"Nerve" ist ein spannender Technothriller aus dem Jahr 2016, inszeniert von Henry Joost und Ariel Schulman, der ein Kommentar über die soziale Brutalisierung im Schutz der anonymen Onlinewelt liefert. Der Film, der von Nutzern der Film- und Seriendatenbank IMDb bewertet wurde, entführt den Zuschauer in die Welt des Onlinegames "Nerve", in dem Spieler Mutproben bestehen müssen, die sich kontinuierlich steigern.
Einführung in das Spiel "Nerve"
Die schüchterne Oberstufenschülerin Vee (Emma Roberts) klickt sich auf der Straße in das Spiel ein. Ihre erste Aufgabe ist es, fünf Sekunden lang einen wildfremden Mann zu küssen. Nach einiger Überwindung gelingt ihr die Challenge, was vielleicht auch daran liegt, dass sie sich als Kusspartner den gut aussehenden Ian (Dave Franco) aussucht. Vee und Ian bilden fortan ein Gespann und müssen sich gefährlichen Wagnissen aussetzen, die sie unter normalen Umständen nie riskiert hätten.
Die Rollen: Player und Watcher
Im Internet macht ein neues, illegales Spiel namens „Nerve“ die Runde, bei dem die Teilnehmer riskante Herausforderungen meistern müssen, während die Welt ihnen dabei zusieht. Bei "Nerve" kann man "Player" oder "Watcher" sein. Als "Player" muss Vee zunächst einen völlig fremden Jungen küssen. Sie wählt den attraktiven Ian, mit dem sie fortan gemeinsam zunehmend gefährlichere Mutproben überstehen muss, die von den allgegenwärtigen "Watchern" gefordert werden.
Handlung und Thematik
Was wie ein harmloses Freizeitvergnügen beginnt, entwickelt sich zu einer digitalen Variante moderner Gladiatorenkämpfe. Der Film thematisiert die Gefahren eines Lebens, das fortwährend im Netz beobachtet werden kann, und inszeniert zugleich auch den Rausch, den ein Spiel wie »Nerve« auslösen kann.
Eskalation der Mutroben
Zunächst klingt alles noch nach einer ganz harmlosen Aufgabe. Die 18-jährige Vee, die sich erst vor ein paar Stunden beim Online-Game »Nerve« als Mitspielerin angemeldet hat, wird von den »Watchers«, den Zuschauern, die zugleich auch darüber entscheiden, was die Spieler machen müssen, in eines der Luxusgeschäfte in Manhattan geschickt. Dort soll sie ein Tausende von Dollar teures Kleid anprobieren und sich dabei mit ihrem Mobiltelefon filmen. Zu ihrer Überraschung trifft sie in dem Nobelgeschäft auch Ian wieder. Sie hatte ihn kurz zuvor im Rahmen ihrer ersten Aufgabe, küsse einen Fremden bei einem Diner, kennengelernt. Wie Vee soll auch er nur etwas anprobieren. Nur sind ihre Sachen weg, als die beiden in ihre Umkleidekabinen zurückkehren. Und schon erhalten sie über ihre Telefone eine neue Aufgabe. Die Vorkommnisse an der Fifth Avenue gehören ohne Frage noch zu den harmloseren Eskapaden, in die Vee (Emma Roberts) und Ian (Dave Franco) während dieser »Nerve«-Nacht geraten. Aber zugleich offenbaren sie, wie dieses von »Wahrheit oder Pflicht« inspirierte Online-Game die Spieler immer tiefer in eine Schattenwelt hineinzieht. Das Geschäft und das Kleid sind Lockmittel, die die eher ängstliche Vee mit ihren Träumen und Sehnsüchten konfrontieren: Einmal nicht das arme Mädchen aus Staten Island sein, das sich das College ihrer Wahl nicht leisten kann.
Lesen Sie auch: Die Wahrheit über Nerve
Die Anonymität des Internets und ihre Folgen
Die Autorin Jeanne Ryan sagt über ihre eigenen Geschichten, dass sie „nächste Woche Realität werden könnten, es aber hoffentlich nicht tun“. Und tatsächlich: Das titelgebende Online-Spiel in ihrem Buch „Nerve“ wirkt tatsächlich gar nicht so weit hergeholt in diesen Zeiten, in denen jeden Tag Millionen von Menschen auf die Straßen gehen, um Jagd auf virtuelle Taschenmonster zu machen, und in denen YouTuber und Twitch Gamer wie Superstars gefeiert werden, wie es früher nur bei Sportlern und Schauspielern der Fall war.
Der Film warnt nicht nur vor den Gefahren eines Lebens, das fortwährend im Netz beobachtet werden kann. Er inszeniert zugleich auch den Rausch, den ein Spiel wie »Nerve« auslösen kann. Schon lange wirkte New York nicht mehr so verführerisch wie in diesem Film, dessen Bilder nicht nur den fast schon irrealen Farbexplosionen von Neonlichtern frönen. Ständig wechselt die Perspektive. Mal blickt man auf einen Bildschirm und verfolgt so das Geschehen. Mal blickt der Bildschirm eines Telefons zurück, während die Kamera Vees Mutproben für die Netz-Community dokumentiert.
Parallelen zur Realität
Von »Pokémon Go« zu »Nerve« ist es letzten Endes nur ein kleiner Schritt. In beiden Fällen geben die Spieler große Teile ihrer Privatsphäre auf und werden so manipulierbar.
Inszenierung und Besetzung
Die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman („Catfish“, „Paranormal Activity 3“) haben sich den zeitgeistigen Roman nun vorgenommen und daraus einen Film gemacht, der sich vor allem dank seines atemlosen Tempos und seiner zwei charismatischen Hauptdarsteller als knackig-kurzweilige Thriller-Unterhaltung mit einigen bissigen satirischen Untertönen erweist.
Schauspielerische Leistungen
Mit Emma Roberts als Vee und Dave Franco als Ian überzeugt der Film mit zwei charismatischen Hauptdarstellern. Weitere Rollen spielen Emily Meade und Juliette Lewis.
Lesen Sie auch: Nerve: Online-Challenges eskalieren
Kritiken und Rezeption
"Nerve" wurde für seine neue Handlung und seinen spannenden Verlauf gelobt.
Positive Aspekte
- Neue Handlung: Der Film bietet eine frische und originelle Handlung, die sich von typischen Prequels, Sequels oder Remakes abhebt.
- Spannung: Der Film hält den Zuschauer in Atem und erfordert Aufmerksamkeit, um die Handlung zu verfolgen.
- Tempo und Inszenierung: Der Film ist temporeich, bunt und flott inszeniert, was ihn zu kurzweiliger Unterhaltung macht.
- Gesellschaftliche Relevanz: "Nerve" greift aktuelle gesellschaftliche Themen wie den Umgang mit Privatsphäre im Netz und die Auswirkungen von Online-Spielen auf.
Negative Aspekte
- Oberflächlichkeit: Die Thematik hätte mehr Satire und Schock enthalten können.
- Ende: Das Ende wird von einigen Zuschauern als nicht optimal umgesetzt kritisiert.
Lesen Sie auch: Die Welt der NERF-Blaster