Epilepsie, ADHS und Rehabilitation bei Kindern: Ein umfassender Überblick

Epilepsie und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) sind zwei unterschiedliche neurologische Erkrankungen, die jedoch bei Kindern gemeinsam auftreten können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Epilepsie bei Kindern, die Verbindung zu ADHS, sowie die Möglichkeiten der Rehabilitation und Unterstützung.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch übermäßige Aktivität in bestimmten Bereichen des Gehirns. Die Anfallsformen können sehr unterschiedlich sein:

  • Manche Anfälle bleiben unbemerkt oder dauern nur wenige Sekunden und zeigen sich durch leichtes Muskelzucken oder Kribbeln.
  • Andere Anfälle dauern minutenlang und gehen mit heftigen Krämpfen und Bewusstseinsverlust einher (Krampfanfall).

In Deutschland sind etwa 600.000 Menschen an Epilepsie erkrankt. Die Erkrankung betrifft das zentrale Nervensystem, und die Art und Weise, wie sich ein epileptischer Anfall äußert, hängt davon ab, welches Areal des Gehirns betroffen ist. Es können einzelne Muskeln oder der gesamte Körper von Zuckungen bzw. Krämpfen betroffen sein. Einige Betroffene berichten auch von kurzzeitiger Bewusstlosigkeit. Epilepsie kann Menschen jeden Alters betreffen. Eine medizinische Reha unterstützt Betroffene gemäß ihren Möglichkeiten, ihr eigenes Leben zu gestalten.

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose Epilepsie wird gestellt, wenn mindestens zwei epileptische Anfälle unprovoziert auftreten oder nach einem solchen unprovozierten Anfall ein besonders erhöhtes Risiko von über 60 % besteht, dass weitere Anfälle in den nächsten zehn Jahren folgen.

Was geschieht während eines epileptischen Anfalls?

Während eines epileptischen Anfalls ist die Kommunikation der Nervenzellen gestört, was zur Folge hat, dass die Funktionen dieser Nervenzellen ebenfalls gestört sind. Dies betrifft zum Beispiel die Sprache und die Bewegung. Ein Anfall dauert im Durchschnitt wenige Minuten. Daraufhin beginnt das Gehirn, in seiner gängigen Funktionsweise zu arbeiten.

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Auslöser von epileptischen Anfällen

Bestimmte Situationen können epileptische Anfälle begünstigen, darunter:

  • Zu wenig Schlaf
  • Exzessive körperliche Belastung
  • Abrupter Wechsel zwischen hell und dunkel
  • Zu wenig Sauerstoff
  • Hyperventilieren

Folgen von Epilepsie

Epilepsie kann nicht nur körperliche bzw. gesundheitliche Probleme verursachen, sondern auch psychische und soziale Herausforderungen, die nicht nur von der Anfallsfrequenz abhängig sind.

Die Folgen können sein:

  • Unmittelbare Anfallsfolgen (abhängig von der Anfallssemiologie)
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Epilepsieassoziierte psychische Störungen (z. B. unzureichende Krankheitsverarbeitung, Antriebsstörung, Angstzustände usw.)
  • Gesellschaftliche Vorurteile bzw. Desinformation
  • Rechtliche Einschränkungen
  • Zum Teil zusätzliche körperliche oder neurologische Beeinträchtigungen
  • Mangelndes Wissen der Betroffenen und deren Angehörigen über die Erkrankung, verknüpft mit Schwierigkeiten, eine an der Erkrankung angepasste Lebensführung oder ein adäquates Krankheitsmanagement einzuhalten

Begleiterkrankungen

Betroffene berichten unter anderem von leichten bis schweren Gedächtnisstörungen, aber auch Depressionen und Angsterkrankungen sind häufig Begleiterkrankungen von Epilepsie.

Prävention

Ein geordneter Lebensstil zeigt sich bei der Prävention von erneuten epileptischen Anfällen besonders wirksam. Dazu zählt:

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  • Gesunder Schlaf-Wach-Rhythmus, insbesondere Vermeidung von Schlafentzug
  • Regelmäßige und konsequente Medikamenteneinnahme
  • Alkoholkarenz
  • Adäquate Stressbewältigung

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)

ADHS ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die sich durch Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulsivität und/oder Hyperaktivität auszeichnet. Die Symptome beginnen typischerweise in der Kindheit und können bis ins Erwachsenenalter andauern.

