Eine Hirnblutung, auch hämorrhagischer Schlaganfall genannt, ist ein medizinischer Notfall, bei dem ein Blutgefäß im Gehirn platzt oder reißt, was zu einer Einblutung in das Hirngewebe führt. Während Bluthochdruck und Gefäßfehlbildungen zu den Hauptursachen zählen, können bestimmte Medikamente das Risiko einer Hirnblutung erhöhen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Medikamenteneinnahme und Hirnblutungen, um Risiken zu minimieren und die Patientensicherheit zu erhöhen.
Statine und das erhöhte Risiko für Hirnblutungen
Statine sind weit verbreitete Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels und zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall. Studien deuten jedoch darauf hin, dass Statine bei Patienten, die bereits eine Hirnblutung erlitten haben, das Risiko einer zweiten Hirnblutung erhöhen können. Insbesondere bei Patienten mit Blutungen in den Großhirnlappen (lobäre Blutung) steigt die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Hirnblutung unter Statintherapie deutlich an.
Professor Dr. med. Matthias Endres von der Berliner Charité warnt, dass in solchen Fällen die Risiken der Statintherapie die Vorteile bei der Verminderung anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen überwiegen könnten. Berechnungen zeigen, dass Statine bei diesen Patienten die Lebenserwartung in guter Lebensqualität im Durchschnitt um 2,2 Jahre verkürzen können.
Antidepressiva und das erhöhte Blutungsrisiko
Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), werden häufig zur Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangserkrankungen sowie anderen psychischen Störungen eingesetzt. SSRI erhöhen jedoch auch das Blutungsrisiko, da sie die Aufnahme von Serotonin in die Thrombozyten blockieren, was die Thrombozytenaggregation beeinträchtigen kann.
Eine südkoreanische Kohortenstudie hat gezeigt, dass die zusätzliche Verordnung eines nicht-steroidalen Antiphlogistikums (NSAID) bei Patienten unter einer Dauertherapie mit Antidepressiva das Risiko einer Hirnblutung signifikant erhöht. Die Studie ergab, dass die Rate intrakranieller Blutungen bei Patienten, die zusätzlich zu Antidepressiva auch NSAID einnahmen, deutlich höher war als bei Patienten, die nur mit Antidepressiva behandelt wurden.
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SSRI im Vergleich zu anderen Antidepressiva
Systematische Übersichtsarbeiten und Fall-Kontroll-Studien haben gezeigt, dass SSRI im Vergleich zu trizyklischen Antidepressiva (TZA) mit einer erhöhten intrakraniellen Blutungsneigung assoziiert sind. Auch selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) und Mirtazapin zeigten eine ähnliche Tendenz. Im Gegensatz dazu war die Einnahme von Monoaminooxidase(MAO)-Hemmern im Vergleich zu TZA mit einem geringeren Blutungsrisiko verbunden.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass das absolute Risiko für den einzelnen Patienten gering ist und die Effektgröße klein ist. Dennoch sollten Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko, wie z. B. Patienten mit hämorrhagischer Diathese, einer Hirnblutung in der Vorgeschichte oder unter oraler Antikoagulation, besonders intensiv über die erhöhte Blutungsneigung aufgeklärt werden. Die Indikation für eine Medikation mit SSRI oder SNRI sollte in diesen Fällen besonders kritisch geprüft werden.
Weitere Medikamente und Risikofaktoren
Neben Statinen und Antidepressiva können auch andere Medikamente das Risiko einer Hirnblutung erhöhen. Dazu gehören:
- Antipsychotika: Eine britische Studie hat gezeigt, dass Antipsychotika bei älteren Menschen die Gefahr, einen Gehirnschlag zu erleiden, erhöhen können.
- Gerinnungshemmer: Gerinnungshemmer wie Warfarin oder Acetylsalicylsäure (ASS) können das Blutungsrisiko erhöhen, insbesondere bei unbemerkten Blutungen im Körperinneren, die zu einer Blutarmut führen können.
Darüber hinaus spielen auch Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Hirnblutungen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
- Bluthochdruck: Ein zu hoher Blutdruck schädigt die Hirngefäße und erhöht das Risiko einer Hirnblutung.
- Arteriosklerose: Die Arterienverkalkung kann die Blutgefäße schwächen und anfälliger für Risse machen.
- Nikotin- und Alkoholkonsum: Diese Substanzen schädigen die Blutgefäße und erhöhen das Blutungsrisiko.
- Erhöhte Blutfettwerte und Blutzuckerkrankheit: Diese Faktoren begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose und erhöhen somit indirekt das Risiko einer Hirnblutung.
- Bewegungsmangel und Übergewicht: Diese Faktoren tragen zur Entstehung von Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Blutzuckerkrankheit bei und erhöhen somit das Risiko einer Hirnblutung.
Symptome und Diagnose einer Hirnblutung
Die Symptome einer Hirnblutung treten meist schlagartig und ohne Vorwarnung auf. Typische Anzeichen sind:
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- Plötzliche halbseitige Lähmungen oder Gefühlsstörungen
- Seh- oder Sprachstörungen
- Bewusstseinsverlust
- Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen
Bei Verdacht auf eine Hirnblutung ist es wichtig, unverzüglich den Rettungsdienst (Notruf 112) zu alarmieren. Im Krankenhaus werden dann umgehend bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen und die Ursache der Blutung zu ermitteln.
Behandlung und Rehabilitation
Die Akutbehandlung einer Hirnblutung hängt von der Ursache, dem Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes ab. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck im Gehirn zu entlasten oder das Blut zu entfernen. Bei Blutgerinnungsstörungen werden diese ebenfalls behandelt.
Nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die durch die Hirnblutung beeinträchtigten Funktionen wiederherzustellen. Die Rehabilitation umfasst in der Regel Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie und neuropsychologische Therapie. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen so weit wie möglich wiederherzustellen.
Prävention von Hirnblutungen
Um Hirnblutungen vorzubeugen, ist es wichtig, die Risikofaktoren zu minimieren. Dazu gehören:
- Regelmäßige Blutdruckkontrolle und -einstellung: Ein gut eingestellter Blutdruck ist entscheidend für die Gesundheit der Hirngefäße.
- Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie die Vermeidung von Übergewicht tragen zur Vorbeugung von Arteriosklerose und anderen Risikofaktoren bei.
- Vorsicht bei Medikamenteneinnahme: Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko sollten die Einnahme von Medikamenten, die das Blutungsrisiko erhöhen können, mit ihrem Arzt besprechen und die Indikation kritisch prüfen lassen.
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Regelmäßige Check-ups beim Arzt helfen, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
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