Adler Gehirn Anatomie und der Einfluss von Geburtsreihenfolge und sozialem Verhalten

Einführung

Die menschliche Anatomie, insbesondere das Gehirn, ist ein faszinierendes Forschungsgebiet. In diesem Artikel werden wir uns mit verschiedenen Aspekten des Gehirns befassen, von der Bedeutung der Geburtsreihenfolge für die Intelligenz bis hin zu den neuronalen Grundlagen sozialer Interaktion. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Paläoanthropologie und die Evolution des menschlichen Gehirns anhand des berühmten Taung-Kind-Fossils. Abschließend werden wir uns mit der Anatomie und den Fähigkeiten von Greifvögeln befassen und Parallelen zum menschlichen Gehirn ziehen.

Geburtsreihenfolge und Intelligenz: Mythos oder Realität?

Die Frage, ob erstgeborene Kinder intelligenter und erfolgreicher sind als ihre jüngeren Geschwister, ist seit langem Gegenstand von Diskussionen. Die Psychoanalytiker Sigmund Freud und Alfred Adler gerieten in einen heftigen Streit über die Bedeutung der Geburtsreihenfolge, der zum Bruch ihrer Freundschaft führte. Adler glaubte, dass sowohl erst- als auch letztgeborene Kinder anfälliger für Neurosen seien, da sie ständig um Dominanz und Erfolg kämpften. Freud, selbst ein Erstgeborener, widersprach dieser Ansicht vehement.

Frühere Studien und ihre Mängel

In der Vergangenheit gab es zahlreiche Studien, die die angebliche Überlegenheit erstgeborener Kinder in Bezug auf Intelligenz und Gewissenhaftigkeit belegen sollten. Eine verbreitete Theorie besagt, dass erstgeborene Kinder mehr Aufmerksamkeit und Förderung von ihren Eltern erhalten, was zu ihrer höheren Intelligenz führt. Dieser Vorsprung soll sich dann in besseren Schulleistungen und besseren Karrierechancen im späteren Leben widerspiegeln.

Allerdings weisen diese Studien schwerwiegende Mängel auf. Es gibt zwei Hauptansätze, um Unterschiede zwischen Geschwistern zu untersuchen:

  1. Analyse von Unterschieden zwischen Familien: Hier werden Durchschnittswerte der Intelligenzleistung von Erstgeborenen über alle Familien hinweg mit der Leistung von später geborenen Geschwistern verglichen.
  2. Berechnung von Unterschieden innerhalb einer Familie: Hier werden Unterschiede zwischen Geschwistern innerhalb einer Familie berechnet und dann über alle Familien hinweg ermittelt.

Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. Bei der ersten Möglichkeit ist die Stichprobengröße ein Problem, da erhebliche Unterschiede in Intelligenz und Persönlichkeitseigenschaften zwischen Familien bestehen können. Dies kann zu zufälligen Verzerrungen der Ergebnisse führen. Ein weiteres Problem ist der Zusammenhang zwischen der Intelligenz der Eltern und der Anzahl ihrer Kinder. Intelligentere Menschen haben tendenziell weniger Kinder, was zu einer Unterrepräsentation von Kindern sehr intelligenter Eltern in den Studien führt.

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Bei der zweiten Betrachtungsweise besteht das Problem darin, dass Unterschiede zwischen Geschwistern, insbesondere bei der Einschätzung ihrer Persönlichkeitseigenschaften, oft überbetont werden. Diese Tendenz, vorhandene Unterschiede zu übertreiben, kann die Ergebnisse von Studien systematisch verfälschen.

Neue Studie widerlegt gängige Meinung

Eine aktuelle Studie eines Forscherteams um Brent Roberts analysierte die Daten von 272.000 amerikanischen Schülern. Dabei wurden die Unterschiede über alle Familien hinweg betrachtet und mögliche Faktoren, die das Ergebnis verfälschen könnten, wie Familienstruktur und sozioökonomischer Status der Eltern, berücksichtigt.

Die Ergebnisse zeigten, dass der Zusammenhang zwischen der Reihenfolge der Geburt und Persönlichkeitseigenschaften (z.B. Gewissenhaftigkeit) sowie verschiedenen Aspekten der Intelligenz praktisch nicht nachweisbar ist. Die pauschale Aussage, dass erstgeborene Kinder intelligenter und gewissenhafter sind als später geborene Kinder, konnte anhand dieser Studie nicht bestätigt werden. Daher lassen sich auch keine Handlungsempfehlungen bezüglich der unterschiedlichen Erziehung von Geschwistern in Abhängigkeit von der Reihenfolge der Geburt ableiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Reihenfolge der Geburt entgegen der gängigen Meinung keinen signifikanten Einfluss auf die Intelligenz oder Persönlichkeitseigenschaften von Kindern ausübt.

Paläoanthropologie: Das Taung-Kind und die Evolution des Gehirns

1924 wurde das Fossil eines Frühmenschen entdeckt, das Schädelteile und das Gehirn eines etwa vierjährigen Kindes abbildet. Der Schädel des sogenannten Taung-Kindes ist ein Klassiker in der Paläoanthropologie. Dieser Fund war nicht nur der erste Beleg für die Menschengattung Australopithecus, sondern bestätigte auch Charles Darwins These, dass die Wiege der Menschheit in Afrika stand.

