Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die die Fähigkeit zu sprechen, zu verstehen, zu lesen und zu schreiben beeinträchtigt. Sie tritt in der Regel plötzlich auf und ist meist die Folge einer Hirnschädigung. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der globalen Aphasie detailliert erläutert.
Was ist eine Aphasie?
Unter einer Aphasie versteht man eine erworbene Sprachstörung. Das heißt, sie entsteht erst im Laufe des Lebens - meist recht plötzlich. Die Sprachstörung ist unterschiedlich ausgeprägt: So kann beispielsweise das Sprechen an sich, das Sprachverständnis oder das Reden in zusammenhängenden Sätzen gestört sein. Das Denken ist in der Regel nicht gestört.
Der Begriff „Aphasie“ bedeutet übersetzt soviel wie „Verlust der Sprache“. Medizinisch versteht man darunter eine durch Krankheit erworbene Sprachstörung. Die wörtliche Übersetzung ist jedoch irreführend: Aphasie bedeutet in der Regel keinen kompletten Sprachverlust. Vielmehr kommt es zu mehr oder weniger starken sprachlichen Ausfällen, die sich sowohl beim Sprechen und Sprachverstehen als auch beim Lesen und Schreiben zeigen können.
Aphasien sind Störungen des gesamten Sprachsystems. D.h. dass alle Facetten der Sprache - Gehörtes verstehen, Gelesenes verstehen, Gedanken aussprechen und Gedanken aufschreiben - in unterschiedlicher Ausprägung betroffen sein können. Bei einer Aphasie ist die Kommunikationsfähigkeit in unterschiedlicher Ausprägung gestört. Sonstige geistige Fähigkeiten, insbesondere die Intelligenz, sind in der Regel nicht beeinträchtigt. In manchen Fällen kommt es neben einer Aphasie auch zu einer Störung der Gedächtnis-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen. Daher umfasst die spezielle Sprachtherapie der Aphasie immer auch eine neuropsychologische Betreuung.
Ursachen einer Aphasie
Die Ursache einer Aphasie ist immer eine Schädigung des Gehirns. In den meisten Fällen liegt die Schädigung im Bereich der linken Großhirnhälfte. Eine plötzlich auftretende Aphasie kann aufgrund einer Schädigung des Gehirns auftreten. In den meisten Fällen liegt die Schädigung im Bereich der linken Großhirnhälfte.
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Ein Schlaganfall ist mit Abstand die häufigste Ursache für eine Aphasie: Bei rund 30 Prozent aller erstmaligen Schlaganfälle kommt es in den Minuten, Tagen und Wochen danach - glücklicherweise oft nur vorübergehend - zu einer Sprachstörung. Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Ist eines der Sprachzentren davon betroffen, entsteht eine Aphasie.
Aber auch ein Schädel-Hirn-Trauma - etwa aufgrund eines Verkehrsunfalls -, ein Hirntumor, eine entzündliche Erkrankung des Gehirns oder bestimmte Arten von Vergiftungen können eine Aphasie hervorrufen.
Eine Aphasie tritt nach Schädigungen oder Erkrankungen des Gehirns auf wie z.B.:
- Schlaganfall (verursacht 80 Prozent der Aphasien)
- Schädel-Hirn-Trauma
- Tumoren
- Hirnblutungen
- Entzündungen
- weiteren Erkrankungen des zentralen Nervensystems
Mit etwa 80 Prozent die häufigste Ursache einer Aphasie sind Schlaganfälle, die in Deutschland rund 270.000 Menschen im Jahr treffen. Bei rund einem Drittel aller erstmaligen Schlaganfälle kommt es danach zu einer Aphasie, die sich in den ersten vier Wochen oft wieder legt. Etwa zehn Prozent der Aphasien sind Folge einer schweren Gehirnerschütterung (Schädel-Hirn-Trauma), also einer Hirnverletzung, wie sie etwa durch einen Schlag auf den Kopf oder einen Unfall auftritt. Rund sieben Prozent der Aphasien entstehen durch Hirntumore. Sie können Druck auf die Areale ausüben, die für die Sprache zuständig sind. Wenn sie wachsen, verschlimmert sich die Aphasie möglicherweise entsprechend.
Häufige Ursachen für eine Aphasie sind Durchblutungsstörungen der linken Gehirnhälfte nach einem Schlaganfall. Teile des Hirns erhalten dann nicht mehr ausreichend Sauerstoff, sodass Gehirnzellen absterben. Hirnblutungen, Hirntumore oder epileptische Anfälle können ebenfalls zu Aphasie führen.
