Hirnblutung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn verursacht wird. Dies kann entweder durch einen Gefäßverschluss (Hirninfarkt) oder ein geplatztes Gefäß (Hirnblutung) entstehen. In beiden Fällen kommt es zu einer Mangeldurchblutung der dahinterliegenden Hirnareale, was zu Störungen oder Ausfällen verschiedener Körperfunktionen führen kann.

Was ist eine Hirnblutung?

Eine Hirnblutung, auch intrazerebrale Blutung genannt, tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn reißt und Blut in das Hirngewebe austritt. Das austretende Blut führt zu gefährlich hohem Hirndruck, und bestimmte Blutbestandteile können die Hirnzellen angreifen. Hirnblutungen machen etwa 15 bis 20 % aller Schlaganfälle aus und sind oft lebensbedrohlich.

Ursachen und Risikofaktoren einer Hirnblutung

Mehrere Faktoren können das Risiko einer Hirnblutung erhöhen. Dazu gehören:

  • Bluthochdruck: Chronischer Bluthochdruck ist einer der Hauptrisikofaktoren für Hirnblutungen. Durch den hohen Druck können die Blutgefäße im Gehirn geschwächt werden und platzen.
  • Aneurysmen: Ein Hirnaneurysma ist eine Ausbuchtung einer Schlagader im Gehirn. Durch Ablagerungen verlieren Blutgefäße auch ihre Elastizität. In Kombination mit Bluthochdruck drohen die Gefäße zu platzen. Auch Aussackungen, sogenannte Aneurysmen, Tumorerkrankungen und Entzündungen schädigen die Blutbahnen.
  • Gefäßmissbildungen: Angeborene oder erworbene Gefäßmissbildungen im Gehirn können ebenfalls zu Blutungen führen.
  • Tumorerkrankungen: In seltenen Fällen können Tumore im Gehirn Blutgefäße schädigen und Blutungen verursachen.
  • Entzündungen: Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitis) können die Gefäßwände schwächen und das Risiko von Blutungen erhöhen.
  • Unfälle mit Schädelbeteiligung: Traumatische Hirnverletzungen durch Unfälle können ebenfalls zu Hirnblutungen führen.
  • Blutgerinnungsstörungen: Angeborene oder erworbene Blutgerinnungsstörungen können das Risiko von Hirnblutungen erhöhen.
  • Medikamente: Die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulantien) kann das Blutungsrisiko erhöhen.

Weitere Faktoren, die das Risiko einer Hirnblutung erhöhen können, sind:

  • Höheres Alter: Mit zunehmendem Alter verlieren die Blutgefäße an Elastizität und werden anfälliger für Schäden.
  • Rauchen: Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko von Bluthochdruck und Atherosklerose.
  • Hoher Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen und das Risiko von Blutungen steigern.

Symptome einer Hirnblutung

Die Symptome einer Hirnblutung treten in der Regel plötzlich auf und können je nach betroffener Hirnregion variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

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  • Plötzliche, starke Kopfschmerzen: Oft als "Vernichtungskopfschmerz" beschrieben, der sich von normalen Kopfschmerzen unterscheidet. Anfangs schmerzen vor allem Nacken und Hinterkopf. Dann zieht der Schmerz in den gesamten Kopf und bis in den Rücken.
  • Nackensteifigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen: Von Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit.
  • Neurologische Ausfälle: Dazu gehören Lähmungen oder Schwäche auf einer Körperseite, Sprachstörungen (Aphasie), Sehstörungen (Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle), Koordinationsprobleme und Gleichgewichtsstörungen. Jeder Hirnbereich steuert eine andere Körperfunktion: Je nach betroffener Region kann beispielsweise auch ein Auge während des Schlaganfalls kurzzeitig erblinden. Manche Patienten nehmen ihre Umwelt doppelt, verschwommen oder wie durch einen Tunnel wahr. Zusätzlich treten oft Schwindel, Orientierungslosigkeit und extreme Kopfschmerzen auf. Hinzu kommen häufig Übelkeit und Erbrechen.
  • Krampfanfälle: Insbesondere bei jüngeren Patienten und Neugeborenen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome eines Schlaganfalls plötzlich auftreten und sich schnell verschlimmern können. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.

