Die Hochtaunus-Kliniken haben sich der Herausforderung gestellt, die mit der steigenden Zahl von Menschen mit Demenz einhergeht. Durch die Zertifizierung nach dem schwedischen Silviahemmet-Modell und die Implementierung umfassender Schulungen und Betreuungsansätze wird ein demenzsensibles Umfeld geschaffen, das die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen in den Mittelpunkt stellt.
Standortvorteile und familiäre Atmosphäre im St. Josef Krankenhaus Königstein
Das St. Josef Krankenhaus in Königstein bietet durch seinen Standort und seine familiäre Atmosphäre eine besondere Umgebung für die medizinische Behandlung älterer Menschen. Die Krankenhausbehandlung ist hier in das normale Stadtleben integriert, was den Patienten zugutekommt. Der ältere Mensch wird in seiner Gesamtheit betrachtet, wobei nicht nur medizinische, sondern auch soziale, psychologische und funktionelle Probleme berücksichtigt werden. Ziel ist es, den Patienten ein hohes Maß an Mobilität und Selbstständigkeit zurückzugeben oder zu erhalten.
Spezialisierte Station 03B für psychiatrische Erkrankungen im Alter
Die Station 03B ist auf die Behandlung älterer Patientinnen und Patienten (in der Regel ab 65 Jahren) spezialisiert, die an psychiatrischen Erkrankungen leiden. Das multidisziplinäre Team arbeitet eng zusammen und kooperiert mit Ambulanzen, Tageskliniken, der Vitos Tagespflege Hochtaunus sowie anderen ambulanten Pflegediensten, Diensten der sozialpsychiatrischen Versorgung und Seniorenheimen. Da sich auf der Station auch Patienten mit Orientierungsstörungen befinden, wird sie geschlossen geführt, wobei größtmöglicher Freiraum für die Patienten gewährleistet wird. Je nach Krankheitsbild können die Patienten die Station verlassen und die geschützte Dachterrasse nutzen. Ein Hauptziel der Behandlung ist die Erhaltung oder Verbesserung der Selbstständigkeit und Lebensqualität. Angehörige oder nahestehende Personen werden, wo immer möglich, in die Behandlung einbezogen.
Interview mit Yvonne Jäger: Was kennzeichnet die Alzheimer-Erkrankung?
Yvonne Jäger, die leitende Ärztin der gerontopsychiatrischen Station 03B, erklärt, dass die Alzheimer-Krankheit, genauer gesagt die Demenz vom Alzheimertyp, eine Hirnerkrankung ist, die mit einem fortschreitenden Abbauprozess einhergeht. Dieser ist gekennzeichnet durch einen zunehmenden Verlust der Fähigkeit, Informationen zu speichern und abzurufen (Gedächtnisverlust). Hinzu kommen kognitive Beeinträchtigungen und Schwierigkeiten bei der Strukturierung und Durchführung alltäglicher Aktivitäten. Dazu gehören Konzentrationsschwierigkeiten, Problemlösekompetenzverlust, eingeschränktes schlussfolgerndes Denken und ein abnehmendes Bewusstsein für Zeit, Ort und Situation. In fortgeschrittenen Stadien treten häufig „herausfordernde Verhaltensweisen“ wie Weglaufen, Unruhe oder Aggressionsneigung auf. Die Alzheimerdemenz ist eine spezifische Form der Demenz, die aufgrund von Ablagerungen im Gehirn auftritt.
Behandlungsmöglichkeiten in der Klinik
In der Klinik werden Medikamente zur symptomatischen Behandlung von Alzheimer eingesetzt, die vor allem ein Fortschreiten der Erkrankung reduzieren können. Manchmal ist es notwendig, begleitende „demenzassoziierte, herausfordernde Verhaltensweisen“ wie Unruhe oder Aggressionsneigung mit Medikamenten abzumildern. Dabei wird jedoch immer auf das bestmögliche Nutzen-Risiko-Verhältnis geachtet. Eine Heilung ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht möglich. Nicht-medikamentöse Interventionen wie kognitive Therapie, fachspezifische Pflege, Gedächtnistraining, Bewegungstherapie und Ergotherapie sind ebenfalls von Bedeutung. Fortschritte in der Forschung zielen auf die Modifikation des Krankheitsverlaufs ab.
