Hochried Murnau: Ein Zentrum für Epilepsiebehandlung mit psychosomatischem Ansatz

Die Klinik Hochried in Murnau hat sich als eine bedeutende Einrichtung für die Rehabilitation und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit neurologischen Erkrankungen etabliert, insbesondere im Bereich der Epilepsie. Seit 1954 bietet die Klinik ein umfassendes Rehabilitationsangebot für neurologisch erkrankte junge Patienten an. In den letzten Jahren hat sich die Klinik stetig weiterentwickelt und ihr Angebot erweitert, um den komplexen Bedürfnissen von Epilepsie-Patienten gerecht zu werden.

Die Entwicklung der Klinik Hochried

Die Klinik Hochried blickt auf eine lange Tradition in der Behandlung neurologischer Erkrankungen zurück. Seit 2004 gibt es ein ambulantes und tagesklinisches Angebot mit einer kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung, das seit 2012 auch stationär angeboten wird. Diese Erweiterung ermöglicht eine umfassende Betreuung von Patienten mit Epilepsie und zusätzlichen psychischen Problemen.

Die Klinik steht unter der Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge Augsburg e. V., einem Sozialdienstleister mit über 3.000 Mitarbeitern und zahlreichen Einrichtungen, darunter vier Kliniken, mehrere Schulen und über 70 Jugendhilfeeinrichtungen. Diese breite Aufstellung ermöglicht eine vernetzte und ganzheitliche Betreuung der Patienten.

Der psychosomatische Ansatz in der Epilepsiebehandlung

Ein besonderes Augenmerk der Klinik Hochried liegt auf der Behandlung von Patienten mit nicht-epileptischen, sogenannten dissoziativen Anfällen. Diese Anfälle sind oft schwer von epileptischen Anfällen zu unterscheiden und treten bei vielen Patienten parallel zu einer aktiven Epilepsie auf. Die dissoziativen Anfälle müssen psychotherapeutisch behandelt werden und nicht mit Medikamenten. Sie sind genauso ernst zu nehmen wie epileptische Anfälle, da sie die Patienten in ihrem Alltag stark beeinträchtigen.

Die Klinik Hochried hat ein spezielles stationäres Angebot einer psychosomatischen Epileptologie für Kinder und Jugendliche aufgebaut, um diesen Patienten gerecht zu werden. Ziel ist es, hier interdisziplinär Patienten zu behandeln, die neben der Epilepsie auch psychische Probleme haben. Es können auch psychiatrische Begleiterkrankungen behandelt werden.

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Das interdisziplinäre Team und das Therapieangebot

Das angebotene Therapiesetting mit Psychologen, Sozialarbeitern, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Sprachtherapeuten sowie die an die Klinik angegliederte Krankenhausschule bietet besonders gute Voraussetzungen, diesen Patienten auch langfristig zu helfen. Für Epilepsie-Patienten mit psychiatrischer Komorbidität gab es bisher nur sehr wenige stationäre Therapieangebote.

Das interdisziplinäre Team der Klinik Hochried bietet auch Angebote für Eltern und Kinder zur Krankheitsverarbeitung. Oft ist es für sie ein Problem, die Epilepsie und ihre Auswirkungen in den Alltag zu integrieren. Mittelfristig ist auch das Angebot einer FAMOSES- Eltern- und Kinderschulung in Hochried geplant.

Die Bedeutung der Rehabilitation

Die Klinik Hochried nimmt kranke Kinder und Jugendliche auf, bei denen die ambulante Behandlung nicht ausreicht, um die festgelegten Therapieziele zu erreichen. Die Förderung der Krankheitsbewältigung und des Krankheitsmanagements, die Linderung akuter Krankheitssymptome sowie die Verbesserung einer eingeschränkten körperlichen oder psychischen Leistungsfähigkeit stehen dabei ebenso im Vordergrund wie die Förderung und Verbesserung von Aktivität und Teilhabe an allen Lebensbereichen.