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Aphasien treten auch bei Erkrankungen auf, die das gesamte Gehirn betreffen. Dazu gehören Demenzerkrankungen, bei denen sich im Verlauf der Krankheit die Sprache schrittweise verändert. Sie kann mit der Zeit weniger ausdrucksstark werden und im Verlauf ganz verschwinden. Eine Sonderform der Demenz, bei der die Sprachstörung im Vordergrund steht, ist die primär progressive Aphasie. Bei Erkrankungen, die die Hirnfunktionen stören, wie zum Beispiel Unterzuckerung oder schwere Infektionen, kann neben allen anderen Hirnleistungen auch die Sprache gestört sein. Hier ist die Aphasie meist nicht das einzige Symptom.
Sprachzentren im Gehirn
Die Sprachzentren sind Hirnbereiche, die besonders auf die Sprache spezialisiert sind. Es gibt zwei Hauptsprachzentren mit je unterschiedlichen Funktionen: Das Wernicke-Zentrum ist grundsätzlich eher für das Verstehen von Sprache zuständig. Das Broca-Areal wiederum steuert mehr das Sprechen - also die Produktion von Sprache an sich. Je nachdem, welches Sprachzentrum in Mitleidenschaft gezogen wurde - in manchen Fällen sind es auch beide gleichzeitig - gibt es Ausfälle in den jeweiligen Bereichen. Aber für die Sprache spielen viele weitere Bereiche des Gehirns eine Rolle. Auch wenn andere Hirnareale betroffen sind, kann es deshalb zu einer Aphasie kommen.
Den Kern des Sprachnetzwerks bilden zwei Hirnregionen: das Wernicke-Areal und das Broca-Areal. Stark vereinfacht dargestellt, ist das Wernicke-Areal eher für das Verstehen von Sprache zuständig. Das Broca-Areal wiederum ist eher für das Sprechen verantwortlich.
Globale Aphasie: Die schwerste Form
Die Globale Aphasie ist die schwerste Form einer Aphasie. Die Betroffenen können kaum oder gar nicht sprechen. Die Störung beeinträchtigt ebenso das Sprachverständnis und in der Regel auch die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben. Sie ist die schwerste Form der Aphasie. Menschen mit einer globalen Aphasie haben große Schwierigkeiten sowohl beim Sprechen als auch beim Verstehen von Sprache. Auch Lesen und Schreiben ist für die Betroffenen oft nicht möglich. Häufig können die Betroffenen nicht mehr als einzelne Wörter sprechen. Das Sprachverständnis ist stark eingeschränkt, sodass oft nur einzelne Wörter verstanden werden können oder diese aus der jeweiligen Situation erschlossen werden.
Bei einer globalen Aphasie sind im Gehirn meist Teile des Stirn-, Schläfen- und Scheitellappens in Kombination geschädigt. Das Verstehen von Sprache, Lesen und Schreiben sind meist schwer gestört. Die Verständigung ist kaum oder gar nicht mehr möglich. Betroffene sind meist vollkommen stumm oder der Sprechfluss ist stark auf einzelne sinnlose Wörter eingeschränkt. Einige nutzen Bruchstücke von Wörtern, sich wiederholende Silben wie („dadada“) oder Floskeln („meine Güte“).
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Symptome einer Aphasie
Eine Aphasie, also eine Sprachstörung, gibt es in vielen Varianten und Ausprägungen. Die Symptome einer Aphasie können sehr unterschiedlich sein. Je nach Form treten folgende Symptome auf:
- Störungen des Sprachverstehens
- Störungen des Lesesinnverstehens
- Störungen der Wortfindung
- Störungen der grammatikalischen Verarbeitung
- Störungen der lautlichen Verarbeitung
- Störungen des Schreibens
Bei einer Störung im Wernicke-Zentrum - man spricht in diesem Fall von Wernicke-Aphasie - können Betroffene zwar meist fließend sprechen, aber häufig ohne sinnhaften Zusammenhang. Die korrekten Wörter fallen ihnen nicht mehr ein, Buchstaben und Worte können vertauscht sein. Sie haben zudem oft große Probleme, gesprochene Sprache zu verstehen.
Bei einer sogenannten Broca-Aphasie fällt das Sprechen in komplexen Sätzen schwer: Viele sprechen sehr langsam oder abgehackt und in sehr einfachen Sätzen. Das Lesen und Schreiben ist in den meisten Fällen mit betroffen.
Typische Störungen einer Aphasie sind somit Störungen beim Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben.