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Demenzpatienten profitieren von einer stabilen Routine und klaren Tagesabläufen, die Desorientierung und Ängste vermindern. Eine geduldige und einfühlsame Kommunikation mit klaren Anweisungen und einfachen Fragen ist hilfreich. Soziale Kontakte werden durch gemeinsame Mahlzeiten und Stimulation in Form von Spielen oder Gesprächen gefördert, um die geistige Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Angehörige erhalten Unterstützung in Form von Gesprächen und konkreten Hilfsangeboten durch den Sozialdienst.
An wen können sich Angehörige wenden?
Bei Verdacht auf Alzheimer sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Diagnose zu bestätigen und Behandlungsoptionen zu besprechen. Alzheimer-Gesellschaften und -Organisationen bieten umfassende Unterstützung und Informationen, Schulungen und regionale Büros. Tagespflegeeinrichtungen bieten Entlastung für Angehörige, und Angehörigengruppen ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen. Auch die Krankenkassen können bei der Organisation geeigneter Unterstützungsangebote helfen. Angehörige sollten sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, da die Pflege eines Demenzpatienten eine herausfordernde Aufgabe sein kann.
Prävention von gerontopsychiatrischen Erkrankungen
Obwohl eine vollständige Prävention von Alzheimer schwer zu erreichen ist, sind gesunde Lebensgewohnheiten wie geistige Stimulation, regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung und soziale Interaktion von entscheidender Bedeutung. Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten behandelt werden.
Silviahemmet-Zertifizierung: Ein Meilenstein für die Hochtaunus-Kliniken
Die Hochtaunus-Kliniken treiben ihre strategische Weiterentwicklung im Bereich der demenzsensiblen Versorgung voran. Nach dem St.-Josef-Krankenhaus in Königstein sollen künftig auch die Standorte Bad Homburg und Usingen die Auszeichnung der schwedischen Silviahemmet-Stiftung erhalten. Damit stärken die Kliniken ihre Kompetenz im Umgang mit demenzkranken Patientinnen und Patienten - auch mit Blick auf die Anforderungen der Krankenhausreform.
Was bedeutet die Silviahemmet-Zertifizierung?
Die Silviahemmet-Zertifizierung basiert auf der Idee, dass Menschen mit Demenz weiterhin in der Lage sind, ein sinnstiftendes und würdevolles Leben zu führen, wenn sie eine individuelle und personenbezogene Betreuung erhalten. Dies ist nur möglich, wenn das Umfeld sich auf die Erkrankten einlässt und ihnen mit Verständnis und Empathie begegnet. Der Kranke lehrt also sein Umfeld. Qualifiziertes Personal, kompetente Führung und eine gemeinsame Philosophie stehen im Mittelpunkt der Zertifizierung.
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Schulungen für alle Mitarbeiter
Das gesamte Team des Hauses - von den Pflegekräften, Therapeuten und Ärzten über die Geschäftsführung, Verwaltung, Empfangsmitarbeitende, Techniker, Reinigungskräfte und Servicemitarbeitende - wurde in mehrwöchigen Kursen geschult. Die Schulungsinhalte beleuchten die Demenzerkrankung aus unterschiedlichsten Blickwinkeln, von den Veränderungen im Gehirn über die Ursachen und körperlichen Folgen bis hin zu psychologischen Symptomen, Verhaltensänderungen und ethischen Fragen.
Die Perspektive des Erkrankten einnehmen
Vor allem geht es darum, die Perspektive des Erkrankten einzunehmen. Oft sind es Kleinigkeiten, die dem Umfeld nicht bewusst sind. Besonders die Raumgestaltung spielt eine große Rolle. Warum reagieren an Demenz Erkrankte beispielsweise verschreckt, wenn sie Spiegel sehen? Mit dem Fortschreiten der Demenz erkennen sich Betroffene nicht mehr selbst. Der Blick in den Spiegel kann dann Ängste wecken. Auch haben Menschen mit Demenz im Verlauf der Krankheit zunehmend Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden und vergessen beispielsweise, wo ihr Zimmer ist. Augenfällige Symbole erleichtern die Orientierung.
