Einführung
Die Funktionsweise unseres Gehirns ist komplex und vielfältig. Menschen nehmen die Welt auf unterschiedliche Weise wahr und verarbeiten Informationen auf verschiedene Arten. Zwei grundlegende Denkstile sind räumliches und sequenzielles Denken, die beeinflussen, wie wir die Welt betrachten. In diesem Artikel werden wir uns mit dem Konzept des visuell-räumlichen Lernens befassen, insbesondere im Zusammenhang mit Hochbegabung und Hochsensibilität. Wir werden untersuchen, wie sich diese Eigenschaften manifestieren, welche Herausforderungen sie mit sich bringen und welche Strategien zur Förderung dieser besonderen Lerntypen eingesetzt werden können. Es ist wichtig, die Unterschiedlichkeit von Kindern zu akzeptieren und uns wirklich danach zu richten.
Visuell-räumliches Lernen: Eine besondere Art des Denkens
Visuell-räumliches Denken beinhaltet Synthese, ein intuitives Verstehen komplexer Systeme, gleichzeitige Verarbeitung von Konzepten, induktive Begründungen, Verwendung von Fantasie und kreatives Denken. Es ist beeinflusst durch Visualisierung, Bildern und einem Bewusstsein um Raum. Im Gegensatz dazu beeinhaltet das sequenzielle System Analyse, Verarbeitung vom Einfachen zum Komplexen, Organisation von Informationen und linear-deduktive Begründungen.
Visuell-räumlich Lernende denken in erster Linie in bildlichen Vorstellungen oder Bildern - entweder Standbilder wie Fotografien oder bewegte Bilder wie Videos. Visuelles Denken ist sehr schnell, komplex und nicht sequenziell. Einige visuelle Denker berichten von einer völligen Abwesenheit von Geräuschen oder Selbstgesprächen in ihren Köpfen, andere erleben einige Geräusche.
Dr. Linda Silverman, eine Pionierin auf dem Gebiet des visuell-räumlichen Lernens, hat zwei Typen hochbegabter visuell-räumlicher Lerntypen identifiziert. Der eine Typ zeichnet sich durch hohe Intelligenz und starke visuell-räumliche Fähigkeiten aus. Der zweite Typ umfasst Kinder, die intelligenter sind als ihre IQ-Ergebnisse vermuten lassen und große Fähigkeiten im visuell-räumlichen Denken, aber deutliche Schwächen in der auditiv-sequenziellen Verarbeitung haben. Diese Kinder werden oft nicht als hochbegabt erkannt und haben Schwierigkeiten in der Schule, weil weder ihre Intelligenz noch ihr ungewöhnlicher Lernstil anerkannt werden.
Merkmale visuell-räumlicher Lerntypen
Visuell-räumliche Lerntypen weisen eine Reihe von charakteristischen Merkmalen auf:
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- Überdurchschnittliche Intelligenz: Sie haben eine deutlich höhere Intelligenz als der Durchschnitt.
- Kreativität und divergentes Denken: Sie sind kreative und divergente Denker, die in der Lage sind, neue Ideen zu entwickeln und Probleme auf unkonventionelle Weise zu lösen.
- Körperliche und emotionale Sensibilität: Sie sind oft körperlich und emotional sensibel und reagieren stark auf ihre Umwelt.
- Schwierigkeiten in der auditiv-sequenziellen Verarbeitung: Sie haben Schwierigkeiten mit auditiv-sequenziellen Aufgaben wie Rechnen und der Wiederholung von Zahlen aus dem Gedächtnis.
- Stärken im visuell-räumlichen Bereich: Sie zeigen hohe Leistungen bei visuell-räumlichen Aufgaben wie dem Mosaiktest und dem Erkennen von Ähnlichkeiten.
- Sensible Nervensysteme: Begabte visuell-räumliche Lerntypen scheinen höchst sensible Nervensysteme zu haben, die es ihnen ermöglichen, außerordentliche Mengen sensorischer Reize aufzunehmen. Diese Kinder haben ein sehr sensibles Gehör und können Geräusche hören, die für andere Menschen nur Hintergrundrauschen wären. Sie können geflüsterte persönliche Gespräche aus großer Entfernung hören. Sich wiederholende Geräusche wie die von Neonröhren scheinen ihnen sehr laut und können sie ganz verrückt machen. Viele Kinder berichten von außergewöhnlicher Sensibilität gegenüber Helligkeit und grellem Licht. Von allen körperlichen Empfindlichkeiten ist Berührung diejenige, die die stärkste Reaktion sowohl von Eltern als auch von Kindern hervorruft. Die Kinder müssen alle Etiketten aus ihrer Kleidung entfernt haben. Sie sind sehr wählerisch bezüglich der Kleidung, die sie tragen und können oft keine Wolle auf ihrer Haut ertragen.
