Gehirn und Sprache: Unterrichtsmaterial für die Schule

Das Gehirn ist ein faszinierendes Organ, dessen Funktionsweise und Aufbau für Schüler aller Altersstufen von Interesse ist. Um dieses komplexe Thema im Unterricht zu vermitteln, gibt es eine Vielzahl von Materialien und Ansätzen, die sowohl theoretisches Wissen vermitteln als auch praktisches Erleben ermöglichen. Dieser Artikel gibt einen Überblick über verschiedene Unterrichtsmaterialien und -methoden, die sich für den Einsatz in der Schule eignen, von der Grundschule bis zur Sekundarstufe.

Das Gehirn begreifbar machen: Projekte und Experimente für die Grundschule

Für Kinder im Grundschulalter ist das Gehirn oft abstrakt und schwer zu fassen. Projekte wie "Wir sind Hirnforscher!" machen die Schaltzentrale unseres Körpers begreifbar. In diesem Projekt, das in Berlin von der Hertie-Stiftung in Zusammenarbeit mit der iMINT-Akademie durchgeführt wird, schlüpfen die Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klasse selbst in die Rolle von Hirnforschern. Durch eigenes Experimentieren finden sie Antworten auf Fragen zum Gehirn. Die Inhalte sind auf den neuen Rahmenlehrplan für Berlin und Brandenburg abgestimmt.

Hirnhälften-Test

Ein einfaches Experiment, das aus der australischen Tageszeitung "Herald Sun" stammt, kann genutzt werden, um die Funktionen der beiden Hirnhälften zu demonstrieren.

Neurodidaktik: Fremdsprachenunterricht evidenzbasiert gestalten

Der Zusammenhang zwischen Neurowissenschaften und Fremdsprachendidaktik ist ein relativ junges Forschungsgebiet. Die stark zunehmenden gesicherten Erkenntnisse der Gehirnforschung helfen sukzessive, einen evidenzbasierten und nicht rein auf Hypothesen fußenden Fremdsprachenunterricht zu entwickeln.

Snippets für den Fremdsprachenunterricht

Die Idee zu thematischen Einheiten zu fremdsprachendidaktischen und neurowissenschaftlichen Aspekten des Sprachenlernens stammt von Michaela Sambanis (FU Berlin) und Heiner Böttger (KU Eichstätt-Ingolstadt). Diese "Snippets" bilden einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zu einer sich noch in den Kinderschuhen befindlichen, fremdsprachenrelevanten Neurodidaktik. Sie enthalten didaktische und lernpsychologische Erkenntnisse, die Hinweise geben können, wie der Fremdsprachenunterricht optimiert werden kann.

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Lernen lernen: Lerntechniken und das Gehirn

Die Thematik "Lernen lernen" und "Lerntechniken" kann im Zusammenhang mit dem Themenkomplex "Gehirn" Teil des Biologieunterrichts sein, ist darauf jedoch keineswegs beschränkt. Das Unterrichtsmaterial ist offen und experimentell gestaltet und kann auch im Rahmen eines fächerübergreifenden Lern- und Methodentrainings zum Einsatz kommen. Zielgruppe sind sowohl Schüler der Sekundarstufe 1 als auch der Sekundarstufe 2.

Experimente zum Thema Lernen

Das Material ist durchgängig darauf ausgelegt, dass die Schülerinnen und Schüler den Lernerfolg durch eigenes Erleben erzielen. In den Versuchen wird allerdings das ausprobiert, was für das Gehirn besonders schwierig ist - das Auswendiglernen. Die Schülerinnen und Schüler sehen zunächst den Film "Dein Gehirn - Lerne!" vollständig an. Ziel des Unterrichts ist es anschließend, unterschiedliche Lernarten und ihre Vor- und Nachteile am eigenen Leib erfahrbar zu machen.