ADHS und Epilepsie: Eine mögliche Verbindung

Obwohl ADHS und Epilepsie unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es Hinweise auf eine mögliche Verbindung. Studien haben gezeigt, dass Kinder mit Epilepsie ein höheres Risiko haben, auch an ADHS zu erkranken, und umgekehrt. Die genauen Ursachen für diese Verbindung sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass gemeinsame neurologische Mechanismen eine Rolle spielen könnten. Beispielsweise könnten bestimmte Hirnregionen, die bei beiden Erkrankungen betroffen sind, zu den beobachteten Zusammenhängen beitragen.

Rehabilitation bei Epilepsie

Eine medizinische Rehabilitation kann Menschen mit Epilepsie dabei helfen, ihr Leben trotz der Erkrankung bestmöglich zu gestalten. Die Reha-Ziele werden individuell festgelegt und umfassen medizinische, psychologische, pädagogische, physiotherapeutische oder berufsorientierte Leistungen.

Ziele einer Reha bei Epilepsie

Ziel einer Rehabilitation ist es vor allem, die Betroffenen bei ihrer Krankheitsbewältigung und der Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls zu unterstützen. Damit werden die Erkrankten dazu befähigt, das eigene berufliche Potenzial und persönliche Grenzen objektiv einzuschätzen, um so ihr berufliches sowie soziales Leben optimal zu gestalten.

Ablauf einer Epilepsie-Reha

Das Epilepsie-Programm ist sowohl für die Anschlussheilbehandlung als auch für Heilverfahren geeignet. Die Anmeldung erfolgt nach Erstellung eines Antrags bei dem zuständigen Leistungsträger. Am Aufnahmetag erfolgen die Anamneseerhebung sowie eine komplette körperliche und neurologische Untersuchung durch den behandelnden Arzt. Ein besonderer Punkt bezieht sich auf die genaue Epilepsie-Anamnese, um ein gutes Profil des Rehabilitanden zu bekommen und die Therapie individuell anpassen zu können. Anschließend werden gemeinsam mit dem Rehabilitanden die Therapieziele gesetzt. Neben der Wiederherstellung von noch bestehenden organischen Defiziten wird besonders auf die krankheitsspezifischen Ziele geachtet.

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Besondere Ziele sind die Krankheitsverarbeitung und der Umgang mit den psychosozialen Folgen nach einem epileptischen Anfall sowie die Wiedereingliederung des Rehabilitanden im Arbeitsleben und in der Gesellschaft.

Behandlung in den MEDIAN Kliniken

Während des Reha-Aufenthaltes bekommen die Patienten ein umfangreiches interdisziplinäres Programm, inklusive Physio- und Ergotherapie, sportliche Betätigung, Freizeitbeschäftigung, kognitives Training sowie psychologische Beratung. In dieser Zeit werden auch Beratungen durch unsere Sozialarbeiter angeboten. Verschiedene krankheitsspezifische Schulungen finden ebenso statt. Auch Im Rahmen der ärztlichen Visiten werden verschiedene krankheitsbedingte Probleme (Stigmatisierung, Medikamenten Compliance, gesunder Lebensstil, usw.) gezielt thematisiert.

Wer ist nicht für eine Reha geeignet?

Nicht aufgenommen werden können Menschen, deren Beeinträchtigungen die Teilnahme an Schulungen und verschiedenen Behandlungsangeboten unmöglich machen. Solche Beeinträchtigungen sind etwa:

  • Schwere Intelligenzminderung
  • Schwere Verhaltensstörungen mit Eigen- oder Fremdgefährdung
  • Akute Phasen von psychiatrischen Erkrankungen, z. B. schwere Depressionen, Suizidrisiko, akute Psychosen oder Abhängigkeitserkrankungen
  • Patienten, bei denen die internistischen Komorbiditäten deutlich im Vordergrund stehen.