Die "Catch-22"-Situation: Wenn Begabung und Schwierigkeiten sich gegenseitig aufheben
Wenn hohe Intelligenz mit Schwierigkeiten in der auditiv-sequenziellen Verarbeitung einhergeht, können sich diese beiden Eigenschaften gegenseitig tarnen. Die Lernschwierigkeiten drücken den IQ und die Leistungsergebnisse dieser Schülerinnen und Schüler und weil sie häufig nicht als hochbegabt erkannt werden, wird ihren pädagogischen Bedürfnissen in diesem Bereich nicht entgegengekommen. Ihre hohe Intelligenz befähigt sie, ihre Schwächen gut genug zu kompensieren, um den schulischen Erwartungen gerecht zu werden und daher bleiben ihre Lernschwierigkeiten unentdeckt. Sie sind in einer »Catch 22«-Situation, in der ihre Begabung und ihre Lernschwierigkeiten einander aufheben und sie als durchschnittlich wahrgenommen werden.
Diese Kinder kämpfen darum, ihre Ziele zu erreichen, und mit jedem verstreichendem Jahr wird der Kampf härter, bis sie schließlich aufgeben. Wenn das passiert, sind diese Schülerinnen und Schüler gefangen in einer Spirale von Minderleistungen und Versagen, glauben, sie seien dumm, verlieren jegliche Motivation und hassen die Schule. Lehrkräfte glauben dann oft, dass es der Schülerin oder dem Schüler egal ist oder sie oder er faul ist, und in Reaktion darauf entwickeln diese oft Verhaltensprobleme.
Herausforderungen im schulischen Kontext
Herkömmliche Lehrmethoden sind oft auf auditiv-sequenzielle Lerntypen zugeschnitten. Konzepte werden Schritt für Schritt eingeführt, geübt und wiederholt, unter Zeitbegrenzung das Gelernte getestet und dann beurteilt. Dieses Vorgehen ist ideal für sequenziell Lernende, deren Lernen Schritt für Schritt vom Einfachen zum Schwierigen fortschreitet.
Visuell-räumlich Lernende verstehen Konzepte jedoch schnell, wenn sie innerhalb eines Zusammenhangs gezeigt werden und zu anderen Konzepten in Beziehung gesetzt werden. Wenn räumlich Lernende sich einmal ein geistiges Bild eines Konzepts schaffen und sehen, wie die Information zu dem passt, was sie bereits wissen, ist ihr Lernen dauerhaft. Ohne leicht erkennbare Verbindungsstränge kann die Information nirgends in Gehirn Halt finden - es ist so, als ob man in einem Vakuum lernt, und scheint der Schülerin oder dem Schüler wie sinnlose Übungen völliger Nutzlosigkeit. Lehrkräfte missinterpretieren die Schwierigkeiten der Schülerin oder des Schülers oft als eine Unfähigkeit, die Konzepte zu lernen und nehmen an, dass sie oder er mehr Übung braucht, um den Stoff zu verstehen.
Visuell-räumliche Lerntypen haben häufig Schwierigkeiten mit der Sprache. Um ihre Gedanken zu kommunizieren, müssen sie bestimmte Bilder in ihren Köpfen packen und sie in eine Reihenfolge bringen. Dann müssen sie sie im Gedächtnis behalten. Dann müssen sie die Bilder für die Worte lange genug behalten, um sie laut zu sprechen. Diese Schwierigkeit vergrößert sich, wenn sie die Worte niederschreiben müssen. Buchstaben müssen in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet werden, um Worte zu formen. Worte müssen in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet werden, um Sätze zu bilden. Sätze müssen miteinander verbunden werden, um Absätze zu bilden und Absätze müssen miteinander verbunden werden, um Aufsätze und Hausaufgaben zu bilden.