Eine neue Interpretation des Schädels

Die Anthropologieprofessorin Dean Falk hat zusammen mit Schweizer Kollegen die Entwicklung des frühmenschlichen Gehirns anhand des Taung-Kind-Schädels untersucht. Dabei entdeckten sie eine anatomische Besonderheit, die bisher in der wissenschaftlichen Literatur kaum Beachtung fand: eine nicht verschlossene Schädelnaht am Stirnbein, obwohl das Kind bereits drei bis vier Jahre alt war.

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Falk und ihr Team untersuchten diese anatomische Eigenheit bei Menschenaffen, heute lebenden Menschen und Frühmenschenfossilien und stellten fest, dass dieses Phänomen nur bei uns Menschen und unseren Vorfahren, die 2,5 Millionen Jahre alt sind oder jünger, vorkommt. Bei Affen schließen sich diese Schädelnähte schon kurze Zeit nach der Geburt, da sie ein kleineres Gehirn haben.

Anpassung an den Geburtsvorgang

Die Forscher interpretieren die lange offen bleibenden Schädelnähte als Anpassung an den Geburtsvorgang. Bei Menschen können sich die Schädelknochen des Babys übereinander schieben, um den Kopfumfang zu reduzieren und die Geburt zu erleichtern. Durch die offenen Schädelnähte kann das menschliche Gehirn vor allem in den ersten beiden Lebensjahren enorm wachsen.

Diese Entwicklung löste ein Problem der veränderten Anatomie in der Menschheitsentwicklung: Nach der Entstehung des aufrechten Gangs hatte sich der Geburtskanal verkleinert, während das Gehirnvolumen stetig zunahm. Die Verlagerung des Hirnwachstums auf die Zeit nach der Geburt ermöglichte ein enormes Hirnwachstum, ging aber mit einer verlängerten Aufzucht des Nachwuchses einher.

Die Forschung am Taung-Kind-Schädel liefert wichtige Erkenntnisse über die Evolution des menschlichen Gehirns und die Anpassungen an den Geburtsvorgang.

Das soziale Gehirn: Neuronale Grundlagen sozialer Interaktion

Der Mensch ist ein soziales Wesen, und das Gehirn spielt eine entscheidende Rolle bei der Einbettung des Menschen in die Gesellschaft, für Mitgefühl, Schuld und Scham. Neurowissenschaftler sprechen vom sozialen Gehirn und meinen damit spezifische Gruppen von Arealen, die für diese Funktionen verantwortlich sind.

Frontalhirn und soziale Kompetenz

Anthropologe Robin Dunbar von der Universität Oxford hat herausgefunden, dass das Volumen des präfrontalen Cortex mit dem Ausmaß und der Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen korreliert. Das Frontalhirn ermöglicht es uns, Kompromisse zu finden, Verhandlungen zu führen und andere komplexe Handlungen zur Aufrechterhaltung unserer Beziehungen auszuführen.

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Ein Mensch pflegt im Schnitt Kontakte zu rund 150 Personen, wobei die Intensität der Beziehungen unterschiedlich ist. Wir haben enge Vertraute, gute Freunde, weitere Freunde und schließlich weitläufige Bekannte. Diese Komplexität der sozialen Interaktion unterscheidet den Menschen von Tieren, deren soziale Netzwerke einfacher und kleiner sind.

Spiegelneuronen und Empathie

Die Entdeckung der Spiegelneuronen im Gehirn von Schimpansen durch Giacomo Rizzolatti und sein Team war ein Meilenstein in der Neurowissenschaft. Spiegelneuronen ermöglichen es uns, zu imitieren, zu lernen, uns in andere hineinzuversetzen und miteinander zu kommunizieren. Sie sind die kognitive Grundlage für Mitgefühl und damit für das soziale Miteinander.

Schlaganfallpatienten können dank der Spiegelneuronen verloren gegangene Fähigkeiten zurückerlangen. Bei einer halbseitigen Lähmung etwa beobachten sie im Spiegel, wie ihre gesunde Gliedmaße eine Bewegung ausführt.

Soziale Emotionen und das Mentalisierungssystem

Soziale Emotionen wie Schuld, Scham und Peinlichkeit setzen das Einfühlen in Andere und das Ersinnen ihrer Gedanken voraus. Bei diesen Emotionen werden verschiedene Hirnregionen aktiviert, insbesondere das Mentalisierungssystem, das ein Nachdenken darüber beinhaltet, was andere über uns denken.

Der Hirnforscher Sören Krach von der Universität Lübeck hat untersucht, was im Kopf bei zwischenmenschlichen Gefühlen wie Peinlichkeit, Scham und Schuld geschieht. In seinen Experimenten ließ er Probanden Schätzaufgaben vor anderen lösen und manipulierte die Ergebnisse, um Peinlichkeit auszulösen. Dabei konnte er zeigen, dass die Nervenzellen in der Inselregion und verschiedene Zonen des Mentalisierungssystems aktiv waren.