Lernen in Bewegung

Im Film wird gezeigt, dass Lernen umso besser klappt, je aktiver der Vorgang ist. Bewegung unterstützt das Lernen, ebenso eine Stimulanz des Gehirns durch Neues. Dies wird in einem Versuch ausprobiert. Die Schüler lernen in vier Gruppen auf verschiedene Art und Weise 25 Vokabeln aus dem aktuellen Fremdsprachenunterricht - von einfachem Durchlesen bis zum Lernen in Bewegung. Jeder Gruppe steht die selbe Zeit zur Verfügung. Die Lehrerin bzw. der Lehrer kontrolliert die Gruppen, ob sie sich an die Vorgaben halten. Anschließend werden die Vokabeln schriftlich abgefragt und in Partnerarbeit überprüft. Danach ermitteln die Gruppen, wie viele Vokabeln durchschnittlich richtig wiedergegeben wurden. Die Schüler tauschen sich zudem darüber aus, wie sie die Lernart empfanden. Wie schwer beziehungsweise leicht ist ihnen das Lernen gefallen? Die Ergebnisse werden anschließend im Plenum präsentiert, verglichen und diskutiert.

Konzentration und Ablenkung

Ein weiteres Experiment soll verdeutlichen, wie wichtig Konzentration für das erfolgreiche Lernen ist und wie Ablenkung das Lernen stört. Nach dem Ansehen des Films "Dein Gehirn - Konzentriere Dich!" erhalten die Schülerinnen und Schüler Karteikärtchen mit Definitionen aus den Filmen. Diese sollen sie lernen - wieder in Gruppen, die jeweils verschiedenen störenden Einflüssen ausgesetzt sind.

Neuronale Netzwerke verstehen

Mithilfe eines modellhaften Spiels sollen die Schüler danach erleben, wie Neuronen-Netzwerke im Gehirn funktionieren. Obwohl das bei jüngeren Schülerinnen und Schülern im Lehrplan noch keine Rolle spielt, können auch sie dieses einfache Spiel durchführen. Es hilft zu verstehen, warum stumpfes Auswendiglernen so schwierig ist. Die genaue Anleitung für das Spiel findet man auf AB 8 "Netzwerke erleben - Versuchsanordnung". Unter anderem werden für die Umsetzung des Spiels die auf AB 9 angelegten Eigenschaftskärtchen benötigt.

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Gehirngerechtes Lernen: Ansätze und Materialien

In Thüringen werden die Ergebnisse der Hirnforschung interessiert verfolgt, ihre Umsetzung im Schulalltag durch verschiedene Vorhaben unterstützt. In einer Broschüre des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien wird ein Blick über die Grenzen Deutschlands gewagt und anhand des Modells "gehirngerechtes Klassenzimmer" von Robin Fogarty eine Möglichkeit gezeigt, die Brücke zwischen Hirnforschung und Unterrichtspraxis (Neurodidaktik) zu schlagen. Dabei werden vor allem Materialien vorgestellt, die in Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Fachdidaktikern und Lehrkräften erarbeitet, in der Unterrichtspraxis in verschiedenen Ländern erprobt und im Rahmen der Sommerakademie der Bertelsmann-Stiftung diskutiert wurden.

Lerntricks für den Unterricht: Das Gedächtnis unterstützen

Das Gedächtnis spielt eine zentrale Rolle beim Lernen. Die Wissenschaft unterscheidet beim Gedächtnis grob in zwei Bereiche: das deklarative Gedächtnis (auch explizites, rationales oder Wissensgedächtnis genannt) und das nicht-deklarative Gedächtnis (auch prozedurales oder implizites Gedächtnis genannt).

Deklaratives und nicht-deklaratives Gedächtnis

Das deklarative Gedächtnis speichert Fakten, allgemeine Informationen, Schulwissen aber auch Erlebnisse, Erfahrungen und Fakten des eigenen Lebens. Das nicht-deklarative Gedächtnis arbeitet eher unbewusst. Es speichert Fähigkeiten, Gewohnheiten und Verhaltensweisen, also Abläufe wie etwa das Gehen, das Fahrradfahren oder das Greifen.

Wiederholungen, Emotionen und Struktur

Damit aber das neue Wissen sich nicht wieder verflüchtigt, sondern möglichst dauerhaft im Gedächtnis bleibt, braucht es Wiederholungen, Emotionen und Strategien.