Welche Störungen sind bei einer Aphasie typisch? Bei einer Aphasie ist die Fähigkeit zur sprachgebundenen Kommunikation gestört. Gerade in der akuten Erkrankungsphase müssen die Betroffenen erleben, dass sie nur noch eingeschränkt oder nicht mehr in der Lage sind, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Ebenso sind gehörte Worte, d.h. verbale Äußerungen anderer, häufig unverständlich. Auch Versuche sich schriftlich zu äußern sind nicht selten zunächst erfolglos.
Betroffene suchen oft beim Sprechen nach den passenden Begriffen. Der Redefluss wirkt dadurch häufig stockend. Begriffe werden fehlerhaft verwendet, wodurch das Gesprochene für andere unverständlich werden kann.
Begleitende neurologische Störungen
Entsprechend treten Aphasien meist nicht isoliert sondern zusammen mit anderen neurologischen Störungen auf. Dazu gehören:
- Sprechapraxie (Störung der sprechmotorischen Programms)
- Dysarthrie (Artikulationsstörung)
- Dysphagie (Schluckstörungen)
- Apraxie (Störungen von Bewegungsabfolgen)
- Akalkulie (Einschränkungen bei der Verarbeitung von Zahlen)
- Hemianopsie (teilweise Einschränkungen des Gesichtsfelds/“Halbseitenblindheit“)
- halbseitige Lähmung
- Sensibilitätsstörungen
- Krampfanfälle (epileptische Anfälle)
- Gedächtnisstörungen
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
- Orientierungsstörungen
- Gefühlsschwankungen mit depressiver Verstimmung, Reizbarkeit oder auch Ängsten
Häufig tritt Aphasie zusammen mit anderen Störungen auf. Dazu gehören: Sprechapraxie (Sprechstörung, die sich auf die Sprechmotorik und deren geplante Bewegung auswirkt) Dysarthrie.
Formen der Aphasie
Um bei einer Aphasie die Vielzahl möglicher sprachlicher Symptome im klinischen Alltag besser einordnen und behandeln zu können, werden bestimmte sprachliche Symptome zu Bündeln (Syndromen) zusammengefasst. Am häufigsten finden sich die folgenden vier Standardsyndrome der Aphasie:
- Globale Aphasie
- Broca-Aphasie (motorische Aphasie)
- Wernicke-Aphasie
- Amnestische Aphasie
Grundsätzlich ist jedoch jede Aphasie individuell, d.h. anders ausgeprägt. Im klinischen und therapeutischen Alltag ist daher nicht allein das Syndrom entscheidend, sondern vielmehr die Art und Weise, wie und wieweit die Symptome der Sprachstörung die Betroffenen bzw. die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigen.
Beurteilt wird dabei etwa:
- Handelt es sich um eine ´flüssige´ (Sprache ist zwar korrekt, aber häufig inhaltsleer) oder eine ´nichtflüssige´ (Sprache ist eher stockend) Aphasie?
- Wie inhaltsreich oder -leer ist das Gesagte oder Geschriebene?
- Wie stark ist eine Störung des Sprachverständnisses ausgeprägt?
- Gibt es Wortfindungsstörungen?
- Sind Grammatik, Sprachlaute und der Satzbau beeinträchtigt?
- Wie stark ist die alltägliche Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt?
- Ist gegebenenfalls eine Kommunikation mit Hilfe von Gesten, Mimik oder Hilfsmitteln wie Büchern, Tablet und Smartphone möglich?
Diagnose einer Aphasie
In der Diagnose einer Aphasie geht es neben der Bestätigung des Verdachts vor allem darum, Art und Umfang der Aphasie besser zu bestimmen. Das ist wichtig, um anschließend gezielter und wirkungsvoller behandeln zu können. Daher ist es sinnvoll, dass die Diagnostik in der Regel eine Logopädin oder ein Logopäde vornimmt. Denn die Logopädie hat auch die zentrale Rolle bei der Behandlung.
Die Aphasie-Diagnostik beginnt in der Akutphase im Krankenhaus und wird von Logopäden, also Sprachtherapeuten, durchgeführt. Viele Patienten haben sind zu Beginn dieser Phase noch schwach und ihr Gesundheitszustand ist instabil. Erst nach etwa sechs Wochen kann eine detaillierte Beurteilung der sprachlichen Fähigkeiten des Betroffenen stattfinden. Dafür stehen unterschiedliche Tests zur Verfügung. Sollten Sie als angehörige Person wiederholt Sprachstörungen bei Ihrem Familienmitglied bemerken, kann es sich lohnen, diese zu dokumentieren und für ein späteres Arztgespräch bereitzuhalten. Gibt es Muster, wie zum Beispiel Wortfindungsstörungen oder Verwechslungen?
