Herzuntersuchung bei Migräne: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von einer Reihe anderer Symptome begleitet sein, darunter Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Lärmempfindlichkeit. Es gibt verschiedene Arten von Migräne, darunter Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura. Die Aura ist eine Reihe von neurologischen Symptomen, die vor oder während der Kopfschmerzen auftreten können. Zu den Aura-Symptomen gehören Sehstörungen, Sprachstörungen und Taubheitsgefühle.

Etwa 10-15 % aller Europäer leiden an Migräne. Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Symptomen überhaupt, fast jeder kennt Kopfschmerzen. Allein in Deutschland gibt es circa 54 Millionen Betroffene.

Zusammenhang zwischen Migräne und kardiovaskulären Ereignissen

Der Zusammenhang zwischen Migräne, insbesondere Migräne mit Aura, und Schlaganfällen ist seit langem bekannt. Eine aktuelle Auswertung der Nurses' Health Study II ergab, dass junge Frauen, die an Migräne leiden, langfristig ein um 50 Prozent höheres Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse haben als Frauen ohne Migräne (BMJ 2016; online 31. August). Die Ergebnisse stehen laut Kurth und Koautoren in Einklang mit anderen epidemiologischen Studien. In einer großen Kohortenstudie war ein erhöhtes Gefäßrisiko allerdings nur bei Migräne mit Aura festgestellt worden.

Die 115.541 Teilnehmerinnen der Nurses' Health Study II waren bei Studieneinschluss zwischen 25 und 42 Jahre alt und frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 17.531 hatten zu Beginn bereits eine ärztlich diagnostizierte Migräne, weitere 6389 kamen im Lauf der Studie hinzu. Der Anstieg des kardiovaskulären Risikos bei Migräne war unabhängig von Alter (unter/über 50 Jahre), Hormongebrauch, Raucherstatus und Blutdruck (Hypertonie ja/nein).

Der zugrunde liegende Pathomechanismus ist den Studienautoren zufolge unbekannt. Ob eine Migräneprophylaxe außer den Schmerzattacken auch kardiovaskulären Komplikationen vorbeugen kann, ist bislang ebenfalls unklar.

Lesen Sie auch: Wissenschaftliche Studien zur Herz-Gehirn-Verbindung

Offenes Foramen ovale (PFO) und Migräne

Jüngste Forschungsbemühungen legen u.a. einen Zusammenhang zwischen Migräne und einem häufigen Herzfehler nahe, dem offenen Foramen ovale (PFO, „ovales Loch“). Ein PFO ist eine kleine Öffnung zwischen den oberen Herzkammern, die bei etwa 25 % der Bevölkerung auftritt. Studien zeigten, dass Menschen, die an starker Migräne leiden, häufiger dieses offene Foramen ovale aufweisen. Daher wird vermutet, dass Migräneanfälle durch kleine Blutgerinnsel ausgelöst werden, die mit dem ungefilterten Blut durch das offene Foramen ovale das Gehirn erreichen.

Eine neue Metaanalyse bescheinigt dem katheterbasierten PFO-Verschluss eine gewisse Wirksamkeit bei der Verringerung von Migräne-Beschwerden. Der Weg in die routinemäßige Migräne-Therapie ist für diese Methode damit aber noch längst nicht frei. Der kathetergeführte Verschluss eines persistierenden Foramen ovale (patent foramen ovale, PFO) in der Vorhofscheidewand ist als Behandlungsmethode zur Bekämpfung von schweren Migräne-Kopfschmerzen nach wie vor umstritten.

Diagnostik von Migräne

Bei der Diagnose einer Migräne ist der Arzt vorrangig auf die Angaben des Patienten angewiesen. Daher kommt dem Arztgespräch eine zentrale Bedeutung zu.

