Gelenkschmerzen und Taubheitsgefühl: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Gelenkschmerzen und Taubheitsgefühle können sehr unangenehm sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten und verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um eine gezielte Behandlung einzuleiten.

Missempfindungen der Haut: Parästhesie, Dysästhesie und Hypästhesie

Missempfindungen der Haut umfassen verschiedene Beschwerden, die einzeln, jedoch auch in Kombination auftreten können. Empfindungen wie Kribbeln, Pelzigkeitsgefühl oder Ameisenlaufen werden als Parästhesie bezeichnet, wörtlich mit "Fehlempfindung" zu übersetzen. Wenn die Missempfindungen unangenehm bis schmerzhaft sind, ohne dass es einen offensichtlichen Grund für die Schmerzen gibt, handelt es sich definitionsgemäß um Dysästhesien. Steht das Taubheitsgefühl im Vordergrund, spricht man von einer Hypästhesie oder verminderter Berührungsempfindlichkeit. Das Gegenteil der Hypästhesie stellt die Hyperästhesie dar - eine erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber verschiedenen Sinnesreizen, z. B. Berührung, Druck oder Temperatur. Sie ist ein typisches Symptom der Sudeck-Erkrankung, kommt jedoch auch häufig im Randbereich eines "tauben" Hautgebiets vor.

Als Ursache für diese Missempfindungen kommt jede Schädigung von Nerven in Frage, sei es durch Verletzungen, Druck, Stoffwechselerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Infektionen oder andere Erkrankungen.

Mögliche Ursachen für Gelenkschmerzen und Taubheitsgefühl

Die Ursachen für Gelenkschmerzen und Taubheitsgefühle sind vielfältig. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

