Das Gesicht ist nicht nur das Fenster zur Seele, sondern auch eines der faszinierendsten und vielseitigsten Gebiete des menschlichen Körpers. Als zentrales Merkmal der menschlichen Anatomie spielt das Gesicht eine entscheidende Rolle in verschiedenen Aspekten des Lebens, angefangen von der Kommunikation und sozialen Interaktion bis hin zur Gesundheit und Identität. Das Gesicht (Latein: Facies) ist der vordere Teil des Kopfes eines Menschen, der die Augen, Nase, Mund, Ohren und andere Merkmale umfasst, die typischerweise für die Identifizierung und Kommunikation wichtig sind. Es ist eine zentrale anatomische Struktur, die nicht nur ästhetische, sondern auch funktionale Bedeutung hat. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere komplexere Strukturen, die zur Form und Funktion des Gesichts beitragen. Hierzu gehören beispielsweise die Speicheldrüsen, die Zunge oder die Lippen. Das Viszerokranium (Gesichtsschädel) bildet die knöcherne Grundlage des Gesichts und gibt die Gesichtsform in ihren Grundzügen vor. Biometrie im Zusammenhang mit dem Gesicht bezieht sich auf die Verwendung von Gesichtserkennungstechnologien zur Identifizierung und Authentifizierung von Personen anhand ihrer individuellen Gesichtsmerkmale.
Gesichtsmuskeln: Die Mimische Muskulatur
Die Gesichtsmuskeln, bekannt als Mimische Muskulatur, sind direkt mit der Haut verbunden und ermöglichen es, dass sich das Gesicht bewegt und verschiedene Emotionen ausdrückt. Alle Gesichtsmuskeln werden vom Gesichtsnerv (Nervus facialis) versorgt. Die mimische Muskulatur umfasst die Muskeln im Gesicht, die für die Bewegung der Gesichtshaut, Nasenflügel, Augenlider und Lippen zuständig sind und somit den Ausdruck von Emotionen ermöglichen. Sie ermöglicht Gesichtsausdrücke wie Lächeln, Stirnrunzeln und Augenbrauenheben und spielt eine Rolle bei der Nahrungsaufnahme und Artikulation. Die mimische Muskulatur wird vollständig vom Nervus facialis innerviert, der den siebten Hirnnerven darstellt.
Besonderheit der mimischen Muskulatur
Die mimische Muskulatur setzt im Gegensatz zu anderen Muskelgruppen nicht an Knochen, sondern an der Haut des Gesichts an. Diese Struktur ermöglicht es, die Gesichtshaut zu bewegen und dadurch unterschiedliche emotionale Ausdrücke wie Lächeln, Stirnrunzeln oder das Zukneifen der Augen zu erzeugen. Zudem besitzen die mimischen Muskeln keine eigenen Faszien, was sie von vielen anderen Muskeln des Körpers unterscheidet.
Einteilung der Gesichtsmuskeln
Die Gesichtsmuskeln werden in fünf Gruppen eingeteilt:
- Die Muskeln des Schädeldaches
- Die Gesichtsmuskeln in der Umgebung des Auges
- Die Gesichtsmuskeln um den Mund
- Die Gesichtsmuskeln um die Nasenöffnung
- Die Gesichtsmuskeln im Bereich der Ohren
Die Muskeln des Schädeldaches
Die Muskeln des Schädeldachs - zusammengefasst als Musculus epicranius bezeichnet - ziehen von vorne, hinten und von der Seite zu einer fest mit der Kopfhaut verbundenen Sehnenplatte, die sich leicht gegen die Knochenhaut verschieben lässt. Es gehört der Hinterhauptsmuskel (Musculus occipitofrontalis), der als Teil des Musculus epicranius mit seinem hinteren Anteil (Musculus occipitalis) von der Sehnenplatte zu den Augenbrauen zieht. Er glättet die Stirn und zieht die Kopfhaut nach hinten. Mit seinem vorderen Anteil (Musculus frontalis) runzelt er die Stirn (bei dünner Haut entstehen viele feine Querfalten, bei dicker Haut wenige breite Falten), hebt die Augenbrauen und öffnet das Auge - der Gesichtsausdruck vermittelt Aufmerksamkeit, Staunen.
