Giraffen, die höchsten Tiere der Erde, sind nicht nur für ihre beeindruckende Größe und ihr markantes Aussehen bekannt, sondern auch für ihre überraschenden kognitiven Fähigkeiten. Neueste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Giraffen in der Lage sind, statistische Wahrscheinlichkeiten zu erkennen und bei Entscheidungen zu berücksichtigen. Diese Erkenntnisse stellen bisherige Annahmen über die Intelligenz von Tieren mit relativ kleinen Gehirnen in Frage und eröffnen neue Perspektiven auf die Verbreitung statistischer Fähigkeiten im Tierreich.
Giraffen und ihre Vorliebe für Karotten
Um an ihr Lieblingsfutter zu kommen, treffen Giraffen kluge Entscheidungen auf der Grundlage von statistischen Wahrscheinlichkeiten. Dies belegen Experimente, bei denen die Tiere zwischen zwei Optionen mit unterschiedlichen Aussichten auf Erfolg wählen konnten. Was ist die bessere Wahl? Wir Menschen stehen bekanntlich häufig vor dieser Frage und sie ist besonders knifflig, wenn keine der möglichen Entscheidungen sicher zum Erfolg führt. In solchen Fällen müssen wir uns an Wahrscheinlichkeiten orientieren: Bestimmte Informationen können uns als Hinweise für die Wahl mit mehr Erfolgsaussicht dienen. Ein Aspekt können dabei statistische Informationen bilden - wenn etwa in einer Option vergleichsweise mehr Mengenpotenzial steckt.
Ein Forschungsteam aus Leipzig und Barcelona nutzte die Nahrungsvorlieben der Giraffen für eine interessante Studie. Giraffen bevorzugen Karotten gegenüber Zucchini. Diese Vorliebe wurde genutzt, um die Fähigkeit der Tiere zu testen, statistische Bewertungen vorzunehmen.
Das Experiment: Karotten vs. Zucchini
Für die Versuche wurden vier Zoogiraffen zwei transparente Behälter präsentiert, die mit unterschiedlichen Mengen an Karotten- und Zucchinistücken gefüllt waren. Die Behälter waren für die Giraffen gut sichtbar, aber mit der Zunge nicht erreichbar. In einem Behälter befanden sich beispielsweise 20 Karotten- und 100 Zucchinistücke, während der andere 100 Karotten- und 20 Zucchinistücke enthielt.
In weiteren Versuchen variierten die Mengenverhältnisse, um zu testen, ob die Giraffen die relativen Häufigkeiten der Gemüsesorten beurteilen konnten und nicht nur die absolute Anzahl der einzelnen Sorten. So wurden beispielsweise 20 Karotten- und 100 Zucchinistücke mit 20 Karotten- und 4 Zucchinistücken verglichen, sowie 57 Karotten- und 63 Zucchinistücke mit 3 Karotten- und 63 Zucchinistücken.
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Ein Versuchsleiter entnahm aus jedem Behälter ein Gemüsestück und hielt es in geschlossener Faust vor die Giraffe, sodass diese nicht sehen konnte, welche Sorte gewählt wurde. Anschließend musste sich die Giraffe für eine der beiden Hände entscheiden.
Die Ergebnisse: Statistische Fähigkeiten bei Giraffen
In 17 von 20 Versuchen wählten die Giraffen die Hand, die über dem Behälter mit dem höheren Anteil an Karotten gehalten wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Tiere in der Lage sind, Wahrscheinlichkeiten zu erkennen und ihre Entscheidungen entsprechend anzupassen. Sie verstanden, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Karotte zu erhalten, höher ist, wenn der Anteil an Karotten in dem Behälter größer ist.
Eine zusätzliche Herausforderung bestand darin, dass die Behälter durch eine Trennwand unterteilt waren, wobei sich ein Teil der Gemüsestücke oberhalb und ein Teil unterhalb der Trennwand befand. Das Gemüsestück wurde nur aus dem oberen Teil entnommen. Nur eine der Giraffen konnte diese zusätzliche Information berücksichtigen und ihre Entscheidung entsprechend anpassen.
