Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche neurologische Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Nervenzellen und zerstört deren schützende Myelinschicht. Die Krankheit kann sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern, darunter Seh- und Sensibilitätsstörungen, extreme Müdigkeit, Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsprobleme. Obwohl MS bislang nicht heilbar ist, gibt es in den letzten Jahren Fortschritte in der medikamentösen Therapie, die Symptome lindern und eine Verschlechterung des Zustandes verzögern können. Viele Prominente haben sich öffentlich zu ihrer MS-Erkrankung bekannt, um das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und anderen Betroffenen Mut zu machen.
Betroffene Hollywood-Schauspieler und Prominente
Im Laufe der Jahre haben sich mehrere Hollywood-Schauspieler und Prominente offen zu ihrer Diagnose mit Multipler Sklerose bekannt. Zu den bekanntesten gehören:
Christina Applegate: Die Schauspielerin, bekannt aus der Serie "Eine schrecklich nette Familie", machte ihre MS-Diagnose im Jahr 2021 öffentlich. Sie hatte bereits vor einigen Jahren erste körperliche Veränderungen wahrgenommen, darunter motorische Schwierigkeiten und Probleme mit dem Gleichgewicht. Mittlerweile ist sie auf Gehstöcke angewiesen und muss ihren Alltag mit diversen Einschränkungen bewältigen.
Selma Blair: Die Schauspielerin, bekannt aus Filmen wie "Eiskalte Engel" und "Natürlich blond", gab ihre MS-Diagnose im Jahr 2018 bekannt. Sie berichtete von Kontrollverlust über ihren eigenen Körper, der jahrelang von Ärzten unerkannt geblieben war. Blair setzt sich aktiv für die Aufklärung über MS ein und zeigt sich offen mit ihren Beschwerden in der Öffentlichkeit. So teilte sie mit ihren Fans Mitte 2018 mit, dass sie an der Erkrankung des zentralen Nervensystems leide. "Ich bin behindert. Ich stürze manchmal. Ich lasse Dinge fallen. Meine Erinnerung ist vernebelt. Und meine linke Seite fragt nach Anweisungen eines kaputten Navigationssystems."
Jack Osbourne: Der Sohn von Ozzy Osbourne und seiner Frau Sharon erhielt seine MS-Diagnose im Jahr 2012. Er reagierte zunächst mit Wut und Frustration, lernte aber, mit der Krankheit umzugehen und sie nicht sein Leben unterkriegen zu lassen. „Damals wusste ich nicht, was MS war. Ich dachte, MS wäre die Todesstrafe und dass es das gewesen ist. Am Anfang denkt man ständig darüber nach und da war auch Wut und Frustration. Man muss herausfinden, was es bedeutet und dann muss man es akzeptieren." Inzwischen hat der dreifache Vater gelernt mit MS auf seine Art umzugehen.
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Malu Dreyer: Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz ist ebenfalls an MS erkrankt. Sie geht offen mit ihrer Krankheit um und setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein.
Howard Carpendale: Der Schlagersänger erhielt seine MS-Diagnose vor über 40 Jahren. Da er an einer latenten Form von MS leidet und sich die Krankheit kaum weiterentwickelt hat, kann er nach eigenen Angaben gut damit leben.
Weitere Prominente mit gesundheitlichen Herausforderungen
Neben den genannten MS-Betroffenen gibt es viele weitere Prominente, die offen über ihre gesundheitlichen Herausforderungen sprechen. Einige Beispiele sind:
Bruce Willis: Der Schauspieler leidet an frontotemporaler Demenz, einer seltenen und schnell fortschreitenden Form der Gehirnerkrankung. Zu den frühen Symptomen gehören Persönlichkeitsveränderungen, apathisches Verhalten und Antriebslosigkeit.
Wendy Williams: Die ehemalige TV-Show-Queen leidet ebenfalls an frontotemporaler Demenz.
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Alan Ritchson: Der Schauspieler, bekannt aus der Serie "Reacher", hat eine bipolare Störung.
