Angeborene Risikofaktoren für einen Hirninfarkt: Ein umfassender Überblick

Ein Schlaganfall, auch Hirninfarkt genannt, ist eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns, die schwerwiegende Folgen haben kann. Während viele Risikofaktoren für einen Schlaganfall mit dem Lebensstil zusammenhängen und beeinflussbar sind, gibt es auch angeborene Risikofaktoren, die eine wichtige Rolle spielen können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen angeborenen Risikofaktoren für einen Hirninfarkt, insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen.

Schlaganfall: Eine Übersicht

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, entweder durch ein Blutgerinnsel (ischämischer Schlaganfall) oder durch eine Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall). In Deutschland erleiden jährlich etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall, was ihn zu einer der häufigsten Ursachen für Tod oder bleibende Behinderungen macht.

Die Symptome eines Schlaganfalls können plötzlich auftreten und umfassen:

  • Seh- oder Sprachstörungen
  • Lähmungen oder Gefühlsstörungen im Gesicht, Arm oder Bein (oft nur auf einer Körperhälfte)
  • Schwindel und Unsicherheit beim Stehen
  • Koordinationsstörungen
  • Heftige Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstlosigkeit

Es ist wichtig, bei Auftreten dieser Symptome sofort den Notruf (112) zu wählen, da jede Minute zählt ("Time is Brain").

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Ärzte unterscheiden zwischen beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören:

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  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Herzerkrankungen (z. B. Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Übermäßiger Alkoholkonsum

Zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren gehören:

  • Alter (das Schlaganfallrisiko steigt mit dem Alter)
  • Familiäre Veranlagung

Angeborene Risikofaktoren für einen Hirninfarkt

Neben den genannten Risikofaktoren gibt es auch angeborene Faktoren, die das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen können. Diese sind besonders bei Kindern und jungen Erwachsenen von Bedeutung.

Genetische Veranlagung und Blutgerinnungsstörungen

Eine genetische Veranlagung kann ein wichtiger Risikofaktor sein. Gene tragen die Informationen für die Bildung von Eiweißen. Wenn Gene verändert sind (Mutationen), kann die Funktion des Eiweißes beeinträchtigt sein, was zu Erkrankungen führt. Verschiedene Eiweiße im Blut regulieren die Blutgerinnung. Mutierte Gene der Blutgerinnungsfaktoren II oder V (Leiden) erhöhen die Gerinnungsneigung. Diese Mutationen sind relativ häufig: Etwa jeder 20. Mensch in Deutschland ist Träger einer solchen Mutation.

Auch genetische Veränderungen im Hämoglobin (dem Blutfarbstoff) können dazu führen, dass die Blutkörperchen verkleben und kleine Gefäße verstopfen.

Bindegewebserkrankungen

Bestimmte Eiweiße regulieren den Auf- und Abbau von Bindegewebe. Bei seltenen genetisch bedingten Erkrankungen kann dieses Gleichgewicht gestört sein, sodass Blutgefäße durch die Ablagerung von zu viel produziertem Bindegewebe verstopft werden. Ein Beispiel ist die Bindegewebserkrankung Morbus Fabry, für die es eine Enzymersatztherapie gibt.

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Mutationen in Genen, die für die Zusammensetzung des Bindegewebes wichtig sind (Kollagen, Elastin), können zu einer brüchigen Gefäßwand führen, was entweder zu einem Einriss (Dissektion) mit nachfolgender Durchblutungsstörung oder zu einem Platzen des Gefäßes mit einer Hirnblutung führen kann.

Gefäßfehlbildungen

Fehlbildungen der Gehirngefäße können zu Ausbeulungen der Gefäße (Aneurysmen) oder zur Bildung von vielen kleinen Gefäßen anstelle von einem (Kavernome, Hämangiome) führen. Beide Erkrankungen sind mit einem hohen Risiko für Hirnblutungen verbunden. Diese Gefäßfehlbildungen können familiär gehäuft vorkommen oder Teil von übergeordneten, genetisch bedingten Erkrankungen sein.

Angeborene Herzfehler

Angeborene Herzfehler sind meist genetisch bedingt. Strukturelle Veränderungen am Herzen oder Herzrhythmusstörungen können die Bildung von Blutgerinnseln erleichtern, die dann ins Gehirn gelangen und einen Schlaganfall verursachen können.

Seltene Ursachen bei Kindern

Bei Kindern können Schlaganfälle auch durch andere seltene Ursachen ausgelöst werden, wie z.B.:

  • Arteriopathien (Erkrankungen der Blutgefäße)
  • Infektionen (z. B. Varizellen-zoster-Virus)
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Medikamente und Behandlungen mit gerinnungsfördernden Nebenwirkungen

Schlaganfall bei Kindern

Ein Schlaganfall bei Kindern ist selten, aber er kann Babys, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche betreffen. In Deutschland erleiden jährlich etwa 300 Kinder einen Schlaganfall. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

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Die Ursachen von Schlaganfällen bei Kindern sind oft anders als bei Erwachsenen. Während bei Erwachsenen Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Arteriosklerose die Hauptursachen sind, spielen bei Kindern angeborene Faktoren eine größere Rolle.

Symptome bei Kindern

Die Symptome eines Schlaganfalls bei Kindern können ähnlich sein wie bei Erwachsenen, aber es gibt auch einige Unterschiede. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Halbseitenlähmung
  • Gesichtslähmung
  • Sprachstörungen
  • Ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen
  • Seh- oder Gleichgewichtsstörungen
  • Krampfanfälle (besonders bei kleinen Kindern)

Es ist wichtig zu beachten, dass die Hirnreifung bei Kindern noch nicht abgeschlossen ist. Schäden am Gehirn durch einen Schlaganfall können daher manchmal erst Monate oder Jahre später in Erscheinung treten, was die Diagnose erschwert.

Diagnose und Behandlung bei Kindern

Die Diagnose eines Schlaganfalls bei Kindern kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sein können. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT) sind wichtig, um die Diagnose zu bestätigen und die Ursache des Schlaganfalls zu ermitteln.

Die Behandlung von Schlaganfällen bei Kindern unterscheidet sich von der Behandlung bei Erwachsenen. Während bei Erwachsenen häufig eine Thrombolyse (medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels) oder eine Thrombektomie (mechanische Entfernung des Blutgerinnsels) durchgeführt wird, sind diese Behandlungen bei Kindern weniger etabliert.

Die Behandlung von Schlaganfällen bei Kindern konzentriert sich in der Regel auf:

  • Stabilisierung des Kindes
  • Behandlung der Ursache des Schlaganfalls
  • Rehabilitation, um Folgeschäden zu minimieren

Prognose bei Kindern

Gerade bei Kindern bestehen nach einem Schlaganfall sehr gute Heilungschancen. Die meisten Kinder können nach einiger Zeit wieder ein normales Leben führen. Eine schnelle medizinische Behandlung und anschließende Rehamaßnahmen sind entscheidend, um Folgeschäden zu vermeiden bzw. zu minimieren.

Prävention

Während angeborene Risikofaktoren nicht beeinflussbar sind, gibt es dennoch Maßnahmen, die ergriffen werden können, um das Schlaganfallrisiko zu senken:

  • Früherkennung und Behandlung von Risikofaktoren: Kinder und Erwachsene mit angeborenen Risikofaktoren sollten regelmäßig von einem Arzt untersucht werden, um Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum kann das Schlaganfallrisiko senken.
  • Genetische Beratung: Für Familien mit einer Häufung von Schlaganfällen kann eine genetische Beratung sinnvoll sein, um das individuelle Risiko besser einzuschätzen und geeignete Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

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