Muskel- und Nervenschmerzen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Um die richtige Behandlung zu finden, ist es entscheidend, den richtigen Arzt zu konsultieren. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick darüber, welche Ärzte bei Muskel- und Nervenschmerzen helfen können, welche Untersuchungen durchgeführt werden und wie man diesen Schmerzen vorbeugen kann.
Einführung
Muskel- und Nervenschmerzen sind weit verbreitete Beschwerden, die viele Ursachen haben können. Von harmlosen Verspannungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen des Nervensystems gibt es eine Vielzahl von Faktoren, die diese Schmerzen auslösen können. Daher ist es wichtig, die Symptome richtig zu deuten und den entsprechenden Facharzt aufzusuchen.
Muskelschmerzen (Myalgie)
Was sind Muskelschmerzen?
Muskelschmerzen, in der Fachsprache Myalgie genannt, sind Schmerzen im Bereich der Muskulatur. Sie können akut oder chronisch auftreten und sich unterschiedlich anfühlen. Die Schmerzen können lokal begrenzt sein oder sich ausbreiten. Akute Muskelschmerzen treten häufig bei Verspannungen, Zerrungen oder Verletzungen auf, während chronische Muskelschmerzen oft durch Fehlhaltungen oder Überbeanspruchung verursacht werden. In seltenen Fällen können ernsthafte Erkrankungen hinter chronischen Muskelschmerzen stecken.
Wann sollte man bei Muskelschmerzen zum Arzt gehen?
In den meisten Fällen sind Muskelschmerzen harmlos und lassen sich selbst behandeln. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arztbesuch ratsam ist:
- Bei Muskelverspannungen, die nicht von selbst verschwinden.
- Bei Muskelschmerzen unbekannter Ursache.
- Bei Muskelschmerzen, die über einen längeren Zeitraum (mehrere Wochen) anhalten.
- Bei Verdacht auf einen Muskelfaser- oder Muskelriss.
Welche Ärzte sind bei Muskelschmerzen die richtigen Ansprechpartner?
- Hausarzt: Der Hausarzt ist oft die erste Anlaufstelle bei Muskelschmerzen. Er kann eine erste Diagnose stellen und bei Bedarf an einen Spezialisten überweisen.
- Orthopäde: Der Orthopäde ist der richtige Ansprechpartner für Schmerzen, die dem Bewegungsapparat zugeordnet werden, einschließlich Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen und Gelenke.
- Neurologe: Bei Muskelschmerzen, die mit neurologischen Symptomen wie Bewegungsstörungen einhergehen, ist der Neurologe der richtige Ansprechpartner.
- Rheumatologe: Bei chronischen Muskelschmerzen, die möglicherweise durch eine rheumatische Erkrankung verursacht werden, sollte ein Rheumatologe konsultiert werden.
Untersuchungen und Diagnose bei Muskelschmerzen
Um die Ursache der Muskelschmerzen zu ermitteln, führt der Arzt verschiedene Untersuchungen durch:
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- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte des Patienten, einschließlich der Art, Intensität und Dauer der Schmerzen, sowie begleitende Symptome und Vorerkrankungen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Muskulatur auf Druckpunkte, Schwellungen oder andere Auffälligkeiten. Er prüft auch die Funktion des Nervensystems, indem er Reflexe testet und die Bewegungsabläufe beurteilt.
- Blutuntersuchungen: Bestimmte Blutwerte können Hinweise auf Entzündungen, Infektionen, Autoimmunprozesse oder Stoffwechselstörungen geben, die Muskelschmerzen verursachen können. Ein wichtiger Parameter ist die Konzentration des Muskelenzyms Creatinkinase (CK-Wert). Bei einer Muskelerkrankung ist der CK-Wert in aller Regel erhöht (über 1.000 U/l).
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Mittels Elektromyografie (EMG) misst der Arzt die elektrische Muskelaktivität. Sie kann Hinweise auf entzündliche oder degenerative Muskelerkrankungen und auch auf Schädigungen der Nervenzellen geben.
- Ultraschalluntersuchung (Muskelsonografie): Mit der Ultraschalluntersuchung der Muskeln lässt sich der gesamte Muskel bildlich darstellen. Die Methode kann zum Beispiel bei Verdacht auf eine Muskelentzündung hilfreich sein.
- Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT): Diese bildgebenden Verfahren sind bei großen und tief liegenden Muskeln besser geeignet als Ultraschall.
- Muskelbiopsie: Dabei wird eine Gewebeprobe aus dem Muskel entnommen, um sie im Labor genauer zu untersuchen. Einen solchen invasiven Eingriff macht man aber nur, wenn es unbedingt nötig ist, etwa bei Verdacht auf eine Muskelerkrankung.
Vorbeugung von Muskelschmerzen
Mit einem gesunden Lebensstil können Sie aktiv etwas dafür tun, dass Muskelschmerzen gar nicht erst entstehen:
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt die Muskulatur und beugt Verspannungen vor.
- Regelmäßige Entspannung: Stress kann zu Muskelverspannungen führen. Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Magnesium: Das Spurenelement beugt Muskelkrämpfen vor. Gute Magnesiumlieferanten sind Vollkornprodukte, Sojabohnen, Kartoffeln, Beerenobst, Orangen, Bananen, Geflügel und Fisch.
- Aufwärmen und Dehnen vor dem Sport: Vor dem Sport sollte man sich ausreichend aufwärmen und die Muskeln dehnen, um Verletzungen vorzubeugen.
- Muskulatur nicht überfordern: Die Muskulatur sollte langsam an neue Belastungen gewöhnt werden, um Überlastungen zu vermeiden.
Nervenschmerzen (Neuralgie)
Was sind Nervenschmerzen?
Nervenschmerzen, auch Neuralgien genannt, entstehen durch Schädigungen oder Reizungen von Nerven. Sie können sich als brennende, stechende oder einschießende Schmerzen äußern. Nervenschmerzen können verschiedene Ursachen haben, wie z.B. Verletzungen, Infektionen, Stoffwechselerkrankungen oder Tumore.
Wann sollte man bei Nervenschmerzen zum Arzt gehen?
Nervenschmerzen sollten immer von einem Arzt abgeklärt werden, insbesondere wenn sie plötzlich auftreten, sehr stark sind oder mit anderen Symptomen wie Taubheitsgefühlen oder Lähmungen einhergehen.
Welcher Arzt ist bei Nervenschmerzen der richtige Ansprechpartner?
- Neurologe: Der Neurologe ist der Spezialist für Erkrankungen des Nervensystems und somit der richtige Ansprechpartner bei Nervenschmerzen.
Untersuchungen und Diagnose bei Nervenschmerzen
Um die Ursache der Nervenschmerzen zu ermitteln, führt der Neurologe verschiedene Untersuchungen durch:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte des Patienten, einschließlich der Art, Intensität und Dauer der Schmerzen, sowie begleitende Symptome und Vorerkrankungen. Während des Gesprächs werden zudem die Art und die Intensität der Schmerzen klassifiziert, zum Beispiel brennend und eher schwach ausgeprägt oder stechend und sehr stark. Hierbei muss der Patient seinen Schmerz auf einer visuellen Skala (meist in Form eines Balkens) einschätzen.
- Körperliche Untersuchung: Der Neurologe untersucht die Funktion des Nervensystems, indem er Reflexe testet, die Sensibilität prüft und die Muskelkraft beurteilt. Weitere Tests beziehen sich auf die Berührungsempfindlichkeit von Armen oder Beinen. Als Hilfsmittel dient dabei zum Beispiel eine Stimmgabel. Diese wird angeschlagen und anschließend an die untersuchte Hautstelle gehalten, sodass die Schwingungen nachempfunden werden können - oder eben nicht, wenn eine Nervenschädigung vorliegt.
- Elektrophysiologische Untersuchungen:
- Elektroneurografie (ENG): Bei einer Elektroneurografie misst der Mediziner die Nervenleitgeschwindigkeit - also die Fähigkeit eines Nervs, elektrische Impulse zu leiten. Dafür klebt der Arzt mehrere kleine Elektroden auf die Haut. Der Nerv wird dann über die Elektroden durch einen sanften elektrischen Impuls stimuliert. Gleichzeitig erfassen die Elektroden, wie lange es dauert, bis der Nerv den Impuls an einen Muskel weitergegeben hat. Die daraus gezogenen Messwerte geben Aufschluss über Art und Ausmaß von Nervenschädigungen.