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Die Gesichtsmuskeln in der Umgebung des Auges
Beide Augenhöhlen sind von einem Ringmuskel umgeben (Musculus orbicularis oculi): Diese Gesichtsmuskeln strahlen jeweils in den Tränenkanal, den Tränensack und die Augenlider ein. Durch sie werden der Lidschlag und der leichte Lidschluss im Schlaf ermöglicht sowie das feste Zusammenkneifen der Augenlider. Bei letzterem wird die Haut um das Auge zur Mitte hin gezogen, was am äußeren Augenrand zu Falten führt, den sogenannten Krähenfüßen. Die Augenbrauen ziehen diese Gesichtsmuskeln nach innen und unten. Sie erweitern zudem den Tränensack und sorgen für die Fortbewegung der Tränenflüssigkeit. Fasern des Musculus orbicularis oculi ziehen die Augenbrauen zur Mitte und nach unten - der durch die Gesichtsmuskeln ausgelöste Gesichtsausdruck wird dadurch drohend, lauernd. Der Runzler der Stirnglatze (Musculus corrugator supercilii), der die Haut über der Augenbrauenmitte eindellt, schiebt die Haut zu senkrechten Falten und runzelt die Stirn - das Gesicht vermittelt den Eindruck von Konzentration und Nachdenken. Der Senker der Stirnglatze (Musculus procerus), der am Nasenrücken entspringt, erzeugt an der Nasenwurzel Querfalten und glättet die Stirnfalten.
Die Gesichtsmuskeln um den Mund
Der Ringmuskel des Mundes (Musculus orbicularis oris) bildet die muskulöse Grundlage der Lippen und ist fest mit der Haut verbunden. Er gibt den Lippen ihre Form. Fasern, die aus dem Ringverlauf des Muskels kommen, strahlen in das Lippenrot ein und können die Lippen nach innen ziehen und sie schmal machen. Andere Fasern strahlen in die Nasenscheidewand ein und können sie herabziehen. Der Herabzieher des Mundwinkels (Musculus depressor anguli oris) zieht jeweils den Mundwinkel und die Oberlippe nach unten, wodurch der obere Bereich der Nasolabialfalte abgeflacht wird. Der Senker oder Vierecksmuskel der Unterlippe (Musculus depressior labii inferioris) zieht die Unterlippe nach unten zieht. Der Lachmuskel (Musculus risorius) zieht den Mundwinkel zur Seite und nach oben und formt die Wangengrübchen. Der Heber der Oberlippe und des Nasenflügels (Musculus levator labii superioris alaeque nasi) kommt vom Nasenrücken und vom inneren Augenwinkel und hebt die Nasenflügel, die Nasenlippenfurche und damit auch die Oberlippe. Er verursacht schräge Falten, die vom inneren Augenwinkel zur Mitte des Nasenrückens verlaufen. Der Oberlippenheber (Musculus levator labii superioris) hebt die Nasenlippenfurche und damit auch die Oberlippe an. Der Heber des Mundwinkels (Musculus levator anguli oris) hebt den Mundwinkel an. Im Bereich der rechten und linken Wange verlaufen jeweils der kleine und große Jochbeinmuskel (Musculus zygomaticus minor et major). Diese Gesichtsmuskeln ziehen die Nasenlippenfurche und damit auch die Mundwinkel zur Seite und nach oben. Sie sind die eigentlichen Lachmuskeln unter den Gesichtsmuskeln. Ebenfalls in jeder Wange verläuft der Backen- oder Trompetermuskel (Musculus buccinator). Er strahlt mit seinen unteren Fasern in die Oberlippe und mit seinen oberen Fasern in die Unterlippe ein, sodass sich diese Fasern im Mundwinkel überkreuzen. Diese beiden Backenmuskeln bilden die Grundlage der Wange. Zusammen mit dem Ringmuskel des Mundes verkleinern diese Gewichtsmuskeln den Vorhof der Mundhöhle. So kann man die Luft mit Druck herausblasen. Durch Einatmen von Luft in den Vorhof dehnen sich die beiden Gesichtsmuskeln, und es entsteht ein „Posaunenengelgesicht“. Der Kinnmuskel (Musculus mentalis) zieht die Haut zu den Kinngrübchen ein, hebt die Kinnhaut und schiebt die Unterlippe nach oben und vorne - man zieht eine „Schnute“.
