Hirnblutung: Rauchen als Risikofaktor

Eine Hirnblutung, auch Schlaganfall genannt, kann lebensbedrohliche Folgen haben. Sie entsteht entweder durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn (ischämischer Schlaganfall) oder durch das Platzen eines Blutgefäßes, wodurch Blut ins Gehirngewebe oder in die Hirnhäute austritt (hämorrhagischer Schlaganfall). Zahlreiche Faktoren können das Risiko einer Hirnblutung erhöhen, darunter Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen. Dieser Artikel beleuchtet insbesondere den Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Risiko für Hirnblutungen und zeigt, wie wichtig ein Rauchstopp zur Prävention ist.

Rauchen und das erhöhte Schlaganfallrisiko

Rauchen gilt als einer der wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Schätzungsweise sind etwa 20 % aller Schlaganfälle auf das Rauchen zurückzuführen. Dies liegt daran, dass die Schadstoffe im Tabakrauch, insbesondere Nikotin, die Blutgefäße schädigen. Nikotin führt zu einer Verengung der Arterien und gleichzeitig zu einer Erhöhung der Herzaktivität. Die Folge ist eine schlechtere Durchblutung aller Gefäße und ein steigender Blutdruck. Dieser Druck schädigt die Blutgefäße und fördert die Entstehung von Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Zusätzlich verändern die schädlichen Substanzen wie Teer, Blei, Arsen oder Kohlenmonoxid im Zigarettenrauch die Fließeigenschaften des Blutes. Es wird zähflüssiger und neigt stärker zur Bildung von Blutklümpchen. Diese Blutgerinnsel können ein verengtes oder sehr kleines Blutgefäß verstopfen und die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrechen, was zu einem Schlaganfall führen kann.

Das Hirninfarktrisiko ist im Vergleich zu einem Nichtraucher zwei- bis dreifach erhöht, das Hirnblutungsrisiko sogar vier- bis sechsfach! Jede Zigarette zählt! Schwere Raucher (über 40 Zigaretten am Tag) haben ein doppelt so hohes Schlaganfall Risiko im Vergleich zu leichten Rauchern (10 Zigaretten am Tag). Es besteht somit eine direkte Korrelation zwischen Zigarettenanzahl und Höhe des Erkrankungsrisikos.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Eine finnische Studie unter der Leitung von Dr. Joni Valdemar Lindbohm von der Universität Helsinki untersuchte den Effekt des Rauchens auf die Entstehung von Subarachnoidalblutungen (SAB), einer speziellen Form der Hirnblutung, bei der Blut in den Subarachnoidalraum gelangt. Die Studie wertete Daten der prospektiven bevölkerungsgestützten Studie FINRISK aus, in der seit 1972 alle fünf Jahre Daten erhoben werden.

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Die Ergebnisse zeigten, dass Rauchen generell das Risiko für eine SAB nahezu verdreifacht (Hazard Ratio [HR]: 2,77; 95%-Konfidenzintervall zwischen 2,22 und 3,46). Es gibt jedoch geschlechtsspezifische Unterschiede: Bei männlichen Rauchern war das SAB-Risiko deutlich niedriger (HR: 2,20 versus 3,43). Besonders deutlich wurde der Unterschied in der Gruppe der Studienteilnehmer, die pro Tag zwischen 21 und 30 Zigaretten rauchten. Hier war das SAB-Risiko bei Raucherinnen mehr als achtmal so hoch (HR: 8,35; 95%-Konfidenzintervall zwischen 3,86 und 18,10) wie bei Nichtraucherinnen, während es bei Männern knapp das Dreifache betrug (HR: 2,76; 95%-Konfidenzintervall zwischen 1,68 und 4,52).

Die Studie zeigte auch einen linearen dosisabhängigen Zusammenhang: Je mehr Zigaretten geraucht wurden, desto höher war das Blutungsrisiko. Bei weniger als fünf Packungsjahren (Annahme: eine Packung = 20 Zigaretten) lag die HR bei 2,13, bei mehr als 50 Packungsjahren bei 5,62. Dieser Zusammenhang war bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.

Lindbohm und seine Kollegen vermuten, dass Rauchen die Östrogenspiegel verringert, was zu einer Kollagendepletion und zur Beeinträchtigung der Gefäßmuskelzellen führen kann. Diese Entwicklung kann eine Vorstufe zum Abbau der Gefäße sein und somit das Risiko für eine SAB erhöhen.

Subarachnoidalblutung (SAB)

Eine aneurysmatische Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine spezielle Form des Schlaganfalls, bei der Blut in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum gelangt, welcher Gehirn und Rückenmark schützend umgibt. Diese Form der Hirnblutung tritt häufig auf, wenn ein Aneurysma, eine sackförmige Erweiterung einer Arterie, an der Hirnbasis reißt. Subarachnoidalblutungen machen zwar nur etwa 5 Prozent aller Schlaganfälle aus, aber die Folgen sind höchst bedrohlich: Die Hälfte der Betroffenen ist jünger als 55 Jahre, ein Drittel stirbt innerhalb der ersten Tage bis Wochen nach dem Auftreten der Blutungen und etwa ein Drittel der Überlebenden bleibt dauerhaft auf Hilfe angewiesen.