Um den Kindern und Jugendlichen ein möglichst normales Leben in Familie, Schule und zukünftigem Beruf zu ermöglichen, arbeiten in Hochried die Fachbereiche Medizin, Psychologie, Sozialpädagogik und Schule eng zusammen.

Die Rolle der Klinikschule

Die Rückkehr in einen Schulalltag ohne Ängste und Belastungen ist für Kinder mit Epilepsien sehr wichtig. Ziel des Unterrichts in der großen Klinikschule ist es daher auch, die Kinder und Jugendlichen nach einer Phase der Entlastung beim Aufholen von Versäumtem zu unterstützen und die Reintegration in den schulischen Alltag zuhause vorzubereiten. Dies ist durch Unterricht in kleinen Klassen und in einer Intensität von bis zu 20 Stunden pro Woche möglich.

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Die Vernetzung und Nachsorge

Trotz der Wohnortferne der aufgenommenen Kinder fühlt sich die Klinik Hochried auch der ambulanten Nachsorge nach der stationären Rehabilitation verpflichtet. Die Vernetzung von Therapie und Umweltfaktoren (Schule, Familie…) fördert den Behandlungserfolg. Die Nachsorge spielt bei der Behandlung deshalb eine so wichtige Rolle, damit eine nachhaltige Stabilisierung erreicht werden kann.

Die folgenden allgemeinen protektiven Faktoren sind u.a. Vermittlung von konkreten Hilfen und Förderung (z.B. auch Leistungen der Jugendhilfe - gemäß §35a SGB VIII) zur Verbesserung der psychosozialen Situation.

Die Expertise der Klinikleitung

Dr. Stephan Springer, Chefarzt der Klinik, ist Kinder- und Jugendpsychiater sowie Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Neuropädiatrie. Seit dem 1. Oktober 2013 arbeitet auch Frau Dr. Elisabeth Korn-Merker in der Klinik Hochried. Sie ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Neuropädiatrie und Epileptologie. In den letzten Jahren hat sie immer wieder Patienten mit psychischen bzw. psychiatrischen Komorbiditäten gesehen, für die das Setting einer „normalen“ Epilepsiestation wegen der bestehenden Verhaltensauffälligkeiten nicht ausreichend war.

Die Schließung einer Therapielücke

Die Klinik Hochried schließt eine wichtige "Therapie-Lücke“ für Patienten mit schwer zu therapierenden Epilepsien, die wegen der Anfälle in einer rein psychiatrischen Station nicht gut behandelbar sind.

Spende der ROMIUS Stiftung

Die KJF Klinik Hochried erhielt von der ROMIUS Stiftung eine Spende von 40.000 Euro für die Gestaltung eines neuen Gruppenraums auf der Station für Psychosomatische Epileptologie. Die Leitende Oberärztin Dr. Elisabeth Korn-Förster sagte bei der offiziellen Scheckübergabe: „Wir können es kaum fassen, dass unsere Organisation ausgewählt wurde und freuen uns unbeschreiblich über die hohe Spendensumme. Wir danken Ihnen und vor allem den Roche-Mitarbeitenden recht herzlich dafür."

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Andreas Auer, Verwaltungsleiter der Klinik Hochried, ergänzt: „Wir alle haben nicht mit einem so hohen Betrag gerechnet. Jetzt können wir den dringend benötigten größeren Gruppenraum wohnlich mit funktionalen Sitzmöbeln und ebenso mit einer Schrankwand, in der Technik und Spielmaterialien gut untergebracht werden können, ausstatten."

Kontakt zur Klinik Hochried

Für Fragen zum Konzept der neuen Abteilung bzw. für die Anmeldung von Patienten steht die Klinik Hochried unter folgenden Kontaktdaten zur Verfügung:

Klinik HochriedZentrum für Kinder, Jugendliche und FamilienHochried 1-1282418 MurnauFax: 08841 474-1011info(at)klinikhochried.dewww.klinikhochried.de

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