Mark Sheppard: Der Schauspieler, bekannt aus der Serie "Supernatural", überlebte sechs Herzinfarkte.
Kit Harington: Der Schauspieler, bekannt aus der Serie "Game of Thrones", hat ADHS.
Michael J. Fox: Der Schauspieler leidet seit über 30 Jahren an Parkinson. Er hat seine Erkrankung öffentlich gemacht und setzt sich für die Forschung und Aufklärung über Parkinson ein. Mit einem Zucken in seinem linken, kleinen Finger fing vor nunmehr gut 33 Jahren alles an. Als die Krankheit schnell voranschritt, kamen Symptome wie Steifheit der linken Körperseite, der ständige Drang, mit einem Fuß auf den Boden zu klopfen, sowie das berühmte Parkinson-Zittern und ein schlurfender Gang hinzu. Bis heute haben seine neurologischen Beschwerden zugenommen.
Shannen Doherty: Die Schauspielerin kämpft seit Jahren gegen Brustkrebs. Sie teilt offen ihre Erfahrungen mit der Krankheit in den sozialen Medien und setzt sich für die Aufklärung über Brustkrebs ein. 2015 erkrankte sie an Brustkrebs. In Interviews und bei Instagram gab sie immer wieder traurige bis hoffnungsvolle Updates zu ihrer Erkrankung. So veröffentlichte sie bei Social Media etwa ein emotionales Video, in dem sie sich ihre Haare abrasierte. Genauso ließ sie ihre Follower daran teilhaben, als sie 2017 eine Remission ihres Brustkrebses erreichte, das Schlimmste also überstanden schien. 2020 gab sie bekannt, dass der Krebs zurückgekehrt war. Da sich Shannen Dohertys Brustkrebs dieses Mal in Stadium 4 befand, bedeutet dies, dass der Tumor bereits in andere Bereiche ihres Körpers gestreut hat. Trotz des niederschmetternden Rückschlags blieb die Schauspielerin weiter kämpferisch, doch geht es ihr zusehends schlechter. Updates im Januar 2023 offenbarten, dass Metastasen in ihrem Gehirn gefunden wurden. In der Folge musste sie sich zunächst einer Strahlentherapie ihres Gehirns unterziehen. Eine traumatisierende Erfahrung, die sie einige Monate später in Form eines Clips auf Instagram teilte. Und damit war ganz offensichtlich auch noch nicht Schluss. Denn in einem weiteren Video verriet sie, dass sie am 16. Januar 2023 sogar am Gehirn operiert werden musste, ob einen Tumor zu entfernen.
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Justin Bieber: Der Sänger leidet an Lyme-Borreliose und hatte 2022 mit einer Gesichtslähmung zu kämpfen.
Selena Gomez: Die Sängerin und Schauspielerin leidet an Lupus erythematodes, einer Autoimmunerkrankung, die für entzündlich-rheumatische Schübe bekannt ist.
Jeff Bridges: Der Schauspieler erkrankte 2021 an Krebs (Non-Hodgkin-Lymphom) und Covid.
Hugh Jackman: Der Schauspieler kämpft seit Jahren gegen Hautkrebs.
Lady Gaga: Die Sängerin und Schauspielerin leidet an Fibromyalgie, die Schmerzen im gesamten Körper verursacht.
Ashton Kutcher: Der Schauspieler wurde 2019 mit Vaskulitis diagnostiziert, einer seltenen Gefäßerkrankung, die das Seh- und Hörvermögen sowie den Gleichgewichtssinn beeinträchtigt.
Bindi Irwin: Die Tochter von "Crocodile Hunter" Steve Irwin leidet an Endometriose, einer Krankheit, die Frauen betrifft und besonders in der Menstruationsphase starke Schmerzen verursachen kann.
Brian Austin Green: Der Schauspieler leidet an Colitis ulcerosa, einer chronischen Darmerkrankung.
Lili Moss: Das Model hat Diabetes Typ 1 und trägt am Bein eine Insulinpumpe.