Die Gesichtsmuskeln um die Nasenöffnung
Der Senker der Nasenscheidewand (Musculus depressor septi) zieht die Nasenscheidewand nach unten. Der Nasenmuskel (Musculus nasalis) komprimiert die Nasenöffnung und biegt den knorpeligen Teil der Nase gegen den knöchernen ab.
Die Gesichtsmuskeln im Bereich der Ohren
Dazu gehören Gesichtsmuskeln, welche die Ohrmuschel als Ganzes am Kopf bewegen: Der vordere Ohrmuskel (Musculus auricularis anterior) zieht die Ohrmuschel nach vorne, der obere Ohrmuskel (Musculus auricularis superior) zieht sie nach oben und der hintere Ohrmuskel (Musculus orbicularis posterior) zieht sie nach hinten. Muskeln, die an der Ohrmuschel entspringen und auch ansetzen, sind entwicklungsgeschichtliche Reste eines Schließmuskels des äußeren Ohres.
Funktion der mimischen Muskulatur
Die mimische Muskulatur hat die Hauptaufgabe, die Gesichtshaut zu bewegen, wodurch sie eine entscheidende Rolle für den Ausdruck von Emotionen und die nonverbale Kommunikation spielt. Darüber hinaus erfüllt die mimische Muskulatur wesentliche physiologische Funktionen. Sie ist für das Schließen der Augenlider verantwortlich, was den Schutz der Augen vor Fremdkörpern und die Verteilung der Tränenflüssigkeit sicherstellt.
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Nerven im Gesicht: Die Hirnnerven
Die Nerven im Gesicht sind von entscheidender Bedeutung für die Sensibilität, Bewegung und Funktion der Gesichtsmuskeln sowie für die Wahrnehmung von Berührungs- und Schmerzempfindungen. Fast alle Gesichtsnerven gehören zu den 12 Hirnnerven. Die wichtigste Versorgung der Muskeln übernimmt dabei der N. facialis, die sensorische Versorgung erfolgt hingegen über die drei Äste des N. trigeminus. Die Innervation des Gesichts erfolgt durch den fünften und siebenten Hirnnerven, also den N. trigeminus und den N. facialis. Der Gesichtsschädel, die Kaumuskulatur und die Gesichtshaut entwickeln sich aus dem 1. Schlundbogen, dessen zugehöriger Nerv der N. trigeminus ist. Daraus erklärt sich die sensible Innervation der Gesichtshaut durch die drei Äste des N. trigeminus. Mit seinem motorischen Anteil (N. masticatorius) innerviert er zusätzlich die Kaumuskulatur.
Die Hirnnerven im Überblick
Die Hirnnerven - zwölf an der Zahl - haben verschiedene Qualitäten:
| Hirnnerv | Bezeichnung | Qualität |
|---|---|---|
| 1. Hirnnerv | Nervus olfactorius (Riechnerv) | sensorisch |
| 2. Hirnnerv | Nervus opticus (Sehnerv) | sensorisch |
| 3. Hirnnerv | Nervus oculomotorius (Augenmuskelnerv) | parasympathisch-motorisch |
| 4. Hirnnerv | Nervus trochlearis (Augenmuskelnerv) | motorisch |
| 5. Hirnnerv | Nervus trigeminus (Drillingsnerv, Trigeminus) | sensibel-motorisch |
| 6. Hirnnerv | Nervus abducens (Augenmuskelnerv) | motorisch |
| 7. Hirnnerv | Nervus facialis (Gesichtsnerv, Fazialis) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 8. Hirnnerv | Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv) | sensorisch |
| 9. Hirnnerv | Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 10. Hirnnerv | Nervus vagus („umherschweifender“ Nerv, Vagus) | sensorisch-parasympathisch-motorisch |
| 11. Hirnnerv | Nervus accessorius (Hals- oder Beinerv) | motorisch |
| 12. Hirnnerv | Nervus hypoglossus (Zungennerv) | motorisch |
Nervus olfactorius (1. Hirnnerv)
Der 1. Hirnnerv, Nervus olfactorius (Riechnerv,) ist in der Embryonalzeit ein einheitlicher Nerv. In der weiteren Entwicklung wird er in mehrere Bündel, die Riechfäden (Nervi olfactorii), aufgespalten. Der Nervus olfactorius beginnt mit den Riechzellen in der Riechschleimhaut der Nasenhöhle, zieht durch die Löcher der Siebbeinplatte (Lamina cribrosa) in die Schädelhöhle und dann zum Bulbus olfactorius, wo sich die Axone verteilen. Vom Bulbus olfactorius ziehen die Axone dann zum Riechhirn, einem entwicklungsgeschichtlich sehr alten Teil der Hirnrinde. Der 1. Hirnnerv, Nervus olfactorius (Riechnerv), leitet die von den Sinneszellen der Riechschleimhaut in der Nase aufgenommenen Impulse zum Bulbus olfactorius - dem Riechkolben unterhalb des Frontalhirns. Hier werden die Geruchsinformationen verarbeitet, bewertet und an das Limbische System und den Neocortex (Teil der Großhirnrinde) weitergeleitet.
