Hilft Schlaf bei Migräne? Ein umfassender Überblick

Migräne und Schlaf stehen in einer komplexen Beziehung zueinander. Einerseits kann Schlafmangel oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus Migräneattacken auslösen, andererseits kann ausreichend Schlaf bei einer akuten Attacke Linderung verschaffen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Zusammenhangs und gibt Empfehlungen für Migränepatienten.

Einführung

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Oft treten Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit auf. Schlaf spielt eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Doch wie viel Schlaf ist optimal, und welchen Einfluss hat Schlaf auf Migräne?

Die Bedeutung von Schlaf für die kognitive Leistungsfähigkeit

Schlafforscher Conor Wild von der Western University in Ontario führte eine Studie mit über 10.000 Menschen durch, um die optimale Schlafdauer zu ermitteln. Die Teilnehmer füllten Online-Formulare zu ihrem Schlafverhalten und Gesundheitszustand aus und absolvierten anschließend kognitive Tests. Die Studie ergab, dass eine Schlafdauer von 7,2 bis 7,4 Stunden optimal für Denken, Sprechen und die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit ist. Schlafzeiten unterhalb und oberhalb dieses Bereichs führten zu schlechteren Testergebnissen. Interessanterweise konnte bereits eine einzige Nacht mit ausreichend Schlaf die volle Leistungsfähigkeit wiederherstellen, selbst bei Personen mit chronischem Schlafmangel. Allerdings sank die Leistungsfähigkeit bei einer um drei Stunden verlängerten Schlafdauer wieder ab.

Schlaf und Migräne: Ein komplexes Zusammenspiel

Schlafstörungen als Trigger für Migräne

Viele Migränepatienten berichten von Schlafstörungen. Bis zu 48 Prozent der Betroffenen leiden unter Schlaflosigkeit, Ein- und Durchschlafproblemen, schlechter Schlafqualität und Tagesmüdigkeit. Schlafmangel gilt als ein häufiger Trigger für Migräneattacken. Eine Studie ergab, dass 31 bis 74 Prozent der Migränepatienten Schlafmangel als Auslöser nennen.

Unregelmäßiger Schlafrhythmus als Risikofaktor

Ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann ebenfalls Migräneattacken provozieren. Dies betrifft insbesondere Wochenenden, an denen viele Menschen versuchen, den Schlafmangel der Woche aufzuholen. Der veränderte Tagesablauf und Schlafrhythmus kann jedoch gerade bei Migränepatienten zu Problemen führen. Daher ist es ratsam, auch am Wochenende einen regelmäßigen Schlafrhythmus beizubehalten.

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Zu viel Schlaf als Auslöser

Interessanterweise kann auch zu viel Schlaf eine Migräneattacke auslösen. Die Hypothese besagt, dass der Körper bei Schlafmangel mit einer Migräneattacke eine Pause erzwingt, während zu viel Schlaf den gegenteiligen Effekt hat und die Betroffenen am frühen Morgen aufweckt.

Vestibuläre Migräne und Schlafqualität

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGP) untersuchte den Schlaf bei Patienten mit vestibulärer Migräne (Migräne mit Schwindel) und verglich sie mit Migränepatienten ohne Schwindel und einer gesunden Kontrollgruppe. Die Ergebnisse zeigten, dass Patienten mit vestibulärer Migräne häufiger eine schlechte Schlafqualität aufwiesen und eine geringere Schlafeffizienz hatten. Sie lagen mehr Zeit schlaflos im Bett, hatten weniger REM- und Tiefschlaf und eine längere Einschlaf- und REM-Latenz. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Schlafqualität besonders bei vestibulärer Migräne beeinträchtigt sein kann.

Schlafbezogene Atmungsstörungen

Migräne ohne Schwindel geht häufig mit Atemproblemen und unruhigen Beinen einher. Bei beiden Arten von Migräne bestehen deutliche Probleme mit der Schlafregulation, die sich auf Erholung und Stress negativ auswirken können.

Was passiert im Gehirn während des Schlafs?

