Ursachen und Behandlung von Gesichtsmuskelzucken

Gesichtsmuskelzucken, auch bekannt als faziale Myokymie oder Hemispasmus facialis, ist ein Zustand, der durch unwillkürliche Muskelkontraktionen im Gesicht gekennzeichnet ist. Obwohl es oft harmlos ist, kann es lästig sein und in einigen Fällen auf zugrunde liegende Gesundheitsprobleme hindeuten. Es ist wichtig, die potenziellen Ursachen und Behandlungsoptionen zu verstehen, um die richtige Vorgehensweise zu bestimmen.

Was ist Gesichtsmuskelzucken?

Muskelzucken ist eine unwillkürliche, plötzliche Kontraktion der Muskulatur. Es kann mehr oder weniger heftig ausfallen und beinahe alle Muskeln des Körpers betreffen. Besonders oft zucken Muskeln in den Extremitäten und im Gesicht (z. B. Augenlid).

Der Begriff „Myokymie“ beschreibt plötzliches, unwillkürliches Zusammenziehen einer bestimmten Muskelgruppe. Das führt zu einem spür- und sichtbaren Zucken oder Zittern der betroffenen Muskeln. Das Zucken kann grundsätzlich alle Muskelgruppen betreffen. Myokymien treten aber bevorzugt im Gesicht auf und werden dann als „faziale Myokymien“ bezeichnet. Der Begriff „Myokymie“ setzt sich zusammen aus dem Wortteil „Myo-“ für Muskel und „kyma“ für Welle oder Woge. Auch wenn das Muskelzucken sehr lästig sein kann, ist es meist harmlos und verschwindet von selbst wieder.

Als Muskelzucken - in der Fachsprache auch Faszikulationen genannt - werden mit dem bloßen Auge unter der Haut erkennbare und von Betroffenen spürbare Zuckungen einzelner Muskelfaserbündel bezeichnet. Die Zuckungen können in unterschiedlichen zeitlichen Abständen auftreten, manchmal alle paar Minuten, manchmal alle paar Sekunden oder gar noch häufiger.

Ursachen von Gesichtsmuskelzucken

Viele Faktoren können verantwortlich für das Muskelzucken sein. So gelten zum Beispiel Stress, Kälte und Alkohol-, Drogen- oder Koffeinkonsum als Ursache für das temporäre Zucken eines Muskels. Aber auch eine Unterzuckerung oder ein Mineralstoffmangel kann das Symptom verursachen. Typisch hierfür ist ein Mangel an Magnesium, der vermehrt bei Sporttreibenden oder Schwangeren auftritt.

Lesen Sie auch: Nerven im Gesicht: Eine detaillierte Analyse

Häufig führen Stress und innere Anspannung - oft begleitet von Schlafmangel - zu Muskelzuckungen. Dann ist das Nervensystem gewissermaßen gesteigert auf Empfang: Signale werden schneller weitergeleitet, Muskeln reagieren leichter mit unwillkürlichen Zuckungen. Auch ungewohnte Muskelbeanspruchung kann zu Muskelzucken führen, genauso wie starkes Schwitzen und unzureichendes Trinken. Dabei kommt es zu einer Elektrolytverschiebung im Blut. Insbesondere ein Mangel an bestimmten Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium, Kalzium und Natrium kann die normale Muskelfunktion beeinträchtigen.

Auch Stimulanzien wie Kaffee, Energydrinks, Nikotin und Alkohol können zu Muskelzucken führen. Manche Betroffene merken das besonders in Phasen, in denen sie ohnehin wenig schlafen oder viel unter Strom stehen. Zudem können bestimmte Medikamente Muskelzucken als Nebenwirkung fördern - etwa manche Asthma- und Erkältungspräparate. „Gerade, wenn man ein neues Medikament einnimmt und dann Muskelzuckungen auftreten, kann es sinnvoll sein, Rücksprache mit dem Arzt zu führen“, sagt Berlit.

Für vorübergehende Zuckungen des Augenlids kann auch langes Arbeiten am Bildschirm verantwortlich sein, sagt Prof. Dr. Daniela Berg. Sie ist Direktorin der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Aber auch lokale Faktoren wie seltenes Blinzeln, trockene Augen, Zugluft oder Kontaktlinsen können Muskelzuckungen verursachen. Denn all dies kann das Auge reizen: Die Signale können im Gehirn fehlinterpretiert werden und werden dann mit Zuckungen beantwortet.