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Visuell-räumliche Lerntypen kommen durch Komplexität zur vollen Entfaltung und scheitern oft an einfachen Aufgaben, zum Beispiel mathematische Konzepte gegenüber Stundenplänen. Weil sie sich auf das größere Bild konzentrieren, wissen sie oft nicht, wie sie zu einer Schlussfolgerung gekommen sind oder ein Problem gelöst haben. Sie schneiden bei Tests mit Zeitbegrenzung schlecht ab. Auch neigen sie dazu, desorganisiert zu sein und haben Schwierigkeiten, Zeitbegrenzungen einzuhalten. Das ist kein Verhaltensproblem, sondern eine bedeutende Schwierigkeit, bei der sie Unterstützung brauchen, um passende Strategien und Fähigkeiten zu entwickeln. Sie brauchen Struktur und Vorhersagbarkeit, klare Grenzen und Zeitrahmen und Unterstützung bei der Planung von Projekten. Schwierigkeiten, Fakten auswendig zu lernen, schlecht in Fächern, die es erfordern, etwas auswendig zu lernen, z.B.
Förderung visuell-räumlicher Lerntypen
Es gibt verschiedene Strategien, die eingesetzt werden können, um visuell-räumliche Lerntypen zu fördern und ihnen zu helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen:
- Anerkennung der Begabung: Erstens, und am wichtigsten, brauchen diese Kinder es, dass ihre Begabung anerkannt wird und ihren pädagogischen Bedürfnissen in diesem Bereich entgegengekommen wird.
- Verständnis für den Lernstil: Zweitens brauchen sie Verständnis für ihren Lernstil, Hilfen bei ihren Schwächen und Änderungen in der Art, wie ihnen Informationen vorgebracht werden.
- Visualisierungstechniken: Verwenden Sie Visualisierungen, um Konzepte zu erklären und Zusammenhänge aufzuzeigen.
- Stärkenorientierter Ansatz: Konzentrieren Sie sich auf die Stärken der Schülerinnen und Schüler und nicht auf die Behebung ihrer Schwächen.
- Individuelle Anpassung: Passen Sie den Unterricht an die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler an.
- Mitsprache und Wahlmöglichkeiten: Visuell-räumliche Lerntypen sind aufmerksamer, wenn sie die Ziele der Anweisungen verstehen. Sie sind zu Hause und in der Schule kooperativer, wenn ihnen mehr Mitsprache bei Entscheidungsfindungsprozessen und einige legitime Wahlmöglichkeiten zugestanden werden.
- Respektvoller Umgang: Bestrafungen müssen nicht-öffentlich gehalten werden, da diese Kinder sehr sensibel sind und sich leicht gedemütigt fühlen. Wenn sie respektiert werden, werden sie lernen, andere mit Respekt zu behandeln.
- Herausforderungen: Diese Kinder kommen durch komplexe, abstrakte Konzepte zur vollen Entfaltung; sie haben eine natürliche Veranlagung, Muster zu finden und Probleme zu lösen. Daher passen sie ideal in die Arten von Erfahrungen, die in Programmen und Aktivitäten für Hochbegabte zu finden sind.
Hochsensibilität und visuell-räumliches Lernen
Viele visuell-räumliche Lerntypen sind auch hochsensibel. Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das durch eine erhöhte Sensibilität gegenüber Reizen und eine tiefere Verarbeitung von Informationen gekennzeichnet ist. Hochsensible Menschen nehmen mehr Details in ihrer Umgebung wahr und reagieren stärker auf Emotionen, Geräusche, Gerüche und andere sensorische Eindrücke.
Für hochsensible visuell-räumliche Lerntypen kann die Schule eine überwältigende Umgebung sein. Die vielen Reize, die ständige Interaktion mit anderen und der Leistungsdruck können zu Stress und Überforderung führen. Es ist wichtig, dass diese Kinder lernen, ihre Sensibilität zu akzeptieren und Strategien zu entwickeln, um mit den Herausforderungen umzugehen.
Asperger-Syndrom und visuell-räumliches Lernen
Es gibt Hinweise darauf, dass das Asperger-Syndrom bei Frauen anders in Erscheinung treten kann als bei Männern. Frauen mit Asperger interessieren sich möglicherweise nicht unbedingt für Zahlen und Computer, sondern haben ausgeprägte Spezialinteressen in vielfältigen Bereichen. Sie sind oft hochsensibel und sehr empathisch.
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Es ist wichtig zu beachten, dass das Asperger-Syndrom eine komplexe Diagnose ist und nicht alle visuell-räumlichen Lerntypen mit Hochsensibilität automatisch Asperger haben. Eine umfassende Diagnose durch Fachleute ist erforderlich, um eine korrekte Diagnose zu stellen und geeignete Unterstützung zu gewährleisten.