Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes ist ein unverzichtbares Verfahren, um detaillierte Einblicke in die Strukturen des Schädels zu erhalten. Ob zur Abklärung neurologischer Beschwerden, zur Diagnose von Verletzungen oder zur Überwachung bestehender Erkrankungen - die MRT des Kopfes spielt eine zentrale Rolle in der modernen Diagnostik. Diese Form der Magnetresonanztomographie erstellt mithilfe von Magnetfeldern und Radiowellen detaillierte Aufnahmen des Kopfbereichs. Im Gegensatz zu Röntgen oder CT verwendet die MRT keine ionisierende Strahlung, weswegen sie besonders schonend ist. Die Untersuchung fertigt hochauflösende Bilder des Gehirns, der Blutgefäße, der Nerven und weiterer Strukturen wie der Augenhöhlen und Nasennebenhöhlen an.
Welche Strukturen im Kopf kann die MRT abbilden?
Gehirn und Nervengewebe
Die Kopf-MRT ermöglicht eine besonders präzise Darstellung des Gehirns und seiner wichtigen Strukturen. So lassen sich sowohl die großen Bereiche als auch kleine Details zuverlässig beurteilen. Dazu gehören z. B.:
- die verschiedenen Großhirnlappen und die Großhirnrinde
- zentrale Strukturen wie Hirnstamm, Kleinhirn, Basalganglien und Thalamus
- das Ventrikelsystem mit seinen Flüssigkeitsräumen, in denen die Hirnflüssigkeit zirkuliert
- die graue und weiße Substanz des Gehirns - also auf die Bereiche, in denen Nervenzellen und Nervenbahnen ihre Aufgaben erfüllen.
Damit kann die Organisation des Gehirns bis ins Detail nachvollzogen werden.
Schädelknochen und umgebende Strukturen
Mit Hilfe der Bildgebung können auch die knöchernen und angrenzenden Strukturen des Kopfes beurteilt werden. Gut sichtbar sind dabei insbesondere:
- der Schädelknochen und die Schädelbasis
- die Augenhöhlen mit ihren Strukturen
- die Nasennebenhöhlen
- bei Bedarf auch angrenzende Bereiche des oberen Halses, wie die ersten Halswirbel, große Blutgefäße oder Lymphknoten.
So entsteht ein vollständiges Bild nicht nur der inneren Strukturen des Gehirns, sondern auch der angrenzenden Knochen und Weichteile. Dadurch lassen sich die verschiedenen Bereiche des Kopfes in ihrem Zusammenspiel anschaulich darstellen.
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Gefäße im Kopf
Dank spezieller MRT-Techniken lassen sich auch die Blutgefäße im Kopf detailliert abbilden. Erkennbar sind dabei z. B.:
- die großen Arterien, die das Gehirn mit Sauerstoff versorgen
- die venösen Blutleiter (Sinus venosus) und größeren Venen
- der Verlauf der Gefäße bis hin zu den Verzweigungen in kleinere Strukturen
Auf diese Weise ermöglicht die Kopf-MRT einen präzisen Blick auf das Gefäßnetz im Gehirn und seine anatomischen Verläufe. Als Alternative oder Ergänzung kann bei Bedarf auch eine Ganzkörper-Angiographie durchgeführt werden.
Wann wird die Kopf-MRT eingesetzt?
Die Kopf-MRT wird zur Abklärung, Diagnostik und Überwachung folgender Zustände eingesetzt:
- Unerklärliche Kopfschmerzen oder Migräne
- Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Ohnmachtsanfälle
- Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen
- Tumoren, Metastasen oder andere Raumforderungen
- Entzündungen
- Verletzungen oder Frakturen im Schädelbereich
- Epilepsie oder anderen neurologischen Erkrankungen
- Gefäßanomalien (z. B. Aneurysmen oder Gefäßverengungen)
- Infektionen
- Diagnostik von tumorösen, zystischen und entzündlichen Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen
- Multiple Sklerose (MS - chronisch-entzündliche Erkrankung des Nervensystems)
- Mesiale Temporallappenepilepsie (bestimmte Form der Schläfenlappenepilepsie) inkl. Abklärung unklarer Anfallssymptomatik
- Morbus Parkinson (Parkinson-Krankheit) und atypische Parkinson-Syndrome
- Verletzungen von Auge oder Ohr (z. B. Hirnnervenverletzungen (Schädigung der Hirnnerven)
- Granulomatöse Erkrankungen (z. B. Darstellung der inneren Gehörgänge
- Darstellung des Innenohres und der Gehörknöchelchen
Ursachen für Anomalien und Kreise im Gehirn-MRT
Bei einer MRT-Untersuchung des Gehirns können verschiedene Anomalien und Veränderungen sichtbar werden, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sind. Dazu gehören:
Gefäßanomalien
- Aneurysmen (Gefäßaussackungen): Die Kopf-MRT bildet auch Blutgefäße des Halses und des Kopfes ab und kann so früh verschiedene Anomalien aufzeigen, aus denen ernsthafte Probleme entstehen können. Dazu gehören Gefäßaussackungen (Aneurysmata), bei denen das Risiko einer Ruptur mit einer darauffolgenden Blutung innerhalb des Hirns besteht.
