Die Hashimoto-Enzephalopathie (HE) ist eine seltene neurologische Erkrankung, die mit der Hashimoto-Thyreoiditis, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, assoziiert ist. Die HE kann sich durch eine Vielzahl von neuropsychiatrischen Symptomen manifestieren, was die Diagnose erschweren kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die HE, einschließlich ihrer Symptome, Diagnose, EEG-Befunde und Behandlungsoptionen.
Einführung
Die Hashimoto-Enzephalopathie ist eine seltene, aber wichtige Differentialdiagnose bei Patienten mit unklaren neurologischen oder psychiatrischen Symptomen. Die Erkrankung ist durch erhöhte Schilddrüsenantikörper und EEG-Veränderungen gekennzeichnet und spricht in vielen Fällen gut auf eine Behandlung mit Kortikosteroiden an. Es ist wichtig, die HE frühzeitig zu erkennen, um eine angemessene Therapie einzuleiten und irreversible Schäden zu verhindern.
Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?
Hashimoto-Thyreoiditis, auch bekannt als Autoimmunthyreoiditis, ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise das Gewebe der Schilddrüse angreift. Dies führt zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse, die langfristig zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) führen kann. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache für Hypothyreose bei Erwachsenen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Hashimoto-Thyreoiditis sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den Risikofaktoren für die Entwicklung einer Hashimoto-Thyreoiditis gehören:
- Genetische Veranlagung: Hashimoto-Thyreoiditis tritt häufiger bei Personen auf, in deren Familie bereits Fälle von Autoimmunerkrankungen bekannt sind.
- Geschlecht: Frauen sind deutlich häufiger von Hashimoto-Thyreoiditis betroffen als Männer.
- Alter: Die meisten Betroffenen erkranken im Alter zwischen 30 und 50 Jahren.
- Jodüberschuss: Eine übermäßige Jodzufuhr kann die Entstehung oder Verschlimmerung einer Hashimoto-Thyreoiditis begünstigen.
- Weitere Autoimmunerkrankungen: Personen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Vitiligo, Diabetes Typ 1 oder Zöliakie haben ein erhöhtes Risiko, an Hashimoto-Thyreoiditis zu erkranken.
Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis
Die Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis können vielfältig und unspezifisch sein, was die Diagnose erschweren kann. Im Frühstadium der Erkrankung können die Betroffenen sogar Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) entwickeln, da die entzündete Schilddrüse vorübergehend größere Mengen an Schilddrüsenhormonen ins Blut abgibt. Diese Phase wird als Hashitoxikose bezeichnet.
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Im weiteren Verlauf der Erkrankung entwickelt sich jedoch meist eine Schilddrüsenunterfunktion, die mit folgenden Symptomen einhergehen kann:
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen
- Gewichtszunahme trotz normalen Essverhaltens
- Verstopfung
- Trockenes Haar und Haarausfall
- Trockene Haut
- Niedriger Puls
- Heiserkeit
- Schnelles Frieren
- Schwellungen im Gesicht (Augenlider), an Armen und Beinen
- Zyklusstörungen
- Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, verlangsamtes Denken
- Muskelkrämpfe
Hashimoto-Enzephalopathie: Eine seltene Komplikation
Die Hashimoto-Enzephalopathie ist eine seltene neurologische Komplikation der Hashimoto-Thyreoiditis. Sie ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl von neuropsychiatrischen Symptomen, die von milden kognitiven Beeinträchtigungen bis hin zu schweren neurologischen Ausfällen reichen können.
Symptome der Hashimoto-Enzephalopathie
Die Symptome der Hashimoto-Enzephalopathie sind vielfältig und können von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Kognitive Störungen: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Verwirrtheit
- Psychiatrische Symptome: Depressionen, Angstzustände, Psychosen, Halluzinationen
- Neurologische Symptome: Krampfanfälle, Myoklonien (Muskelzuckungen), Ataxie (Koordinationsstörungen), Sprachstörungen
- Schlaganfallartige Symptome: Plötzliche Schwäche oder Taubheit einer Körperseite, Sprachstörungen, Sehstörungen
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten mit Hashimoto-Enzephalopathie alle diese Symptome aufweisen. Einige Patienten haben nur milde Symptome, während andere schwerere neurologische Ausfälle entwickeln.