Hemispasmus facialis

Der Spasmus hemifacialis ist eine Bewegungsstörung, die sich durch unwillkürliches Zusammenzucken der Gesichtsmuskulatur einer Gesichtshälfte bemerkbar macht. Männer und Frauen können betroffen sein, am häufigsten ist die Erkrankung jedoch bei Frauen über dem 40. Lebensjahr. Ein häufiges Frühsymptom sind unwillkürliche Zuckungen des Unterlides. Nach und nach können anschließend sämtliche mimischen Muskeln einer Gesichtshälfte mitbetroffen sein. Die Erkrankung kann durch verschiedene Störungen des betroffenen Gesichtsnerven (Nervus facialis) ausgelöst werden.

Beim sogenannten hemifazialen Spasmus - auch Spasmus Hemifazialis genannt (hemi=halb, faszial=das Gesicht betreffend) - zucken nicht nur Lidfasern, sondern mehrere Muskeln einer Gesichtshälfte. Das passiert häufig auch im Schlaf. Ursache ist in vielen Fällen eine mechanische Reizung des Gesichtsnervs, typischerweise durch ein Blutgefäß an seinem Austritt aus dem Hirnstamm.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Muskelzucken

Definition: Was ist ein Hemispasmus facialis? Hemispasmus facialis (auch „Spasmus hemifacialis“) bezeichnet, durch eine Läsion des Gesichtsnervs (Nervus facialis) ausgelöste, unwillkürliche und ständig wiederkehrende Zuckungen (Spasmus) einer Gesichtshälfte (hemi). Die Erkrankung beginnt meist nach dem 40. Lebensjahr und bildet sich ohne Therapie nicht zurück. Für Betroffene sind die Symptome oft sehr belastend und können zu sozialer Isolation führen.

Ursache: Wie entsteht ein Hemispasmus facialis? Die Ursache dieses Krankheitsbildes ist eine Reizung des 7. Hirnnervs, des Nervus facialis. Dieser ist paarig angelegt und ist unter anderem für die Steuerung der Gesichtsmuskulatur je einer Gesichtshälfte zuständig. In über 90% der Krankheitsfälle besteht eine Kontaktstelle zwischen dem Nerv und einem Blutgefäß, im empfindlichsten Bereich des Nervs, unmittelbar nach seinem Austritt aus dem Hirnstamm. Das pulsierende Gefäß übt Druck auf den Nerv aus und schädigt die Myelinscheiden, die den Nerv elektrisch isolieren. Da die Hirngefäße im Alter noch länger und breiter werden können, kann ein direkter Kontakt zum Gesichtsnerv im Laufe des Lebens entstehen. Frauen sind etwa doppelt so häufig von der Erkrankung betroffen, wie Männer. Zudem erhöht ein langjähriger Bluthochdruck das Risiko.

Andere Ursachen für Gesichtsschmerzen können auch Kiefergelenksprobleme, Erkrankungen der Zähne oder Clusterkopfschmerzen sein.

Weitere, seltenere Ursachen für einen Hemispasmus facialis sind:

  • Multiple Sklerose
  • Hirnstammtumoren
  • Gefäßmissbildungen (Angiome)
  • Hirnstamminfarkte (Schlaganfall im Bereich des Hirnstammes)
  • Auftreten nach einer durchgemachten Parese (Lähmung) des Nervus facialis

Trigeminusneuralgie

Wenn das Gesicht schmerzt und zuckt, könnten Gesichtsschmerzen im Sinne einer Trigeminusneuralgie vorliegen, die zu den stärksten Schmerzen überhaupt gehören. Viele Betroffene leiden erheblich unter den Schmerzattacken. Diese treten vollkommen unvorhersehbar auf und machen damit ein normales Leben fast unmöglich. Die Erkrankung ist allerdings selten: Bei etwa vier von 100.000 Personen jährlich tritt sie zum ersten Mal auf. Frauen sind wegen ihrer höheren Lebenserwartung etwas häufiger betroffen, da die Erkrankungswahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter ansteigt. Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt, dies erschwert die Therapie.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Daumenzucken

Die Schmerzen setzen blitzartig ein, sind extrem stark und dauern meist nur Sekunden (selten länger als zwei Minuten). Sie können sich bis zu hundertmal am Tag wiederholen. Zwischen den Schmerzattacken herrscht häufig Beschwerdefreiheit. Die Symptome können im gesamten Gesicht auftreten, vor allem im Bereich der Wangen, der Lippen, der Zunge und der Kaumuskulatur.

