Hirnhauttumorbehandlung in Bielefeld: Ein umfassender Überblick

Hirntumore stellen eine vielschichtige Gruppe von Erkrankungen dar, die sowohl gutartige als auch bösartige Formen umfassen. In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 7.000 bis 8.000 Menschen neu an bösartigen Hirntumoren, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Unter den malignen Neubildungen nehmen die Gliome einen bedeutenden Anteil ein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Hirntumore, insbesondere Meningeome und Glioblastome, sowie über die Behandlungsmöglichkeiten, die in Bielefeld, insbesondere am Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB), angeboten werden.

Diagnostik von Hirntumoren

Die sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte und eine fachärztliche klinisch-neurologische Untersuchung sind von zentraler Bedeutung. Das Diagnostikspektrum umfasst:

  • Elektroenzephalogramm (EEG): Aufzeichnung der Gehirnströme zur Aufdeckung von Störungen der Gehirnfunktion.
  • Polygraphie: Meist ambulant durchgeführte Aufzeichnung verschiedener Körperfunktionen während des Schlafs, um Schlafstörungen zu erkennen. Dient oft als Screeningverfahren vor einer umfassenderen Polysomnographie im Schlaflabor.
  • Umfassende Labordiagnostik: Detaillierte Analyse von Blut- und anderen Körperflüssigkeiten zur Erkennung von Tumormarkern und anderen relevanten Parametern.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) spielen eine zentrale Rolle bei der Visualisierung von Hirntumoren, ihrer Größe, Lage und Ausdehnung.

Hirntumorarten und ihre Besonderheiten

Die Medizin unterscheidet zwischen primären Hirntumoren, die direkt im Gehirn und seinen Strukturen entstehen, und Metastasen, die von anderen Tumorerkrankungen streuen.

Glioblastome

Glioblastome sind aggressive, schnell wachsende primäre Hirntumore, die von den Stützzellen des Gehirns ausgehen. Sie machen etwa 50 Prozent der Gliome aus.

Symptome:

  • Motorische Ausfälle
  • Krampfanfälle
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Bewusstseinseintrübungen
  • Übelkeit und Erbrechen (aufgrund erhöhten Hirndrucks)
  • Schlaganfallähnliche Symptome

Diagnose:

  • Gadolinium-verstärkte Magnetresonanztomographie (MRT) zur Darstellung von Ödemen und ringförmiger Kontrastmittelaufnahme.
  • Spezielle MRT-Sequenzen zur Bestimmung des Blutflusses (Perfusion) und zur Beurteilung des Tumorwachstums.
  • PET-MRT zur Verlaufsprognose im Zusammenhang mit der Radiochemotherapie.

Behandlung:

  • Kombination aus chirurgischer Resektion und Radiochemotherapie.
  • Temozolomid als Therapeutikum begleitend zur Strahlentherapie.

Meningeome

Meningeome sind meist gutartige Tumore, die von den Hirnhäuten ausgehen. Sie werden oft zufällig bei MRT-Scans entdeckt. Etwa 25 Prozent aller Hirntumore sind Meningeome.

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Symptome:

  • Oft anfangs keine oder kaum Symptome.
  • Kopfschmerzen
  • Epileptische Anfälle
  • Motorische Störungen
  • Neurologische Beeinträchtigungen

Diagnose:

  • Kontrastmittelbasierte MRT zur Darstellung isointenser Signale in der T1-Sequenz und variabler Signalintensität in der T2-Sequenz.
  • Dura-Schwanz-Zeichen (Dural Tail Sign) als Hinweis auf ein Meningeom.
  • PET zur Abklärung atypischer Meningeome (maligne Tumore).

Behandlung:

  • Watch-and-Wait-Ansatz bei kleinen, asymptomatischen Tumoren.
  • Operative Entfernung bei symptomatischen Tumoren.
  • Strahlentherapie bzw. Radiochirurgie je nach Größe und Lage des Tumors.

ZNS-Lymphome

Primäre ZNS-Lymphome sind seltene, hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome, die im Gewebe des zentralen Nervensystems auftreten. Häufig betroffen ist das Großhirn.

Symptome:

  • Wesensveränderungen
  • Kognitive Defizite
  • Fokalneurologische Ausfälle (Sprach-, Seh- und Hörprobleme)

Diagnose:

  • MRT zur Darstellung homogener Raumforderungen mit hoher Kontrastmittelaufnahme.
  • Histopathologische Sicherung der Diagnose durch stereotaktische Serienbiopsie.

Behandlung:

  • Chemotherapie als wichtige Maßnahme zur Therapie der ZNS-Lymphome.
  • Strahlentherapie zur Erzielung einer Remissionsrate.

Hirnmetastasen

Hirnmetastasen sind Absiedelungen von Krebserkrankungen anderer Organe (extrakranieller Primärtumor) im Gehirn. Häufige Ursachen sind Lungenkarzinome, Brustkrebs und Melanome.