Im Rahmen der neurolinguistischen/logopädischen und neuropsychologischen Diagnostik werden die folgenden Bereiche der Sprachfunktion untersucht:
- Lautstruktur (Phonologie)
- Wortgestalt (Morphologie)
- Satzbau (Syntax)
- Wort- und Satzbedeutung (Semantik)
- Sprachverständnis
- Störungen des Lesens (Dyslexie)
- Störungen des Schreibens (Dysgraphie)
- Störungen von Sprechbewegungen (Sprechapraxien)
- Störungen der Artikulation, der Stimmgebung und der Sprechatmung (Dysarthrophonie)
Zudem werden mögliche zusätzliche Einschränkungen folgender Bereiche erfasst:
- Konzentration und Aufmerksamkeit
- Orientierung
- Gedächtnis
- Auditive und visuelle Wahrnehmung
- Räumlich-konstruktive Störungen
- Handlungsplanung
- Rechenfähigkeit
- Antrieb und psychomotorisches Tempo
- Stimmung und Affektivität
Standardisierte Tests, beispielsweise der Aachener Aphasie-Test, kurz AAT, tragen zur Diagnose bei. Der Aphasie-Schnell-Test (AST) wurde für leichte bis mittelgradige akute Aphasien entwickelt. Der Test kann einfach durchgeführt werden und dauert etwa fünf bis 15 Minuten. Mit diesem Test kann zum einen ermittelt werden, ob eine Aphasie vorliegt oder nicht. Der Test dauert zwischen 60 und 90 Minuten.
Behandlungsmöglichkeiten
Im Zentrum der Behandlung von Aphasie steht eine Sprachtherapie. Die Behandlung einer Aphasie ist nicht invasiv, das heißt, Betroffene müssen nicht befürchten, am Gehirn operiert zu werden. Das übergeordnete Ziel der Aphasie-Therapie ist es, die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Betroffene lernen, die Sprachstörung durch andere Ausdrucksmöglichkeiten wie Gestik oder durch die Zuhilfenahme von Hilfsmitteln zu kompensieren. Entscheidend ist es, dass die Patienten dazu befähigt werden, wieder kommunizieren zu können.
Ziel der Aphasietherapie ist es, die Kommunikationsfähigkeit so gut es geht zu verbessern und vorhandene Fähigkeiten zu fördern. Nach wissenschaftlichen Studien gilt auch für die Aphasietherapie: Je intensiver die Behandlung, desto effektiver ist das Ergebnis. Gerade in der akuten und subakuten Phase einer Aphasie hat sich gezeigt, dass vor allem eine intensive Sprachtherapie (IST) die Kommunikationsfähigkeit verbessern kann. Aber auch im Krankheitsverlauf, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt, sind durch ein ausreichend intensives Training Besserungen der Symptome einer Aphasie möglich.
Dabei macht man in regelmäßigen Sitzungen, die meist 30 bis 45 Minuten dauern, praktische Übungen unter Anleitung einer Logopädin oder eines Logopäden, um die Sprachfähigkeiten zu verbessern. Je nach Art der Aphasie geht es etwa darum, Wörter oder Sätze nachzusprechen, etwas vorzulesen oder sich zu unterhalten. Wahrnehmungsübungen sollen helfen, einzelne Laute und Silben zu unterscheiden. Sprechübungen wiederum sollen die Bildung von Lauten sowie den Redefluss verbessern. Hilfsmittel wie Gebärden, Sprechtafeln und Sprachcomputer sowie Sprach-Apps kommen ebenfalls teils zum Einsatz.
Die Behandlung der Aphasie liegt im Aufgabenbereich der Logopädie, also des Sprachtherapeuten. Patienten führen speziellen Aphasie-Übungen unter der Anleitung der Logopäden durch. Das genaue Therapieziel orientiert sich am Einzelfall, je nach Aphasie-Form, Schweregrad sowie allgemeiner gesundheitlicher Verfassung des Betroffenen.