Diagnose einer Hirnblutung

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall wird der Patient in eine sogenannte Stroke Unit gebracht. In dieser Schlaganfall-Station übernehmen spezialisierte Ärzte die Diagnose und anschließende Behandlung. Die Diagnose einer Hirnblutung umfasst in der Regel die folgenden Schritte:

  • Körperliche und neurologische Untersuchung: Ein Neurologe prüft, ob neurologische Ausfälle vorliegen, die sich einem bestimmten Versorgungsgebiet im Gehirn zuordnen lassen.
  • Bildgebende Verfahren: Eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes wird durchgeführt, um die Blutung zu lokalisieren und ihre Ursache festzustellen. Außerdem wird umgehend eine Computer(CT)- oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) in die Wege geleitet, um eine Hirnblutung auszuschließen. Besteht der Verdacht, dass eine hirnzuführende Arterie verschlossen ist, kommt eine sogenannte CT-Angiografie zum Einsatz.
  • Blutuntersuchungen: Eine Blutprobe wird entnommen, um unter anderem eine gestörte Blutgerinnung oder erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte festzustellen.
  • Elektrokardiografie (EKG): Das Herz wird auf Vorhofflimmern untersucht, da dies ein Risikofaktor für Schlaganfälle sein kann. Mittels Elektrokardiografie (EKG) oder Langzeit-EKG wird das Herz auf Vorhofflimmern untersucht.

Behandlung einer Hirnblutung

Die Behandlung einer Hirnblutung zielt darauf ab, die Blutung zu stoppen, den Hirndruck zu senken und weitere Schäden zu verhindern. Die Behandlungsmethoden hängen von der Größe und Lage der Blutung, dem Zustand des Patienten und der zugrunde liegenden Ursache ab.

  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können eingesetzt werden, um den Blutdruck zu senken, Krampfanfälle zu kontrollieren und Hirnödeme (Schwellungen) zu reduzieren.
  • Chirurgische Intervention: Oft ist eine Operation der einzige Weg, die Blutung zu stoppen und den Druck zu senken. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blutgerinnsel zu entfernen und den Druck auf das Gehirn zu verringern. Bei einem Aneurysma kann dieses operativ mit einem Clip verschlossen oder durch ein Katheter-Verfahren mit Spiralen verschlossen werden. Hier klemmen Chirurginnen und Chirurgen das Aneurysma mit einem kleinen Metallclip ab. Bei dieser Methode werden feine Spiralen aus Platin durch das Blutgefäß bis in das Hirnaneurysma geschoben. Dadurch gerinnt das Blut im Aneurysma und es verschließt sich.
  • Intensivmedizinische Betreuung: Patienten mit Hirnblutungen werden in der Regel auf einer Intensivstation überwacht, um ihre Vitalfunktionen zu stabilisieren und Komplikationen zu behandeln.

Rehabilitation nach einer Hirnblutung

Nach der Akutbehandlung ist eine Rehabilitation wichtig, um die verlorenen Funktionen wiederherzustellen und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Rehabilitation kann Folgendes umfassen:

  • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Koordination.
  • Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagskompetenzen und der Feinmotorik.
  • Logopädie: Zur Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
  • Neuropsychologie: Zur Behandlung von kognitiven und emotionalen Problemen.
  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann Ihnen und Ihren Angehörigen in dieser Lebenssituation helfen.