- Elektromyographie (EMG): Bei einer Elektromyographie wird die elektrische Muskelaktivität (also das Zusammenspiel von versorgenden Nerven und Muskelpartie) bestimmt. Der Neurologe führt bei dieser Untersuchung dünne Nadelelektroden durch die Haut in den jeweiligen Muskel ein. Die Elektroden leiten auf den Muskel übertragene Aktivität ab und stellen diese auf einem Bildschirm in Form von Spannungskurven dar. Ist die Muskulatur oder ein dazugehöriger Nerv geschädigt, ist die gemessene elektrische Aktivität verändert (zeigt sich zum Beispiel durch verkürzte oder verlängerte Spannungskurven). Patienten müssen keine Angst vor einem EMG haben, die Einstiche der Nadelelektroden sind mit denen bei einer Akupunktur vergleichbar.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden, um die Nerven und das umliegende Gewebe darzustellen und mögliche Ursachen der Nervenschmerzen zu identifizieren.
- Liquoruntersuchung: Mithilfe der Liquoruntersuchung kann entschieden werden, ob Gehirn und Rückenmark von den Nervenschädigungen betroffen sind. Die aus dem Rückenmark entnommene Flüssigkeit ist normalerweise klar. Liegt eine Nervenschädigung vor, ist die Zusammensetzung des Liquors verändert. Für die Gewinnung des Liquors sticht der Facharzt mit einer dünnen Nadel in der Regel zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbel.
- Nervenbiopsie: Bei einer Nervenbiopsie wird während eines kurzen chirurgischen Eingriffs unter örtlicher Betäubung durch einen kleinen Schnitt in der Haut eine Gewebeprobe direkt aus einem Nerv entnommen. Der Laborarzt bewertet dann, basierend auf einer mikroskopischen Betrachtung, den Zustand der Nervenzellen. Zeigen die Nervenzellen keine Auffälligkeiten, liegt keine Nervenschädigung vor. Sind hingegen degenerierte oder unterversorgte Nervenzellen zu sehen, leidet der Patient vermutlich an einer Nervenschädigung.
Behandlung von Nervenschmerzen
Die Behandlung von Nervenschmerzen richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. Es gibt verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapieansätze, die zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden können. Dazu gehören Schmerzmittel, Antidepressiva, Antikonvulsiva, Physiotherapie und interventionelle Verfahren wie Nervenblockaden.
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Fibromyalgie: Ein Sonderfall
Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die durch weit verbreitete Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und weitere Symptome gekennzeichnet ist. Die Ursachen der Fibromyalgie sind noch nicht vollständig verstanden, aber es wird angenommen, dass eine Störung der Schmerzverarbeitung im Gehirn eine Rolle spielt.
Symptome der Fibromyalgie
Die Leitsymptome der Fibromyalgie sind:
- Chronische Schmerzen, die mindestens drei Monate anhalten und mehrere Körperregionen betreffen.
- Nicht erholsamer Schlaf: Fibromyalgie-Patienten fühlen sich morgens wie gerädert.
- Probleme mit der Konzentrations- und Merkfähigkeit.
Zusätzlich zu diesen Leitsymptomen können weitere Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Reizdarmsyndrom und Depressionen auftreten.
Diagnose der Fibromyalgie
Um eine Fibromyalgie zu diagnostizieren, erfragt der Arzt die Krankheitsgeschichte des Patienten und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei achtet er auf bestimmte Druckpunkte, die sogenannten "Tender Points", die bei Fibromyalgie-Patienten besonders schmerzempfindlich sind.
Behandlung der Fibromyalgie
Die Behandlung der Fibromyalgie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden:
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- Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Amitriptylin, Duloxetin oder Pregabalin können die Schmerzen lindern.
- Bewegung: Leichtes Ausdauertraining, moderates Krafttraining und Dehnübungen können helfen, die Schmerzen zu reduzieren und dieFunktion zu verbessern.
- Stressbewältigung: Entspannungsmaßnahmen wie Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die psychische Gesundheit zu verbessern.
Neuromuskuläre Erkrankungen
Neuromuskuläre Erkrankungen betreffen den Muskel und seine Nerven. Dies macht die Diagnostik und Behandlung der zudem seltenen Erkrankungen zu einer komplexen Aufgabe für jeden Neurologen.
Was ist eine Neuromuskuläre Erkrankung?
