Gin Tonic ist ein beliebtes Getränk, doch seine Auswirkungen auf das Gehirn sind vielfältig und komplex. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte, von der Geschmackspräferenz bis hin zu den langfristigen neurologischen Folgen von Alkoholkonsum.
Geschmacksempfinden und Gehirngröße: Der Gin-Tonic-Test
Eine interessante Studie der University of Queensland in Australien hat einen Zusammenhang zwischen dem Geschmacksempfinden und der Gehirngröße aufgedeckt. Über 1600 Probanden in Australien und Amerika nahmen an der Studie teil, bei der sie Getränke mit süßen und bitteren Geschmacksrichtungen probieren und bewerten sollten. Für die bitteren Proben wurde Tonic Water verwendet, da es Chinin enthält, eine Schlüsselkomponente, um die Reaktion auf bitteren Geschmack zu testen.
Die Ergebnisse zeigten, dass Personen mit einem größeren Gehirn Tonic Water als weniger bitter empfanden. Dr. Daniel Hwang vom UQ Diamantina Institute erklärte, dass die linke Seite des entorhinalen Kortex - ein Bereich des Gehirns, der für Gedächtnis, Geruch und visuelle Wahrnehmung verantwortlich ist - bei Menschen, die Chinin als weniger bitter empfanden, größer war.
Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass die Gehirngröße beeinflusst, wie wir Essen und Trinken wahrnehmen. Obwohl der Zusammenhang zwischen IQ und Gehirngröße nicht eindeutig relativierbar ist, zeigt die Studie, dass die Gehirngröße ein Faktor für die Intelligenz sein kann. Menschen, die bittere Getränke als angenehm empfinden, könnten demnach intelligenter sein.
Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, das Ernährungsverhalten der Menschen besser zu verstehen und die Behandlung von Essstörungen zu vereinfachen.
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Gin und die Stimmung: Macht Gin traurig?
Eine Studie hat untersucht, wie sich verschiedene alkoholische Getränke auf das Gemüt der Konsumenten auswirken. Dabei wurde festgestellt, dass Spirituosen wie Gin häufiger depressive Schübe verursachen als Wein oder Bier. Professor Mark Bellis von der Behörde für Öffentliche Gesundheit von Wales erklärte, dass Spirituosen stärker mit Tränen assoziiert werden, da sie die Fähigkeit des Gehirns verringern, impulsive Gefühle zu unterdrücken.
Gin wurde im 17. Jahrhundert in England als "Mutters Ruin" verschrien, da er mit Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht wurde und angeblich einen Bevölkerungsrückgang in London verursachte. Der hohe Alkoholgehalt von Gin kann dazu führen, dass Menschen unter Alkoholeinfluss weniger in der Lage sind, ihre Gedanken und Gefühle zu regulieren, was zu emotionalen Ausbrüchen führen kann.
Alkoholpsychologe Paul Toner empfiehlt, den Abend nicht mit hartem Alkohol wie Gin zu beginnen, sondern mit einem Bier ausklingen zu lassen, um die negativen Auswirkungen auf die Stimmung zu minimieren.
Alkohol als Störfeuer in der Hirnchemie
Alkohol in zu hoher Dosierung wirkt als Störfeuer in der Hirnchemie und kann zu einem "dicken Kopf" am Tag danach führen. Alkohol entzieht dem Körper Wasser und hemmt im Gehirn das Hormon Vasopressin, das die Körperflüssigkeit reguliert. Der Körper holt sich sein Schmiermittel zurück - auch aus dem Hirn, das dabei schmerzhaft schrumpft.
Alkoholkonsum schwemmt auch lebensnotwendige Mineralien wie Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium aus dem Körper. Der Verlust dieser Elektrolyte trübt die Sinne und führt in einen Entspannungszustand. Die Rechnung folgt prompt: Verbrannte Neuronen ermatten den Körper und vernebeln den Kopf, plagen ihn mit Schmerzattacken.
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Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt es sich, vor dem Schlafengehen ein großes Glas Wasser zu trinken und elektrolytehaltige Sportgetränke zu konsumieren. Auch ein Cocktail aus Tomatensaft und rohem Ei soll Wunder wirken.
