Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) entsteht durch die Einwirkung von Gewalt auf den Schädel und das darunterliegende Gewebe. Jährlich sind in Deutschland bis zu 300.000 Menschen davon betroffen. Das SHT ist mit 10.000 Fällen pro Jahr die häufigste Todesursache in der Altersgruppe zwischen 15 und 30 Jahren.
Ursachen und Arten von Kopfverletzungen
Kopfwunden entstehen oft durch Stürze, Verkehrsunfälle, Gewalttaten und Sportunfälle. Eine Kopfverletzung kann unter anderem Blutergüsse, Hirnblutungen oder Schwellungen im Gehirn verursachen, die das Nervengewebe schädigen.
Verletzungen der Kopfhaut, wie durch eine Platzwunde, haben bei sachgerechter Versorgung eine gute Heilungstendenz und bereiten im Allgemeinen keine weiteren Probleme. Allerdings kann es bei gewissen Gewalteinwirkungen dazu kommen, dass die Haut weniger robust ist und aufplatzt.
Definition und Einteilung des Schädel-Hirn-Traumas
Das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist die Folge einer Gewalteinwirkung auf den Schädel bzw. den Schädelknochen und das darunterliegende Gewebe. Es werden primäre und sekundäre Verletzungsfolgen unterschieden.
Die Einteilung eines SHT kann nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen. Hinsichtlich des Unfallzeitpunktes werden frühe (primäre) und späte (sekundäre) Hirnschädigungen unterschieden. Erfolgt die Verletzung zum Zeitpunkt des Unfalls, spricht man von einer frühen (primären) Hirnschädigung. Hierzu zählen neben Hirnprellungen und Einblutungen in das Hirngewebe auch Verletzungen an Gefäßen und Nerven. Der sekundäre Hirnschaden entsteht Minuten bis Tage nach dem initialen Trauma. Die Folgeschäden entstehen u. a. durch intrakranielle Drucksteigerung, Ischämie und Inflammation.
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Schweregrade des SHT
Fachleute teilen das SHT anhand einer Punkteskala, der Glasgow-Koma-Skala, in drei Schweregrade ein. Dazu vergeben sie je nach Bewusstseinszustand bis zu 15 Punkte: Sie prüfen, ob die Person die Augen öffnet, ob sie weiß, wer und wo sie ist, ob sie sich verbal ausdrücken und auf Aufforderung bewegen kann. Ein leichtes SHT stellen sie bei 13 bis 15 Punkten fest, ein mittelschweres bei bis zu 9 Punkten. Ab 8 oder weniger Punkten hat die Person ein schweres SHT.
- Leichtes SHT (GCS 13-15): Auch bekannt als Gehirnerschütterung (Commotio cerebri). Symptome sind unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Es hat normalerweise keine Langzeitfolgen.
- Mittelschweres SHT (GCS 9-12): Bei fast der Hälfte der Betroffenen bleiben Beeinträchtigungen zurück.
- Schweres SHT (GCS 3-8): Es endet in rund einem Drittel der Fälle tödlich.
Weitere Einteilungen
- Offenes SHT: Verletzung der Dura mater (harte Hirnhaut), wodurch eine Verbindung zwischen Gehirn und Außenwelt entsteht. Es besteht die Gefahr von Infektionen.
- Geschlossenes SHT: Die Dura mater ist intakt.
Erste Hilfe bei Kopfverletzungen
Als Erstes spricht man die Person an und überprüft, ob sie bei Bewusstsein ist und normal atmet. Ist sie wach und ansprechbar, beruhigt man sie und legt sie vorsichtig mit leicht erhöhtem Kopf und Oberkörper auf den Rücken. Dadurch soll der Hirndruck niedrig gehalten werden. Sonst bewegt man die Person so wenig wie möglich, um eventuell bestehende Wirbelsäulenverletzungen nicht zu verschlimmern.
Hat man den Verdacht, dass sie schwer verletzt ist, oder ist unsicher, wählt man sofort den Notruf 112. Bis die Rettungskräfte ankommen, verbindet man blutende Kopfwunden mit einem idealerweise keimfreien Druckverband, hält die Person mit Jacken oder einer Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Set warm und bleibt bei ihr. In regelmäßigen Abständen kontrolliert man, ob sie bei Bewusstsein bleibt und weiterhin normal atmet. Ist sie bewusstlos, atmet aber normal, bringt man sie in die stabile Seitenlage. Atmet sie hingegen nicht normal oder gar nicht, beginnt man sofort mit der Wiederbelebung.
Auch wenn es einer Person recht gut zu gehen scheint, sollte man ihr dazu raten, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Mitunter können sich die anfangs leichten Kopfschmerzen im Verlauf deutlich verschlimmern. Gleiches gilt für ein Kind: Bei Warnzeichen wie Bewusstlosigkeit ruft man sofort den Notruf 112, auch wenn es nur kurz ohnmächtig ist. Anderenfalls sollte man das Kind für 24 bis 48 Stunden gut beobachten und bei anhaltenden oder stärker werdenden Beschwerden sofort in die Kindernotaufnahme, zum Kinderarzt oder zur Kinderärztin gehen. Da sich gerade bei Säuglingen oft nicht einfach sagen lässt, ob sie schwer verletzt sind, ruft man im Zweifel lieber frühzeitig den Rettungsdienst.