Der Arzt wird sich nach folgenden Aspekten erkundigen:

  • Zeitlicher Ablauf: Wie häufig treten die Kopfschmerzen auf?
  • Charakter und Lokalisation: Wo genau und wie stark treten die Schmerzattacken auf?
  • Ursachen und Auslöser: Gibt es eine genetische Veranlagung, also zum Beispiel bekannte Migränefälle in der Familie?
  • Verhalten des Patienten: Was verstärkt die Kopfschmerzen (z. B. Bewegung/körperliche Aktivität)?
  • Medikamente: Können Schmerzmittel die Beschwerden lindern? In welcher Dosis?

Außerdem erkundigt sich der Arzt bei den Migränepatienten nach Begleit- und Vorerkrankungen sowie der beruflichen Tätigkeit, um mögliche Einflussfaktoren wie Stress zu erkennen. Zur Befundstellung dienen dem Mediziner die Migräne-Diagnosekriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS). Hinweise, die auf eine Migräne schließen lassen, sind beispielsweise gegeben, wenn der Betroffene die Kopfschmerzen als einseitig und pulsierend oder als pochend beschreibt. Außerdem können Ärzte eine Migräne daran erkennen, dass sich die Beschwerden bei Bewegung verschlimmern und meist von Symptomen wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit begleitet werden.

Lesen Sie auch: Gehirn und Herz-Lungen-Unterstützung

Neben dem Arzt-Patienten-Gespräch ist meist außerdem eine neurologische Untersuchung Bestandteil der Migräne-Diagnose. Ziel ist es unter anderem, andere schwere Erkrankungen auszuschließen. Gerade bei der Migräne mit Aura, die mit neurologischen Ausfällen einhergehen kann, ist eine solche Abgrenzung wichtig, da die Symptome zum Beispiel auch mögliche Hinweise auf einen Schlaganfall sind (migranöser Infarkt).

Bildgebende Verfahren

In einigen Fällen, zum Beispiel wenn der Verdacht bezüglich einer anderen Erkrankung besteht, können zudem noch weitere Untersuchungsverfahren angewandt werden.

  • MRT (Magnetresonanztomographie; auch Kernspintomographie): Um detailliertere Einblicke in das Gehirn zu bekommen und die Diagnose Migräne zu festigen, verordnen Mediziner in manchen Fällen ein MRT. Damit können sie krankhafte Veränderungen oder Blutungen ausschließen. Ob ein Mensch Migräne-Patient ist oder nicht, kann der Mediziner mit einem MRT nicht direkt sehen. Zunächst gilt es, mittels der Diagnostik andere Störungen oder Erkrankungen auszuschließen. Eine Kernspintomographie macht mittels Schnittbildern Strukturen des Körpers erkennbar, indem sie Magnetwellen nutzt - die Person wird keiner Strahlenbelastung ausgesetzt.
  • EEG (Elektroenzephalographie): Die EEG ist ebenso nicht Teil der Basisuntersuchungen einer Migräne. Manchmal ist sie jedoch sinnvoll, zum Beispiel wenn der Arzt mehr über die elektrische Aktivität des Gehirns wissen möchte. Die Mediziner messen die Hirnströme, wodurch eine mögliche erhöhte Erregbarkeit des Nervensystems nachgewiesen werden kann - das ist bei einer Migräne im EEG oft auffällig. Für die Messung bekommen Patienten ein Netz mit Elektroden auf den Kopf gesetzt.
  • CT (Computertomographie): Im Gegensatz zu den beiden anderen bildgebenden Verfahren, die bei Patienten mit Migräne eingesetzt werden können, kommt es durch ein CT zu einer Strahlenbelastung (Röntgenstrahlen). Deswegen ist dieses Verfahren seltener das Mittel der Wahl, um eine Migräne zu diagnostizieren. Ob eine Migräne vorliegt, ist mit dem CT direkt nicht nachweisbar. Wenn der Arzt Hirnblutungen, Gefäßfehlbildungen oder -verschlüsse sowie Erkrankungen des Schädels und der Nebenhöhlen ausschließen will oder es sich um Akutfälle handelt, ist ein CT oft sinnvoll.

