Die "Germanische Neue Medizin" (GNM) nach Ryke Geerd Hamer ist eine pseudomedizinische Theorie, die in den 1980er-Jahren entstand und bis heute kontrovers diskutiert wird. Sie postuliert, dass jede Krankheit, einschließlich Krebs, auf ein spezifisches seelisches Trauma zurückzuführen ist. Diese Theorie steht im Widerspruch zur modernen Medizin und wird von Experten scharf kritisiert. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen der GNM, ihre Kritikpunkte und die Gefahren, die von ihrer Anwendung ausgehen können.
Die Grundlagen der Germanischen Neuen Medizin
Die "Germanische Neue Medizin" (GNM) wurde 1981 von Ryke Geerd Hamer begründet. Nach Hamer sind Auslöser für Erkrankungen wie Krebs immer Schockerlebnisse, sogenannte "biologische Konflikte", die er als "Dirk-Hamer-Syndrom" (DHS) bezeichnete - benannt nach seinem Sohn Dirk, der nach einer Schussverletzung verstarb. Hamer entwickelte, inspiriert durch Träume von seinem Sohn Dirk, eine Theorie über die Entstehung von Krebserkrankungen, die er als „Eiserne Regel des Krebses“ zusammenfasste und als - abgelehnte - Habilitationsschrift bei der Medizinischen Fakultät Tübingen einreichte.
Kernbestandteil dieser Theorie ist, dass der Auslöser jeder Krebserkrankung ein hochdramatisches Schockerlebnis ist, von Herrn Hamer DHS („Dirk-Hamer- Syndrom“) genannt - wie eben in seinem Falle der Verlust seines Sohnes. Dieses Schockerlebnis hinterlässt nach Hamers Theorie Spuren im Gehirn, die mittels einer CT-Untersuchung detektiert werden können. Nach einer konfliktaktiven Phase folgt nach der Theorie, falls eine Lösung des zugrundeliegenden „biologischen Konfliktes“ gelingt, die Heilungsphase. Im Weiteren erfolgte eine Verallgemeinerung dieses Prinzips durch Herrn Hamer auf andere Erkrankungen zuletzt auf die gesamte Medizin. Er formulierte fünf biologische Naturgesetze („1. Die Eiserne Regel des Krebses, 2. Das Gesetz der Zweiphasigkeit aller Erkrankungen, 3. Das ontogenetische System der Tumoren, 4. Das ontogenetisch bedingte System der Mikroben, 5. Als Schlussfolgerung aus der geschilderten Theorie zur Krebs- bzw. allgemeinen Krankheitsentstehung aus Konflikten wird die Therapie von Erkrankungen und insbesondere von Krebserkrankungen in der Lösung des zugrundeliegenden Konfliktes gesehen. Die Konfliktlösung soll zur Ausheilung der Tumorerkrankung führen, eine schulmedizinische Behandlung wird nicht nur als unnötig, sondern sogar als schädlich angesehen.
Die Lehre der „GNM“ wird intensiv im Internet auf verschiedenen Homepages und Diskussionsforen verbreitet; außerdem werden Stammtische zur „GNM“ mit regelmäßigen Treffen organisiert. Auf diesen Homepages finden sich eine Reihe von Berichten über Patienten.
Hamer ging davon aus, dass jede Krankheit durch ein spezifisches Trauma ausgelöst wird und dass die Lösung dieses Konflikts zur Heilung führt. Schulmedizinische Behandlungen lehnte er ab.
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Kritik an der Germanischen Neuen Medizin
Aus wissenschaftlicher Sicht entbehren die diagnostischen und therapeutischen Ansätze der Neuen Medizin jeder Grundlage. Die Theorie ist empirisch nicht belegbar und widerspricht den Erkenntnissen der modernen Medizin.
Wissenschaftliche Widerlegung
Die Grundhypothese der GNM ist nach heutigem Erkenntnisstand widerlegt. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Krebs oder andere Krankheiten ausschließlich durch psychische Traumata verursacht werden.