Langzeitfolgen von Alkoholkonsum auf das Gehirn
Die Auswirkungen einer Alkoholabhängigkeit auf das Gehirn sind katastrophal. Menschen mit Alkoholkonsumstörungen erreichen bereits im mittleren Lebensalter demenzähnliche Zustände mit teilweise völligem Verlust der Selbstständigkeit. Alkohol schädigt über verschiedene Mechanismen die Nervenzellen.
Thiaminmangel
Thiamin, auch Vitamin B1 genannt, ist für die Gesundheit der Nerven von entscheidender Bedeutung. Alkoholabhängige Menschen sind oft mangelernährt und nehmen per se zu wenig Thiamin auf. Alkohol hemmt die Aufnahme und Verwertung von Thiamin im Körper. Die Aufnahme dieses B-Vitamins aus dem Darm gelingt nicht mehr, weil sie sowohl Energie als auch einen normalen pH-Wert voraussetzt, der bei Alkoholismus herabgesetzt ist. Zudem beeinträchtigt Alkohol die Fähigkeit der Zellen, Thiamin zu verwerten.
Acetaldehyd
Alkohol wird im Körper zu Acetaldehyd abgebaut. Dieses Abbauprodukt des Ethanols führt dosisabhängig zum Absterben von Nervenzellen (neuronaler Zelltod).
Entzündung des Nervengewebes
Alkohol führt zu einer Entzündung des Nervengewebes. Er erhöht die Anzahl proinflammatorischer Zytokine, die die Blut-Hirn-Schranke (BHS) überwinden und Entzündungen im Gehirn verursachen können. Er fördert die Entzündung auch durch eine Verschiebung der Neurotransmitterspiegel. So ist beispielsweise bekannt, dass Alkohol den Glutamatspiegel über eine Hemmung des N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptors erhöht. Hohe Glutamatkonzentrationen im Gehirn können neurotoxisch wirken und neuronale Schäden verursachen.
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Hepatische Enzephalopathie
Kommt es durch starken Alkoholkonsum zu einer Leberschädigung, so führen die dabei entstehenden neurotoxischen Substanzen wiederum zu einer Schädigung des Gehirns (»hepatische Enzephalopathie«).
Polyneuropathie
Die Polyneuropathie wird oft unterschätzt, weil sie im Krankheitsbild zunächst wenig »auffällt«. Sie entsteht durch eine Schädigung der peripheren Nerven durch Alkohol. Anfangs äußert sie sich durch ein unangenehmes Kribbeln in den Beinen, im Vollbild führt sie zu Dauerschmerzen und beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich.
Prof. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung, erklärt: »Ja, man kann sich tatsächlich sein Gehirn wegsaufen.« Die neurologischen Folgeerkrankungen und Syndrome eines erhöhten Alkoholkonsums, die durch Schädigung von Nervenzellen des zentralen Nervensystems entstehen, ähneln den typischen Rauschsymptomen, sind dann aber chronisch.
Schon eine einmalige Gabe von Trinkalkohol - Ethanol - kann die Synapsen und die Bewegung der Mitochondrien in den Nervenzellen des Gehirns dauerhaft verändern. Frühere Forschungen haben bereits ergeben, dass sich Alkoholkonsum negativ auf das Gehirn auswirkt. Die Forscher:innen fanden heraus, dass bereits geringe Mengen Alkoholkonsum, wie ein oder zwei Einheiten, das Gehirnvolumen schrumpfen lassen können. Je mehr Alkohol konsumiert wird, desto schlimmer werden die Auswirkungen.
Neue Studie: Kein sicherer Alkoholkonsum in Bezug auf Demenzrisiko
Eine neue Studie, die in eClinicalMedicine veröffentlicht wurde, wirft ein neues Licht auf den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Demenzrisiko. Die Studie konzentrierte sich auf Personen, die derzeit Alkohol konsumieren, und zeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen steigendem Alkoholkonsum und einem erhöhten Demenzrisiko gibt, wobei es keine sichere Menge gibt. Diese Studie stellt frühere Erkenntnisse in Frage und deutet darauf hin, dass selbst geringe Mengen Alkohol das Risiko erhöhen, an Demenz zu erkranken.