Gigi Hadid: Das Model leidet an Hashimoto-Thyreoiditis, einer Autoimmunerkrankung, die die Schilddrüse angreift.
Sia: Die Sängerin leidet an der Basedowschen Krankheit, einer Autoimmunerkrankung, die die Schilddrüse angreift.
Lil Wayne: Der Rapper leidet an Epilepsie.
Megan Fox: Die Schauspielerin leidet an Dysmorphophobie, einer Körperbildstörung.
Jürgen Drews: Der Schlagersänger leidet an Polyneuropathie, einer Nervenkrankheit.
Multiple Sklerose: Symptome, Diagnose und Behandlung
Multiple Sklerose (MS) ist eine komplexe Erkrankung, die sich bei jedem Betroffenen anders äußern kann. Die Symptome sind vielfältig und können im Laufe der Zeit variieren. Häufige Symptome sind:
- Sehstörungen: Doppelbilder, verschwommenes Sehen, Entzündung des Sehnervs
- Sensibilitätsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schmerzen
- Motorische Störungen: Muskelschwäche, Spastik, Koordinationsprobleme, Gleichgewichtsstörungen
- Müdigkeit (Fatigue): Erschöpfung, die durch Ruhe nicht besser wird
- Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen
- Sexuelle Funktionsstörungen
Die Diagnose von MS kann schwierig sein, da die Symptome unspezifisch sind und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. In der Regel werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Diagnose zu sichern:
- Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Nervenfunktionen
- Magnetresonanztomographie (MRT): Darstellung von Entzündungsherden im Gehirn und Rückenmark
- Lumbalpunktion: Untersuchung des Nervenwassers auf Entzündungszeichen
- Evoked Potentials: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
Obwohl MS bislang nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen können:
- Medikamentöse Therapie: Immunmodulatoren und Immunsuppressiva können die Entzündungsaktivität reduzieren und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.
- Schubtherapie: Kortikosteroide können bei akuten Schüben die Entzündung reduzieren und die Symptome lindern.
- Symptomatische Therapie: Medikamente und andere Maßnahmen können die einzelnen Symptome wie Spastik, Schmerzen und Müdigkeit lindern.
- Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie: Diese Therapien können helfen, die körperlichen Funktionen zu erhalten und zu verbessern.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung und der psychischen Belastung durch MS.
Leben mit Multipler Sklerose
Die Diagnose MS kann für Betroffene und ihre Angehörigen eine große Herausforderung darstellen. Es ist wichtig, sich umfassend über die Krankheit zu informieren und sich professionelle Unterstützung zu suchen. Viele Betroffene finden auch Halt und Austausch in Selbsthilfegruppen.
Trotz der Einschränkungen, die MS mit sich bringen kann, ist ein erfülltes Leben möglich. Viele Betroffene lernen, mit der Krankheit umzugehen und ihre Lebensqualität zu erhalten. Dabei spielen eine positive Einstellung, eine gesunde Lebensweise und die Unterstützung durch Familie und Freunde eine wichtige Rolle.
Selma Blair beispielsweise berichtet von der besonderen Wirkung, die ihr Gehstock auf sie hat. «Sobald ich ihn in der Hand halte, beruhigen sich meine Stimme und mein Körper», erzählt die 50-Jährige US-Amerikanerin in einem Interview des Modemagazins «Vogue». Deshalb habe sie auch eine emotionale und körperliche Bindung an den Stock, sie nennt ihr eine «Erweiterung von mir».Der Gehstock solle aber nicht nur ihr selbst helfen, sondern auch Sichtbarkeit schaffen: «Ich glaube, dass Repräsentation wichtig ist. Wenn ich dazu beitragen kann, das Stigma oder die übermäßige Neugierde in einer Menschenmenge für jemand anderen zu beseitigen, dann ist das großartig.» Auch viele jüngere Menschen hätten in ihren Augen angefangen, ihre Stöcke öffentlich zu zeigen.
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