Hirntumoren sind Geschwülste, die im Gewebe des Gehirns entstehen können. Dabei unterscheidet man zwischen gutartigen (benignen) und bösartigen (malignen) Tumoren. Gutartige Hirntumoren sind häufiger als bösartige. In Deutschland sind Hirntumoren bei Erwachsenen relativ selten, bei Kindern jedoch die zweithäufigste Krebserkrankung nach Leukämie. Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehrere Tausend Menschen an einem Hirntumor.
Was sind Hirntumoren?
Als Hirntumoren werden gutartige und bösartige Geschwülste im Gewebe des Gehirns bezeichnet. Sie können in verschiedenen Bereichen des Gehirns entstehen und unterschiedliche Auswirkungen haben. Man unterscheidet primäre Hirntumoren, die direkt im Gehirn entstehen, und Hirnmetastasen, die von Tumoren in anderen Körperregionen streuen.
Primäre Hirntumoren
Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des Gehirns oder seiner unmittelbaren Umgebung. Die häufigsten Arten sind Gliome, die von den Stützzellen des Gehirns (Gliazellen) ausgehen. Zu den Gliomen zählen Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Eine weitere Form sind primäre Lymphome des Zentralnervensystems, die aus Immunzellen entstehen.
Hirnmetastasen
Hirnmetastasen sind Tochtergeschwülste von Krebsarten, die ihren Ursprung in anderen Organen haben, zum Beispiel Lungenkrebs, Brustkrebs, Nierenzellkarzinom oder schwarzer Hautkrebs (Melanom). Grundsätzlich kann fast jeder Tumor ins Gehirn streuen.
Wer ist betroffen?
Hirntumoren können in jedem Alter auftreten, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Bei Kindern sind Hirntumoren nach Leukämie die zweithäufigste Krebserkrankung. Die am häufigsten vorkommenden Hirntumoren bei Kindern sind Astrozytome, gefolgt von Medulloblastomen und Ependymomen.
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Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige bekannte Risikofaktoren:
- Genetische Ursachen: Bei einigen seltenen Erbkrankheiten, wie der Neurofibromatose, besteht ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Hirntumoren.
- Strahlentherapie: Insbesondere im Kindesalter kann eine Strahlentherapie das Risiko erhöhen.
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung im Allgemeinen.
- Weitere Risikofaktoren: Rauchen, bestimmte Viren wie das Epstein-Barr-Virus oder Humane Papillomviren (HPV) und ionisierende Strahlung können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einem Speicheldrüsentumor zu erkranken.
Im Gegensatz zu vielen anderen Krebserkrankungen spielen Risiken und Lebensgewohnheiten wie Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum bei Hirntumoren offensichtlich keine Rolle. Auch Umwelteinflüsse, Stress oder außergewöhnliche seelische Belastungen scheinen die Entwicklung eines Hirntumors nicht zu begünstigen. Ein immer wieder vermuteter Zusammenhang zwischen einer Schädel-Hirn-Verletzung und der Entstehung eines Hirntumors konnte bisher nicht überzeugend belegt werden.
Symptome
Die Symptome von Hirntumoren können vielfältig sein und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Anhaltende, zunehmend heftige Kopfschmerzen, die sich mit herkömmlichen Schmerzmitteln nicht lindern lassen. Morgendliche Kopfschmerzen, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen, können auf einen erhöhten Hirndruck hindeuten.
- Neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, Gangunsicherheit oder Koordinationsprobleme.
- Krampfanfälle: Neu auftretende epileptische Anfälle ohne vorherige Epilepsie.
- Persönlichkeitsveränderungen: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme oder Wesensveränderungen.
- Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere morgens.
- Müdigkeit und Bewusstseinsstörungen: In fortgeschrittenen Stadien.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Betroffenen alle Symptome auf einmal haben und dass die Symptome auch andere Ursachen haben können. Bei ungewöhnlichen Beschwerden sollte man jedoch immer einen Arzt aufsuchen.