Evolutionäre Vorteile statistischen Denkens
Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Giraffen trotz ihrer relativ kleinen Gehirne zu statistischem Denken fähig sind, ähnlich wie Primaten und Keas. Dies deutet darauf hin, dass ein großes Gehirn keine zwingende Voraussetzung für komplexe statistische Fähigkeiten ist und dass diese Fähigkeiten im Tierreich möglicherweise weiter verbreitet sind als bisher angenommen.
Statistische Fähigkeiten könnten aus evolutionärer Sicht entscheidende Vorteile bieten. Sie ermöglichen es den Tieren, in Situationen der Ungewissheit Schlussfolgerungen zu ziehen und fundierte Entscheidungen zu treffen, beispielsweise bei der Suche nach Nahrung oder bei der Vermeidung von Gefahren.
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Die Kommunikation der Giraffen
Die Tiere können offenbar durch ein niederfrequentes Summen miteinander kommunizieren. Es gibt eine Menge Tierarten auf der Welt, über die man so gut wie nichts weiß: etwa weil sie extrem klein sind oder sehr selten oder an schwer zugänglichen Orten leben. Für Giraffen, die am 21. Juni mit einem eigenen Welttag gefeiert werden, gilt nichts davon. Und doch ist vieles in ihrem Leben bis heute ein Rätsel, nicht zuletzt, wie sie miteinander kommunizieren.
Giraffengehirn im Vergleich
Es handelte sich bisher um Arten, die im Vergleich zu ihren Körperausmaßen große und damit besonders leistungsstarke Gehirne besitzen. Das Forscherteam um Alvaro Caicoya von der Universität Barcelona ist nun hingegen der Frage nachgegangen, ob sich auch Tiere mit eher bescheidenem Grips clever entscheiden können. Dabei fiel die Wahl auf zoologische Prominenz: die Giraffe (Giraffa camelopardalis).
Den Ergebnissen zufolge sind Giraffen (Giraffa camelopardalis) trotz ihrer relativ kleinen Gehirne offenbar wie Primaten und Keas (Nestor notabilis) zu statistischem Denken in der Lage, schließt Federica Amici mit ihren Mitautoren, Alvaro Caicoya und Montserrat Colell von der Universität Barcelona. Schließlich könnten statistische Fähigkeiten aus evolutionärer Sicht entscheidende Vorteile für Individuen bieten, wenn sie in einer Situation der Ungewissheit Schlüsse ziehen, erläutert das Forschungstrio. Es wäre daher aus seiner Sicht nicht überraschend, kämen solche Fähigkeiten weit verbreitet vor.
Die Anatomie der Giraffe
Ihr Name stammt wohl aus dem Arabischen und bedeutet Die Schnell-Laufende. Mit bis zu sechs Metern ist die Giraffe das höchste Tier der Erde. Die Zunge von Giraffen kann fast einen halben Meter lang werden und ist kräftig. Giraffen können sich damit die Augen reiben und nutzen sie zum Greifen von Ästen und dem Abstreifen der Blätter. Die bläuliche Färbung schützt vermutlich vor der intensiven Sonneneinstrahlung beim Fressen. Dass Giraffen zwei Herzen haben, ist ein Gerücht. Das Giraffenherz ist noch nicht einmal besonders groß. Doch es vollbringt eine enorme Leistung, muss es schließlich das Blut rund zwei Meter bis zum Gehirn hochpumpen. Die Muskelwand der linken Herzseite, die dafür zuständig ist, ist besonders dick und kräftig. Zusätzlich tragen Giraffen sozusagen Stützstrümpfe: Die Haut ihrer langen Beine sitzt besonders eng, damit das Blut nicht versackt. Wenn die Giraffe sich hinunterbeugt, verhindern Verschlussklappen in den Venen das Zurückfließen von Blut ins Gehirn. Außerdem können elastische Blutgefäße unter dem Gehirn - das sogenannte Wundernetz - überschüssiges Blut aufnehmen. Bis zu zweieinhalb Meter lang und 250 Kilogramm schwer kann ein Giraffenhals plus Kopf werden. Dadurch müssen Giraffen mit kaum einem anderen Tier um ihre Nahrung konkurrieren. Höchstens noch Elefanten erreichen Blätter und Knospen in ähnlicher Höhe. Giraffenbullen kämpfen miteinander, indem sie ihre Hälse aneinanderschlagen - das