Bauchkrämpfe, Rheuma und seltene Ursachen: Ein umfassender Überblick

Bauchkrämpfe sind ein häufiges Symptom, das viele Ursachen haben kann. Während oft harmlose Gründe wie Verdauungsstörungen oder Menstruationsbeschwerden dahinterstecken, können Bauchschmerzen auch ein Hinweis auf seltenere und komplexere Erkrankungen sein, einschließlich rheumatischer Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Bauchkrämpfen, Rheuma und einigen seltenen Ursachen, die in Betracht gezogen werden sollten.

Rheuma und seine vielfältigen Erscheinungsformen

Der Begriff "Rheuma" umfasst eine Vielzahl von Erkrankungen, die das Muskel-Skelett-System betreffen. Dazu gehören entzündliche Gelenkerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis, Autoimmunerkrankungen wie der systemische Lupus erythematodes und Vaskulitiden, also Entzündungen der Blutgefäße. Rheuma kann sich auf verschiedene Weise äußern, von Gelenkschmerzen und -schwellungen bis hin zu Müdigkeit, Fieber und Organbeteiligung.

Diagnostischer Ansatz bei rheumatischen Erkrankungen

Die Diagnose rheumatischer Erkrankungen erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und verschiedene diagnostische Tests. Der Rheumatologe wird den Patienten nach typischen Symptomen der Krankheit befragen und den Körper entsprechend untersuchen. Zu den gängigen diagnostischen Verfahren gehören:

  • Laboruntersuchungen: Blutuntersuchungen können Entzündungsmarker wie den CRP-Wert und spezifische Autoantikörper wie antinukleäre Antikörper (ANA) nachweisen, die auf eine Kollagenose hinweisen können. Bei Verdacht auf eine Polymyositis oder Dermatomyositis können erhöhte Muskelenzym-Werte festgestellt werden.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen können helfen, Gelenkveränderungen und Entzündungen zu erkennen. Das Kernspintomogramm (MRT) kann frühzeitig Hinweise auf befallene Muskeln geben.
  • Funktionstests: Diese Tests werden eingesetzt, um die Funktion der von der Krankheit betroffenen Organe zu überprüfen.
  • Gewebebiopsie: Eine mikroskopische Untersuchung von Organgewebe, das durch eine Biopsie entnommen wurde (z. B. der Niere oder eines Muskels), kann Entzündungen und andere krankhafte Veränderungen nachweisen. Bei Muskelschwäche kann eine Elektromyographie durchgeführt werden, um zu prüfen, ob ein Muskel eine ungewöhnliche elektrische Aktivität zeigt.

Seltene Ursachen von Bauchkrämpfen im Zusammenhang mit Rheuma

Während Bauchkrämpfe oft auf häufige Ursachen zurückzuführen sind, können sie in einigen Fällen auch ein Symptom seltenerer rheumatischer Erkrankungen sein. Es ist wichtig, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen, insbesondere wenn andere rheumatische Symptome vorhanden sind.

Vaskulitiden

Vaskulitiden sind Entzündungen der Blutgefäße, die verschiedene Organe im Körper betreffen können, einschließlich des Verdauungstrakts. Eine Vaskulitis kann grundsätzlich erst einmal eine entzündliche Erkrankung eines Blutgefäßes, zum Beispiel einer Arterie oder Vene sein. Der Oberbegriff Vaskulitiden beschreibt hingegen verschiedene entzündlich-rheumatische Erkrankungen, die jeweils mit einer Entzündung von Blutgefäßen einhergehen. Wenn Blutgefäße im Verdauungstrakt betroffen sind, kann dies zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und sogar zu schwerwiegenden Komplikationen wie Darmischämie oder -perforation führen.

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Es gibt verschiedene Arten von Vaskulitiden, die sich in den betroffenen Gefäßregionen und den zugrunde liegenden Ursachen unterscheiden. Zu den Vaskulitiden, die mit Bauchkrämpfen in Verbindung gebracht werden können, gehören:

  • IgA-Vaskulitis (Purpura Schönlein-Henoch): Dies ist die häufigste Vaskulitis im Kindesalter, kann aber auch Erwachsene betreffen. Sie ist durch Ablagerungen von IgA1-Immunkomplexen in den kleinen Gefäßen gekennzeichnet, die dort zu Entzündungen führen. Die IgA-Vaskulitis äußert sich häufig in einer klinischen Trias mit einer palpablen Purpura vor allem an der unteren Extremität, bei Erwachsenen gelegentlich auch an der oberen Extremität oder am Körperstamm ohne Vorliegen einer Thrombozytopenie oder von Gerinnungsstörungen, Arthralgien und abdominellen Schmerzen. Eine gastrointestinale Beteiligung äußert sich meist durch kolikartige Bauchschmerzen, die mit Übelkeit, Erbrechen und Diarrhöen einhergehen können.
  • Mikroskopische Polyangiitis: Diese Vaskulitis betrifft vor allem die kleinen Nierengefäße, kann aber auch den Verdauungstrakt beeinträchtigen. Symptome können Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und blutiger Stuhl sein.
  • Granulomatose mit Polyangiitis (Morbus Wegener): Diese Vaskulitis betrifft vorrangig die kleinen Gefäße (v.a. Das Sjöqren-Syndrom (S.) ist eine zur Gruppe der systemischen Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen) gehörende Erkrankung des Immunsystems mit unbekannter Ursache. Frauen sind davon neunmal häufiger als Männer betroffen. Das S. kommt als eigenständige Erkrankung (»primäres S.«) oder auch als Begleitgeschehen bei anderen Erkrankungen des Immunsystems vor, wie z.B. der rheumatoiden Arthritis oder dem Lupus Erythematodes vor (»sekundäres S.«). Klinisch ist das S. vor allem durch einen entzündlichen Befall der Tränen- und Speicheldrüsen gekennzeichnet, der zu den häufigsten und meist frühzeitig vorhandenen Symptomen Mund- und Augentrockenheit führt, im weiteren Verlauf jedoch auch eine »Austrocknung« weiterer Schleimhautbereiche (z. B. Geschlechtsorgane, Atemwege) und der Haut bewirken kann.
  • Morbus Behçet: Diese seltene Vaskulitis ist charakterisiert durch Entzündungen von Venen oder Arterien variabler Größe und geht mit kleinen Geschwüren (Aphthen) im Mund und Genitalbereich einher. Weiterhin können Hauterscheinungen (knotiger Ausschlag, Geschwüre), Abgeschlagenheit, Fieber, Gelenkschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Kollagenosen

