Germanische Neue Medizin und Multiple Sklerose: Eine kritische Auseinandersetzung

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe neurologische Erkrankung, deren Verständnis sich stetig weiterentwickelt. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es verschiedene Subtypen der MS gibt, die sich auf zellulärer Ebene unterscheiden und mit unterschiedlichen Krankheitsverläufen einhergehen. Diese Erkenntnisse könnten den Weg für eine präzisere und personalisierte Behandlung von MS-Patienten ebnen.

Aktuelle Forschungsergebnisse zur Multiplen Sklerose

Eine bahnbrechende Studie hat gezeigt, dass es auf Zellebene drei Subtypen der Krankheit gibt. Jeder ist durch ein spezifisches Profil von Immunzellen im Blut gekennzeichnet und mit verschiedenen Krankheitsverläufen assoziiert. Dies ergab die Analyse der Blutproben von mehr als 500 MS-Patienten im Frühstadium.

Analysen unterscheiden erstmals drei verschiedene Typen der immunologischen Aktivierung, die mit spezifischen Kennzeichen und Krankheitsverläufen einhergehen: den entzündlichen, den degenerativen und einen dritten, den die Wissenschaftler noch nicht im Detail beschreiben können. Patienten mit „entzündlicher“ MS litten im ersten Jahr nach der Diagnose unter mehr Krankheitsschüben und zeigten Läsionen, die auf eine Fehlfunktion der Blut-Hirn-Schranke hinweisen. Wer hingegen die degenerative Form der MS hatte, war von Anfang an schwerer betroffen und die Behinderung schritt schneller voran. Die Neuroimmunologinnen und Neuroimmunologen fanden hier zudem winzige Löcher in der Hirnsubstanz, die Ursache für diesen schweren Krankheitsverlauf sein könnten.

Die nun gewonnenen Daten könnten diese Suche beschleunigen. Zudem lässt sich mit dem Immunzellprofil besser einschätzen, ob schwere Nebenwirkungen auftreten.

Germanische Neue Medizin: Eine pseudomedizinische Theorie

Im krassen Gegensatz zu diesen wissenschaftlichen Fortschritten steht die "Germanische Neue Medizin" (GNM), eine pseudomedizinische Theorie, die von Ryke Geerd Hamer in den 1980er Jahren entwickelt wurde. Hamer behauptete, dass alle Krankheiten durch seelische Konflikte verursacht werden und dass die Lösung dieser Konflikte zur Heilung führt. Er lehnte die Schulmedizin als schädlich ab und vertrat antisemitische Verschwörungstheorien.

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Die Grundprinzipien der Germanischen Neuen Medizin

Laut Hamer beginnt jede Krankheit mit einem "Dirk-Hamer-Syndrom" (DHS), einem unerwarteten, traumatischen Ereignis, das einen biologischen Konflikt auslöst. Dieser Konflikt manifestiert sich auf drei Ebenen: der Psyche, dem Gehirn und dem Organ. Die GNM behauptet, dass die Schulmedizin überflüssig und sogar schädlich sei, da sie den natürlichen Heilungsprozess störe. Stattdessen empfiehlt Hamer die Lösung des Konflikts durch Selbstheilung und die Kraft der Natur.

Kritik und Gefahren der Germanischen Neuen Medizin

Die GNM ist wissenschaftlich nicht haltbar und wird von Medizinern und Wissenschaftlern weltweit abgelehnt. Es gibt keine Beweise dafür, dass Krankheiten durch seelische Konflikte verursacht werden oder dass die GNM eine wirksame Behandlungsmethode ist. Im Gegenteil, die GNM kann gefährlich sein, da sie Patienten davon abhalten kann, sich einer wirksamen medizinischen Behandlung zu unterziehen.

Die Deutsche Krebsgesellschaft hat sich klar gegen die Germanische Neue Medizin positioniert und betont, dass es sich um eine Theorie ohne wissenschaftliche oder empirische Grundlage handelt. Expertinnen und Experten warnen vor der GNM als alternative Behandlungsmethode und weisen auf die Gefahren hin, die mit der Ablehnung der Schulmedizin verbunden sind.

Antisemitische Wurzeln der Germanischen Neuen Medizin

Ein besonders besorgniserregender Aspekt der GNM ist ihr antisemitischer Hintergrund. Hamer war ein überzeugter Antisemit und behauptete, dass Juden die GNM praktizieren und sie dem Rest der Weltbevölkerung vorenthalten würden. Er verbreitete Verschwörungstheorien über jüdische Weltbeherrschung und griff die Schulmedizin als jüdische Erfindung an.

Multiple Sklerose und die Germanische Neue Medizin

Es gibt keinerlei wissenschaftliche Grundlage für die Behauptung, dass die GNM eine wirksame Behandlung für Multiple Sklerose ist. MS ist eine komplexe Autoimmunerkrankung, die eine umfassende medizinische Behandlung erfordert. Die GNM kann MS-Patienten gefährden, indem sie sie von einer evidenzbasierten Behandlung abhält und sie stattdessen einer unwirksamen und potenziell schädlichen pseudomedizinischen Therapie aussetzt.

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Fallbeispiele und Warnungen

Es gibt zahlreiche tragische Fallbeispiele von Menschen, die an die GNM glaubten und starben, weil sie sich einer wirksamen medizinischen Behandlung verweigerten. Ein besonders erschütterndes Beispiel ist der Fall der kleinen Sighild B., die an multiplem Organversagen starb, weil ihre Eltern sie aufgrund ihres Glaubens an die GNM nicht ausreichend mit Insulin versorgten.

Die Bedeutung evidenzbasierter Medizin

Es ist von entscheidender Bedeutung, sich auf evidenzbasierte medizinische Informationen und Behandlungen zu verlassen. Multiple Sklerose ist eine komplexe Erkrankung, die eine umfassende medizinische Betreuung erfordert. Patienten sollten sich von qualifizierten Ärzten und Therapeuten beraten lassen und sich nicht von pseudomedizinischen Theorien wie der Germanischen Neuen Medizin in die Irre führen lassen.

Aktuelle Therapieansätze bei Multipler Sklerose

Die Behandlung der Multiplen Sklerose hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, die den Krankheitsverlauf verlangsamen, Schübe reduzieren und Symptome lindern können. Zu den gängigen Therapieansätzen gehören:

  • Immunmodulatorische Therapien: Diese Medikamente zielen darauf ab, das Immunsystem zu modulieren und die Entzündung im zentralen Nervensystem zu reduzieren.
  • Immunsuppressive Therapien: Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem, um die Autoimmunreaktion zu verlangsamen.
  • Symptomatische Therapien: Diese Behandlungen konzentrieren sich auf die Linderung spezifischer Symptome wie Müdigkeit, Schmerzen, Spastik und Blasenfunktionsstörungen.
  • Rehabilitation: Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können Patienten helfen, ihreFunktionen zu verbessern und ihre Lebensqualität zu erhalten.

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