Symptome:

  • Zunehmend stärker werdende Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Epileptische Anfälle
  • Psychische und kognitive Veränderungen (Konzentrations- und Gedächtnisstörungen oder Persönlichkeitsveränderungen)

Diagnose:

  • MRT zur Darstellung der Raumforderungen und Ödeme.
  • Computertomographie (CT) zur Identifizierung isodenser oder hyperdenser Raumforderungen.
  • Nuklearmedizinische PET-Untersuchung zur Feststellung von Stoffwechselprozessen im Gewebe.

Behandlung:

  • Strahlen- oder Chemotherapie.
  • Operative Entfernung in Erwägung ziehen.

Hirnhauttumorbehandlung in Bielefeld

Das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) in Bielefeld ist ein wichtiger Standort für die Behandlung von Hirntumoren. Prof. Dr. Matthias Simon, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie am EvKB, ist ein ausgewiesener Spezialist in der operativen Behandlung schwierig gelegener Hirntumore. Er hat zudem die W3-Professur „Neurochirurgie“ am Universitätsklinikum OWL (UK OWL) der Universität Bielefeld angenommen.

Schwerpunkte der Neurochirurgie am EvKB

  • Operative Behandlung schwierig gelegener Hirntumore
  • Vaskuläre Neurochirurgie
  • Wirbelsäulenoperationen
  • Epilepsiechirurgie (in enger Kooperation mit der Universitätsklinik für Epileptologie im Krankenhaus Mara)

Fallbeispiel: Meningeom-Behandlung am EvKB

Katja Oesinghaus, eine 80-jährige Patientin, wurde am EvKB von Prof. Simon erfolgreich von einem gutartigen Meningeom operiert. Der Tumor, der sich innerhalb kurzer Zeit auf Golfballgröße verdoppelt hatte, wurde vollständig entfernt. Die Patientin konnte bereits eine Woche nach der Operation entlassen werden.

Qualitätssicherung und Forschung

Prof. Simon engagiert sich für die Verbesserung der neurochirurgischen Patientenversorgung durch Ausbildung und Forschung. Er war Teil einer internationalen Studiengruppe, die Risikofaktoren für die Entstehung von Meningeomen untersuchte und dabei eine Region im Erbgut entdeckte, die das Erkrankungsrisiko beeinflusst.

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Das EvKB ist Teil des im Aufbau befindlichen Universitätsklinikums OWL, das an die Medizinische Fakultät OWL angegliedert ist. Dies ermöglicht eine enge Verzahnung von klinischer Versorgung, Forschung und Lehre.

Bedeutung der Spezialisierung bei der Krankenhauswahl

Das deutsche Gesundheitssystem bietet im internationalen Vergleich eine gute Versorgung. Dennoch kann es sinnvoll sein, spezialisierte Kliniken für komplexere Behandlungen oder Operationen zu wählen. Das EvKB ist ein Beispiel für eine solche spezialisierte Klinik im Bereich der Neurochirurgie.

Fazit

Die Behandlung von Hirntumoren erfordert eine umfassende Diagnostik und ein interdisziplinäres Behandlungskonzept. In Bielefeld bietet das Evangelische Klinikum Bethel (EvKB) unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Simon eine hochspezialisierte Versorgung für Patienten mit Hirntumoren. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und anderen Kliniken wird eine optimale Patientenversorgung gewährleistet.

Wichtige Hinweise für Patienten

  • Achten Sie auf anhaltende, sich verschlimmernde Kopfschmerzen, Schwindelgefühle sowie Übelkeit oder Erbrechen und suchen Sie einen Arzt auf.
  • Die Prognose für die Behandlung eines Hirntumors wird maßgeblich von der Variante, seiner Größe und Lage beeinflusst.
  • Besonders bei benignen Raumforderungen kann bereits das Abwarten zu den Therapieoptionen gehören.
  • Nach der operativen Entfernung eines Hirntumors ist eine weitere Behandlung und engmaschige Nachsorge erforderlich, um ein Rezidiv frühzeitig zu erkennen und eine Behandlung umgehend einzuleiten.

Glossar

  • Gliome: Tumore, die von den Stützzellen des Gehirns ausgehen.
  • Glioblastom: Aggressiver, schnell wachsender Gliom.
  • Meningeom: Meist gutartiger Tumor der Hirnhäute.
  • ZNS-Lymphom: Seltenes, hochmalignes Lymphom des zentralen Nervensystems.
  • Hirnmetastasen: Absiedelungen von Krebserkrankungen anderer Organe im Gehirn.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Aufzeichnung der Gehirnströme.
  • Polygraphie: Aufzeichnung verschiedener Körperfunktionen während des Schlafs.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Weichteilgewebe.
  • Computertomographie (CT): Bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Knochen und anderen Strukturen.
  • PET: Positronenemissionstomographie, nuklearmedizinisches Verfahren zur Darstellung von Stoffwechselprozessen.
  • Radiochemotherapie: Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie.
  • Temozolomid: Chemotherapeutikum zur Behandlung von Glioblastomen.
  • Rezidiv: Wiederauftreten einer Erkrankung.

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