- Gefäßverengungen (Stenosen): Ebenso verhält es sich mit Verengungen der Gefäße (Stenosen), welche die Wahrscheinlichkeit eines ischämischen Schlaganfalls erhöhen.
- Erhöhte Blut-Hirn-Schranken-Permeabilität
- Granulomatöse Erkrankungen
Entzündliche Erkrankungen
- Multiple Sklerose (MS): Multiple hyperintense Läsionen in T2-gewichteten und FLAIR-Sequenzen, bevorzugt periventrikulär, im Corpus callosum und in der Medulla oblongata. Bei entzündlichen Erkrankungen des Gehirns, wie z. B. der MS (Multiple Sklerose oder auch ED- encephalitis disseminata bekannt), kann die MRT- Untersuchung des Kopfes als Primärdiagnostik die Erkrankung feststellen. Auch bei bekannter MS wird die MRT-Untersuchung als Verlaufskontrolle angewendet, um eventuelle Verschlechterungen oder Neubildungen von weiteren Entzündungsherden diagnostizieren oder den Erfolg einer eingeleiteten medikamentösen Therapie dokumentieren zu können. Die Kopf-MRT hilft außerdem bei verlorener oder verringerter Hörfähigkeit, krankhafte Ursachen am Gehörnerv oder im Hirn auszuschließen.
- Enzephalitis und Meningitis
- Infektionen im Bereich des Gesichts- und Hirnschädels
Tumoren und Raumforderungen
- Primäre Hirntumoren (z. B. Gliome, Meningeome, Neurinome/Schwannome, Medulloblastome)
- Metastasen (Absiedlungen bösartiger Tumoren): Diese Tumoren bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Betroffene mit Hirnmetastasen erhalten eine Behandlung, die sich auch an der ursprünglichen Krebsart orientiert, von der die Metastasen stammen.
- Hormonell aktive Tumoren
- Hypophysentumore: Hypophysentumore sind gut- oder bösartige Raumforderungen, die verschiedene Symptome auslösen. Im Bereich der Hirnanhangsdrüse treten dabei gutartige Hypophysenadenome in den Vordergrund, die sich nach ihrer Größe in Mikroadenome (kleiner als 10 mm) und Makroadenome (größer als 10 mm) unterteilen lassen.
Durchblutungsstörungen
- Akuter ischämischer Schlaganfall: Frühe Diffusionsrestriktionen im betroffenen Areal. Bei Verdacht auf einen eventuellen Schlaganfall sollte die MRT-Untersuchung des Kopfes die erste Wahl zur Primärdiagnostik sein.
- Chronische Durchblutungsstörungen: Insbesondere bei älteren Erwachsenen sind auf Aufnahmen des Gehirns, die per Magnetresonanztomografie (MRT) erstellt wurden, helle Flecken zu erkennen. Diese Flecken weisen auf Auffälligkeiten in der sogenannten weißen Hirnsubstanz hin, einem Bereich des Gehirns, der aus Nervenfasern besteht und unterhalb der Großhirnrinde im Inneren des Gehirns liegt. Im Fachjargon spricht man von „White Matter Hyperintensities“. „Das sind Anzeichen von Gewebeschäden, die mit Durchblutungsstörungen, erhöhtem Blutdruck, Schlaganfall und kognitiven Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht werden“, erläutert die Neurowissenschaftlerin Valerie Lohner, Erstautorin der aktuellen Fachveröffentlichung.
Degenerative Erkrankungen
- Morbus Parkinson (Parkinson-Krankheit) und atypische Parkinson-Syndrome
- Alzheimer-Erkrankung: In unserer Klinik beschäftigen wir uns auch mit der Vorsorge bezüglich der Alzheimer-Erkrankung. Durch ein spezielles MRT-Untersuchungsprotokoll des Kopfes können wir mit unserem Kooperationspartner im Rahmen der Vorsorge eine Prognose für die nächsten 5 Jahre erstellen und eine Wahrscheinlichkeit für eine eventuelle Erkrankungsgefahr berechnen.