Gefährdung von Patienten
Da das Vertrauen in die Germanischen Neuen Medizin verhindern kann, dass Patienten eine für sie angemessene je nach Tumorsituation kurative oder palliative Therapie bekommen, wird möglicherweise eine Chance auf Heilung bzw. Lebensverlängerung vergeben. Ein Kommentar von Prof. … fasst dies treffend zusammen: "Herr Hamer wollte Krebserkrankungen mit einer Art Psychotherapie heilen. Das geht aber nicht. Mit seiner Methode hat er Patienten von wirksamen Therapien abgehalten."
Ablehnung wirksamer Therapien
Hamer lehnte schulmedizinische Behandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung ab, was dazu führte, dass Patienten von potenziell lebensrettenden Therapien abgehalten wurden. Prof. … betont, dass Hamer "immer wieder Patienten mit schweren Erkrankungen (teils auch Kinder) von einer wirksamen Therapie abhielt (auch wenn diese mit hoher Erfolgsrate möglich war) und stattdessen mit seinen obskuren teilweise schon an Aberglauben grenzenden Verfahren behandelte."
Fehlende wissenschaftliche Evidenz
Die GNM basiert auf anekdotischen Beweisen und persönlichen Erfahrungen Hamers, ohne dass es jemals randomisierte, kontrollierte Studien gegeben hätte, die ihre Wirksamkeit belegen.
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Rechtliche Konsequenzen für Hamer
Mit Bescheid vom 08. April 1986 wurde Herrn Hamer durch die Bezirksregierung Koblenz die vom Land Hessen erteilte Approbation widerrufen. Eine von Herrn Hamer hiergegen erhobene Klage wurde vom Verwaltungsgericht Koblenz am 03.07.1989 abgewiesen, ebenso wurde die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung am 21.12.1990 durch Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz zurückgewiesen. Dabei wurde ausgeführt, dass der Widerruf der Approbation zu Recht erfolgte, da eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür bestehe, dass der Kläger aufgrund seiner geistig-seelischen Konstitution nicht mehr in der Lage sei, sein praktisches ärztlichen Handeln an der Einsicht in die ärztlichen Gegebenheiten auszurichten.
Auch ein Antrag vom 30.06.1992 des Klägers auf Wiedererteilung der Approbation wurde durch das Hessische Landesprüfungsamt mit Bescheid vom 12.01.1993 abgelehnt. Es wurde ausgeführt, dass nach dem rechtskräftigen Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes Koblenz vom 21.12.1990 davon auszugehen sei, dass der Kläger in der Diagnostik und Therapie insbesondere krebskranker Patienten einer von ihm begründeten Lehre, der sog. Neuen Medizin den absoluten Vorrang einräume und dabei zugleich Möglichkeiten, die sich mit ihren Methoden nicht vereinbaren ließen, von der Anwendung ausschließe. Er sei folglich nicht bereit, Patienten in Kenntnis der ärztlichen Gegebenheiten der nach dem derzeit anerkannten Wissenstand gebotenen Behandlung zuzuführen. Auch der am 15.01.1993 eingelegte Widerspruch wurde vom Hessischen Landesprüfungsamt mit Widerspruchsbescheid vom 13.06.1996 zurückgewiesen. Exemplarisch wird in diesem Bescheid auf das Verhalten des Klägers im Falle der an Krebs erkrankten Olivia Pilhar verwiesen. Gegen diesen Bescheid erhob Herr Hamer am 16.06.1996 erneut Klage, die nach vorübergehender Aussetzung wegen erfolgender staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen schließlich aufgrund einer mündlichen Verhandlung vom 22. Oktober 2003 abgewiesen wurde. Die Abweisung der Klage wird damit begründet, dass Herr Hamer unverändert in der Diagnostik und Therapie krebskranker Menschen der von ihm begründeten Lehre der sog. „Neuen Medizin“ den absoluten Vorrang einräume und andere Ansätze und Methoden bei der Behandlung von vorne herein ausschließt. Weiterhin wird zur Begründung der Abweisung der Klage angeführt, dass Herr Hamer wiederholt gegen Strafvorschriften verstoßen habe, weswegen er rechtskräftig verurteilt wurde. Trotz Entzugs der ärztlichen Approbation behandelte Herr Hamer mehrfach Patienten. Deshalb erfolgte im Februar 1993 eine rechtskräftige Verurteilung des Landgerichts Köln zu einer Freiheitsstrafe von 4 Monaten auf Bewährung. Mit rechtskräftigem Urteil des Amtsgerichts Köln vom 09.09.1997 wurde der Kläger zu einer weiteren Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 7 Monaten verurteilt. Im Juni 2004 wurde Herr Hamer in Abwesenheit in Chambery, Frankreich wegen Betrugs und Komplizenschaft bei der illegalen Ausübung medizinischer Tätigkeit zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft starben mehrere Patienten, nachdem sie dem Rat zweier Anhängerinnen Hamers gefolgt waren. Am 09.