Unter dem Begriff der Neuromuskulären Erkrankungen werden alle Erkrankungen des Muskels (Myopathien), seiner Nervenfasern und Neuronen (Motoneuronen) sowie Störungen der Signalübertragung zusammengefasst. Neuromuskuläre Erkrankungen werden häufig verkürzt als Muskelerkrankungen bezeichnet.
Die Ursachen Neuromuskulärer Erkrankungen
Muskelerkrankungen sind zumeist genetisch bedingt. In Deutschland wird die Zahl der Menschen, die an einer erblichen Muskelerkrankung leiden, auf etwa 40.000 geschätzt. Zur Erkrankung kommt es, weil im Erbgut der betroffenen Person eine Mutation vorliegt, die zur Beeinträchtigung von Aufbau und Funktionalität der Muskelzellen sowie deren Versorgung über die Nerven führt. Mittlerweile sind mehr als 150 Krankheitsgene bekannt. Neuromuskuläre Erkrankungen können aber auch durch Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunstörungen, Infektionen, Giftstoffe, Minderdurchblutungen (Ischämien) oder Traumata bedingt sein. Häufige erworbene Muskelerkrankungen sind zudem medikamenten- und alkoholbedingte Myopathien (= funktionelle oder strukturelle Muskelbeeinträchtigung).
Die verschiedenen Formen Neuromuskulärer Erkrankungen
Muskelerkrankungen können abhängig vom Ort der Erkrankung allgemein in drei Gruppen unterteilt werden:
- Myopathien (Erkrankungen des Muskels selbst): Zu dieser Gruppe gehören beispielweise sogenannte Muskeldystrophien und myotone Muskelerkrankungen, bei welchen bestimmte Proteine nicht richtig synthetisiert werden und in der Folge Muskelaufbau und -funktion gestört sind. Auch Stoffwechselstörungen in den Zellen (metabolische und endokrine Myopathien) und Autoimmunerkrankungen (entzündliche Myopathien) können zu einer Beeinträchtigung der Muskelfunktion führen.
- Muskelerkrankungen am Übergang vom Nerv zum Muskel: Bei diesen Muskelerkrankungen ist die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel aufgrund einer Autoimmunerkrankung gestört (Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom). Infolge der Autoimmunerkrankung werden vom Körper sogenannte Auto-Antikörper gebildet, die an unterschiedlichen Stellen der Erregungsüberleitung störend eingreifen.
- Erkrankungen der Nervenfaser: Bei dieser Gruppe ist ein Untergang der den Muskel aktivierenden Nervenfasern zu beobachten. Dieser kann genetisch (spinale Muskelatrophien) oder infektiös (Poliomyelitis) bedingt sein. Auch sogenannte Polyneuropathien, bei welchen gleichzeitig mehrere periphere Nerven geschädigt sind, können die Nervenfasern der Muskeln betreffen.
Muskelerkrankungen Symptome: Welche Beschwerden treten auf?
Aufgrund der sehr verschiedenen Ursachen und Formen sieht das Krankheitsbild bei Neuromuskulären Erkrankungen sehr unterschiedlich aus. Muskelschwäche ist allerdings das typische Leitsymptom aller Varianten und ist anhand einer schnellen Ermüdbarkeit der Muskeln erkennbar. Sie kann sich je nach individueller Erkrankung isoliert zeigen oder auch in Kombination mit anderen Beschwerden wie Muskelschmerzen oder Muskelschwund (Muskelatrophie) auftreten. Zudem zeigen Muskelerkrankungen Symptome in für die jeweils vorliegende Krankheitsvariante sehr charakteristischen Körperregionen, was unserem Spezialisten eine erste Eingrenzung erlaubt.
Muskelerkrankungen Diagnose: Feststellung Neuromuskulärer Erkrankungen
Die Diagnose Neuromuskulärer Erkrankungen ist aufgrund der sehr unterschiedlichen Ursachen und Krankheitsbilder eine Herausforderung und erfolgt bei uns im Fachbereich der Neurologie und Psychiatrie in Berlin auf der Grundlage verschiedener Untersuchungen:
- Basisuntersuchung (Anamnese): Im Rahmen eines Patientengesprächs erhebt unser Neurologe Ihre Krankengeschichte. Er wird nach dem Manifestationsalter (Wann zeigten sich die ersten Beschwerden?) sowie der Lokalisation und den Verlauf der Muskelschwäche fragen. Auch weitere Begleitbeschwerden und die familiäre Vorgeschichte werden hier abgefragt. Hierbei interessieren unseren Facharzt die Antworten auf folgende Fragen:
- Wie ist die Muskelschwäche verteilt bzw. in welchen Körperregionen tritt sie auf?