Logopädie erfordert für die Betroffenen eine gewisse Ausdauer und Disziplin. Viele Dinge, die man vorher als selbstverständlich angesehen hat, können mit einer Aphasie plötzlich als anstrengend wahrgenommen werden. In Deutschland werden im Durchschnitt etwa fünf Sitzungen pro Woche verordnet. Bei der Therapie gilt offenbar: Viel hilft viel. Betroffene können ihr Sprachtraining zusätzlich zu den fünf verordneten Logopädie-Stunden pro Woche weiter intensivieren. Es gibt mittlerweile bewährte Apps speziell für Schlaganfall-Patienten, um die Sprachfähigkeiten am Smartphone oder am Tablet zu trainieren. Am besten, man spricht die Logopädin oder den Logopäden darauf an, was hier empfehlenswert ist.
Sprach- und Sprechtherapie sind jedoch nur dann wirksam, wenn wesentliche Faktoren der Wirksamkeit in einem mehrdimensionalen Behandlungskonzept zusammenfließen. Eine intensive Sprachtherapie (IST) erfolgt daher vorzugsweise im Rahmen einer Rehabilitationsmaßnahme - in einer neurologischen Fachklinik (stationär oder teilstationär). Vorteil dabei ist, dass neben der intensiven Sprachtherapie die häufig vorhandenen neurologischen Begleitsymptome mitbehandelt werden können.
Die Rehabilitationsbehandlung der Aphasien kann folgende Therapiemodule umfassen:
- Sprachtherapie (Logopädie und/oder Linguistik) inkl. computerunterstützte Sprachtherapie
- Neuropsychologische Therapie (zur Verbesserung u. a. von Aufmerksamkeit und Gedächtnis)
- Physiotherapie (bei Lähmungen und Bewegungseinschränkungen)
- Ergotherapie (Übungen zum Wiedererlernen von Alltagsfähigkeiten)
- Physikalische Therapien (Elektrotherapie, Massage, Bäder)
Die Aphasie-Therapien finden in der Regel in Einzel- und Gruppentherapien statt. Ein wesentliches Ziel ist dabei, Aphasiker*innen wieder in die Lage zu versetzen, trotz eventueller Einschränkungen wieder möglichst selbstständig im Alltag zurechtzukommen. Im hierzu beispielsweise durchgeführten Real Life-Training können die Betroffenen lernen, während der Behandlung eingeübte Kommunikationsmuster in einer realen Alltagssituation anzuwenden (z.B. beim Einkaufen).
Wichtig ist immer, ein verständnisvolles Umfeld der Betroffenen zu fördern, um die ansonsten wirksamen natürlichen Sprach- und Sprechängste abbauen zu können. Dabei ist es hilfreich, wenn auch die Angehörigen frühzeitig in die Therapien eingebunden werden und durch Beratungen und Seminare das Verständnis für die Störung gefördert wird.
Zusätzliche Therapieansätze
Unterstützend zur Logopädie können auch Musiktherapie und Kunsttherapie eingesetzt werden. Bei der Musiktherapie soll durch gemeinsames Musizieren und Singen in der Gruppe das Sprachzentrum angeregt werden. Mithilfe der Kunsttherapie wiederum sollen neue Ausdrucksformen abseits der Sprache gefunden werden. Es wird gemalt, gezeichnet oder gestaltet: Patientinnen und Patienten formen zum Beispiel eine Skulptur aus Gips oder malen eine Unterwasserlandschaft mit Wasserfarben.
Darüber hinaus gibt es neuartige Methoden, die derzeit noch erforscht werden und in der klinischen Praxis noch kaum verbreitet sind. So wird etwa versucht, das Gehirn von außen auf verschiedene Arten zu stimulieren. Dazu gehört die transkranielle Magnetstimulation: Hier werden große Magnetspulen in die Nähe des Kopfes angebracht, die durch Haut und Schädelknochen hindurch die Gehirnzellen anregen sollen. Ähnliches soll mit der sogenannten transkraniellen Gleichstromstimulation gelingen, bei der dieser Effekt mit schwachen Stromimpulsen erzielt werden soll.
Frühzeitiger Therapiebeginn
Aphasie-Behandlung so früh wie möglich beginnen. Grundsätzlich gilt, dass die logopädische Therapie so früh wie möglich begonnen werden sollte, am besten noch während des Krankenhausaufenthaltes. Wenn der Betroffene wieder zuhause ist, muss die logopädische Therapie von einem Arzt verordnet werden. Grundsätzlich kann die ambulante Logotherapie einzeln oder in Gruppen stattfinden.