Aufgrund seiner pseudomedizinischen Praktiken und der Gefährdung von Patienten wurde Hamer die Approbation als Arzt entzogen.
Antisemitische Tendenzen
In den Schriften von Hamer tritt eine eindeutige antisemitische Haltung zutage. Ursprünglich wurde die Theorie von Herrn Hamer unter dem Begriff „Neue Medizin“ verbreitet. Später wurde eine begriffliche Veränderung in „Germanische Neue Medizin“ vorgenommen. Hamer stamme. Weiter führt Hamer aus: „Es ist doch so: Die jüdische Religion teilt bekanntlich alles ein in gutartig u. bösartig, so auch in der jüdischen sog. Schulmedizin. Wir Nichtjuden werden gezwungen, weiterhin die jüdische Schulmedizin zu praktizieren mit Chemo, Morphium…- die die Juden selbst aber seit 20 Jahren nicht mehr praktizieren.“ (www.AGPF.de/Hamer.htm).
Hamer vertrat antisemitische Verschwörungstheorien, die seine Lehre zusätzlich diskreditieren.
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Psychische Faktoren und Krebs: Eine differenzierte Betrachtung
Die Vorstellung, dass psychische Faktoren einen Einfluss auf die Entstehung von Krebserkrankungen haben, hat eine lange Tradition. Von Galen, dem Leibarzt des römischen Kaisers Marc Aurel, wurden Krebserkrankungen mit der Melancholie in Verbindung gebracht. Bisweilen wird bis heute von einer Krebspersönlichkeit gesprochen, die gekennzeichnet sei durch Depression, vermindertem Ausdruck von Ärger und Wut sowie Selbstaufopferungstendenzen. Neuere epidemiologische bevölkerungsbasierte Studien aus Dänemark zeigen eindeutig, dass es keine erhöhte Krebshäufigkeit bei Menschen mit Depressionen gibt und auch schwerwiegende psychische Stressfaktoren wie die ernsthafte Erkrankung eines Kindes zu keiner Erhöhung der Krebsinzidenz führen (Dalton et al.
Es ist wichtig zu betonen, dass psychische Faktoren zwar einen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Krebspatienten haben können, aber nicht die alleinige Ursache für die Entstehung von Krebs sind.