Kontinuierlicher Entwicklungsprozess
Mit der Zertifizierung ist die Arbeit nicht beendet, sondern sie fängt erst an. Zusätzliche Schulungen von Reflexionsleitern für einzelne Bereiche sowie für Führungskräfte sollen einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess anstoßen. In regelmäßigen Abständen werden diese Reflexionsleiter aus sämtlichen Bereichen des Krankenhauses zu gemeinsamen Treffen zusammenkommen, um ihre Erfahrungen und Anregungen auszutauschen.
Die Stiftung Silviahemmet
Die Mutter der schwedischen Königin Silvia litt bis zu ihrem Tod lange Jahre an Demenz. Diese Erfahrung war die Initialzündung für die Monarchin, 1996 die Stiftung „Silviahemmet“ zu gründen. „Sylviahemmet“ basiert auf der Idee, dass Menschen mit Demenz weiterhin in der Lage sind, ein sinnstiftendes und würdevolles Leben zu führen, wenn sie eine individuelle und personenbezogene Betreuung erhalten.
Gerontopsychiatrische Ambulanz der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bad Homburg
Die Schwerpunktstation Demenz bei Vitos Hochtaunus umfasst neben der stationären und tagesklinischen auch eine ambulante Behandlung. Das Ziel des Ambulanzteams ist es, eine Krankenhausaufnahme möglichst zu vermeiden oder - wenn sie doch notwendig ist - optimal vorzubereiten.
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Für wen ist die Ambulanz da?
Das Angebot richtet sich an psychisch kranke, ältere Menschen (in der Regel älter als 65 Jahre) mit fortschreitenden Hirnleistungsstörungen, depressiven Erkrankungen, Persönlichkeitsstörungen oder wahnhaften Erkrankungen. Die ambulante Behandlung ist vor allem für diejenigen geeignet, die krankheitsbedingt unter erheblichen sozialen Einschränkungen und unter Pflegebedürftigkeit leiden. Außerdem wird auch sozialpädagogische Hilfe geleistet, zum Beispiel bei der Vermittlung spezifischer Angebote der Altenhilfe oder behördlichen Angelegenheiten. Die Ambulanz ist im gesamten Hochtaunuskreis tätig.
Enge Zusammenarbeit mit der Schwerpunktstation
Die gerontopsychiatrische Ambulanz ist der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bad Homburg angeschlossen und arbeitet eng mit der Schwerpunktstation für Gerontopsychiatrie zusammen. Patienten können dort auch stationär oder tagesklinisch aufgenommen werden. An die Ambulanz können sich sowohl Patienten selbst, aber auch Angehörige, gerichtlich bestellte Betreuungspersonen oder Alten- und Pflegeheime wenden.
Geriatrische Komplexbehandlung in der Klinik Usingen
Der demographische Wandel hat auch die Entwicklung der Klinik Usingen geprägt. Einschränkungen der Beweglichkeit, Schmerzsyndrome, Sturzneigung, Gebrechlichkeit, Ernährungsstörungen sowie kognitive Veränderungen, Demenz und seelische Syndrome stehen hierbei im Vordergrund. Mittels spezieller Untersuchungsmethoden, Testverfahren und Screenings werden vom multiprofessionellen Team die funktionellen Einschränkungen erhoben und hierauf basierend die Therapie ausgerichtet. In Absprache mit den Patientinnen und Patienten, Angehörigen oder Betreuern wird bei der Organisation der weiteren Versorgung unterstützt. Gleichzeitig stehen im Haus moderne diagnostische Untersuchungsmethoden zur Verfügung, ergänzt durch eine enge Kooperation mit den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg und dem St.