Kollagenosen sind eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, die das Bindegewebe im Körper betreffen können. Die Symptome der verschiedenen Kollagenosen können sehr unterschiedlich sein. Einige Kollagenosen können auch den Verdauungstrakt beeinträchtigen und zu Bauchschmerzen führen. Zu diesen gehören:

  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Beim SLE können sich als hepatische Symptome Ikterus, Hepatomegalie und erhöhte ALP-Werte manifestieren. Eine Entzündung lässt sich mit einer Urinuntersuchung nachweisen. Die ersten sichtbaren Anzeigen dafür, dass etwas nicht stimmt, sind geschwollene Knöchel durch Wassereinlagerungen. Wenn der Urin schäumt, ist das ein Hinweis auf einen hohen Eiweißgehalt.
  • Systemische Sklerose: Die Systemische Sklerose ist eine seltene Erkrankung, die zu den klassischen immunologischen Bindegewebserkankungen (Kollagenosen) zählt. Im Vordergrund des Krankheitsbildes steht die Verhärtung der Haut und des Bindegewebes, wobei auch weitere Organe, insbesondere Blutgefäße, Lungen, Verdauungstrakt und Niere, betroffen sein können.

Entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch-entzündliche Erkrankungen des Verdauungstrakts, die mit Bauchschmerzen, Durchfall und anderen gastrointestinalen Symptomen einhergehen. Interessanterweise können CED auch mit rheumatischen Erkrankungen in Verbindung stehen. So entwickeln 14 Prozent der Patienten mit M. Crohn und 8 Prozent jener mit Colitis ulcerosa im Verlaufe der Erkrankung Gelenkentzündungen. Umgekehrt findet man doch bei bis zu 60 Prozent der Patienten mit Spondyloarthritiden Läsionen des Darms, ähnlich denen eines M.

Rheumatoide Arthritis (RA)

Die rheumatoide Arthritis (internationale Bezeichnung) ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) auch erhöhte Werte der Alkalischen Phosphatase (ALP) und ?-GT auf. Zusätzlich können bei schweren Verläufen andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, z.B.

Differenzialdiagnose und interdisziplinäres Vorgehen

Bei der Abklärung von Bauchkrämpfen ist es wichtig, eine umfassende Differenzialdiagnose zu erstellen und andere mögliche Ursachen auszuschließen, bevor eine rheumatische Erkrankung in Betracht gezogen wird. Dazu gehören:

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  • Gastrointestinale Ursachen wie Infektionen, Entzündungen, Geschwüre oder Tumore
  • Gynäkologische Ursachen bei Frauen wie Menstruationsbeschwerden, Endometriose oder Eileiterschwangerschaft
  • Urologische Ursachen wie Nierensteine oder Harnwegsinfektionen
  • Chirurgische Ursachen wie Blinddarmentzündung oder Darmverschluss

Aufgrund der Vielfältigkeit der möglichen Diagnosen erfordert die Behandlung von Patienten mit abdominellen Beschwerden häufig ein interdisziplinäres Vorgehen.

Therapieansätze

Die Therapie von Bauchkrämpfen im Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen zielt in erster Linie auf die Behandlung der zugrunde liegenden rheumatischen Erkrankung ab. Dazu können Medikamente eingesetzt werden, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva) oder Entzündungen reduzieren (nichtsteroidale Antirheumatika, Kortikosteroide).

Bei einer IgA-Vaskulitis kann eine orale Stoßtherapie in einer Dosis von Prednisolon initial 1 mg/kgKG/d erfolgen. Alternativ können auch intravenöse Pulstherapien über 3 Tage mit einer Dosis von 250 bis 500 mg/d i.v. angewandt werden.

In einigen Fällen können auch spezifische Behandlungen für die gastrointestinalen Symptome erforderlich sein, wie z. B. Schmerzmittel, Antiemetika oder Antidiarrhoika. Bei schweren Komplikationen wie Darmischämie oder -perforation kann eine Operation erforderlich sein.

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