Kinderrehabilitation

Eine medizinische Rehabilitation für Kinder und Jugendliche kann gezielt helfen, chronische Krankheiten zu lindern, Spätfolgen zu verhindern (auch im Zuge der Corona-Pandemie) und die Leistungsfähigkeit für Schule und Ausbildung zu verbessern. Reha-Maßnahmen können für viele junge Patienten, z.B. bei Asthma, chronischer Bronchitis, starkem Übergewicht, psychischen Auffälligkeiten wie ADHS und schweren Schulproblemen beantragt werden. Erste Ansprechpartner für die Verordnung einer Reha sind Kinder- und Jugendärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder- und Jugendpsychologen, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sowie Hausärzte.

Antragstellung für eine Kinder-Reha

Um die Kinder-Reha beantragen zu können, muss einer der Erziehungsberechtigten einen „Antrag auf Leistungen zur Rehabilitation für Kinder“ stellen. Dieser kann direkt an den Rentenversicherungsträger oder an die Krankenkasse gerichtet werden. Der zuständige Träger teilt dann schriftlich den Ort, die Reha-Einrichtung, die Dauer und die Art der Reha mit. Bundesweit stehen dafür zahlreiche spezialisierte Einrichtungen zur Verfügung.

Als Erziehungsberechtigte können Sie bei der Antragstellung ihre Wünsche zur Region, zum Ort oder zu einer speziellen Reha-Einrichtung angeben. Diese Wünsche werden soweit es geht berücksichtigt, vorausgesetzt, dass die Erkrankung in der gewünschten Einrichtung ebenso gut behandelt werden kann wie in der Klinik, die der Rentenversicherungsträger ausgewählt hätte.

Dauer und Inhalt einer Kinderrehabilitation

Eine Kinderrehabilitation dauert meist vier Wochen, wenn nötig auch länger. Nach einer Untersuchung und einem Arztgespräch vor Ort werden Reha-Ziele festgelegt und ein individueller Reha-Plan erstellt. Der Reha-Plan enthält medizinische, psychologische, pädagogische, physiotherapeutische oder berufsorientierte Leistungen, an denen das Kind beziehungsweise die oder der Jugendliche während der Reha teilnimmt. Die Kinder werden in altersentsprechenden Gruppen betreut. Schulkinder erhalten in den Hauptfächern Unterricht.

Kostenübernahme

Die Kosten für Reise, Unterkunft, Verpflegung, ärztliche Betreuung, therapeutische Leistungen und medizinische Anwendungen übernimmt der zuständige Rentenversicherungsträger. Auf Antrag werden auch die Kosten für eine Begleitperson für Kinder bis zwölf Jahre übernommen. Wird der Antrag akzeptiert, übernimmt der Träger die Kosten für An- und Abreise, Unterkunft und Verpflegung in der Reha-Klinik und erstattet einen entgangenen Verdienst. Bei Kindern ab zwölf Jahren können die Kosten für eine Begleitperson nur übernommen werden, wenn die Begleitung aus medizinischen Gründen erforderlich ist.

Des Weiteren können Kosten für eine Haushaltshilfe übernommen werden, z. B. wenn ein weiteres Geschwisterkind unter zwölf Jahren im Haushalt lebt, das nicht durch ein Elternteil oder eine andere im Haushalt lebende Person versorgt werden kann. Während der Reha ist das Kind beziehungsweise die oder der Jugendliche durch die Rentenversicherung unfallversichert.

Spezialisierte Einrichtungen

Für Kinder mit Epilepsie gibt es spezialisierte Therapie-Einrichtungen, wie das Epilepsie-Zentrum der Schön Klinik Vogtareuth. Diese Einrichtungen bieten eine ganzheitliche Betreuung, von der Intensivdiagnostik über die Therapie bis zur Neurorehabilitation. Die Spezialisten behandeln bereits Kinder ab einem Lebensalter von wenigen Monaten.

Therapeutisches Angebot

Das therapeutische Angebot umfasst in der Regel:

  • Physio- und Ergotherapie
  • Logopädie
  • Psychologische Therapie
  • Neuropsychologisches Training
  • Musik- und Klettertherapie
  • Tiergestützte Therapie (Pferde, Hunde)
  • Heilpädagogische Betreuung
  • Basale Stimulation
  • Psychosoziale Elternberatung
  • Robotergestützte Gang- und Armtherapie

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