Demenzsensibles Krankenhaus: Eine Notwendigkeit angesichts steigender Fallzahlen
Menschen, die an Demenz erkrankt sind, leben in einer eigenen Welt. Manchmal sind sie verwirrt, manchmal aggressiv, manchmal traurig oder unruhig. Das Verhalten ist für Angehörige und Außenstehende schwer nachvollziehbar. Oft fehlen auch Zeit und Wissen, um sich damit auseinanderzusetzen. Das ist fatal - vor allem, wenn an Demenz erkrankte Patientinnen und Patienten ins Krankenhaus kommen. Im Jahr sind in Deutschland etwa 445.000 Menschen im Alter von über 65 Jahren neu an einer Demenz erkrankt - Tendenz steigend. Etwa jeder sechste Krankenhauspatient leidet nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft unter Demenz oder unter Demenzsymptomen. Viele Kliniken sind auf diese Patientinnen und Patienten nur unzureichend eingerichtet.
Die Hochtaunus-Kliniken stellen sich der Herausforderung
„Wir stellen uns der Herausforderung, die mit der steigenden Zahl der an Demenz Erkrankten einhergeht und haben deshalb beschlossen, dass wir ein demenzsensibles Haus sein möchten. Deswegen haben wir uns für die Zertifizierung durch die schwedische Stiftung ‚Silviahemmet‘ entschieden. Sich den besonderen Bedürfnissen der an Demenz erkrankten Patientinnen und Patienten zu widmen, gehört nun zu den Kernkompetenzen des St. Josef Krankenhauses“, sagt Klinikgeschäftsführerin Dr. „Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass die Betroffenen und deren Angehörige wissen, dass wir die besonderen Herausforderungen im Bereich der Demenz in unserer Klinik wahr- und ernst nehmen.“
Die neue Pflegephilosophie: Personenzentrierung und Milieutherapie
Ein zentraler Aspekt der neuen Pflegephilosophie ist die konsequente Personenzentrierung: Die individuellen Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle der Menschen mit Demenz stehen im Mittelpunkt des Handelns. Unter dem Konzept der Bezugspflege übernehmen feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner die Betreuung, bauen vertrauensvolle Beziehungen auf und sorgen für Kontinuität und Sicherheit. Die Gestaltung der Umgebung spielt eine weitere Schlüsselrolle. Durch Maßnahmen der Milieutherapie - wie große, gut lesbare Beschilderungen oder angepasste Raumgestaltungen - wird ein sicheres und orientierungsförderndes Umfeld geschaffen. Zusätzlich fördern gezielte Angebote zur Beschäftigung und Aktivierung die kognitive und emotionale Teilhabe der Patientinnen und Patienten.
Unterstützung für pflegende Angehörige
Pflegende Angehörige sind häufig überfordert und sehen sich im Krankenhaus teilweise unvorbereitet der Diagnose Demenz gegenüber. Das Angebot richtet sich besonders auch an berufstätige Angehörige, die erst gegen Abend zu Besuch in die Klinik kommen können. Bei dieser Gelegenheit haben sie die Möglichkeit, Fragen rund um die Pflege im Anschluss und zum Krankheitsbild direkt an spezialisierte Fachkräfte zum Thema Demenz zu stellen. Es wird über die Ansprechpartner in den Netzwerken der Stadt und des Kreises im Bereich Versorgung von Menschen mit Demenz informiert.
Geriatrische Komplexbehandlung zur Erleichterung der Pflege
Wer durch eine plötzliche Erkrankung, einen operativen Eingriff oder ein fortschreitendes Leiden in seiner Mobilität und Selbstständigkeit beeinträchtigt ist, für den ist eine geriatrische Komplexbehandlung besonders geeignet. Dies gilt auch für Patientinnen und Patienten, die im Pflegeheim leben. Das Ziel der Behandlung ist auch die Erleichterung der Pflege. Ältere Patientinnen und Patienten leiden meist nicht an isoliert zu betrachtenden Krankheiten, sondern an Mehrfacherkrankungen, die von allgemeinen Leistungseinbußen, sozialen und psychischen Faktoren beeinflusst werden. Das Team der Rehabilitation ist in der Geriatrie versiert und multiprofessionell zusammengesetzt. Entsprechend dem geriatrischen Behandlungskonzept sollen die Patientinnen und Patienten alles selber machen, was sie können, um möglichst schnell wieder entlassen werden zu können. Denn jede noch so geringe Verbesserung der Eigenaktivität bedeutet ein Plus an Lebensqualität. Auch die Familie wird in dieses Konzept mit einbezogen.
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