Meningokokken-B-Impfung und das Risiko einer Hirnhautentzündung nach der 6-fach-Impfung

Die Meningokokken-B-Impfung ist ein wichtiger Schritt zum Schutz von Säuglingen und Kleinkindern vor schweren Erkrankungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit Januar 2024 allen Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB). Diese Empfehlung hat zu Fragen über das Risiko einer Hirnhautentzündung nach der 6-fach-Impfung geführt, da beide Impfungen oft gleichzeitig verabreicht werden. Dieser Artikel soll diese Fragen beantworten und umfassend über die Meningokokken-B-Impfung, die Risiken und Vorteile sowie die Empfehlungen der STIKO informieren.

Was sind Meningokokken und warum sind sie gefährlich?

Meningokokken sind Bakterien der Art Neisseria meningitidis, die schwere invasive Erkrankungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können. Es gibt verschiedene Serogruppen von Meningokokken, wobei die Serogruppen A, B, C, W, X und Y die häufigsten Auslöser schwerer Erkrankungen sind. In Deutschland sind Meningokokken der Serogruppe B für etwa 60 Prozent der Erkrankungen verantwortlich, gefolgt von den Serotypen C, W und Y.

Meningokokken-Erkrankungen sind insgesamt selten, aber sie verlaufen oft sehr schwerwiegend und können zu Komplikationen wie Krampfanfällen, Taubheit oder Entwicklungsstörungen führen. Etwa 8 Prozent der Erkrankten sterben an der Infektion. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist.

Wie erfolgt die Ansteckung mit Meningokokken?

Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Sprechen. Da die Bakterien außerhalb des Körpers rasch absterben, ist für eine Ansteckung ein enger Kontakt erforderlich. Meningokokken können den Nasen-Rachen-Raum besiedeln, ohne dass es zu einer Erkrankung kommt. Diese symptomlosen Träger können die Bakterien jedoch an andere weitergeben.

Symptome einer Meningokokken-Erkrankung

Die Symptome einer Meningokokken-Erkrankung können vielfältig sein und ähneln oft zunächst grippeähnlichen Infekten. Zu den frühen Symptomen gehören:

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  • Fieber
  • Reizbarkeit
  • Benommenheit
  • Nahrungsverweigerung
  • Erbrechen
  • Verstopfte Nase

Im weiteren Verlauf können folgende Symptome hinzukommen:

  • Veränderung der Hautfarbe
  • Vorgewölbte Fontanelle (bei Säuglingen)
  • Krämpfe
  • Kopfschmerzen (bei älteren Kindern)
  • Nackensteifigkeit
  • Lichtempfindlichkeit

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft schwieriger zu deuten. Anzeichen einer Meningokokken-Erkrankung können Fieber, Erbrechen, schrilles Schreien, Reizbarkeit, Krämpfe oder auch Schläfrigkeit sein. Bei Anzeichen einer Meningokokken-Erkrankung sollte sofort eine Arztpraxis oder das nächstgelegene Krankenhaus aufgesucht werden.

Die Meningokokken-B-Impfung: Schutz vor schwerwiegenden Erkrankungen

Die Impfung gegen Meningokokken B wird für Kinder frühestmöglich ab dem Alter von 2 Monaten bis zum 5. Geburtstag von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Die Impfung gegen Meningokokken ACWY wird für Jugendliche im Alter von 12-14 Jahren und bis zum 25. Lebensjahr empfohlen.

Empfehlungen der STIKO

Die STIKO empfiehlt allen Säuglingen ab dem Alter von zwei Monaten die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB). Versäumte Impfungen gegen Meningokokken B sollen bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden. Bei erhöhtem Risiko wird zudem die Impfung mit Meningokokken-ACWY-Impfstoff empfohlen, beispielsweise bei einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche oder bei Langzeitaufenthalten in Ländern mit epidemischen Vorkommen.

Impfschema

Die Impfserie gegen Meningokokken B soll möglichst frühzeitig begonnen werden und im Alter von 2, 4 und 12 Monaten verabreicht werden. Versäumte Impfungen sollen so bald wie möglich und spätestens bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden. Im Alter von 12 bis 23 Monaten besteht die Impfserie aus 2 Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von 2 Monaten und einer 3. Impfstoffdosis 12 bis 23 Monate nach der 2. Impfung. Personen ab dem Alter von 2 Jahren erhalten nur 2 Impfstoffdosen in einem Mindestabstand von 1 Monat.