Auch bei Fremdscham, dem Gefühl der Scham für das Verhalten anderer, ist das Mentalisierungssystem aktiv. Je näher die Person, für die man sich schämt, den Probanden steht, desto stärker sprechen die Inselregion, der anteriore cinguläre Cortex und der präfrontale Cortex an.

Das soziale Gehirn ist ein komplexes Netzwerk von Hirnarealen, das uns ermöglicht, soziale Beziehungen einzugehen, uns in andere hineinzuversetzen und soziale Emotionen zu erleben.

Kompressionssyndrome der Zervikalarterien: Eine seltene Ursache für Schlaganfälle

Neben den bekannten Ursachen für Schlaganfälle, wie Atherosklerose, können auch Kompressionssyndrome der Zervikalarterien durch muskuloskelettale Strukturen eine Rolle spielen. Diese seltenen Erkrankungen erfordern eine hohe Aufmerksamkeit für die korrekte Diagnosestellung.

Ursachen und Symptome

Zu den Kompressionssyndromen der Zervikalarterien zählen:

  • Bow Hunter Syndrom (Bogenschützen-Syndrom): Dynamische Kompression der A. vertebralis bei seitlicher Kopfdrehung.
  • Beauty Parlour Stroke Syndrom (Schönheitssalon-Syndrom): Kompression der A. vertebralis bei Hyperextension des Nackens.
  • Eagle Syndrom (Stylohyoid-Syndrom): Kompression der A. carotis interna durch einen verlängerten Processus styloideus oder ein kalzifiziertes Ligamentum stylohyoideum.
  • Karotisstenose oder -kompression durch das Os hyoideum: Kinking der A. carotis interna durch ein verlängertes großes Zungenbeinhorn.
  • Karotisstenose oder -kompression durch den M. digastricus: Mechanischer Stress auf die A. carotis interna durch einen hypertrophierten posterioren Bauch des M. digastricus.

Die Symptome dieser Syndrome können sich ähneln und umfassen Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Synkopen, Ataxie, Dysarthrie, Sehfelddefizite, Muskelschwäche, Taubheit von Gesicht und Extremitäten, Sprechschwierigkeiten und Dysphasie.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose von Kompressionssyndromen der Zervikalarterien basiert auf Anamnese, klinischer Untersuchung, erweiterter Bildgebung (CT-Angiografie, MR-Angiografie) und Provokationsmanövern. Die bevorzugte Behandlungsmethode ist in den meisten Fällen chirurgisch, um die komprimierenden Strukturen zu reduzieren.

Kompressionssyndrome der Zervikalarterien sind eine seltene, aber wichtige Ursache für Schlaganfälle, die eine sorgfältige Diagnosestellung und Behandlung erfordern.

Adleraugen: Anatomie und Fähigkeiten von Greifvögeln

Greifvögel sind für ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten bekannt, insbesondere ihr Sehvermögen und ihre Jagdtechniken. Ihr Name „Adlerauge“ steht für ihre Fähigkeit, kleinste Details aus großer Entfernung zu erkennen.

Anatomische Anpassungen

Greifvögel haben eine Reihe von anatomischen Anpassungen, die ihnen ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten ermöglichen:

  • Ausgezeichnetes Sehvermögen: Greifvögel haben ein sieben- bis zwölfmal besseres Sehvermögen als Menschen.
  • Hervorragendes Hörvermögen: Auch ihr Hörvermögen ist außergewöhnlich.
  • Leistungsstarke Muskeln: Greifvögel haben die leistungsfähigsten Muskeln im gesamten Tierreich.
  • Spezialisiertes Gefieder: Ihr Gefieder dient nicht nur zum Fliegen, sondern auch als Witterungsschutz.
  • Hohle Knochen: Greifvögel haben hohle Knochen, um Gewicht zu sparen und agiler fliegen zu können.
  • Erweiterte Speiseröhre (Kropf): Der Kropf dient dazu, das Futter vorzuverdauen.
  • Nickhaut: Ein drittes Augenlid, die Nickhaut, schützt die Augen vor Schmutz, Wasser und Wind.
  • Spezialisierte Fänge: Die Fänge der Greifvögel sind an ihre Jagdtechnik angepasst. Es gibt Grifftöter und Bisstöter, die ihre Beute auf unterschiedliche Weise töten.

Der Haastadler: Ein ausgestorbener Gigant

Bis vor wenigen hundert Jahren kreiste ein gewaltiger Greifvogel am Himmel über Neuseeland: Der Haastadler (Hieraaetus moorei) war mit einer Flügelspannweite von drei Metern und bis zu 15 Kilogramm Gewicht der größte bekannte Adler der Erde. Er konnte selbst große Moas mühelos erbeuten.

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Haastadler beim Fressen eher wie ein Geier vorging, während er beim Töten seine gewaltigen Fänge einsetzte.

Die Anatomie und Fähigkeiten von Greifvögeln sind ein beeindruckendes Beispiel für die Anpassung an eine spezielle ökologische Nische.

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