Typische Auslöser einer Schmerzattacke sind Berührungen der Haut im Gesichtsbereich, das Sprechen, das Zähneputzen oder das Kauen bzw. Schlucken. Die Schmerzen können aber auch ohne jeglichen Auslöser auftreten. Aus Angst vor einer Schmerzattacke vermeiden manche Patienten sogar die Nahrungsaufnahme, sodass sie an Gewicht und Flüssigkeit verlieren. Gelegentlich kommt es neben den Schmerzen auch zu einem Zucken der Gesichtsmuskulatur. Aufgrund der starken seelischen Belastung leiden die Betroffenen nicht selten an einer depressiven Verstimmung.

Um die Trigeminusneuralgie gegen die zahlreichen anderen Kopf- und Gesichtsschmerzen abzugrenzen, erfolgt zunächst eine genaue Befragung des Patienten. Der Facharzt für Neurologie oder der Facharzt für Neurochirurgie kann durch gezielte Fragen bereits einschätzen, ob tatsächlich eine Trigeminusneuralgie vorliegt.

Mögliche Fragen:

  • Wo genau haben Sie die Schmerzen?
  • Wie lange dauern die Schmerzen jeweils an?
  • Wie empfinden Sie den Schmerz (z.B. stechend, drückend, stromstoßartig)?
  • Haben Sie weitere Beschwerden (z. B. Gefühlsstörungen an anderen Körperstellen, Sehstörungen, Übelkeit oder Erbrechen)?
  • Machen Ihnen die Schmerzattacken auch seelisch zu schaffen?

Nach einer körperlichen Untersuchung können weitere neurologische Untersuchungen folgen, je nachdem, welche Beschwerden Sie äußern. Der Arzt achtet unter anderem darauf, ob das Empfindungsvermögen im Gesichtsbereich normal ist. Zur weiteren Abklärung möglicher Ursachen der Trigeminusneuralgie müssen in jedem Fall zusätzliche Untersuchungen erfolgen.

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) teilt die Trigeminusneuralgie anhand der Ursachen in zwei verschiedene Gruppen ein:

  • Bei der klassischen Trigeminusneuralgie liegen keine nachweisbaren Ursachen für die Schmerzen vor. Hier wird in erster Linie mit Medikamenten behandelt. Ein operativer Einsatz kommt nur bei Versagen der medikamentösen Therapie oder nicht tolerierbaren Nebenwirkungen der Medikamente zum Einsatz.
  • Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie richtet sich die Wahl der Therapie nach der zugrundeliegenden Ursache (z.B. Entfernung des Tumors, Behandlung der Multiplen Sklerose). Eine Operation kommt infrage, wenn die Medikamente keine ausreichende Schmerzfreiheit gewährleisten oder starke Nebenwirkungen eine weitere medikamentöse Therapie unmöglich machen. In diesem Fall stehen drei Operationsverfahren zur Verfügung, die zuverlässig zu einer Schmerzreduktion oder kompletten dauerhaften Schmerzfreiheit führen. Die Schmerzen können jedoch nach einigen Jahren wieder auftreten. Da jede Operation naturgemäß auch Risiken mit sich bringt, klären wir Sie im Vorfeld ausführlich auf.

Weitere Ursachen

Selten können Muskelzuckungen auch ein Hinweis auf Erkrankungen sein, bei denen Nerven oder bestimmte Steuerzentren für Bewegung übererregbar werden - dann feuern sie Signale ab, die der Muskel als unwillkürliche Kontraktion umsetzt.

Auch sogenannte Tic-Störungen können zu Muskelzucken führen. Tics sind plötzliche, kurze, wiederholte Bewegungen (motorische Tics) oder Laute (vokale Tics), die unwillkürlich auftreten. Typisch ist, dass Betroffene vorher einen inneren Drang oder ein Spannungsgefühl spüren, und dass sich der Tic nach dem Ausführen kurz erleichternd anfühlt. Motorische Tics können wie Zucken wirken - zum Beispiel häufiges Blinzeln, Augenverdrehen, Grimassieren, Kopf- oder Schulterzucken.