Kopfschmerzen im Detail
Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom, das jedoch meist harmlos ist. Im Zusammenhang mit Hirntumoren treten Kopfschmerzen oft in Kombination mit anderen neurologischen Symptomen auf. Charakteristische Merkmale von Kopfschmerzen bei Hirntumoren sind:
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- Zunehmende Intensität im Verlauf von Tagen bis Wochen
- Schlechte Reaktion auf herkömmliche Schmerzmittel
- Verstärkung im Liegen oder bei Valsalva-Manövern (Drucktest gegen verschlossene Mund- und Nasenöffnung)
Diagnose
Bei Verdacht auf einen Hirntumor stehen verschiedene diagnostische Methoden zur Verfügung:
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und untersucht den Patienten auf neurologische Ausfälle.
- Bildgebende Verfahren:
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist das wichtigste Verfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Sie liefert detaillierte Bilder des Gehirns und kann Tumoren, Entzündungen und andere Veränderungen sichtbar machen. Die MRT ist der Computertomographie (CT) bei der Darstellung von Weichteilen, Tumoren, entzündlichen Veränderungen und subtilen strukturellen Auffälligkeiten in puncto Bildauflösung überlegen.
- Computertomographie (CT): Die CT kann ebenfalls zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt werden, ist aber weniger genau als die MRT. Sie eignet sich vor allem für die schnelle Beurteilung bei Notfällen wie Blutungen.
- Positronen-Emissions-Tomographie (PET): In Kombination mit der MRT (PET-MRT) kann die PET helfen, Tumoren besser zu charakterisieren und von anderen Veränderungen zu unterscheiden.
- Elektroenzephalogramm (EEG): Das EEG kann zur Lokalisation eines Hirntumors beitragen und die Anfallsgefährdung ermitteln.
- Liquoruntersuchung: Die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) kann in manchen Fällen zum Ausschluss einer entzündlichen Erkrankung des Nervensystems dienen.
Die Kopf-MRT im Detail
Die Kopf-MRT ist eine schmerzfreie Untersuchung, bei der hochauflösende Schnittbilder des Gehirns erstellt werden. Sie ermöglicht die Beurteilung verschiedener Strukturen und pathologischer Veränderungen.
- Ablauf: Vor der Untersuchung wird der Patientenstatus hinsichtlich Metallimplantaten, Herzschrittmachern oder anderen elektronischen Implantaten erhoben, um Wechselwirkungen mit dem starken Magnetfeld zu verhindern. Die eigentliche Untersuchung findet im röhrenförmigen Gehäuse (Gantry) des MRT-Gerätes statt. Ein Kontrastmittel auf Gadoliniumbasis wird bei Bedarf über einen Venenzugang verabreicht, insbesondere wenn der Verdacht auf einen Tumor, eine Entzündung oder Gefäßveränderungen besteht.
- Darstellung von Tumoren: Hirntumoren lassen sich in der MRT charakteristisch darstellen. Primäre Hirntumore wie Gliome oder Meningeome sowie Metastasen lassen sich in der MRT charakteristisch darstellen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Kontrastmittel, denn viele Tumore führen zu einer Störung der Blut-Hirn-Schranke (die normalerweise verhindert, dass Schadstoffe aus dem Blut ins Gehirn übertreten), sodass sich das Kontrastmittel im Tumorgewebe ansammelt und dieses hell erscheinen lässt.
- Darstellung von Entzündungen: Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute sind in der MRT durch charakteristische Befunde zu erkennen, die sich deutlich von Tumoren unterscheiden.
- Darstellung von Gefäßveränderungen: Aneurysmen (Aussackungen der Hirnarterien) sind in der MRT mittels spezieller Gefäßdarstellungen (MR-Angiographie) gut erkennbar. Auch Schlaganfälle und Sinusvenenthrombosen können mit der MRT diagnostiziert werden.
Behandlung
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art, Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors sowie der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Die wichtigsten Behandlungsoptionen sind:
- Operation: Gutartige Tumoren werden in der Regel operativ entfernt. Bei bösartigen Tumoren kann eine Operation ebenfalls sinnvoll sein, um den Tumor zu verkleinern oder zu entfernen.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie kann eingesetzt werden, um Tumorzellen abzutöten oder das Wachstum des Tumors zu verlangsamen. Sie kann nach einer Operation oder als alleinige Behandlung eingesetzt werden.