  • Wiederholungen: Wiederholungen sind entscheidend, damit Gelerntes tatsächlich im Langzeitgedächtnis landet. Schüler sollten motiviert werden, den Lernstoff für sich selbst zu wiederholen, etwa indem sie sich möglichst viel dazu aufzuschreiben: eigene Fragestellungen, eigene Gedanken oder einfach noch einmal die verschiedenen Fakten.
  • Emotionen: Emotionen helfen beim Lernen. Je mehr wir emotional involviert sind, desto erfolgreicher die Speicherung. Nutzen Sie diese Zusammenhänge und versuchen Sie, Interesse, Neugierde und Emotionen Ihrer Schüler zu wecken.
  • Struktur: Empfehlen Sie Ihren Schüler, sich Etappenziele zu setzen. Die bringen Struktur ins Lernen, lassen sich leichter erreichen und überprüfen und sie können so motivierend sein wie eine Jausenstation auf der Bergwanderung. Auch die Materialien sollten strukturiert sein. Lernen wird mit einer sinnvollen Archivierung und Systematisierung der Inhalte einfacher.

Lerntechniken: Loci-Technik und Eselsbrücken

Es gibt verschiedene Techniken, die das Gedächtnis unterstützen können.

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  • Loci-Technik: Mit der sogenannten Loci-Technik (von lateinisch Locus = Ort) können Schüler insbesondere sperriges oder prüfungsrelevantes Wissen lernen und bei Bedarf aus dem Gedächtnis abrufen. Dabei geht man im Geiste zum Beispiel durch die eigene Wohnung und wählt sich 10 bis 20 Punkte, an denen man gedanklich etwas ablegt.
  • Eselsbrücken: Auch Eselsbrücken können hilfreich sein. Schüler können auch eigene Eselsbrücken bauen. Das hat den großen Vorteil, dass sie sich dabei immer wieder mit dem Lernstoff auseinandersetzen müssen.

Unterrichtsmaterialien und Ressourcen

Es gibt eine Vielzahl von Unterrichtsmaterialien und Ressourcen, die für die Vermittlung des Themas "Gehirn und Sprache" in der Schule geeignet sind.

Filme

  • "Dein Gehirn" - dreiteilige Reihe: Die Produktion zeigt in einem Mix aus aufwändigem Realfilm, humorvollen Comics und gut verständlichen Animationen, wie drei Jugendliche die großen und kleinen Hürden des Tages nehmen. Die Filme erklären, welche Teile des Gehirns diese Aufgaben bewältigen und was passiert, wenn dabei Ablenkung oder Gefühle ins Spiel kommen - wie Glück, Angst oder Stress.
  • "Das Gehirn": Der Film beschreibt den Aufbau und die Funktionsweise unseres Gehirns. Es wird außerdem gezeigt, wie es sich im Laufe der Evolution verändert hat und wie Neurobiologen heute die Vorgänge im Gehirn untersuchen.

Online-Angebote

  • Neuroscience for Kids (englisch): Neuroscience for Kids has been created for all students and teachers who would like to learn about the nervous system.
  • Das menschliche Gehirn - Werner Stangls Arbeitsblätter: Diese Homepage bietet fast wie ein Lehrbuch umfangreiche Informationen zu allen möglichen (nicht nur psychologischen) Aspekten rund ums Gehirn.
  • Onlineangebot zur Zeitschrift "Gehirn und Geist": In Gehirn&Geist berichten Wissenschaftler/innen und Journalist/innen über neue Erkenntnisse aus Psychologie und Hirnforschung.
  • Unterricht.Schule: Unterricht.Schule ist mit dem Ziel entwickelt worden, Lehrkräfte im Unterrichtsalltag zu unterstützen, indem neuartige Unterrichtsmaterialien bereitgestellt werden, die das medial unterstützte Lernen in allen Fächern und den Unterricht mit Tablets bereichern und erleichtern.

Interaktive Tafelbilder

  • Gehirnaufbau - interaktives Tafelbild (ppt): In diesem "interaktiven Tafelbild" im Powerpoint - Format wird der Aufbau des Gehirns ohne Erklärungen kurz veranschaulicht.

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