Hochleistungsorgan Gehirn. Gesunde Hirnbereiche können die verloren gegangenen Funktionen beschädigter Regionen erlernen und übernehmen - dafür müssen sie ständig entsprechend gefördert und gefordert werden. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden begleiten den Patienten: Das Training beginnt schon in den ersten Tagen im Krankenhaus. Je früher und gezielter das Gehirn gefordert wird, desto besser erholt es sich. Auf diese Sofort-Maßnahmen folgt ein meist dreiwöchiger stationärer Reha-Aufenthalt. Dabei bereitet sich der Patient in vielen Trainingseinheiten auf seinen Alltag zu Hause vor. Das Gehirntraining spielt nun die wichtigste Rolle und geht weit über die Therapiestunden hinaus. In dieser Phase lernt der Patient gegebenenfalls den Umgang mit Hilfsmitteln wie einem Rollstuhl. Eine ambulante Therapie festigt im Anschluss die neu erlernten Fähigkeiten. Wichtig zu wissen: Angehörige sind bei vielen Therapie-Einheiten sehr willkommen. So lernen auch sie den richtigen Umgang mit den Folgen des Schlaganfalls und können sich eingehend über alle Fördermöglichkeiten und Hilfsangebote informieren. Für Betroffene ist diese Unterstützung sehr wichtig: Sie spüren, dass sie nicht alleine sind.

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Prävention von Hirnblutungen

Viele Risikofaktoren für Hirnblutungen können durch einen gesunden Lebensstil und eine gute medizinische Versorgung beeinflusst werden. Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gehören:

  • Kontrolle des Blutdrucks: Regelmäßige Blutdruckmessungen und die Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten bei Bedarf. Der absolut wichtigste modifizierbare Risikofaktor ist der Bluthochdruck. Hier gilt es, ihn auf jeden Fall zu vermeiden und den Blutdruck so einzustellen, dass er immer unter 140 zu 90 mmHg ist.
  • Nichtrauchen: Rauchen aufgeben, um die Blutgefäße zu schützen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und wenig gesättigten Fetten. Orientieren Sie Ihre Ernährung an der Mittelmeerküche: frisches Gemüse und Obst, Nüsse und Fisch.
  • Regelmäßige Bewegung: Mindestens 4 Stunden pro Woche Bewegung, die zum Schwitzen bringt. Es wird empfohlen, sich mindestens 4 Stunden pro Woche so anzustrengen, dass man ins Schwitzen kommt.
  • Mäßiger Alkoholkonsum: Den Alkoholkonsum einschränken oder ganz darauf verzichten.
  • Kontrolle des Cholesterinspiegels: Regelmäßige Cholesterinmessungen und die Einnahme von cholesterinsenkenden Medikamenten bei Bedarf.
  • Behandlung von Diabetes: Eine gute Blutzuckerkontrolle bei Diabetes.
  • Vermeidung von Übergewicht: Streben Sie Normalgewicht an.

Schlaganfall-Risiken

Es gibt Risikofaktoren, die sich nicht beeinflussen lassen, so wie Alter, Geschlecht und genetische Risikofaktoren. Da im Alter die Regenerationsfähigkeit des Körpers nachlässt, steigt das Risiko für viele Erkrankungen, unter anderem auch für Schlaganfälle. Unsere genetische Ausstattung lässt sich ebenfalls nicht beeinflussen. Dies ist ein wichtiger Punkt, gerade wenn es um das Thema Cholesterin geht. Cholesterin ist ein unverzichtbarer Baustein unserer Zellmembranen. Die Menge unseres im Körper zirkulierenden Cholesterins wird durch Transportmoleküle geregelt. Deshalb spielt das durch die Nahrung aufgenommene Cholesterin tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle und niemand muss auf sein sonntägliches Ei verzichten. Wenn sich aber zu viel Cholesterin im Blut befindet, wird es in den Gefäßwänden abgelagert, führt zur sogenannten Gefäßverkalkung und erhöht ab einem bestimmten Ausmaß das Schlaganfallrisiko. Mittlerweile gibt es überzeugende wissenschaftliche Daten, dass ein niedriger Cholesterinspiegel das Schlaganfallrisiko verringert. Theoretisch ließen sich aber 80 % der Schlaganfälle verhindern, wenn man die beeinflussbaren (=modifizierbaren) Risikofaktoren für einen Schlaganfall gut kontrolliert.

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