegung integrieren: Sport entlastet die für das Denken zuständigen Bereiche im Gehirn und regt das Herz-Kreislauf-System an, wodurch das Gehirn besser durchblutet und mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird.
- Ausgleich schaffen: Hobbys, Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga und Ausflüge aus dem Alltag bieten dem Gehirn eine Pause und fördern die Regeneration.
Nootropika: Mehr Fokus, mehr Leistung?
Nootropika, auch als "Smart Drugs" oder Gehirndoping bekannt, sind Substanzen, die die kognitiven Funktionen, das Gedächtnis, die Konzentration und sogar das emotionale Wohlbefinden positiv beeinflussen sollen. Sie lassen sich in drei Anwendungsbereiche unterteilen:
- Gehirndoping (Cognitive Enhancement): Hierbei werden verschreibungspflichtige Mittel oder sogar Betäubungsmittel genutzt, um kognitive Fähigkeiten deutlich über das normale Maß hinaus zu steigern. Die Anwendung durch gesunde Menschen gilt als Missbrauch und ist strengstens verboten.
- Soft-Enhancement (Optimierung im Alltag): Hier geht es um eine sanfte Verbesserung der kognitiven Funktionen mit verschreibungspflichtigen OTC-Arzneimitteln und homöopathischen Präparaten.
- Mood Enhancement (Stimmungsverbesserung): Hier werden Nootropika zur Stimmungsaufhellung oder zur Stressbewältigung eingesetzt, meist in Form von pflanzlichen oder frei verkäuflichen Stimmungsaufhellern wie Johanniskraut.
Während natürliche Nootropika in vielen Studien positive Effekte zeigen, bergen synthetische Substanzen Risiken wie Nebenwirkungen oder ein Abhängigkeitspotenzial. Es wird vermutet, dass Nootropika bestimmte Neurotransmitter, Enzyme und Hormone im Gehirn beeinflussen können.
Beispiele für Nootropika
- L-Theanin: Wirkt stressreduzierend, beruhigend, angstlösend und konzentrationsfördernd.
- Koffein: Steigert die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, kann aber auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Unruhe oder Schlafstörungen verursachen.
- Omega-3-Fettsäuren: Schützen Gehirnzellen, verringern Entzündungen und verbessern das Gedächtnis.
- Kreatin: Unterstützt die Energieproduktion im Gehirn und steigert die körperliche sowie geistige Leistungsfähigkeit.
- Cholin: Ist wichtig für die Gehirnentwicklung, kognitive Funktionen und die Zellmembranen.
- Vitamin B12: Ist wichtig für die Blutbildung, das Nervensystem und die kognitive Funktion.
- Ginkgo biloba: Verbessert die Durchblutung des Gehirns und kann die Gedächtnisleistung fördern.
- Bacopa monnieri (Kleines Fettblatt): Wirkt antioxidativ und entzündungshemmend, steigert die Gedächtnisleistung sowie reduziert Stress und Angst.
- Ginseng: Fördert Gedächtnis, Energielevel und Stressresistenz.
- Adaptogene: Stärken die Widerstandskraft gegen Stress und Erschöpfung.
- Rhodiola rosea (Rosenwurz): Steigert Stressresistenz, Wohlbefinden und mentale Leistungsfähigkeit.
- Ashwagandha: Kann Konzentration, Gedächtnis und Stressresistenz verbessern und wird auch zur Förderung des Schlafs genutzt.
- Piracetam: Verbessert nachweislich Gedächtnis und Lernfähigkeit und wird medizinisch zur Behandlung von Demenz und hirnorganisch bedingten Leistungseinschränkungen eingesetzt.
Nootropika sollten immer mit Bedacht eingesetzt und die Einnahme mit einem Arzt oder Ernährungsexperten besprochen werden. Sie können unterstützend wirken, um die geistige Leistungsfähigkeit zu steigern, sollten jedoch niemals als alleinige Grundlage für die Optimierung der Gehirnleistung dienen.
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7 Tipps zur Steigerung der Gehirnleistung
- Regelmäßiger Sport: Fördert die Durchblutung im Gehirn, verändert die Konzentration der Botenstoffe und schüttet Wachstumsstoffe aus.
- Gesunde Ernährung: Das Gehirn verbraucht ca. 20 % der Gesamtenergie eines Menschen. Die Qualität der Lebensmittel hat also einen unmittelbaren Effekt auf unsere Gehirnleistung.
- Genügend Schlaf: Unser Gehirn kann nur ohne Einschränkung funktionieren, wenn es genügend Erholung bekommt.
- Nahrungsergänzungsmittel: Einige Nährstoffe, wie B-Vitamine, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren, sind für unser Gehirn besonders wichtig.
- Strukturierten Alltag schaffen: Wenn Sie gewisse Prozesse Ihres Lebens einfach automatisieren, können Sie mit der dadurch eingesparten mentalen Energie Ihre Gehirnleistung steigern.
- Medienkonsum einschränken: Jede neue Information, der wir am Tag ausgesetzt werden, nimmt uns einen Teil unseres Fokus.
- Gehirntraining: Kann die Gehirnleistung steigern und die kognitiven Fähigkeiten effektiv verbessern.
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