Warnzeichen
Warnzeichen, die eine sofortige ärztliche Untersuchung erfordern, sind:
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- Starke Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit
- Gedächtnisstörungen
- Desorientiertheit
- Anhaltende und stärker werdende Kopfschmerzen
- Krampfanfälle
- Häufiges Erbrechen
- Seh- oder Hörstörungen
- Unterschiedlich große Pupillen
- Blutungen am Kopf oder aus Nase, Ohren oder Mund austretendes Blut oder Flüssigkeit (Hirnwasser)
Diagnostik im Krankenhaus
Die eintreffenden Rettungskräfte überprüfen zunächst Atmung, Bewusstsein und Kreislauffunktionen und reanimieren, falls nötig. Außerdem stabilisieren sie je nach Unfallhergang und Beschwerden die Halswirbelsäule oder die gesamte Wirbelsäule mit speziellen Schienen. Dann untersuchen sie den Kopf auf äußere Verletzungszeichen, versorgen Wunden und weitere Verletzungen und überprüfen grob, ob neurologische Einschränkungen bestehen. Dabei bestimmen sie den Schweregrad des SHT.
In der Regel transportieren sie den oder die Verletzte dann ins Krankenhaus, wo in der Computertomografie ein Bild von Schädel und Gehirn zum Ausschluss von Blutungen oder Brüchen gemacht wird.
Bildgebung
- Computertomografie (CCT): Die primäre Bildgebungsmethode, um Blutungen, Hirnödeme und Schädelfrakturen darzustellen.
- CT-Angiografie: Wird bei Verdacht auf Gefäßverletzungen durchgeführt.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Wird in speziellen Fällen eingesetzt, z.B. bei unklaren neurologischen Defiziten nach unauffälliger CT.
Behandlung im Krankenhaus
Die Behandlung eines SHT zielt darauf ab, das Leben des Patienten zu retten und sekundäre Hirnschäden zu vermeiden.
Konservative Therapie
- Überwachung: Engmaschige Überwachung von Atmung, Kreislauf, Bewusstsein und neurologischem Zustand.
- Atemwegsmanagement: Bei Bedarf Intubation und Beatmung, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicherzustellen.
- Kreislaufstabilisierung: Aufrechterhaltung eines ausreichenden Blutdrucks, um die Hirndurchblutung zu gewährleisten.
- Hirndruckmanagement: Maßnahmen zur Senkung des Hirndrucks, z.B. Oberkörperhochlagerung, osmotische Therapie (Mannitol, hypertone Kochsalzlösung) und Hyperventilation.
- Schmerztherapie und Sedierung: Anpassung der Narkosetiefe zur Vermeidung von "Pressen", Hypoxie und Hypotonie.
- Gerinnungsmanagement: Antagonisierung oraler Antikoagulation bei intrakraniellen Blutungen.
- Temperaturmanagement: Vermeidung von Hyperthermie.
Operative Therapie
- Entlastungstrepanation/dekompressive Kraniektomie: Bei therapierefraktär erhöhtem Hirndruck.
- Hämatomevakuation: Entfernung von Blutungen im Schädelinneren, um den Hirndruck zu senken.
- Versorgung von Schädelfrakturen: Stabilisierung von Brüchen und ggf. Abdichtung von Liquorfisteln.
Spezielle Maßnahmen bei groben Platzwunden
- Reinigung und Desinfektion der Wunde: Sorgfältige Reinigung der Wunde, um Infektionen vorzubeugen.
- Wundverschluss: Nähen oder Klammern der Wunde, um die Heilung zu fördern.
- Ausschluss tieferliegender Verletzungen: Überprüfung auf Verletzungen von Schädelknochen und Hirnhäuten.
Rehabilitation
Nach erfolgreicher Akutbehandlung schließen sich Rehamaßnahmen an, um die Folgeschäden des Schädel-Hirn-Traumas zu behandeln. Die Rehabilitation kann motorische, kognitive und psychische Beeinträchtigungen umfassen.
Langzeitfolgen
Einige Verletzte entwickeln innerhalb von zwei Wochen nach der Verletzung dumpfe Kopf- und Nackenschmerzen, die eventuell mit Übelkeit und Schwindel einhergehen und erst nach Wochen wieder abklingen oder sogar chronisch werden können. Bei anderen wird eine Epilepsie diagnostiziert. Ein schweres SHT führt langfristig oft zu psychischen Veränderungen und kognitiven Beeinträchtigungen wie Störungen der Konzentration, des Gedächtnisses oder beim Sprechen. Ebenso kann die Hypophyse in seltenen Fällen versagen, eine Hirnregion, die verschiedene Hormone produziert.
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Schmerzensgeld bei Platzwunden am Kopf
Wurde Ihnen die Platzwunde am Kopf von einer anderen Person zugefügt, kann grundsätzlich ein Anspruch auf Schmerzensgeld bestehen. Die Höhe des Schmerzensgeldes wird individuell bemessen und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Schmerzintensität, der Dauer der Arbeitsunfähigkeit und eventuellen Dauerschäden.
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