Einführung
Toxoplasmose, eine Infektion mit dem Parasiten Toxoplasma gondii, ist weit verbreitet. Schätzungsweise sind 50 bis 60 % der Bevölkerung in Deutschland infiziert. Während die Infektion oft symptomlos verläuft, gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass T. gondii das Verhalten und die kognitiven Funktionen des Menschen beeinflussen kann. Ein wichtiger Faktor dabei scheint die Beeinflussung des Dopaminhaushaltes im Gehirn zu sein.
Toxoplasma gondii: Ein Überblick
Toxoplasma gondii ist ein einzelliger Parasit, der weltweit vorkommt. Der Hauptwirt des Parasiten sind Katzen, in deren Darm er sich sexuell vermehren kann. Menschen infizieren sich meist durch den Kontakt mit Katzenkot, den Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Fleisch oder durch kontaminiertes Obst und Gemüse.
Nach der Infektion bildet der Parasit Zysten im Gewebe des Wirts, insbesondere im Gehirn, der Muskulatur und der Retina. Diese Zysten enthalten Bradyzoiten, das Ruhestadium des Parasiten. In den meisten Fällen verursacht die Toxoplasmose keine oder nur geringe Symptome, die einer leichten Grippe ähneln. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder bei einer Infektion während der Schwangerschaft kann die Erkrankung jedoch schwerwiegende Folgen haben.
Die Manipulation des Verhaltens durch Toxoplasma gondii
Es ist bereits länger bekannt, dass Toxoplasma gondii das Verhalten von Tieren beeinflussen kann. So verlieren infizierte Mäuse ihre natürliche Angst vor Katzenurin und werden dadurch leichter zur Beute, was dem Parasiten hilft, in seinen Endwirt, die Katze, zu gelangen.
Auch beim Menschen gibt es Hinweise darauf, dass T. gondii das Verhalten beeinflussen kann. Studien haben gezeigt, dass infizierte Menschen risikobereiter sein können und möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Verkehrsunfälle haben. Einige Studien deuten auch auf einen Zusammenhang zwischen Toxoplasmose und psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Zwangsstörungen und Depressionen hin.
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Der Einfluss von Toxoplasma gondii auf den Dopaminhaushalt
Ein möglicher Mechanismus, durch den T. gondii das Verhalten beeinflusst, ist die Veränderung des Dopaminhaushaltes im Gehirn. Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegung, Kognition, Emotionen und des Belohnungssystems spielt.
Toxoplasma gondii kann die Dopaminproduktion im Gehirn erhöhen. Der Parasit produziert ein Enzym namens Tyrosinhydroxylase (TYH), das an der Synthese von Dopamin beteiligt ist. Studien haben gezeigt, dass infizierte Zellen eine erhöhte Dopaminproduktion aufweisen und dass sich TYH in den Zysten des Parasiten im Gehirn anreichert.
Die erhöhte Dopaminproduktion kann verschiedene Auswirkungen auf das Verhalten und die kognitiven Funktionen haben. Ein erhöhter Dopaminspiegel kann zu einer erhöhten Risikobereitschaft, Impulsivität und Veränderungen in der emotionalen Reaktion führen.
Toxoplasmose, Dopamin und psychische Erkrankungen
Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Toxoplasmose, Veränderungen im Dopaminhaushalt und psychischen Erkrankungen.
Schizophrenie
Mehrere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Toxoplasmose und einem erhöhten Risiko für Schizophrenie gefunden. Menschen mit Schizophrenie weisen häufiger Antikörper gegen T. gondii auf als gesunde Kontrollpersonen. Es wird vermutet, dass die durch T. gondii verursachte erhöhte Dopaminproduktion im Gehirn zur Entstehung von schizophrenen Symptomen beitragen kann. Schizophrenie-Medikamente, die den Dopamin-Signalweg hemmen, können die Symptome lindern.