Nervus opticus (2. Hirnnerv)
Der 2. Hirnnerv, Nervus opticus (Sehnerv) wird durch Ganglienzellen gebildet, die aus der äußersten Schicht der Netzhaut des Auges kommen und deren lange Fortsätze (Axone) den Nervus opticus bilden. Von seiner Entwicklung und seinem Aufbau her ist der Sehnerv kein eigentlicher Nerv, sondern ein Teil der weißen Hirnsubstanz - er wird von den Hirnhäuten Arachnoidea und Pia mater umhüllt. Die Nervenfasern des Sehnervs kommen aus der Netzhaut des Auges und ziehen durch die Augenhöhle zum Sehnervkanal (Canalis opticus). Dort vereinigen sie sich mit den entsprechenden Nervenfasern der Gegenseite zur Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) und führen dann weiter in den Tractus opticus. Das 2. Hirnnerven-Paar, Nervus opticus (Sehnerv), leitet die Signale der Netzhaut weiter zum Gehirn: Bilder, die auf der Netzhaut des Auges entstehen, werden von der Sehbahn weitergeleitet. Hinter der Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) wird die rechte Gesichtshälfte beider Augen in der linken Gehirnhälfte abgebildet und die linke spiegelbildlich in der rechten Gehirnhälfte. Aufgrund der Bildumkehr bei der optischen Abbildung werden durch die nasalen (in Richtung Nase gelegenen) Fasern der Netzhaut die äußeren Bereiche des Gesichtsfelds dargestellt und durch die temporalen (in Richtung Schläfe gelegenen) Fasern die inneren.
Nervus oculomotorius (3. Hirnnerv)
Der 3. Hirnnerv (Nervus oculomotorius) hat zwei Äste. Er stellt zusammen mit den beiden Hirnnerven 4 und 6 (N. trochlearis und N. abducens) die Augenmuskelnerven dar. Der Nervus oculomotorius hat seine Wurzelzellen im Mittelhirn nahe der Mittellinie. Vor der Brücke tritt er aus einer Grube zum Türkensattel, an dem er seitlich durch die Wand des Sinus cavernosus (ein erweiterter Venenraum in der harten Hirnhaut), in dem die Venen der Augenhöhle liegen, tritt. Durch die obere Augenhöhlenspalte (Fissura orbitalis superior) gelangt er schließlich aus der Schädel- in die Augenhöhle. Das 3. Hirnnerven-Paar, Nervus oculomotorius, versorgt mit seinem oberen Ast den Muskel, der das Oberlid hebt und den Muskel, der den Augapfel nach oben wendet und ihn dabei leicht nach innen zieht. Mit seinem unteren Ast versorgt der Nervus oculomotorius den Muskel, der an der inneren Seite des Auges ansetzt und für die Einwärtsbewegung des Augapfels notwendig ist. Weitere Augenmuskeln, die vom Nervus oculomotorius versorgt werden, sind zuständig für das Senken des Augapfels und den Zug nach innen und für die Drehung des Augapfels nach außen und oben, womit der Blick nach oben gerichtet werden kann. Die parasympathischen Fasern des Nervus oculomotorius verlaufen durch die Radix oculomotoria zum Ganglion ciliare, wo sie umgeschaltet werden und dann weiter zum Corpus ciliare, wo sie den Muskel versorgen, der für die Akkommodation (Anpassung des Auges an Nah- oder Fernsicht) verantwortlich ist und den, der die Pupille verengt.