Beim Zucken beider Augenlider kommt insbesondere ein Blepharospasmus als Erkrankung infrage, das ist eine sogenannte Dystonie der Augenlider: „Die Lidmuskeln ziehen sich unwillkürlich krampfartig zusammen, sodass die Augen immer wieder stark zusammenkneifen oder zeitweise zuklappen. Das ist meist deutlich stärker und anhaltender als das harmlose, feine Augenzucken. Und es kann im Alltag zum Beispiel beim Lesen oder Autofahren spürbar beeinträchtigen“, erklärt Prof. Dr.

In sehr seltenen Fällen können Zuckungen - neben weiteren Symptomen - auch auf neurologische Erkrankungen wie eine beginnende Multiple Sklerose (MS) oder einer Amyotrophen Lateralsklerose, kurz ALS, hinweisen. Dann treten meist aber auch weitere Beschwerden auf.

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass ein vorübergehendes Muskelzucken im Gesicht einen Hinweis auf eine MS darstellen kann. Da eine Myokymie häufig als Erstsymptom der MS beschrieben wird, sollten Betroffene bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt aufsuchen. Eine rechtzeitige Diagnose und frühzeitige Therapie können das Fortschreiten einer MS bremsen. Insbesondere ein anhaltendes oder wiederkehrendes einseitiges Zucken der Muskeln um den Mund herum (perioral) sollte ärztlich abgeklärt werden. Ursache für die Muskelzuckungen bei MS sind vermutlich Entzündungsherde im Hirnstamm. Treten die Myokymien trotz MS-Therapie auf, können sie Anzeichen für einen MS-Schub sein oder allgemein für eine Krankheitsaktivität stehen.

Diagnose von Gesichtsmuskelzucken

Obwohl die Symptome eines Hemispasmus facialis sehr typisch für diese Erkrankung sind, wird eine MRT-Untersuchung (Magnet-Resonanz-Tomographie) durchgeführt, um den sicheren Nachweis des Gefäß-Nerven-Kontaktes zu erbringen. Außerdem können durch die MRT andere Ursachen des Hemispasmus facialis ausgeschlossen werden, die eventuell eine andere Therapie erfordern könnten. Im Gegensatz zur Röntgen- oder computertomografischen Untersuchung nutzt die MRT keine Röntgenstrahlung, sondern ein magnetisches Hochfrequenzfeld. Das Bild kommt durch den unterschiedlichen Magnetisierungsgrad verschiedener Gewebe zustande. Dadurch entsteht keine Strahlenbelastung für den Patienten. Ein Computer setzt die vielen Bilder einzelner Schichten zu einer vollständigen Abbildung des Gehirns zusammen. Um Blutgefäße besser darstellen zu können, kann es für die Untersuchung notwendig sein, über einen venösen Zugang, zum Beispiel in der Ellenbeuge, ein Kontrastmittel zu spritzen. In einer feinschichtigen MRT-Aufnahme kann der Spezialist die Stelle erkennen, an der Gefäß und Nerv aneinander anliegen. Sollte dies nicht als Grund für den Hemispasmus facialis erkennbar sein, können auch Tumoren, Gefäßmissbildungen oder Multiple Sklerose-typische Läsionen mithilfe der MRT sichtbar gemacht werden.

Der erste Schritt ist ein ausführliches Gespräch zwischen Ihnen und dem Arzt zur Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Dabei fragt Sie der Mediziner zum Beispiel, wann, wie oft, wo und unter welchen Umständen das Muskelzucken bei Ihnen auftritt und ob Sie weitere Beschwerden haben (z.B. schmerzhafte Muskelkrämpfe, Fieber etc.). Wichtig sind auch Informationen über mögliche Auslöser der Zuckungen wie eine Verletzung oder eine kürzliche Untersuchung der Nerven. Sagen Sie Ihrem Arzt zudem, ob und welche Medikamente Sie einnehmen und ob bei Ihnen irgendwelche Vorerkrankungen bekannt sind (z.B. Epilepsie oder Diabetes).

Mögliche Untersuchungen bei Muskelzucken:

  • Elektroneurografie (ENG): Hierbei wird über Elektroden die Nervenleitungsgeschwindigkeit gemessen.
  • Elektromyografie (EMG): Bei dieser Untersuchung prüft der Arzt mittels Elektroden die elektrische Aktivität im Muskel.
  • Elektroenzephalografie (EEG): Dabei wird die elektrische Aktivität des Gehirns untersucht, ebenfalls über Elektroden.