Die Rolle von Mikroplastik in Krebszellen
Mikroplastik wird einer Studie zufolge in Krebszellen nicht abgebaut, sondern weitergegeben. Winzig kleine Plastikteilchen werden zumindest in Darmkrebszellen nicht abgebaut, sondern bei Zellteilungen weitergegeben. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team aus Österreich und Deutschland, das die Verteilung der Partikel in Kulturen von Darmkrebszellen des Menschen untersucht hat. "Wichtig ist, dass die Partikel während der Teilung zwischen Mutter- und Tochterzellen verteilt wurden, ohne dass es Anzeichen für eine Eliminierung gab", betonen die Forscher im Fachjournal "Chemospheres". Die zu den Zellen gegebenen Teilchen hatten einen Durchmesser von 0,25, 1 und 10 Mikrometer (Millionstel Meter). Wurden die Plastikteilchen von 0,25 Mikrometern Durchmesser zu den Zellen hinzugefügt, so verstärkte sich die Zellbewegung sogar. Das Team habe unter anderem in Live-Aufnahmen die Wanderung der Zellen verfolgt, erläuterte Pichler.
Inwieweit die Laborversuche auf lebende Menschen übertragbar sind, muss noch untersucht werden. Die Forschung zur Zellmigration sei noch relativ neu, sagte Pichler der dpa. Mikro- und Nanoplastik können wir nicht entgehen, denn wir nehmen es beim Trinken, Essen und sogar Atmen auf. Australische Forscher hatten 2019 geschätzt, dass es bei jedem Menschen je nach Lebensumständen 0,1 bis 5 Gramm Mikroplastik pro Woche sind. 5 Gramm entspricht dem Gewicht einer EC-Karte. Gewöhnlich bauen sogenannte Lysosomen in den Körperzellen alle Fremdkörper ab, doch an den Plastikteilchen scheitern sie nach Angaben des Teams um Pichler. Sie werden zwar wie andere Abfallprodukte im Körper von den Lysosomen aufgenommen, einer Art Magen der Zelle. Die Plastikteilchen werden nach Angaben des Teams jedoch aufgrund der körperfremden chemischen Zusammensetzung nicht abgebaut - im Gegensatz zu Fremdkörpern biologischen Ursprungs. Die zugegebenen Plastikteilchen reicherten sich im Versuch zudem in den Zellklümpchen an, die sich nicht ausbreiteten.
Die Beobachtungen wiesen darauf hin, dass die Plastikteilchen versteckte Katalysatoren für die Tumore sind, "insbesondere durch die Verstärkung der Zellmigration und die mögliche Förderung der Metastasierung", schreiben die Forscher. Es sei davon auszugehen, dass von den Plastikteilchen eine "chronische Toxizität ausgeht", befürchtet Pichler. Die Plastikteilchen wurden schon in Stuhlproben und verschiedenen Organen des Menschen entdeckt. Bereits 2023 hatte ein Team unter Mitarbeit Pichlers an Mäusen nachgewiesen, dass Nanoplastik selbst die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Die Teilchen waren bereits zwei Stunden nach der Gabe im Hirn nachzuweisen.
"Eine große Herausforderung ist auch, dass wir sozusagen von einer chronischen Dosierung reden. Das heißt, wir nehmen winzigste Mengen über einen langen Zeitraum zu uns", sagte Pichler. Das bedeute eine dementsprechend lange Studiendauer. In der aktuellen Studie wurden nur Partikel der Größe 0,25 und 1 Mikrometer von den Zellen aufgenommen, nicht aber die großen 10-Mikrometer-Partikel. Ähnliches ist nach Forscherauskunft schon in früheren Studien mit Darmzellen festgestellt worden. Es gibt verschiedene Definitionen für die Größenordnung der Teilchen. Einige sehen nach Angaben des Studienteams Teilchen der Größe 1 bis 1000 Mikrometer als Mikroplastik an und solche kleiner als 1 Mikrometer als Nanoplastik. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung ist nicht davon auszugehen, dass von den Plastikpartikeln in Lebensmitteln generell gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen. Laut früheren Schätzungen des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik sind die Hauptquellen für Mikroplastik-Eintragungen in Deutschland der Abrieb von Reifen und von Bitumen im Asphalt sowie die Freisetzung bei der Abfallentsorgung.
Diese Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Mikroplastik potenziell schädliche Auswirkungen auf Krebszellen haben könnte, was weitere Untersuchungen erforderlich macht.
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