EEG-Befunde bei Hashimoto-Enzephalopathie
Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist ein wichtiges diagnostisches Instrument bei der HE. Es misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann charakteristische Veränderungen aufzeigen, die auf die Erkrankung hinweisen. Typische EEG-Befunde bei HE sind:
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- Diffuse Verlangsamung der Hintergrundaktivität: Dies deutet auf eine allgemeine Störung der Hirnfunktion hin.
- Triphasische Wellen: Diese sind zwar nicht spezifisch für HE, können aber in einigen Fällen auftreten.
- Epileptiforme Entladungen: Diese weisen auf eine erhöhte Krampfbereitschaft hin.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das EEG bei HE auch normal sein kann, insbesondere im Frühstadium der Erkrankung. Daher sollte die Diagnose nicht allein auf der Grundlage des EEG gestellt werden.
Diagnose der Hashimoto-Enzephalopathie
Die Diagnose der Hashimoto-Enzephalopathie basiert auf einer Kombination aus klinischen Symptomen, Laborbefunden und EEG-Ergebnissen. Zu den wichtigsten diagnostischen Kriterien gehören:
- Vorliegen von neuropsychiatrischen Symptomen
- Erhöhte Schilddrüsenantikörper im Serum: Insbesondere Antikörper gegen Thyreoperoxidase (TPO-AK) und Thyreoglobulin (Tg-AK)
- EEG-Veränderungen: Wie oben beschrieben
- Ausschluss anderer möglicher Ursachen: Wie z.B. Infektionen, Stoffwechselstörungen oder andere neurologische Erkrankungen
- Ansprechen auf eine Behandlung mit Kortikosteroiden: Viele Patienten mit HE zeigen eine deutliche Besserung ihrer Symptome unter Kortikosteroidtherapie.
In einigen Fällen kann auch eine Liquoranalyse (Untersuchung des Nervenwassers) durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT des Gehirns sind in der Regel nicht hilfreich bei der Diagnose der HE, können aber zur Abklärung anderer Differentialdiagnosen eingesetzt werden.
Differentialdiagnose
Die Hashimoto-Enzephalopathie ist eine Ausschlussdiagnose, d.h. andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen müssen ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose HE gestellt werden kann. Zu den wichtigsten Differentialdiagnosen gehören:
- Infektiöse Enzephalitiden: Entzündungen des Gehirns, die durch Viren, Bakterien oder andere Erreger verursacht werden.
- Autoimmun-Enzephalitiden: Entzündungen des Gehirns, die durch Autoantikörper gegen neuronale Strukturen verursacht werden.
- Vaskuläre Enzephalopathien: Erkrankungen, die durch Durchblutungsstörungen des Gehirns verursacht werden.
- Metabolische Enzephalopathien: Erkrankungen, die durch Stoffwechselstörungen verursacht werden.
- Psychiatrische Erkrankungen: Wie z.B. Depressionen, Psychosen oder Angststörungen.
- Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK): Eine seltene, aber tödliche Prionenerkrankung, die mit neuropsychiatrischen Symptomen und EEG-Veränderungen einhergehen kann.
Behandlung der Hashimoto-Enzephalopathie
Die Behandlung der Hashimoto-Enzephalopathie zielt darauf ab, die Entzündung im Gehirn zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Die wichtigste Behandlungsoption ist die Gabe von Kortikosteroiden, wie z.B. Prednisolon. In der Regel wird eine hochdosierte Kortikosteroidtherapie über mehrere Wochen oder Monate durchgeführt, gefolgt von einer langsamen Dosisreduktion.
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In einigen Fällen können auch andere Immunsuppressiva eingesetzt werden, um die Entzündung zu kontrollieren. Bei Patienten mit Krampfanfällen können Antiepileptika erforderlich sein.
Zusätzlich zur spezifischen Behandlung der HE ist es wichtig, die Schilddrüsenfunktion zu normalisieren, falls eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Dies erfolgt durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin).
Prognose der Hashimoto-Enzephalopathie
Die Prognose der Hashimoto-Enzephalopathie ist variabel. Einige Patienten erholen sich vollständig von ihren Symptomen, während andere bleibende neurologische Schäden davontragen. Ein frühzeitiger Therapiebeginn mit Kortikosteroiden scheint die Prognose zu verbessern.