Je nach Befund beziehungsweise nach vermuteter Ursache für das Muskelzucken können weitere Untersuchungen sinnvoll sein:

  • Blut- und Urinuntersuchungen
  • orthopädische Untersuchungen
  • bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomografie (CT), Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT)
  • Entnahme von Muskelgewebe (Biopsie) für eine genauere Untersuchung im Labor
  • Entnahme von Nervenwasser (Liquorpunktion) für eine genauere Untersuchung im Labor
  • L-Dopa-Test (bei Verdacht auf Parkinson)
  • Blutgefäßuntersuchung (Angiografie)
  • Allergietests
  • psychologische oder psychiatrische Untersuchungen

Behandlung von Gesichtsmuskelzucken

Abhängig davon, wie schwer die Symptome sind und wie sehr sie den Patienten einschränken, kann zunächst eine symptomatische, konservative Therapie versucht werden. Geheilt werden kann der Hemispasmus facialis allerdings nur durch eine Operation.

Heutzutage gibt es wirksame Medikamente und minimalinvasive Operationstechniken, mit denen wir häufig völlige Schmerzfreiheit erreichen können.

Medikamentöse Therapie

Medikamente, die auch bei Epilepsie eingesetzt werden (membranstabilisierende Wirkstoffe), können die Reizübertragung dämpfen.

Durch Injektion von Botolinumtoxin (umgangssprachlich Botox) in die Gesichtsmuskeln können die Spasmen vermindert werden. Diese Behandlung ist zunächst in 90% der Fälle erfolgreich, muss jedoch alle 3-4 Monate wiederholt werden und ihre Wirkung lässt mit längerer Behandlungsdauer nach. Nebenwirkungen wie vorübergehende Gesichtslähmungen, herabhängende Augenlider, oder Doppelbilder sind möglich.

Zunächst wird eine medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika ( z. B. Neurontin (Gabapentin) oder Tegretal (Carbamazepin) versucht. Bei weiter bestehenden Spasmen kann Botox (Botulinustoxin) in die Gesichtsmuskulatur injiziert werden, um die Spasmen zu unterdrücken.

Bei einer leichten Ausprägung des Hemispasmus facialis können die Symptome auch durch krampflösende Medikamente gebessert werden. Dabei können als Nebenwirkungen Abgeschlagenheit und Müdigkeit auftreten.

Operative Behandlung

Einzige kausale Therapie und damit die einzige Möglichkeit für eine anhaltende Besserung ist eine Operation.

Ist die medikamentöse Behandlung erfolglos oder aufgrund ihrer Nebenwirkungen nicht tolerabel, bietet die neurochirurgische Behandlung ausgezeichnete Heilungschancen bei geringem operativen Risiko. Bei Nachweis einer Nervenkompression durch eine Gefäßschlinge ist die mikrovaskuläre Dekompression des Nerven die Therapie der Wahl.

Ablauf & Ziel einer Operation bei Hemispasmus facialis: Das Ziel der Operation ist es, den Kontakt zwischen Nerv und Blutgefäß zu lösen. Dafür wird entweder ein kleines Stück weichen Materials, wie zum Beispiel Teflonwatte, als Polster zwischen die beiden Strukturen gesetzt, oder das Gefäß minimal zur Seite verlagert. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. In die Schädeldecke wird ein kleines Loch gebohrt, durch das mikrochirurgische Instrumente eingeführt werden können. Um sicherzustellen, dass der Gesichtsnerv nicht verletzt wird, wird sein elektrisches Potential dauerhaft überwacht. An der Änderung der Ableitung erkennt der Operateur auch, wenn der Kontakt zum Gefäß erfolgreich getrennt wurde. Hinter dem Ohr wird ein kleiner Zugang (ca. Allgemeine OP-Risiken (z. B.

Wir bevorzugen die endoskopisch-assistierte mikrochirurgische Technik. In Vollnarkose wird der Nervus facialis durch eine kleine Öffnung des Schädels hinter dem Ohr freigelegt, das komprimierende Gefäß von der Nervenwurzel gelöst und mit einer kleinen Teflon-Watte weggehalten, so dass der Nerv freiliegt. Diese Operation wird auch von älteren Patienten gut toleriert (ältester Pat. in unserem Krankengut 79 Jahre). Die mikrovaskuläre Dekompression ist eine kausale (die Ursache beseitigende) Therapie und bietet eine ca.

Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie richtet sich die Wahl der Therapie nach der zugrundeliegenden Ursache (z.B. Entfernung des Tumors, Behandlung der Multiplen Sklerose). Eine Operation kommt infrage, wenn die Medikamente keine ausreichende Schmerzfreiheit gewährleisten oder starke Nebenwirkungen eine weitere medikamentöse Therapie unmöglich machen. In diesem Fall stehen drei Operationsverfahren zur Verfügung, die zuverlässig zu einer Schmerzreduktion oder kompletten dauerhaften Schmerzfreiheit führen. Die Schmerzen können jedoch nach einigen Jahren wieder auftreten. Da jede Operation naturgemäß auch Risiken mit sich bringt, klären wir Sie im Vorfeld ausführlich auf.

Was kann man selbst tun?

Da in den meisten Fällen Stress und Schlafmangel für Muskelzuckungen verantwortlich sind, sollte man das Naheliegende tun: ein paar Tage bewusst mehr schlafen, stressige Situationen meiden und sich und seinem Nervensystem Ruhe gönnen. Viele merken, dass das Zucken deutlich nachlässt, wenn sie ein bis zwei Nächte wirklich ausreichend geschlafen und Erholungsphasen eingeplant haben. Auch kurze Entspannungsreize wie ein Spaziergang, autogenes Training, Yoga, Entspannungs- und Atemübungen können helfen, das Nervensystem aus dem Alarmmodus zu bringen.

Unterstützend und um Muskelzucken vorzubeugen, kann eine ausgewogene Ernährung mit magnesiumreichen Lebensmitteln sein, dazu zählen z.B. Sonnenblumenkerne, Mandeln, Spinat, Kürbiskerne, Bananen oder Kartoffeln. Auf Alkohol und Nikotin sollten Sie verzichten.

Gegen Zucken der Augenmuskeln sollten Sie regelmäßige Bildschirmpausen einlegen. Hier kann man sich an der 20-20-20-Regel orientieren: alle 20 Minuten 20 Sekunden in 20 Meter Entfernung schauen.

Prognose

Unbehandelt zeigt der Hemispasmus facialis keine spontane Rückbildungstendenz. Durch krampflösende Medikamente oder Botulinumtoxin-Injektionen können die Symptome insbesondere in leichteren Fällen gebessert werden, eine Heilung ist allerdings nur durch eine operative Therapie möglich.

Diese hat eine hohe Erfolgsrate. Bereits unmittelbar nach der Operation kann eine deutliche Besserung spürbar sein. Die Myelinscheiden regenerieren sich in den folgenden Wochen, sodass die Symptome sich weiter bessern oder vollständig verschwinden. Nach einem halben Jahr sind die Spasmen bei etwa 85% der Patienten um über 90% reduziert.

Rückfälle gibt es gelegentlich, wenn das Polstermaterial verrutscht, oder das Blutgefäß weiter wächst und es zu einem erneuten Kontakt mit dem Nerv kommt. In diesen Fällen ist eine Wiederholung der Operation möglich.

Postoperativ bestanden immer noch kräftige Spasmen, die sich erst 4 Monate nach der Operation komplett zurückbildeten. Insbesondere bei Patienten, die viele Jahre unter einem Hemispasmus leiden, kann die Rückbildung der Symptomatik längere Zeit beanspruchen, da der Nerv durch die jahrelange Kompression schwer geschädigt wurde.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Tritt das Muskelzucken häufiger auf, sollten Sie sich von einem Arzt medizinisch untersuchen lassen, um eine behandlungsbedürftige Erkrankung auszuschließen. Auch bei heftigen Myoklonien, also heftigem Muskelzucken, die eventuell mit schmerzhaften Krämpfen einhergehen, ist ein Arztbesuch unabdingbar. Da hinter Zuckungen der Muskulatur sehr häufig Erkrankungen der Nerven stecken, ist ein Neurologe der richtige Ansprechpartner.

„Da das Zucken fast immer harmlos ist, ist ein Arztbesuch in der Regel nicht nötig. Er kann aber sinnvoll sein, wenn das Zucken häufiger wird oder länger anhält - zum Beispiel mehr als sechs bis acht Wochen - oder wenn es nach dem Ansetzen neuer Medikamente auftritt“, sagt Prof. Berg.

Unbedingt aber sollte, so die Neurologin, bei folgenden Beschwerden und Veränderungen neben dem Muskelzucken eine Arztpraxis aufgesucht werden:

tags: #gesichtsmuskeln #zucken #parkinson