Differenzierung der Migräneformen

Stellt der Arzt die Diagnose Migräne, analysiert er sie im weiteren Verlauf näher und ist in der Lage, eine bestimmte Migräneform festzustellen. Dadurch ist eine noch spezifischere Behandlung der Beschwerden durchführbar.

  • Vestibuläre Migräne: Jeder zweite bis dritte migränekranke Patient hat mindestens einmal Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen, die während oder nach einer Kopfschmerzattacke auftreten können, erlebt.
  • Menstruelle Migräne: Sie ist eng mit dem Menstruationszyklus verbunden. Die Migräneattacken kommen normalerweise während oder kurz vor der Periode.
  • Hemiplegische Migräne: Neben den typischen Aura-Symptomen kann es zu Sprachstörungen, reversiblen motorischen Defiziten (z. B. Kraftverlust) und teils auch (halbseitigen) Lähmungserscheinungen kommen.
  • Basilarismigräne: Diese spezielle Form findet sich vor allem unter jungen Erwachsenen.

Die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken entscheidet außerdem darüber, ob es sich um episodische oder chronische Migräne handelt.

Therapie von Migräne

Es existiert ein sehr großes Spektrum an möglichen Therapien. Zur Behandlung des Kopfschmerzanfalls werden oft klassische Schmerzmedikamente (beispielsweise Ibuprofen bei der Migräne oder dem Kopfschmerz vom Spannungstyp) eingesetzt. Daneben gibt es auch spezifische Migränemedikamente (Triptane), die bei der Migräne und dem Clusterkopfschmerz zur Anwendung kommen. Wichtig ist auch eine gezielte Behandlung von Begleitsymptomen wie beispielsweise Übelkeit und Erbrechen. Bei einzelnen primären Kopfschmerzformen kommen auch spezielle Therapieformen zum Einsatz (z. B.

Lesen Sie auch: Herz und Gehirn Tattoo: Was es wirklich bedeutet

Vorbeugende Behandlungen können medikamentös oder nicht medikamentös sein. Eine medikamentöse Prophylaxe der Migräne kann u. a. mit Betablockern oder Antiepileptika erfolgen. Inzwischen gibt es aber auch sehr spezifische Präparate, die gezielt auf die Auslöser bei der Migräne wirken (Hemmung von CGRP). Nicht medikamentöse Maßnahmen sind u. a.

Für die Therapie sekundärer Kopfschmerzen ist die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung entscheidend.

Fallbeispiele und juristische Aspekte

Ein Patient wird zur Ultraschalldiagnostik vorgestellt, um eine kardiale bzw. vaskuläre Emboliequelle auszuschließen. Er hatte wiederholt Sehstörungen mit Kopfschmerzen erlitten und schildert seine Symptome präzise, was die Diagnose erleichtert. Hier stellt sich die Frage, ob ein Kardiologe befugt ist, eine solche Diagnose zu stellen und welche Maßnahmen zur Absicherung der Diagnose erforderlich sind. Es gilt, das Gebot der Wirtschaftlichkeit (§ 12 Abs. 1 SGB V) zu beachten und gleichzeitig den Vorwurf einer unzureichenden Diagnostik mit weitreichenden Folgen für das Haftungsrisiko zu vermeiden.

Ein anderes Beispiel ist ein 13-jähriges Mädchen, das seit Jahren unter Migräne mit Aura leidet. Die neurologische Diagnostik ergab nichts Auffälliges, aber der Kardiologe fand ein offenes Foramen ovale von beträchtlicher Größe. Nach Beratung mit den Neurologen und Aufklärung des Mädchens und seiner Eltern erfolgte der Verschluss des Herzwandlochs, woraufhin das Mädchen symptomfrei wurde.

Spezialisierte Einrichtungen

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und andere Kopfschmerzen an. Zur Planung eines Aufnahmetermins sind eine Verordnung von Krankenhausbehandlung, das Ausfüllen einer Aufnahme-Checkliste, eines Schmerzkalenders und eines Schmerzfragebogens erforderlich.

tags: #herz #untersuchung #migrane