Während des Schlafs werden im Gehirn Abfallstoffe abtransportiert, die sich tagsüber angesammelt haben. Diese Abfallstoffe, wie fehlerhafte oder nicht mehr benötigte Eiweißstoffe, können schädlich sein und Kopfschmerzen verursachen, wenn sie sich im Gehirn anreichern. Der Abtransport erfolgt über feine Kanäle, die um die Blutgefäße herum angeordnet sind und eine spezielle Flüssigkeit enthalten, die die Abfälle aufnimmt. Schlafmangel kann diesen Entsorgungsprozess beeinträchtigen und zu Kopfschmerzen führen.

Tipps für einen besseren Schlaf bei Migräne

Regelmäßiger Schlafrhythmus

Achte auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, auch am Wochenende. Gehe möglichst immer zur gleichen Zeit schlafen und stehe zur gleichen Zeit auf.

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Optimale Schlafdauer

Eine Schlafdauer von etwa sieben Stunden gilt als gutes Maß. Jeder Mensch hat jedoch ein individuelles Schlafbedürfnis. Finde heraus, welche Schlafdauer für dich optimal ist.

Schlafhygiene

Schaffe eine entspannende Schlafumgebung. Sorge für ein dunkles, ruhiges und kühles Schlafzimmer. Vermeide schwere Mahlzeiten, Alkohol und Koffein vor dem Schlafengehen. Verzichte in der letzten Stunde vor dem Zubettgehen auf LED-Bildschirme (Smartphone, Tablet).

Stressmanagement

Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräne. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und das Risiko von Migräneattacken zu verringern.

Ausdauersport

Regelmäßiger Ausdauersport wie Walking, Joggen, Fahrradfahren oder Schwimmen kann die Schlafqualität verbessern und Stress reduzieren.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Ernährung

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige, kohlenhydratreiche Mahlzeiten können Kopfschmerzen und Migräne vorbeugen.

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Migräne-Tagebuch

Führe ein Migräne-Tagebuch, um deine persönlichen Trigger zu identifizieren. Notiere darin deine Schlafzeiten, Ernährung, Stresslevel und andere Faktoren, die möglicherweise mit deinen Migräneattacken zusammenhängen.

Ärztliche Beratung

Wenn du unter Migräne leidest, solltest du dich individuell von deinem Arzt beraten lassen. Er kann dir bei der Diagnose und Behandlung deiner Migräne helfen und dir weitere Empfehlungen für einen besseren Schlaf geben.

Die Rolle des autonomen Nervensystems

Untersuchungen haben gezeigt, dass bei der Anbahnung einer Migräneattacke das autonome Nervensystem eine entscheidende Rolle spielt. Dieses System, das Herzfrequenz, Atmung und andere Körperfunktionen reguliert, kann durch Stress und andere Faktoren aus dem Gleichgewicht geraten. Bei Migränepatienten wurde festgestellt, dass in der Nacht die energieerhaltende parasympathische Aktivität reduziert ist und es zu einem überwiegenden Sympathikotonus kommt. Diese Verschiebung des Gleichgewichts kann eine Alarmreaktion des Körpers sein, die normalerweise durch äußeren Stress ausgelöst wird.

Schlaf und Kopfschmerz: Bekannte Komorbiditäten

Schlafstörungen und Kopfschmerzen sind bekannte Komorbiditäten. Viele Betroffene können wegen Kopfschmerzen nicht schlafen, während in anderen Fällen Kopfschmerzen oder Migräneattacken durch schlechten Schlaf entstehen. Dieses Phänomen erstreckt sich nicht nur auf Migräne, sondern auch auf Spannungskopfschmerzen.

Studien belegen den Zusammenhang

Neuere Studien untermauern den Zusammenhang zwischen Schlaf und Migräne. Eine japanische Studie zeigte einen Zusammenhang zwischen migränebedingter Behinderung und der Belastung durch multiple Schlafprobleme. Eine chinesische Studie kam zu dem Schluss, dass eine schlechte Schlafqualität signifikant mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Migräne und migränebedingten Belastungen verbunden ist.

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