Es ist wichtig zu beachten, dass die HE in einigen Fällen rezidivieren kann, d.h. die Symptome können nach einer erfolgreichen Behandlung wieder auftreten. In diesen Fällen kann eine erneute Kortikosteroidtherapie oder eine längerfristige Immunsuppression erforderlich sein.
Fallbeispiel
Eine 74-jährige Patientin stellte sich mit einer schweren depressiven Episode vor, die sich unter einer vierwöchigen Behandlung mit Citalopram (40 mg täglich) bzw. Venlafaxin (150 mg täglich) nicht besserte. Ein wiederholt pathologischer EEG-Befund veranlasste die Ärzte zu einer weiteren diagnostischen Abklärung, bei der deutlich erhöhte Serumantikörper gegen Thyreoperoxidase (TPO-AK) sowie ältere postentzündliche Veränderungen in der Schilddrüsensonographie auffielen.
Aufgrund der Vereinbarkeit der Befunde mit einer Hashimoto-Enzephalopathie wurde zusätzlich zur antidepressiven Medikation eine orale Kortikosteroidbehandlung begonnen. Hierunter war die schwere depressive Symptomatik der Patientin innerhalb von 4 Wochen gänzlich rückläufig. Gleichzeitig kam es zu einer Normalisierung des EEG-Befundes und zu einem Abfall der TPO-Ak.
Dieser Fall verdeutlicht, dass sich eine Hashimoto-Enzephalopathie möglicherweise mit depressiven Störungen als eigene Verlaufsform oder Frühform manifestieren kann.
Weitere Aspekte der Hashimoto-Thyreoiditis
Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis
Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis leiden häufig unter Müdigkeit und Gewichtszunahme. Diese Symptome können jedoch durch eine gezielte Ernährung positiv beeinflusst werden. Dabei sollte auf zuckerarme Speisen sowie auf Lebensmittel geachtet werden, die das Immunsystem unterstützen und Entzündungen hemmen.
Folgende Ernährungstipps können für Hashimoto-Patienten hilfreich sein:
- Intervallfasten: Bei starker Gewichtszunahme kann Intervallfasten helfen. Dazu täglich 16 Stunden Essenspause einlegen. Zusätzlich Kohlenhydrate reduzieren.
- Glutenfreie Ernährung: Bei Glutenunverträglichkeit auf glutenhaltiges Getreide verzichten.
- Gemüse und zuckerarmes Obst: Viel Gemüse und zuckerarmes Obst, wie Beeren, verzehren. Zudem auf hochwertige Öle achten.
- Ausreichend Eiweiß: Ausreichend viele Eiweiß zu jeder Mahlzeit essen, um gut und lange satt zu sein.
- Entzündungshemmende Lebensmittel: Entzündungshemmende Lebensmittel auf den Speiseplan nehmen, wie z.B. Lachs, Paranüsse, Champignons, Leinöl, Hanföl, Algenöl, Zimt, Ingwer, Pfeffer, Kurkuma und dunkler Kakao.
- Präbiotika und Probiotika: Präbiotika und Probiotika stärken die Darmflora.
- Genug trinken: Am besten 1,5 bis 2 Liter Wasser, Kräutertee oder Gemüsesaft. Möglichst nicht mehr als drei Tassen Kaffee täglich.
Homöopathie und Akupunktur bei Hashimoto-Thyreoiditis
Obwohl Hashimoto-Thyreoiditis nicht heilbar ist, können homöopathische Mittel und Akupunktur zur Linderung der Beschwerden beitragen. Bei allgemeinen Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion können folgende homöopathische Mittel hilfreich sein:
- Fucus vesiculosus: Bei Kropfbildung durch Schilddrüsenunterfunktion.
- Thyreoidinum: Bei Wassereinlagerungen in der Unterhaut (Myxödem).
Die Behandlung einer Autoimmunerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis kann mithilfe von Akupunktur sinnvoll unterstützt werden. Ziel der Therapie ist es, ausgleichend auf die Störung des Immunsystems einzuwirken sowie Krankheitssymptome des Patienten zu lindern.
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