- Chemotherapie: Die Chemotherapie kann bei bestimmten Arten von Hirntumoren eingesetzt werden, um Tumorzellen abzutöten.
- Zielgerichtete Therapie: Diese modernen Arzneimittel greifen Tumorzellen sozusagen an ihren Schwachpunkten an, in denen sie sich von gesunden Zellen unterscheiden.
- Immuntherapie: Diese Arzneimittel heben die Immunblockade auf, die manche Tumoren vor den körpereigenen Abwehrkräften schützt.
Die Behandlung von Hirnmetastasen hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem Ursprungstumor, dem Krankheitsstadium und dem allgemeinen Gesundheitszustand eines Patienten oder einer Patientin.
Hirnmetastasen: Was tun, wenn Krebs ins Gehirn streut?
Hirnmetastasen entstehen nicht aus Gewebe im Gehirn. Sie stammen von einem Tumor außerhalb des Gehirns, zum Beispiel in der Lunge oder Brust. Die Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab: etwa dem Ursprungstumor, dem Krankheitsstadium und dem allgemeinen Gesundheitszustand eines Patienten oder einer Patientin.
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Symptome von Hirnmetastasen
Nicht alle Betroffenen bemerken überhaupt erste Warnzeichen: Manchmal werden Metastasen im Gehirn bei Nachsorgeuntersuchungen gefunden. Und nicht alle Patienten haben alle Beschwerden auf einmal. Mögliche Symptome:
- Anhaltende Kopfschmerzen
- Lähmungen
- Sprachstörungen
- Persönlichkeitsveränderungen
- Veränderungen beim Sehen, Riechen, Hören oder beim Tasten
- Krampfanfälle ähnlich wie bei einer Epilepsie
- Müdigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen
- Übelkeit, Erbrechen
Nicht ganz ausgeschlossen: Bei manchen Patientinnen oder Patienten kann die Metastase ein Blutgefäß abdrücken oder eine Blutung im Gehirn verursachen. Die Symptome ähneln denen eines Schlaganfalls oder einer Hirnblutung aus anderer Ursache.
Behandlung von Hirnmetastasen
Kopfschmerzen, Probleme mit der Denkfähigkeit und weitere Symptome von Gehirnmetastasen werden zum Teil nicht vom Tumorgewebe selbst verursacht. Auslöser ist auch die Schwellung, die Hirnmetastasen hervorrufen. Lässt sich diese zurückdrängen, geht es vielen Betroffenen rasch besser. Wichtige Medikamente gegen diese Hirnödeme sind Kortikosteroide ("Kortison", meist Dexamethason). Normalerweise kann man sie als Tablette einnehmen, unter Umständen auch als Injektion oder Infusion. Je nach Beschwerden kommen noch hinzu:
- Schmerzmedikamente
- Antiepileptika, also Medikamente gegen Krampfanfälle
- Mittel zur Beruhigung, gegen Depressionen oder andere Folgen der Hirnmetasten auf die Psyche und das Verhalten
- eventuell Arzneimittel zur Verhinderung von Thrombosen, also Blutgerinnseln, im Gehirn
Anpassung der bisherigen Krebsbehandlung
- Chemotherapie: Eine Behandlung mit sogenannten Zytostatika kann bei manchen Betroffenen zu einem Stopp oder einer Verzögerung des Tumorwachstums führen. Allerdings sprechen nicht alle Krebsarten gleich gut auf eine Chemotherapie an. Ein besonderes Problem: Da das Gehirn sehr gut vor äußeren Einflüssen geschützt ist, gelangen nur einige Chemotherapie-Medikamente in ausreichender Dosierung bis zu den Metastasen.
- Antihormontherapie: Manche Tumorarten wachsen unter dem Einfluss von Hormonen, vor allem Prostatakrebs und Brustkrebs. Daher gehört die Hormonentzugstherapie oder auch Antihormontherapie bei diesen Krebsarten zu den wichtigen Behandlungsverfahren. Schätzen die Ärzte den Nutzen auch gegen die Hirnmetastasen als ausreichend gut ein? Dann kann man eine Antihormontherapie beginnen oder fortsetzen, solange die Krebszellen darauf ansprechen.