Die gute Nachricht: Ein Rauchstopp senkt das Risiko

Das Risiko für eine Hirnblutung sinkt bereits kurz nach dem Rauchstopp. Wer erst innerhalb des vergangenen halben Jahres mit dem Rauchen aufgehört hatte, hatte ein höheres Erkrankungsrisiko als Studienteilnehmer, die bereits seit mindestens einem halben Jahr nicht mehr rauchten (HR: 1,93 versus 1,34). Nach fünf Jahren hat ein ehemaliger Raucher bereits das gleiche Schlaganfall Risiko wie ein Nichtraucher. Nach zwei Jahren sinkt das Schlaganfall Risiko das erste Mal statistisch relevant. Sogar passiv Rauchen beeinflusst das Schlaganfallrisiko.

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Rauchstopp nach einem Schlaganfall

Selbst nach einem Schlaganfall ist es nicht zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören. Ein Rauchstopp nach dem ersten Schlaganfall bringt enorm viel. Innerhalb von 2 ½ Jahren nach einem Schlaganfall haben Raucher eine 90% Chance, während Nichtraucher eine 30% Chance haben einen weiteren Schlaganfall zu erleiden. Patienten die nach einer Herz-Kreislauf-Erkrankung (Herzinfarkt oder Schlaganfall) erfolgreich mit dem Rauchen aufhören, leben im Durchschnitt 5 Jahre länger und haben erst 10 Jahre später ein Zweitereignis im Vergleich zu Betroffene die weiter rauchen. Ein Rauchstopp nach dem ersten Schlaganfall, hat den gleichen positiven Effekt wie die Einnahme von einer leichten Blutverdünnung (Thrombozytenaggregationshemmung) oder Cholesterinsenkern zum Langzeit Schlaganfallschutz (medikamentöse Sekundärprophylaxe).

Rauchen verschlechtert die Erholung (Rehabilitation) von Lähmungen und Sprachstörungen nach einem Schlaganfall. Die sogenannte neuronale Plastizität sorgt dafür, dass gesunde Hirnareale die Funktion geschädigter Hirnareale übernimmt. Dieses Wiedererlernen braucht aber eine bessere Hirndurchblutung, welche durch das Rauchen vermindert wird.

Tipps für den Rauchstopp

Ein Rauchstopp ist oft eine Herausforderung, aber mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung ist er machbar. Hier sind einige Tipps, die Ihnen helfen können:

  • Eigene Einstellung ändern: Setzen Sie sich positive Annahmen entgegen.
  • Motivation steigern: Überlegen Sie sich vor dem Rauchstopp: Was tut mit gut? Was gibt mir Kraft? Und was schwächt mich?
  • Alltag auf dem Prüfstand: Denken Sie vor dem Rauchstopp genau nach: In welchen Situationen oder bei welchen Tätigkeiten greifen Sie für gewöhnlich zur Zigarette? Suchen Sie dafür nach Alternativen.
  • Umgang mit akutem Verlangen: Wenn Sie das Verlangen nach einer Zigarette packt, machen Sie sich bewusst, dass dieser Zustand in der Regel nach 30 Sekunden bis drei Minuten wieder nachlässt. Lenken Sie sich so lange mit einer anderen Tätigkeit ab.
  • Persönliches Umfeld bedenken: Informieren Sie Familie und Freunde vorab über Ihren geplanten Rauchstopp und bitten sie um etwas Rücksichtnahme.
  • Entzugserscheinungen meistern: Setzen Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, um die Zunahme Ihres Körpergewichts zu begrenzen. Achten Sie außerdem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr - das verringert das Hungergefühl.
  • Auf Bewegung achten: Sorgen Sie für ausreichend Bewegung im Alltag. So reduzieren Sie das Verlangen nach einer Zigarette und lindern Entzugserscheinungen. Schon ein kurzer Spaziergang von 10 bis 15 Minuten hilft.
  • Entspannung lernen: Suchen Sie sich einen Ersatz für das Rauchen als Entspannungsritual. Geeignet sind beispielsweise spezielle Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung.
  • Belohnung nicht vergessen: Gönnen Sie sich zwischendurch kleine Belohnungen, zum Beispiel ein Saunabesuch, ein gutes Essen oder einen Abend mit Freunden.

Es gibt auch professionelle Hilfsangebote, die Sie bei Ihrem Rauchstopp unterstützen können. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder suchen Sie nach Raucherentwöhnungsprogrammen in Ihrer Nähe. Studien haben bewiesen, dass eine Kombinationstherapie mit Medikamenten (Vareniclin oder Bupropion) und Entzugsbegleitung am effektivsten sind.

Alternativen zum Rauchen

Du fragst Dich, ob sich ein Umstieg auf andere Nikotinprodukte lohnt, um das Schlaganfallrisiko zu minimieren? Dann muss ich Dich leider enttäuschen, denn Pfeifen- oder Zigarrenrauchen hat nur einen kleinen und nicht relevanten Vorteil im Vergleich zum Zigarettenrauchen. Die wissenschaftliche Datenlage zu E-Zigaretten und Schlaganfall ist leider noch nicht so klar. E-Zigaretten verursachen Zellwandschädigungen und erhöhen den Blutdruck, welches wichtige Risikofaktoren bei einem Schlaganfall sind. Somit wird angenommen, dass E-Zigaretten einen Schlaganfall begünstigen. Interessanterweise zeigen E-Zigaretten Benützer zwar weniger Schlaganfälle als Zigarrettenraucher, aber sind früher von Schlaganfällen betroffen.

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E-Zigaretten sind kein guter Zigaretten Ersatz und kein effektives Mittel um eine Raucherentwöhnung zu schaffen.

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