  • Karpaltunnelsyndrom: Was sich anfangs oft wie eine eingeschlafene Hand anfühlt, kann das erste Anzeichen für ein Karpaltunnelsyndrom sein, bei dem ein beengter Handnerv zu unangenehmen Empfindungen und Schmerzen führt. Das Karpaltunnelsyndrom ist ebenso wie Arthrose eine Volkskrankheit. Jeder Sechste leidet im Laufe seines Lebens an Karpalband Schmerzen, Frauen öfter als Männer. Um ein Karpaltunnelsyndrom handelt es sich, wenn der Mittelhandnerv (Nervus Medianus) eingeklemmt wird, der sich an der Innenseite von Handgelenk und Handwurzel befindet. Schwillt das Gewebe im Karpaltunnel an, entsteht Druck auf den Nerv und die ihn versorgenden Blutgefäße. Bei dieser Einengung des Nervs am Handwurzelknochen kommt zu sensorischen Störungen und Missempfindungen wie Kribbeln, Schmerzen oder einem Taubheitsgefühl in der Hand. Das Karpaltunnelsyndrom ist keine Entzündung, sondern ein Kompressionssyndrom.
  • Tarsaltunnelsyndrom: Beim Tarsaltunnelsyndrom handelt es sich - ähnlich wie beim Karpaltunnelsyndrom am Handgelenk - um eine Nerveneinklemmung, die durch erhöhten Druck verursacht wird. Betroffen ist in diesem Fall der Nervus tibialis (Schienbeinnerv), der durch den Tarsaltunnel im Bereich des Innenknöchels verläuft und die Fußsohle versorgt. Ursächlich sind meist Fußfehlstellungen wie der Knick-Senkfuß oder Verletzungen. Der Tarsaltunnel hinter dem Innenknöchel dient als Durchtrittsstelle für Nerven und Gefäße in die Fußsohle. Er wird gebildet durch einen Knochenfortsatz am Knöchel und dem Retinaculum flexorum, einem Band, das sich vom Schienbein (Tibia) zum Fersenbein (Calcaneus) erstreckt. Der Schienbeinnerv verläuft zwischen dem Band und dem Sprungbein (Talus) an der Innenseite des Sprunggelenks. In diesem Bereich kann der Nerv aus verschiedenen Gründen komprimiert (zusammengepresst) und in der Folge gereizt und geschädigt werden. Dadurch entstehen Fußschmerzen, seitliche Fersenschmerzen und Missempfindungen. Viele Patienten berichten von einem Taubheitsgefühl oder Ameisenlaufen (Parästhesien) in der Fußsohle.
  • Polyneuropathie: Ein Gefühl, als würden Ameisen über die Beine laufen, Schmerzen oder fehlendes Temperaturempfinden in Händen oder Füßen - diese Symptome können Anzeichen für eine Polyneuropathie sein. Der Zusatz „Poly“ drückt aus, dass nicht nur ein einzelner Nerv, sondern mehrere Nerven oder ganze Nervenstrukturen geschädigt sind. Dadurch werden bei Betroffenen Reize zwischen Nerven, Rückenmark und Gehirn nicht mehr richtig weitergeleitet. Diese Funktionsstörung löst die typischen Beschwerden wie Schmerzen, Missempfindungen, Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche aus. Über das periphere Nervensystem sind Organe und Gewebe mit dem zentralen Nervensystem verbunden. Das komplexe Nervengeflecht hat vielfältige Aufgaben. Es leitet etwa motorische Befehle an die Muskeln weiter oder überträgt Sinneseindrücke. Eine Polyneuropathie kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven von der Erkrankung betroffen sind. Mediziner und Medizinerinnen unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien. Manche Menschen sind auch von mehreren Formen der Polyneuropathie gleichzeitig betroffen. Eine Polyneuropathie kann akut, sich schnell verschlechternd oder chronisch verlaufen.
  • Rheumatoide Arthritis: Bei einer rheumatoiden Arthritis sind am häufigsten Finger-, Hand- und Zehengelenke betroffen, im Gegensatz zur Psoriasis-Arthritis jedoch nicht die Fingerend- und Zehenendgelenke. Die Entzündungen treten in der Regel in einem symmetrischen Muster auf, also an den gleichen Gelenken beider Hände beziehungsweise Füße. Es können bei der rheumatoiden Arthritis aber auch fast alle anderen Gelenke des Körpers sowie Organe, beispielsweise die Augen, beteiligt sein. Die Symptome treten meistens schubartig auf, dabei kann ein Schub wenige Wochen bis mehrere Monate andauern. Die betroffenen Gelenke schwellen an und schmerzen, derdie Patientin hat zunehmend Schwierigkeiten zu greifen.
  • Bandscheibenvorfall: Bei einem Bandscheibenvorfall reißt der zähe Faserknorpel der Bandscheibe. Ihr gallertiger Kern tritt in den Wirbelkanal aus. Drückt der Gallertkern auf einen Rückenmarksnerven, leiden Betroffene unter starken Rückenschmerzen, die teilweise bis in Arme und Beine ausstrahlen. Nackenschmerzen und ausstrahlende Schmerzen in Armen sind üblicherweise Anzeichen dafür, dass Nervenwurzeln gedrückt werden. Taubheitsgefühl oder Kribbeln, insbesondere Schwäche in den Armen und im Schulterbereich, gelten als Symptome. Sie deuten auf einen Vorfall hin.
  • Spinalkanalstenose: Bei einer Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung (Stenose) des knöchernen Wirbelkanals, in dem das Rückenmark verläuft. Ursache dafür sind vor allem degenerative Prozesse. Dabei ragen Knochenanbauten oder verdickte Bänder in den Spinalkanal hinein und drücken auf Rückenmark und Nervenwurzeln. Die z. T. quälenden Beschwerden variieren je nach Ort der Einengung. Bei einer Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule kommt es z. B. zu Nackenschmerzen und Störungen der Feinmotorik. Häufiger entsteht eine Stenose jedoch im Bereich der Lendenwirbel (lumbale Spinalkanalstenose).
  • Weitere Ursachen: Es gibt noch viele andere mögliche Ursachen für Gelenkschmerzen und Taubheitsgefühl, wie z. B. Verletzungen, Infektionen, Stoffwechselerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Medikamentennebenwirkungen und Tumore.