sogenannte necking - und sichern dadurch ihren Zugang zu Weibchen. Bullen mit besonders langen Hälsen können deshalb ihre Gene besser weitergeben und Langhälse haben einen Vorteil. Auch kann man so super Fressfeinde entdecken. Eine Giraffe hat trotz allem nur sieben Halswirbel - wie die meisten Säugetiere und der Mensch. Giraffen kommunizieren miteinander - und das sogar über sehr weite Distanzen. Mit ihrer enormen Schrittlänge können Giraffen bis zu 56 km/h schnell werden. Löwen gehören wie Leoparden und Hyänen zu den wenigen natürlichen Feinden der Giraffen und insbesondere ihrer Jungtiere. Giraffen sind Pflanzenfresser und ernähren sich hauptsächlich von Akazien, manchmal auch von Blättern, Früchten und Blüten anderer Baumarten oder Sträucher. Um mit ihrem langen Hals trinken zu können, müssen die großen Tiere ihre Beine weit spreizen und in die Knie gehen. Das ist nicht nur ungemütlich, sondern macht auch angreifbar. Noch mehr als das Trinken erschweren der lange Hals und die langen Beine den Giraffen das Aufstehen aus dem Liegen. Auch beim Gebären bleiben Giraffenmütter stehen. Deshalb fallen Giraffenjunge bei ihrer Geburt fast zwei Meter in die Tiefe. Das schadet ihnen nicht und schon nach etwa einer Stunde stehen sie zum Schutz vor Feinden auf eigenen Beinen: Bereits größer als die meisten Menschen - mit einer Schulterhöhe von 1,50 bis 1,80 Meter, Hals noch nicht mitgezählt. Neben ihrem langen Hals macht ihre besondere Fellzeichnung die Giraffe zu einer der ikonischsten Arten unserer Erde. Die schönen, dunklen Flecken dienen nicht nur der Tarnung, sondern regulieren auch die Körpertemperatur: Um jeden Fleck verläuft ein ringförmiges Blutgefäß mit kleineren Gefäßen direkt unter den Flecken. Das Fellmuster ist übrigens bei jedem Tier verschieden. Auch diese Frage ist nicht abschließend geklärt. Lange Zeit ging man von nur einer Giraffen-Art aus, die in mehreren Unterarten in verschiedenen Regionen Afrikas lebt. Neuere Untersuchungen weisen auf vier getrennte Giraffen-Arten hin.
Die Evolution des langen Halses
Lange Beine und ein endloser Hals: Giraffen werden etwa sechs Meter groß und überragen damit alle anderen Tiere auf dem Festland. Das war jedoch nicht immer so. Um den Entwicklungsweg nachzuzeichnen, verglichen die Forscher das Genom der Giraffen mit dem der Okapis, die ebenfalls zur Gattung der Giraffenartigen gehören. Seit etwa 11,5 Millionen Jahren gehen die beiden Arten allerdings getrennte Wege. Während die Okapis klein blieben, schossen die Giraffen in die Höhe. Dabei haben die Tiere nicht mehr Halswirbel als ihre Verwandten. Die gigantische Größe verlangt dem Körper allerdings einiges ab. Besonders der bis zu zwei Meter lange Hals stellt das Herz-Kreislaufsystem der großen Tiere vor eine Herausforderung.
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Im Rahmen ihrer Untersuchung identifizierten die Wissenschaftler 70 Gene, die der Giraffe ihren langen Hals bescheren und den Organismus der Tiere an die gewaltige Köpergröße anpassen. Wozu der lange Hals eigentlich dient, konnten allerdings auch die Forscher bisher nicht beantworten. Der Naturforscher Charles Darwin ging davon aus, dass einige Giraffen zufällig einen längeren Hals hatten als andere. Diese Tiere profitierten von einem Selektionsvorteil, da sie Nahrung in Bäumen fanden, an die andere Tiere nicht gelangten. Allerdings naschen die großen Tiere oft gar nicht in luftigen Höhen, sondern suchen ihre Nahrung auf Schulterhöhe. Möglich wäre also auch, dass nicht die Nahrungsaufnahme, sondern das Balzverhalten der Tiere dafür sorgte, dass sich vor allem die Tiere mit den längsten Hälsen durchsetzten. Denn Giraffen-Bullen kämpfen mit ihrem langen Hals und beeindrucken so die Kühe.
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