Andere Ursachen
- Systemische Speichererkrankungen
- Chiari-Malformation: Die Chiari-Malformation (früher Arnold-Chiari-Malformation, ACM) umfasst eine Gruppe von Fehlbildungen der hinteren Schädelgrube im Bereich des Kleinhirns, Hirnstamms und am Übergang zum Rückenmark.
- Folgen von Stoffwechselstörungen
- Kindliche Entwicklungsstörungen
- Erhöhtes Alter: Man weiß, dass diese Anomalien im Hirngewebe mit dem Alter zunehmen. Unsere Untersuchungen zeigen nun Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Das wurde schon länger diskutiert, die Datenlage war aber nicht eindeutig. Wir haben daher einen größeren Personenkreis und eine größere Altersspanne erfasst als bisherige Studien.
Die Rolle der Kopf-MRT in der Diagnostik von Hormonerkrankungen
Die Regulierung des Hormonhaushalts findet maßgeblich im Gehirn statt. Hypothalamus und Hypophyse fungieren als zentrale Regelkreise. Tumore oder anatomische Anomalien stören Hormonhaushalt und Stoffwechsel. Die Magnetresonanztomographie erreicht eine sehr gute Weichteilauflösung und kann die Hypophyse sowie umliegende Strukturen detailliert darstellen. Mithilfe spezieller MRT-Techniken lassen sich auch hormonaktive Hypophysenadenome erkennen. Zudem ermöglicht der MRT-Scan die Beurteilung der Gewebebeschaffenheit sowie das Erkennen medizinischer Notfälle wie eines Hypophysenapoplex (eine plötzliche Größenzunahme eines Adenoms, die durch Einblutungen verursacht werden kann). Mithilfe der Magnetresonanztomographie ist zudem die Beurteilung von Ausdehnung und Invasionsverhalten eines Tumors möglich.
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Zufallsbefunde im MRT
Bei einer prospektiven bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in den Niederlanden traten bei MRT-Untersuchungen des Gehirns bei 9,5 % der Patienten Zufallsbefunde auf. Am häufigsten waren Meningeome (Hirnhauttumoren; meist gutartig) und zerebrale Aneurysmen (Arterienerweiterung).
Kontraindikationen für eine MRT-Untersuchung
Es gibt bestimmte Situationen, in denen eine MRT-Untersuchung nicht oder nur unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt werden kann. Dazu gehören:
- Nicht MRT-taugliche implantierte Geräte
- Metallische Fremdkörper mit ferromagnetischen Eigenschaften im Körper
- Klaustrophobie (Platzangst) - ggf. Sedierung oder offene MRT erwägen
- Akute internistische Instabilität
- Kontrastmittelgabe bei Dialysepflichtigkeit (regelmäßige Blutwäsche) ohne sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung
- Kombination von MRT mit Kontrastmittel bei gleichzeitig nicht MRT-tauglichem Implantat
Ablauf einer Kopf-MRT-Untersuchung
Der MRT-Scan erfolgt in mehreren Schritten und ist in der Regel unkompliziert und schmerzfrei.
Vorbereitung
Vor der Untersuchung werden Sie gebeten, metallische Gegenstände wie Schmuck, Uhren, Haarnadeln, Piercings etc. abzulegen, da diese das Magnetfeld beeinflussen und die Bildqualität beeinträchtigen könnten. Falls ein Kontrastmittel notwendig ist, wird dies vorab mit Ihnen besprochen und mögliche Unverträglichkeiten werden geprüft.
Untersuchung
Sie legen sich bequem auf die Untersuchungsliege, die langsam in die Röhre des MRT-Geräts gefahren wird. Um Bewegungen zu vermeiden, wird Ihr Kopf mit einem speziellen Polster fixiert. Dies ist wichtig, da schon kleinste Bewegungen die Bildqualität und somit die Untersuchungsergebnisse beeinträchtigen können. Der Tomograph scannt nun Ihren Kopf und erstellt die hochauflösenden Bilder. Die Untersuchung dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten. Während der Untersuchung befindet sich der Kopf im MRT-Gerät, was bei manchen Patient:innen Unwohlsein auslöst. Deswegen ist es gut zu wissen, dass während der gesamten Untersuchungszeit eine medizinische Fachkraft anwesend ist und den Scan jederzeit unter- oder abbrechen kann. Sie erhalten dafür einen Notfallknopf.
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Nach der Untersuchung
Ist die MRT abgeschlossen, können Sie sofort Ihren gewohnten Alltag wieder aufnehmen. Sollte ein Kontrastmittel verwendet worden sein, wird dies in der Regel schnell vom Körper ausgeschieden. Die Bilder werden nun sorgfältig ausgewertet. Das Beste ist das man nach der Untersuchung sofort alles relevante mitgeteilt bekommt auf eine verständliche Art und Weise .