Diagnostik

Um die Ursache von Gelenkschmerzen und Taubheitsgefühl zu ermitteln, ist eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Arzt erforderlich. Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, wie z. B.:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Krämpfen

  • Elektroneurographie: Bei der Elektroneurographie wird ein Elektrodenset im Gebiet des Nervenverlaufs auf die Haut geklebt - so lassen sich die elektrischen Impulse der Nerven messen. Die Untersuchung hilft dabei, herauszufinden, wie die Nervensignale transportiert und im Körper verteilt werden - Nervenschädigungen führen zu einem auffälligen Ergebnis und geben Hinweise zur Abgrenzung der Nervenausfälle.
  • Elektromyographie: Macht deutlich, ob und wie stark die Muskeln auf die Nervensignale ansprechen. Bei dieser Untersuchung werden dünne Nadelelektroden durch die Haut in den entsprechenden Muskel eingeführt.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können helfen, Knochen, Gelenke und Weichteile darzustellen und z. B. einen Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalstenose zu erkennen.
  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen können Hinweise auf Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder andere Erkrankungen geben.
  • Nervenwasseruntersuchung (Liquoruntersuchung): Bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems kann eine Nervenwasseruntersuchung durchgeführt werden.
  • Genetische Untersuchungen: Bei Verdacht auf eine genetisch bedingte Polyneuropathie können genetische Untersuchungen durchgeführt werden.
  • Biopsie: In seltenen Fällen kann eine Biopsie eines Nervs oder Muskels erforderlich sein, um die Ursache der Beschwerden zu klären.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von Gelenkschmerzen und Taubheitsgefühl richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Hier sind einige allgemeine Behandlungsmöglichkeiten:

  • Konservative Behandlung:

    • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden.
    • Entzündungshemmende Medikamente: Bei entzündlichen Erkrankungen können entzündungshemmende Medikamente wie Kortikosteroide eingesetzt werden.
    • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
    • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und die Selbstständigkeit zu erhalten.
    • Orthesen und Bandagen: Orthesen und Bandagen können helfen, Gelenke zu stabilisieren und zu entlasten. Gegen die Beschwerden des Karpaltunnelsyndroms können besonders nachts spezielle Schienen getragen werden, die ein Abknicken des Gelenks verhindern. Auch Schienen eignen sich zur konservativen Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms. Sie reduzieren den Druck und die Beweglichkeit, die beide den Tibialisnerven zusätzlich komprimieren. Sind Knick-Senkfüße die Ursache für das Tarsaltunnelsyndrom, können auch Schuheinlagen helfen.
    • Injektionen: Injektionen mit Kortikosteroiden oder Lokalanästhetika können zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt werden. Bei starken Entzündungen als Auslöser des Tarsaltunnelsyndroms sind schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente erforderlich. Dazu gehören nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die als abschwellende Entzündungshemmer eingesetzt werden. Bei schweren Entzündungen und Schwellung des Nerven ist zudem eine Kortisoninjektion möglich.
    • Neural-Akupunktur: Missempfindungen und Schmerzen können überdies mit einer Neural-Akupunktur behandelt werden.
  • Operative Behandlung:

    • In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Ursache der Beschwerden zu beheben. Dies kann z. B. bei einem Karpaltunnelsyndrom, einem Tarsaltunnelsyndrom, einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose der Fall sein. Beim Karpaltunnelsyndrom kann eine Karpaltunnelsyndrom-OP durchgeführt werden, bei welcher der Karpaltunnel erweitert wird. Das entlastet die Sehnen und vor allem der Medianus-Nerv deutlich; Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln werden rasch besser. Nach Eröffnung der Haut ist das Retinakulum (Halteband) sichtbar. Es engt den darunterliegenden Nerv ein. Das Band begrenzt den Tarsaltunnel nach oben zur Haut. Nach Durchtrennung des Retinakulums (Haltebandes) tritt der Tibialisnerv häufig aus dem Tarsaltunnel hervor. Die Schwellung des Nerven vor dem Retinakulum verschwindet in der Regel nach wenigen Minuten. Eine Naht des Retinakulums ist nicht notwendig.
  • Weitere Maßnahmen:

