Kräuter und alternative Ansätze zur Unterstützung bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die sich durch vielfältige neurologische Symptome äußert. Da die Ursachen und Auslöser der MS bis heute nicht vollständig geklärt sind und die Erkrankung als unheilbar gilt, suchen viele Betroffene nach zusätzlichen Maßnahmen, um ihre MS-Therapie im Alltag zu unterstützen und die Lebensqualität zu verbessern. Integrative Behandlungsansätze, einschließlich der Verwendung bestimmter Heilpflanzen, können eine wertvolle Ergänzung zur Standardtherapie darstellen.

Ernährung als wichtiger Faktor

Eine gesunde Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der MS-Therapie. PD Dr. med. Gisa Ellrichmann, Direktorin der Klinik für Neurologie, Klinikum Dortmund, empfiehlt grundsätzlich eine "mediterrane" Ernährung mit wenig Fett, viel Gemüse und wenig Kohlenhydraten. Eine klare Empfehlung bei MS ist die salzarme Ernährung, da zahlreiche Studien einen negativen Einfluss salzreicher Ernährung belegen.

Intervallfasten und ketogene Diät

Dr. Leussink betont die Bedeutung des Intervallfastens, da es im Tiermodell entzündungshemmend wirkt und auch beim Menschen entzündungsfördernde Botenstoffe hemmen kann. Kleinere Studien haben gezeigt, dass Patient:innen, die ein klassisches Intervallfasten (16/8) durchführten, nach sechs Monaten eine deutlich verbesserte Lebensqualität mit weniger Müdigkeit und depressiven Symptomen hatten. Auch die ketogene Diät, bei der in extremem Ausmaß auf Kohlenhydrate verzichtet wird, kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein.

Begleiterkrankungen berücksichtigen

Die Empfehlung für eine Diät hängt immer auch von den Begleiterkrankungen ab. Adipositas ist beispielsweise ein Risikofaktor sowohl für die Entstehung als auch für einen schweren Verlauf der MS. Insofern ist es sinnvoll, adipösen Personen das Intervallfasten zu empfehlen, da hierdurch sogar mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können: einen positiven Verlauf der MS bewirken und zusätzlich Komorbiditäten der MS günstig beeinflussen.

Achtsamer Umgang mit Ernährungsumstellung

PD Dr. Ellrichmann weist darauf hin, dass insbesondere bei Erstdiagnose einer MS Betroffene die Situation zunächst verarbeiten und Therapien planen müssen, was eine große Belastung darstellen kann. In dieser Phase sollte man zwar bereits über die Bedeutung von Ernährung und den Einfluss anderer negativer Umweltfaktoren (z.B. Rauchen) informiert werden, jedoch darf anfangs nicht zu viel zusätzlicher Druck hinsichtlich der Lebensweise ausgeübt werden, damit nicht das Gefühl der Überforderung entsteht. Insbesondere, wenn sich Betroffene ungesund ernähren und zusätzlich rauchen, würde ich den Schwerpunkt zunächst in der Rauchentwöhnung sehen.

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Vitamine und Fettsäuren

Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Vitamine, wie zum Beispiel Vitamin A, B6, B12, Zink und Selen in Fisch, Fleisch und Gemüse anti-inflammatorisch wirken. Bestimmte Botenstoffe, Zytokine, die Entzündungsprozesse fördern, können durch diese Vitamine messbar reduziert werden. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie die Omega-3-Fettsäure in Fischöl, wirken ebenfalls antientzündlich. Nach der Gabe von Fischöl wurden hier Interleukin2 und TNF-alpha runterreguliert und regulative T-Leukozyten hochreguliert. Zellschützend wirken auch sekundäre Pflanzenstoffe, die in saisonalem Gemüse und Obst vorkommen.

Vermeidung von Margarine und Zuckeraustauschstoffen

Margarine sollte vermieden werden, da sie pflanzlich ist und tierische Produkte die Arachidonsäure enthalten, die ein Vorbote für entzündungsfördernde Botenstoffe ist. Zuckeraustauschstoffe sind ebenfalls nicht geeignet und eher gesundheitsschädigend.

Heilpflanzen als komplementäre Therapie

Bestimmte Heilpflanzen können Teil einer komplementären MS-Therapie sein, wobei das Potenzial der Phytotherapie noch nicht vollständig ausgelotet ist. Standardisierte Formulierungen könnten die Sicherheit der Patient:innen und die Behandlungsergebnisse verbessern. Viele MS-Betroffene nehmen pflanzliche Arzneimittel als sicher und nebenwirkungsarm wahr, informieren ihre Ärztin oder ihren Arzt jedoch häufig nicht über die Einnahme. Die Anwendung birgt jedoch Risiken, etwa in Kombination mit den Standardmedikamenten bei MS.