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Impfstoffe

Für die Serogruppe B und C sind in Deutschland jeweils monovalente Impfstoffe (Einzelimpfstoffe) zugelassen sowie quadrivalente Impfstoffe (Vierfachimpfstoffe) gegen die 4 Serogruppen A, C, W, und Y (MenACWY). Die STIKO hat ihre Empfehlung zur Impfung gegen die Serogruppe B angepasst und empfiehlt für Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten eine Standardimpfung gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB) mit dem Protein-basierten Vierkomponenten-Impfstoff 4CMenB (Bexsero).

Warum die Impfempfehlung erst seit kurzem besteht

Die STIKO-Empfehlungen basieren auf einer sorgfältigen Bewertung der epidemiologischen Lage, der Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe sowie der verfügbaren wissenschaftlichen Daten. Die allgemeine Impf-Empfehlung gegen Meningokokken B kam erst 2024, weil:

  • Meningokokken-B-Infektionen insgesamt seltene Erkrankungen in Deutschland sind.
  • Die wissenschaftlichen Daten zur Meningokokken-B-Impfung vorher unvollständig waren, insbesondere Daten zur Langzeitwirksamkeit.
  • Es bisher nicht geklärt war, ob und wie der Impfstoff für einen Herdenschutz eingesetzt werden kann.

Nutzen der Impfung

Die Meningokokken-B-Impfung kann kleine Kinder weitestgehend vor der furchtbaren Erkrankung schützen. Die meisten Experten sehen die Impfung als Fortschritt. Jeder Fall, den wir tatsächlich vermeiden können, der entweder eine schwere Meningokokken-Meningitis oder Meningokokken-Sepsis entwickelt, ist ein guter Fall. Die klinische Wirksamkeit der Impfung liegt bei etwa 85 Prozent.

Meningokokken-B-Impfung und 6-fach-Impfung: Das Risiko einer Hirnhautentzündung

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken B für Säuglinge ab zwei Monaten - gemeinsam mit der 6-fach Impfung und der Impfung gegen Pneumokokken. Ein Grund: Die Kinder sollen so früh wie möglich geschützt sein. Es ist kein Problem, zwei oder drei Impfungen gleichzeitig zu geben.

Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Der Impfstoff gegen Meningokokken B gilt als sehr reaktogen. Das heißt: Er löst bei vielen Kindern Impfreaktionen aus. Häufig sind lokale Schmerzen, eine Schwellung oder Rötung der Einstichstelle sowie Fieber.

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Einige Eltern machen sich Sorgen, dass das Kind schwere Nebenwirkungen durch die Impfungen erleidet. Bei der Impfung gegen Meningokokken B kommt es häufiger zu hohem Fieber und Reizbarkeit. Auch Magen-Darm-Beschwerden, wie Durchfall, treten etwas häufiger auf. Der Körper reagiert auf den Impfstoff. Dies sind aber alles Beschwerden, die man mit gängigen Mitteln lindern kann.

Empfehlungen zur Fiebersenkung

Zur Vermeidung von Fieber oder Schmerzen nach der Impfung wird eine vorbeugende Gabe von Paracetamol empfohlen, die zeitgleich mit der Impfung gegen Meningokokken B oder kurz danach begonnen werden sollte. Die STIKO empfiehlt daher, vorbeugend Zäpfchen mit Paracetamol bei oder kurz nach der Impfung zu geben. Sprechen Sie die Kinderärztin oder den Kinderarzt gegebenenfalls darauf an.

Kein erhöhtes Risiko für Hirnhautentzündung

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass die gleichzeitige Verabreichung der Meningokokken-B-Impfung und der 6-fach-Impfung das Risiko einer Hirnhautentzündung erhöht. Im Gegenteil, die Impfungen schützen vor verschiedenen Erregern, die eine Hirnhautentzündung verursachen können.