- Wie sieht der zeitliche Verlauf der Erkrankung aus? Tritt sie beispielweise kontinuierlich, episodisch oder ausschließlich unter Belastung auf?
- Welche Begleitbeschwerden (Muskelschmerzen, -krämpfe) treten auf?
- Anschließend findet die neurologische Untersuchung statt. Bei dieser bewertet unser Facharzt den neurologischen Status der zentralen und peripheren Nervenbahnen systematisch von Kopf abwärts. Anhand der Ergebnisse wird anschließend eine zielgerichtete Zusatzdiagnostik durchgeführt.
- Muskelerkrankungen und Blutwerte: Labordiagnostik: Liegt ein Verdacht auf eine Neuromuskuläre Erkrankung vor, werden verschiedene Muskelparameter labordiagnostisch bestimmt. Ein wichtiger Parameter für Neuromuskuläre Erkrankungen ist insbesondere die Konzentration des Muskelenzyms Creatinkinase (CR-Wert). Bei einer Muskelerkrankung ist der CR-Wert in aller Regel erhöht (über 1.000 U/l). Daneben bestimmt unser Neurologe bei Muskelerkrankungen weitere Blutwerte wie das C-reaktive Protein (CRP) zur Feststellung von Entzündungen, die Elektrolyte und den basalen TSH-Wert. Die Bestimmung dieser Parameter erlaubt gemeinsam mit dem CR-Wert eine erste Einschätzung darüber, ob eine akut behandlungsbedürftige Muskelerkrankung vorliegt.
- Muskelerkrankungen Diagnose: Elektrophysiologie: Zur weiteren Prüfung der Funktion von Muskulatur und Nervensystem sowie zur Abklärung der jeweils vorliegenden Muskelerkrankung kann unser Spezialist in Berlin zusätzlich elektrophysiologische Untersuchungen wie eine Elektromyographie (EMG) und Neurographie (ENG) durchführen. Bei der EMG sticht der Arzt eine hauchdünne Nadel in den Muskel, um die Aktivität der Muskelfasern zu messen und am Computer zu analysieren. Bei der ENG werden die Nerven an mehreren Stellen mithilfe von elektrischen Schlägen gereizt, um die Leitgeschwindigkeit zu messen.
- Muskelerkrankungen Diagnose: Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie MRT und Ultraschall erlauben Rückschlüsse auf Veränderungen an der Muskulatur. Die Verfahren visualisieren das Schädigungsmuster (Muskelschwund, Veränderungen im Signalverhalten) der untersuchten Muskelgruppe. Da viele Muskelerkrankungen ein charakteristisches Schädigungsmuster aufweisen, kann unser Spezialist anhand dessen die vorliegende Erkrankung differenzialdiagnostisch eingrenzen.
- Muskelerkrankungen Diagnose: Muskelbiopsie: Bei einer Reihe von Muskelerkrankungen muss unser Experte zur genauen Diagnosestellung eine Muskelbiospie durchführen. Hierzu entnimmt er Muskelgewebe, das anschließend aufgearbeitet und untersucht wird.
- Muskelerkrankungen Diagnose: Molekulargenetische Untersuchungen: Bei genetisch bedingten Muskelerkrankungen ist die Feststellung der zugrundeliegenden Genmutation Goldstandard. Anhand der festgestellten Mutation kann unser Neurologe genau bestimmen, welche Muskelerkrankung vorliegt.
Neuromuskuläre Erkrankungen Lunge und Herz
In vielen Fällen wirken sich Neuromuskuläre Erkrankungen auf Lunge und Herz aus. Ist beispielsweise die Atemmuskulatur (Muskeln von Brustwand, Zwerchfell und Bauch) geschwächt, kann es zu Atemproblemen kommen. Das Ausmaß hängt dabei von der jeweils vorliegenden Erkrankung selbst sowie deren Verlauf ab. Mit Erkrankungsfortschreiten kann sich eine Ateminsuffizienz entwickeln, die eine künstliche Beatmung erforderlich werden lässt. Daneben ist häufig auch der Herzmuskel betroffen. Bei einigen Funktionsstörungen kann der Einsatz eines Herzschrittmachers erforderlich werden. Bei Muskelerkrankungen werden daher in regelmäßigen Abständen kardiologische und respiratorische Untersuchungen durchgeführt, um frühzeitig eine Beteiligung von Lunge und Herz festzustellen und zu behandeln.