Umgang mit Aphasie in Pflegekursen
Pflegekurse werden von den Pflegekassen finanziert und sind gemäß § 45 SGB XI für die Teilenehmenden kostenfrei. Kommunikation spielt in vielen Modulen von Pflegekursen eine wichtige Rolle. Mit entsprechenden Fragen können Sie herausfinden, worüber der Betroffene sprechen möchte. Ein Beispiel: „Geht es um das Thema Urlaub? Meinst Du den Sommerurlaub im letzten Jahr? Wichtig ist, dass Sie ehrlich sind und es dem Betroffenen mitteilen, wenn Sie ihn nicht verstanden haben.
Hilfsmittel und Kommunikationsstrategien
Es gibt Hilfsmittel, die es Aphasikern trotz eingeschränkter Sprachfähigkeit ermöglichen, an Gesprächen teilzunehmen. Darüber hinaus gibt es inzwischen eine große Vielfalt an elektronischen Kommunikationshilfen. Bevor sich Aphasiker Hilfsmittel anschaffen, sollten sie einen Antrag auf Kostenübernahme für elektronische oder nicht-elektronische Hilfsmittel beim zuständigen Kostenträger stellen. Dem Antrag muss ein Kostenvoranschlag beigefügt werden. Kommunikationshilfen gibt es inzwischen auch als digitale Anwendungen (Apps) für Smartphones und Tablets. Nicht jede Krankenkasse übernimmt die Kosten für Aphasie-Apps. Zur therapeutischen Begleitung von Krankheiten etablieren sich Digitale Gesundheitsanwendungen jedoch immer mehr. Aphasiker können sich auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) informieren. Dort gibt es ein Verzeichnis der stationären Einrichtungen für medizinische Rehabilitation. In der Suchmaske kann das Krankheitsbild „Sprachstörung“ oder „Sprachbehinderungen“ ausgewählt werden.
Berufliche Wiedereingliederung
Der berufliche Wiedereinstieg mit einer Aphasie kann Betroffene vor große Herausforderungen stellen. Nicht alle Berufe sind mit einer Aphasie gleichermaßen vereinbar. Das Heidelberger Aphasie-Modell ist ein Angebot des Berufsförderungswerks in Kooperation mit dem Bundesverband Aphasie e. V. und den SRH Fachschulen. In dieser Zeit werden die Menschen zudem darüber beraten, welche beruflichen Tätigkeiten in Frage für sie kommen könnten. Danach absolvieren sie eine drei- bis sechsmonatige Berufsvorbereitung. Im gewählten Berufszweig folgt eine Qualifizierung in Form einer Umschulung oder Ausbildung.
Selbsthilfegruppen und Interessenvertretungen
Es gibt Selbsthilfegruppen, deren Angebote sich speziell an Aphasiker richten. Für viele Betroffene ist es hilfreich, sich in diesem Rahmen über Themen auszutauschen, die sie mit nicht betroffenen Menschen schwierig nur besprechen können. Selbsthilfegruppen unterscheiden sich zum einen in professionell geführte Gruppen, die auch therapeutische Angebote haben. Zum anderen gibt es von Betroffenen selbst organisierte Gruppen. Eine zentrale Interessenvertretung ist der Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V.
Nachteilsausgleich
Bei Hirnschäden mit kognitiven Leistungseinschränkungen, wie einer Aphasie, haben Betroffene die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich zu erhalten.
Prognose und Verlauf
Wie sich die Aphasie in den ersten sechs Monaten nach einem Schlaganfall entwickelt, ist in der Regel wegweisend für den weiteren Verlauf. Die Entwicklung der Aphasie hängt stark von der Ursache und dem Ausmaß der Hirnstörung ab. Schwere Aphasien durch einen großen Schlaganfall verbessern sich zum Beispiel nicht so stark wie leichte Störungen nach einer stärkeren Gehirnerschütterung.
Die Aussichten auf eine vollständige Heilung sind gut: Ungefähr die Hälfte aller Menschen mit Aphasie nach einem Schlaganfall erlangen in den ersten sechs Monaten ihre Sprachfähigkeiten wieder komplett zurück. „Bei insgesamt jedem fünften Schlaganfall bleiben Sprachschwierigkeiten dauerhaft bestehen.
Die Heilungschancen werden jedoch nicht nur durch regelmäßiges Sprachtraining bestimmt, auch die Schwere des Schlaganfalls spielt eine Rolle. Ein Stück weit können abgestorbenes Gewebe und verlorene Verschaltungen kompensiert werden. Sind die Schäden durch die Minderdurchblutung jedoch besonders stark ausgeprägt, kann selbst die oder der Fleißigste und Disziplinierteste oft nur begrenzt etwas erreichen.
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