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Nervus trochlearis (4. Hirnnerv)
Der Nervus trochlearis ist ein motorischer Nerv, der sogenannte „Rollnerv“ des Auges. Der Nervus trochlearis ist ein sehr dünner Nerv, dessen Ursprungskerne im Mittelhirn vor dem Aquaeduct (Hirnwasserkanal) liegen. Er zieht zur Brücke und durch den Sinus cavernosus. Letztlich gelangt er durch die obere Augenhöhlenspalte zu dem Muskel, den er versorgt. Das 4. Hirnnerven-Paar, Nervus trochlearis, versorgt den Augenmuskel, mit dem die Drehung des Augapfels nach unten innen möglich wird und der Blick nach unten gesenkt werden kann.
Nervus trigeminus (5. Hirnnerv)
Das 5. Hirnnerven-Paar, Nervus trigeminus, enthält sensible und motorische Fasern. Er teilt sich in drei Äste, die sich ihrerseits weiter verzweigen. Die drei Äste sind: Nervus ophthalmicus (Augenhöhlennerv), Nervus maxillaris (Oberkiefernerv), Nervus mandibullaris (Unterkiefernerv). Das 5. Hirnnerven-Paar, Nervus trigeminus, beginnt mit seinen sensiblen Wurzelzellen in der mittleren Schädelgrube, seitlich von der Brücke. Nahe der Felsenbeinpyramide geht der Nerv durch die Dura mater, wo er das Ganglion trigeminale bildet. Hier beginnt fächerförmig die Dreiteilung des Nervus trigeminus: Der erste Teil, der sensible Nervus ophthalmicus, tritt in die Augenhöhle ein. Der zweite Teil, der ebenfalls sensible Nervus maxillaris, tritt durch das Foramen rotundum des großen Keilbeinflügels in die Flügelgaumengrube zwischen dem Keilbein und dem Gaumenbein ein. Der dritte Teil, der teils motorische, teils sensorische Nervus mandibularis, tritt durch das Foramen ovale in die Unterschläfengrube ein. Der Nervus trigeminus als sensibler Nerv versorgt mit seinen drei Ästen und den von diesen abgehenden zahlreichen Nebenästen das Gesicht, die Schleimhaut von Mund und Nase, die Zähne und die Dura mater. Mit seinem kleineren motorischen Bereich versorgt er die Kaumuskulatur und den Mundöffner.
Nervus abducens (6. Hirnnerv)
Der Nervus abducens ist wie die Hirnnerven 3 und 4 rein motorischer Natur und für die Augenmuskeln zuständig. Der Ursprung des Nervus abducens liegt im sogenannten Fazialishügel der Rautengrube. Er tritt zwischen Medulla oblongata und der Brücke aus dem Gehirn aus, durchbricht die Dura mater und zieht dann in die Augenhöhle. Das 6. Hirnnerven-Paar, Nervus abducens, versorgt den äußeren geraden Augenmuskel, der den Augapfel von der Mittellinie wegführt.
Nervus facialis (7. Hirnnerv)
Der 7. Hirnnerv, Nervus facialis, ist ebenso wie der Nervus trigeminus ein gemischter Nerv mit motorischen und sensiblen Anteilen, nur mit dem Unterschied, dass hier die motorischen Fasern überwiegen. Er teilt sich in mehrere Äste auf. Der Nervus facialis tritt am Kleinhirnbrückenwinkel aus dem Gehirn aus. Zwischen ihm und dem Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) verläuft der Nervus intermedius, der sich im Felsenbein mit dem Nervus facialis vereint. Der Nervus facialis, der Nervus intermedius und der Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv), die zusammen als Facialisgruppe bezeichnet werden, treten gemeinsam durch den inneren Gehörgang in das Felsenbein ein. Im inneren Gehörgang treten Nervus facialis und Nervus intermedius zusammen in den Fazialiskanal des Felsenbeins ein und gelangen nach vielen Windungen an das Foramen stylomastoideum. Hier bildet der Nerv ein Ganglion, an dem der Nervus intermedius den Nervus facialis verlässt und weiterzieht als Nervus petrosus major. Dieser Nerv teilt sich innerhalb des Schläfenbeins in drei weitere Äste auf und außerhalb des Schädels wiederum in drei Äste mit zahlreichen Nebenästen. Der komplexe Nervus facialis besteht aus drei Hauptkomponenten: Sensorische Fasern leiten Geschmacksempfindungen von den vorderen zwei Dritteln der Zunge zum Gehirn. Parasympathische Fasern führen zu den Unterzungen- und Unterkieferspeicheldrüsen sowie den Tränendrüsen. Willkürliche motorische Fasern versorgen alle Muskeln des Gesichts.
Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv)
Der Nervus vestibulocochlearis, der Hör- und Gleichgewichtsnerv, wird auch Nervus statoacusticus genannt wird. Er besteht er aus zwei Anteilen: Pars vestibularis (Gleichgewichtsnerv) und Pars cochlearis (Hörnerv). Der Nervus vestibulocochlearis tritt zusammen mit dem Nervus facialis aus dem Kleinhirnbrückenwinkel aus und verläuft gemeinsam mit diesem durch den inneren Gehörgang. Der Pars vestibularis führt zu den Sinneszellen der Bogengänge und der Pars cochlearis zu den Sinneszellen des Corti-Organs im Innenohr. Das 8. Hirnnerven-Paar, Nervus vestibulocochlearis, ist ein zweiteiliger Nerv: Der sensible Gleichgewichtsnerv, Nervus vestibularis, leitet Sinneserregungen vom Vorhof im Felsenbein zum Gehirn. Der Hörnerv, der Nervus cochlearis, leitet die Erregungen von der Hörschnecke im Innenohr zum Gehirn.
Nervus glossopharyngeus (9. Hirnnerv)
Der Nervus glossopharyngeus, der Zungenschlundnerv, ist ein Nerv mit motorischen, sensiblen, parasympathischen und sensorischen Anteilen. Nach seinem Weg aus dem Gehirn bildet er zwei Ganglien (knotenförmige Ansammlungen von Nervenzellkörpern in einem Nervenstrang), von denen mehrere Äste abgehen. Der Nervus glossopharyngeus verlässt das Gehirn hinter der Oliva (eine seitlich von der Medulla oblongata liegende Vorwölbung des verlängerten Rückenmarks im Rautenhirn). Von dort zieht er durch das Foramen jugulare (eine Öffnung an der Schädelbasis zwischen Hinterhaupts- und Felsenbein) zur äußeren Schädelbasis.
Nervus vagus (10. Hirnnerv)
Der Nervus vagus, der „herumschweifende“ Nerv, dessen Versorgungsgebiet vom Kopf bis in den Bauch reicht, hat motorische, sensible, sensorische und - in größtem Umfang - parasympathische Anteile. Seine Bedeutung für den Organismus stellt ihn aufgrund der zahlreichen Organe, die er versorgt, an die erste Stelle. Am Nervus vagus unterscheidet man - entsprechend seinem Verlauf im Körper - einen Kopf-, Hals- Brust- und Bauchteil. Von diesen Abschnitten gehen jeweils verschiedene Äste ab, zum Beispiel der Kehlkopfnerv und die Herzäste vom Halsteil sowie mehrere Nerven für Magen, Leber, Milz, Nieren und Darm vom Bauchteil. Der Nervus vagus tritt aus der Medulla oblongata aus und zieht zwischen zwei Gefäßen, der Vena jugularis und der Arteria carotis interna, nach unten in die Brusthöhle. Der rechte Nervus vagus verläuft dann weiter vor der Schlüsselbeinarterie zur rechten Seite der Luftröhre, wobei er einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) abgibt, der sich um die Arterie windet. Von der Luftröhre zieht der Nervus vagus weiter hinter den rechten Bronchus bis zur Rückseite der Speiseröhre und zur Rückseite des Magens. Der linke Nervus vagus zieht zwischen der Arteria carotis communis und der Schlüsselbeinarterie zum Aortenbogen, gibt dann nach hinten und oben einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) ab und gelangt hinter dem Lungenhilus zur vorderen Fläche der Speiseröhre und des Magens. Im weiteren Verlauf gibt er noch im Kopfteil einen Ast ab, der zur Dura mater zieht. Ein weiterer Ast zieht zur Ohrmuschel, zum Trommelfell und zum äußeren Gehörgang. Der Nervus vagus versorgt mit seinen motorischen Anteilen das Gaumensegel, die Atemwege sowie die oberen Speisewege. Mit seinen sensiblen Anteilen versorgt er den äußeren Gehörgang, den Kehlkopf, die Luftröhre, den unteren Rachen, die Speiseröhre, die Lunge, den Magen, das Herz, die Leber, die Niere, die Milz und viele Gefäße. Der Dickdarm wird nur zum Teil vom Nervus vagus versorgt.