Neuromuskuläre Erkrankungen und Kinder
Erste Erkrankungsanzeichen können sich bereits bei Kindern und Säuglingen zeigen. Die Beschwerden können dabei auch in diesem frühen Alter schon stark ausgeprägt sein. Muskelerkrankungen können zu einer verzögerten motorischen Entwicklung bis hin zur Rollstuhlpflichtigkeit führen. Daher ängstigen Neuromuskuläre Erkrankungen Kinder und Eltern oftmals. Unsere Experten betreuen das gesamte Spektrum kindlicher neuromuskulärer Krankheiten und stehen Ihnen gern zur Seite.
Behandlung Neuromuskulärer Erkrankungen
Die Behandlung sollte aufgrund der sehr unterschiedlichen Symptomatik immer durch ein interdisziplinäres Team wie beispielsweise bei uns in der Meoclinic in Berlin erfolgen. Muskelerkrankungen sind bislang nicht heilbar. Auch medikamentöse Therapieoptionen existieren für die meisten Erkrankungsformen nicht. Daher konzentriert sich die Behandlung vorrangig auf unterstützende Maßnahmen wie beispielweise Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie und Psychologie, die auf den Erhalt der Beweglichkeit und Selbstversorgung abzielen. Die Fortschritte in der Genetik haben eine genaue Identifizierung der auslösenden Mutation und damit neue Therapiemöglichkeiten im Sinne einer Erbgut-Reparatur oder Stammzelltherapie ermöglicht. Auch medikamentöse Behandlungsformen sind in der Entwicklung. Diese Therapieansätze werden allerdings noch erforscht. Für einige Muskelerkrankungen sind aber bereits vereinzelte Behandlungsmöglichkeiten vorhanden.
Orthopädische Ursachen von Schmerzen, die in andere Körperregionen ausstrahlen
Der Orthopäde ist der richtige Ansprechpartner für Schmerzen, die dem Bewegungsapparat zugeordnet werden. Dazu gehören das Skelett mit seinen Knochen und Gelenken, die Muskeln, die Sehnen und die Bänder. Bei einigen orthopädischen Erkrankungen kann es zu einem gefährlichen Druck auf Nerven oder Nervenwurzeln kommen. Typische vom Orthopäden behandelte Krankheitsbilder sind beispielsweise Rückenschmerzen oder Knieschmerzen. Die Ursache findet der Orthopäde dann häufig genau an der schmerzenden Stelle, z. B. eine Spinalkanalstenose oder eine Kniegelenksarthrose.
Manchmal strahlen die orthopädischen Probleme jedoch zusätzlich in andere Regionen des Bewegungsapparates aus. Insbesondere Wirbelsäulenschmerzen wirken sich oft entsprechend der Lokalisation der betroffenen Nervenfasern auf weit entfernt liegende Körperareale aus - beispielsweise auf den Fußaußenrand, das Großzehengrundgelenk oder die Fußsohle. Veränderungen an der Halswirbelsäule können bis in die Fingerspitzen oder das Handgelenk ausstrahlen. Ein häufiger Fall ist die Einengung des Spinalkanals im Rücken, die durch Druck auf das Rückenmark zu Schmerzen am Fuß führt - wenn der entsprechende Nerv dabei geschädigt wird. Gut bekannt für ein solches Ausstrahlen ist der Ischiasschmerz, der durch einen Bandscheibenvorfall im unteren Bereich der Wirbelsäule entsteht. Ein weiteres Beispiel sind Hüftgelenkserkrankungen, die in Richtung Oberschenkel oder Knie ausstrahlen können.
Manchmal können orthopädische Probleme aber auch Schmerzen außerhalb des Bewegungsapparates auslösen. Dann kann es recht schwierig werden, den wahren Grund dahinter zu entdecken. Oftmals suchen die Betroffenen verschiedene Fachärzte auf, bis endlich der Orthopäde die richtige Diagnose stellt. Kopfschmerzen, Schwindel, Seh- oder Hörstörungen können aufgrund von Blockierungen der oberen Kopfgelenke bei Arthrose oder Fehlstellungen entstehen.