Die 6-fach-Impfung schützt vor Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis, Keuchhusten, Hepatitis B und Hib. Die Hib-Komponente beugt spezifisch einer durch Hib-Bakterien ausgelösten bakteriellen Meningitis vor. Mit der 6-fach-Impfung ist Ihr Kind demnach zwar vor Hib, aber nicht vor einer Meningokokken- oder Pneumokokken-Meningitis oder anderen Formen der bakteriellen Hirnhautentzündung geschützt. Deshalb sollten Sie Ihr Kind - wie von der STIKO empfohlen - zusätzlich gegen Meningokokken B und C impfen lassen. Und denken Sie auch an die Pneumokokken-Impfung. Auch Masern-, Mumps- oder FSME-Viren können eine Meningitis verursachen.

Wichtige Hinweise

  • Befolgen Sie die Empfehlungen der STIKO und Ihres Kinderarztes bezüglich der Impfungen Ihres Kindes.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Bedenken und Fragen zu den Impfungen.
  • Achten Sie auf mögliche Impfreaktionen und suchen Sie bei Bedarf ärztlichen Rat.
  • Verabreichen Sie bei Fieber oder Schmerzen nach der Impfung fiebersenkende Mittel wie Paracetamol gemäß den Anweisungen Ihres Arztes.

Weitere Schutzmaßnahmen

Neben der Impfung gibt es weitere Maßnahmen, die dazu beitragen können, das Risiko einer Meningokokken-Infektion zu verringern:

  • Achten Sie auf eine gute Hygiene, insbesondere regelmäßiges Händewaschen.
  • Vermeiden Sie engen Kontakt zu erkrankten Personen.
  • Stärken Sie das Immunsystem Ihres Kindes durch eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf.

Die Hib-Impfung als Teil der 6-fach-Impfung

Die Infektion mit Hib (Haemophilus influenzae Typ b) kann besonders bei Säuglingen und Kleinkindern schwer verlaufen und eine bakterielle Hirnhaut- oder Kehldeckelentzündung verursachen. Zum Schutz wird eine möglichst frühzeitige Impfung empfohlen.

Empfehlungen der STIKO

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Säuglinge die Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib). Bei reifgeborenen Säuglingen werden 3 Teilimpfungen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten empfohlen. Frühgeborene sollen 4 Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten erhalten. Falls die Impfung nicht im Säuglingsalter erfolgt ist, sollte dies schnellstmöglich und bis zum 5. Geburtstag nachgeholt werden. Darüber hinaus sollen alle Personen ohne Milz oder mit eingeschränkter Funktion der Milz (anatomische oder funktionelle Asplenie) gegen Hib geimpft werden. Außerdem wird die Hib-Impfung Personen empfohlen, die sich im Rahmen eines Ausbruchsgeschehens anstecken können und ein erhöhtes Risiko für schwere Hib-Erkrankungen haben.

Übertragung

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) wird vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei werden erregerhaltige Tröpfchen, die beim Husten und Niesen oder auch beim Sprechen versprüht werden, von anderen eingeatmet. Eine Weiterverbreitung ist aber auch durch eine Schmierinfektion über Gegenstände möglich, an die erregerhaltige Atemwegssekrete gelangt sind, zum Beispiel wenn Trinkgläser gemeinsam benutzt werden.

Krankheitsverlauf

Erkrankungen durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) zählen zu den schwersten Infektionskrankheiten im Kleinkindalter. Aber auch Jugendliche und Erwachsene können erkranken. Schwere (invasive) Erkrankungen sind dank Impfungen selten geworden. Bei schwerem Verlauf kann eine Infektion mit Hib zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis), Entzündung des Kehldeckels, Lungenentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Impfung

Die Impfung gegen Hib im Säuglingsalter erfolgt üblicherweise mit 6-fach-Impfstoff, der auch gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Polio (Kinderlähmung) und Hepatitis B schützt. Reifgeborene Säuglinge sollen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten je eine Teilimpfung erhalten. Für Frühgeborene, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren sind, werden 4 Teilimpfungen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten empfohlen.

Nebenwirkungen

Wie bei jeder Impfung sind Nebenwirkungen möglich. Nach der 6-fach-Impfung kommt es als sehr häufige Impfreaktion durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe an. Allgemeinsymptome wie beispielsweise Frösteln, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Reizbarkeit oder Magen-Darm-Beschwerden können ebenfalls auftreten. Hohes Fieber ab 39°C ist häufig. Solche Impfreaktionen sind vorübergehend und klingen in der Regel nach wenigen Tagen folgenlos wieder ab.

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