Pflanzenpeptide aus Cylotiden-Gruppe

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Pflanzenpeptide aus der Gruppe der Cylotide bei Multipler Sklerose heilsam sein könnten. „Schon die einmalige orale Gabe des Wirkstoffs hat die Symptome sehr stark verbessert. Es kam zu keinen Schüben der Erkrankung“, berichtet Seniorautor Christian Gruber von der Medizinischen Universität Wien. In näheren Analysen zeigte sich, dass das Pflanzenpeptid im lebenden Tier wie bei den Zellkulturen die Vermehrung der T-Zellen und die Interleukin-Freisetzung hemmte - und dies sogar effektiver als bei einem bereits eingesetzten MS-Medikament.

Grüner Tee

Grüner Tee könnte eine neue Therapieoption für Patienten mit Multipler Sklerose liefern. Verantwortlich für die erhofften positiven Effekte des grünen Tees ist die Substanz Epigallocatechin-3-Gallat (EGCG), ein Naturstoff aus der Gruppe der so genannten Flavanoide. Er ist in geringerer Menge auch in schwarzem Tee enthalten. EGCG kann offensichtlich sowohl ein fehlgeleitetes Immunsystem drosseln als auch die Nervenzellen vor schädlichen Einflüssen des Immunsystems schützen.

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Weitere Heilpflanzen mit potenzieller Wirkung

Studien am Tiermodell der MS haben gezeigt, dass Pflanzen wie Ingwer, Kurkuma oder Ginseng entzündliche Mechanismen hemmen oder modifizieren und klinische Symptome reduzieren können. Ergebnisse aus Humanstudien mit MS-Patient:innen deuten darauf hin, dass Pflanzen wie Ginkgo biloba (Ginkgo) oder Cannabis sativa (Hanf) spezifische MS-Symptome wie Müdigkeit und Spastizität lindern können. Auch für Weihrauch sind antiinflammatorische Effekte nachgewiesen worden.

Schwarzer Holunder

Der Schwarze Holunder wurde vom Verein NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2024 gekürt, da er sich bei Atemwegsinfekten mehr als bewährt hat. Die Wirkstoffe der Holunderblüten lösen den Schleim bei Husten und Nasennebenhöhlenentzündungen, lindern die Symptome bei akuten Erkältungen, Grippe und Infektionen der Atemwege wie Bronchitis und wirken entzündungshemmend, heilungsfördernd und schweißtreibend bei Fieber.

Arnika

In der Komplementärmedizin ist die Arnika die beliebteste Heilpflanze. Sie kann eine Alternative in der modernen Behandlung der multiplen Sklerose sein, sie trägt zur umfassenden Heilung bei Schlaganfall bei, sie bewährt sich in der Notfallmedizin und der Behandlung von Herzkrankheiten.

Ayurveda und Yoga als ganzheitliche Ansätze

Der Ayurveda ist eines der ältesten Medizinsysteme der Welt, das naturphilosophische Grundlagen hat. Er hat seine Stärke in der Beschreibung der energetischen Prozesse und der Erkenntnis von deren Beeinflussung der Funktionen auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene. Aus ayurvedischer Sicht kann die Multiple Sklerose durch eine übermäßige Zunahme des Doshas Vata und die Bildung von Ama (unvollständig abgebauten Metaboliten) entstehen. Die Therapie zielt darauf ab, den Stoffwechsel zu stärken, Vata zu beruhigen, die Symptome zu lindern und das Immunsystem zu stärken.

Ebenso wie im Ayurveda ist die Multiple Sklerose aus yogischer Sicht nicht klassisch beschrieben. Dennoch kann man die Störung auch mit den Mitteln des Yoga erfassen. Auch dazu müssen die Symptome genau angesehen und interpretiert werden. Die Energiearmut, die Patienten mit Multipler Sklerose befällt und sich in Fatigue und Depressivität äußert, ist ein Mangel an Prana (Lebenskraft). Prana hängt wiederum sehr eng an den im Ayurveda beschriebenen Vata und Ojas.

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Küchenkräuter als Quelle für Antioxidantien

Küchenkräuter bieten eine hervorragende Quelle für Antioxidantien, die Entzündungen und Alterungsprozessen entgegenwirken. Unbehandelte frische Kräuter enthalten mehr Antioxidantien als getrocknete Kräuter. Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und Zitronenmelisse sind nur einige Beispiele für Kräuter, die in der täglichen Ernährung verwendet werden können.

Sport und Bewegung

Sport kann sich positiv auf die Symptome der MS und die Lebensqualität von Betroffenen auswirken. Sportarten, bei denen das eigene Körpergewicht getragen wird, die natürliche Bewegungen enthalten und bei denen Reflexe ausgelöst werden, sind besonders effektiv für MSler. Auch Bewegungen, die eine Laufbewegung enthalten, sind sehr geeignet. Konkret würde ich deshalb zum Beispiel Joggen, Ballsportarten, Nordic Walking, Tanzen oder Gymnastik empfehlen.

Umgang mit der Diagnose und dem Alltag

Die Verarbeitung der Diagnose, das Annehmen und das Akzeptieren der Erkrankung sind wichtige und schwierige Schritte. Stressreduktion, gesunde Ernährung, Bewegung und Entspannung können helfen, den Alltag besser zu bewältigen. Es ist wichtig, sich von Dingen und Menschen zu befreien, die stressen.

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