- Zielgerichtete Medikamente und Immuntherapie: Diese modernen Arzneimittel spielen eine wachsende Rolle in der Krebsmedizin. Sie greifen Tumorzellen sozusagen an ihren Schwachpunkten an, in denen sie sich von gesunden Zellen unterscheiden. Einige dieser Substanzen blockieren Stoffwechselwege, die für das Krebswachstum wichtig sind. Andere heben die Immunblockade auf, die manche Tumoren vor den körpereigenen Abwehrkräften schützt; sie zählen deshalb nicht nur zu den zielgerichteten Medikamenten, sondern auch zur Immuntherapie.
Operation
Eine (neuro-)chirurgische Entfernung der Metastasen kommt nicht für alle Betroffenen infrage: Würde zu viel Gehirn geschädigt, wäre die Lebensqualität so beeinträchtigt, dass der Nutzen in keinem Verhältnis zum Schaden stünde. Auch Patientinnen und Patientinnen, deren Krebserkrankung insgesamt sehr fortgeschritten ist, profitieren eher selten von einer Operation. Eine Ausnahme davon: wenn die Operation der Gehirnmetastasen zwar die Krankheit nicht aufhält, aber belastende Symptome und Beschwerden deutlich gelindert werden können. Bei zumindest einigen Menschen kann mit einer Operation aber sogar eine lange krankheitsfreie Zeit und vielleicht auch eine Heilung erreicht werden. Doch dafür gibt es wichtige Voraussetzungen. Eine Operation kann möglich sein wenn man nur sehr wenige, eher größere Metastasen hat, die sich gut operativ entfernen lassen, und wenn die Krebserkrankung an sich gut unter Kontrolle ist oder es keine weiteren Anzeichen für ein Fortschreiten des Tumorwachstums gibt. Kleine, aber gut erreichbare Metastasen werden eher punktgenau bestrahlt als operiert. Eine zusätzliche Bestrahlung kann bei manchen Betroffenen den Erfolg der Operation verbessern.
Bestrahlung
Das Gewebe des Gehirns - auch das gesunde - reagiert sehr empfindlich auf eine Bestrahlung. Eine Strahlentherapie kommt daher nur infrage, wenn der Nutzen die Nebenwirkungen überwiegt. Die Bandbreite reicht von der Linderung von Beschwerden über einen kürzeren oder längeren Krankheitsaufschub bis hin zu einer langen krankheitsfreien Zeit. Einige, wenn auch wenige Betroffene können unter Umständen sogar mit einer Heilung rechnen. Welche Möglichkeiten stehen zur Verfügung?
- die Ganzhirn-Bestrahlung,
- die Bestrahlung nur des betroffenen Gehirnbereichs,
- die sehr gezielte Bestrahlung nur der Metastase(n), auch als "stereotaktische Radiochirurgie" bezeichnet,
- oder eine Kombination aus allgemeiner und gezielter Gehirnbestrahlung.
Bei der Radiochirurgie nutzen die Ärzte die Strahlung fast wie ein Messer: so gezielt und gleichzeitig hoch dosiert, dass nur wenige Male oder sogar nur einmal behandelt werden muss. Andere Bezeichnungen lauten daher auch "Stereotaktische hypofraktionierte oder Einzeitbestrahlung" oder "Stereotaktische Konvergenzbestrahlung".
Vorbeugung
Da die genauen Ursachen für Hirntumoren nicht bekannt sind, gibt es keine spezifischen Maßnahmen zur Vorbeugung. Es wird jedoch empfohlen, Risikofaktoren wie Strahlung zu minimieren. In Familien mit seltenen Erbkrankheiten wie Neurofibromatose werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt.
Leben mit einem Hirntumor
Die Diagnose eines Hirntumors kann für Betroffene und ihre Angehörigen sehr belastend sein. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und sich Unterstützung zu suchen. Es gibt verschiedene Anlaufstellen, die Hilfe und Beratung anbieten, wie zum Beispiel Krebsberatungsstellen, Selbsthilfegruppen und psychoonkologische Dienste.