    • Lebensstiländerungen: Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und dem Vermeiden von Übergewicht kann helfen, Gelenkschmerzen und Taubheitsgefühl zu lindern.
    • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen und Schmerzen zu lindern.
    • Körperbewusstsein trainieren: Entstehen Taubheitsgefühle im Rahmen von Panikattacken oder als Ausdruck einer psychischen Störung, helfen eventuell Übungen zur Verbesserung des Körperbewusstseins. Mit Techniken wie Yoga oder dem Body Scan trainieren Sie, Ihre Aufmerksamkeit auch über einen längeren Zeitraum auf Ihren Körper zu richten und sich intensiver zu spüren.
    • Durchblutung ankurbeln: Steckt eine schlechte Durchblutung hinter den Empfindungsstörungen, hilft alles, was den Kreislauf in Schwung bringt und den Blutfluss anregt. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung, etwa durch flotte Spaziergänge oder Radfahren. Kräftigungs-, aber auch Dehnübungen steigern die Durchblutung noch zusätzlich.
    • Sitzposition überprüfen: Wenn Sie häufig unter eingeschlafenen Füßen leiden, sitzen Sie möglicherweise "falsch". Besonders viele Beschwerden macht das Sitzen mit gekreuzten Beinen, weil dies die Blutversorgung stört oder gar Nerven gequetscht werden. Wechseln Sie also immer wieder die Sitzposition und stehen Sie beim ersten Kribbeln sofort auf, damit das Blut wieder ungehindert fließen kann. Auch zu enge Schuhe schnüren die Blutzufuhr ab.
    • Gefäße gesund halten: Gesunde Blutgefäße sind die Voraussetzung für eine gute Durchblutung. Viele Abnutzungsprozesse entstehen aber durch einen falschen Lebensstil - z. B. durch Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsarmut.
    • Kühlen: Kühlen Sie alternativ das Handgelenk bei Schmerzen unter dem laufenden Wasserhahn.
    • Ergonomische Hilfsmittel: Arbeiten Sie zukünftig mit einer ergonomisch geformten Tastatur.
    • Übungen: Bei Symptomen eines Karpaltunnelsyndroms helfen verschiedene Übungen. Strecken Sie den Arm nach vorne, in dem Sie Schmerzen oder Taubheitsgefühle haben. Strecken Sie den betroffenen Arm neben dem Körper aus. Der Ellenbogen ist hierbei gebeugt, so dass der Unterarm nach oben zeigt. Strecken Sie nun Ihren Ellenbogen und Ihre Hand auf ungefähr 75 % der maximalen Streckung. Mithilfe einer Faszienrolle können Arm und Handgelenk gezielt massiert werden. Legen Sie nun die Fingerspitzen einer Hand auf die Rolle und schieben Sie Ihre Hand langsam nach vorne. Spezielle Übungen kräftigen die Muskulatur in Fuß und Schienbein. Folgende Übungen dienen einer schmerzfreien sanften Mobilisation des Sprunggelenks und verbessern die Körperwahrnehmung.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson-bedingten Gelenkschmerzen

  • die Schmerzen stark sind oder plötzlich auftreten
  • die Schmerzen länger als ein paar Tage anhalten
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln auftreten
  • Schwäche oder Lähmungen auftreten
  • die Beschwerden den Alltag beeinträchtigen

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Nerven- und Gelenkschmerzen

tags: #gelenkschmerzen #und #taubheitsgefuhl