Nervus accessorius (11. Hirnnerv)
Der Nervus accessorius oder Beinerv ist ein Teil des Nervus vagus, der sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte von diesem abgetrennt hat. Der Nervus accessorius entspringt aus dem Halsmark mit sechs bis sieben Spinalwurzeln (Radices spinales), die sich im Wirbelkanal vereinigen. Durch das große Hinterhauptsloch tritt er in den Schädel ein und vereint sich mit Ästen des Nervus vagus, mit dem zusammen er durch das Drosselloch in der hinteren Schädelgrube wieder austritt. Danach teilt er sich in zwei Äste, die den Kopfnicker- und den Trapezmuskel versorgen. Der Nervus accessorius versorgt rein motorisch den Kopfnicker-Muskel (Musculus sternocleidomastoideus) und den Trapezmuskel (M. trapezius). Ersterer sitzt seitlich am Hals und setzt am Schlüsselbein an. Der Trapezmuskel liegt zwischen Schulter und Wirbelsäule.
Nervus hypoglossus (12. Hirnnerv)
Der Nervus hypoglossus entspringt von allen 12 Hirnnerven am weitesten unten am Gehirn. Die motorischen Fasern des Nervus hypoglossus beginnen mit zehn bis 15 Wurzelfäden in der Medulla oblongata. Diese werden dann zu zwei Bündeln gesammelt, die durch die Dura mater gehen und im sogenannten Canalis hypoglossi aus dem Schädel austreten. Der Nervus hypoglossus versorgt die gesamte Zungenmuskulatur.
Funktion der Hirnnerven
Die Hirnnerven 1, 2 und 8 sind rein sensorische Nerven, leiten also Reize von Sinnesorganen. Die Hirnnerven 3, 4 und 6 werden als Augenmuskelnerven bezeichnet.
Klinische Bedeutung: Probleme mit den Hirnnerven
Verletzungen oder Erkrankungen der verschiedenen Hirnnerven und ihrer Äste können unterschiedlichste Folgen haben - je nachdem, welche Aufgabe die betreffenden Nervenfasern erfüllen. Einige Beispiele: Schädigungen des 1. Hirnnerven-Paares, Nervus olfactorius, führen zu Ausfällen beim Geschmacksempfinden. Bei Entzündungen des Nervus opticus verschlechtert sich die Sehkraft, wodurch Kleingedrucktes nicht mehr gelesen werden kann. Eine Optikusatrophie ist eine Degeneration der Fasern des Sehnervs durch Druck, den zum Beispiel ein Tumor verursachen kann.
Periphere und zentrale Fazialisparese
Die Klinik der mimischen Muskulatur ist eng mit der Funktion und Innervation durch den Nervus facialis (VII) verknüpft. Dieser Nerv steuert die gesamte mimische Muskulatur und spielt eine zentrale Rolle für den Gesichtsausdruck, die Augenbewegungen und die Kontrolle der Lippen. Eine häufige klinische Erscheinung ist die periphere Fazialisparese, die sich durch eine Lähmung aller Muskeln auf der betroffenen Gesichtshälfte zeigt. Typische Symptome sind ein herabhängender Mundwinkel, die Unfähigkeit, das Auge zu schließen, und ein Verlust der Stirnrunzelfähigkeit. Die zentrale Fazialisparese unterscheidet sich von der peripheren dadurch, dass nur die untere Gesichtshälfte auf der Gegenseite der zentralen Läsion betroffen ist. Die Stirn- und Augenmuskulatur bleibt in der Regel intakt, da diese von beiden Hirnhälften innerviert wird.
Weitere klinische Probleme
Ein weiteres klinisches Problem ist der Spasmus hemifacialis, der sich durch unwillkürliche, wiederholte Muskelkontraktionen auf einer Gesichtshälfte äußert. Oft ist dies auf Gefäß-Nerven-Kontakte oder Irritationen des Nervus facialis zurückzuführen. Beim Blepharospasmus, einer fokalen Dystonie des M.
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