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ADHS
Es gibt auch Untersuchungen, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Toxoplasmose und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) untersuchen. Einige Studien haben gezeigt, dass ADHS-Betroffene seltener Antikörper gegen T. gondii aufweisen als Nichtbetroffene, während andere Studien keine erhöhten Antikörper fanden. Eine Studie fand sogar ein erhöhtes Risiko für ADHS bei Erwachsenen mit T.-gondii-Seropositivität. Die Studienlage ist hier jedoch noch nicht eindeutig. Es ist wichtig zu beachten, dass andere Infektionen der Mutter in der Schwangerschaft ebenfalls das ADHS-Risiko des Kindes erhöhen können. T. gondii ist vermutlich eher als Modell für die Beeinflussung des Verhaltens durch Erreger zu betrachten, denn als unmittelbarer Einflussfaktor in Bezug auf ADHS. Zumindest für die Differentialdiagnostik von ADHS-HI dürfte T. gondii eine Rolle spielen können.
Andere psychische Erkrankungen
Neben Schizophrenie und ADHS gibt es auch Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Toxoplasmose und anderen psychischen Erkrankungen wie Zwangsstörungen, Depressionen und bipolarer Störung. Es ist jedoch noch unklar, ob T. gondii tatsächlich eine ursächliche Rolle bei der Entstehung dieser Erkrankungen spielt oder ob es sich lediglich um eine Korrelation handelt.
Toxoplasmose und kognitive Funktionen im Alter
Eine Studie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) hat gezeigt, dass eine latente Toxoplasmose im Alter die Gedächtnisleistungen beeinträchtigen kann. In einer Doppelblindstudie mit Senioren wurde festgestellt, dass Toxoplasmose-positive Probanden im Arbeitsgedächtnis-Test um 35 Prozent schlechter abschnitten als nicht infizierte Probanden. Zudem schätzten die betroffenen Personen ihre körperliche, psychische und soziale Lebensqualität signifikant schlechter ein.
Die Forscher vermuten, dass die Toxoplasmose-Infektion ein Ungleichgewicht im Botenstoffhaushalt von Dopamin und Norepinephrin verursacht, was die Gedächtnisleistungen beeinträchtigen kann. Sie empfehlen, in Folgestudien einen Zusammenhang von Toxoplasmose und Demenz zu untersuchen, da in beiden Fällen die Gedächtnisfunktion als erstes in Mitleidenschaft gezogen wird.
Kritische Betrachtung der Forschungsergebnisse
Es ist wichtig zu betonen, dass die Forschungsergebnisse zum Zusammenhang zwischen Toxoplasmose, Dopamin und Verhalten noch nicht eindeutig sind. Viele Studien liefern lediglich Korrelationen, aus denen keine Rückschlüsse auf Ursache-Wirkungs-Beziehungen gezogen werden können. Zudem kommen verschiedene Arbeitsgruppen häufig zu widersprüchlichen Schlussfolgerungen.
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Einige Faktoren erschweren die Forschung in diesem Bereich. Ethische Gründe verbieten es, Menschen gezielt mit T. gondii zu infizieren. Daher sind Forscher auf serologische Untersuchungen angewiesen, die lediglich zeigen, ob eine Person Antikörper gegen den Parasiten gebildet hat. Zudem ist es schwierig, den Einfluss von anderen Faktoren wie Lebensumständen, Ernährung und genetischer Veranlagung zu berücksichtigen.
Frank Seeber, Toxoplasmose-Experte am Robert-Koch-Institut in Berlin, warnt vor übereilten Schlüssen und betont, dass man nicht von einer beobachteten Korrelation auf eine Kausalität schließen kann. Peter Falkai, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der LMU München, kennt keinen einzigen Krankheitsfall, von dem man sicher sagen könnte, dass er Schizophrenie aufgrund einer Toxoplasma-Infektion entwickelt hat.
Prävention und Schutz vor Toxoplasmose
Um sich vor einer Toxoplasmose-Infektion zu schützen, gibt es verschiedene Maßnahmen:
- Fleisch sollte nur ausreichend erhitzt verzehrt werden.
- Obst und Gemüse sollten vor dem Essen gründlich gewaschen werden.
- Bei der Gartenarbeit sollten Handschuhe getragen werden, um den Kontakt mit Erde zu vermeiden.
- Nach dem Spielen im Freien sollten Kinder die Hände gründlich waschen.
- Schwangere sollten den Kontakt mit Katzenkot vermeiden und rohes Fleisch meiden.
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