Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch den Abbau von Motoneuronen im Gehirn und Rückenmark gekennzeichnet ist. Dies führt zu Muskelschwäche, Lähmungen und schließlich zum Tod. Obwohl die Ursachen der ALS weitgehend unbekannt sind, werden verschiedene Faktoren wie genetische Veranlagung, Umweltfaktoren und Stoffwechselstörungen diskutiert. Die konventionelle Behandlung konzentriert sich auf die Linderung von Symptomen und die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs, wobei Riluzol das einzige Medikament ist, das nachweislich die Überlebenszeit verlängert. Angesichts der begrenzten Wirksamkeit der konventionellen Therapie suchen viele ALS-Patienten nach alternativen und komplementären Behandlungen, einschließlich der Homöopathie.
Zellstoffwechsel und ALS
Jede chronische Erkrankung, einschließlich ALS, beruht auf einer Entgleisung des Zellstoffwechsels. Bei chronisch degenerativen Erkrankungen wie ALS geraten anabole und katabole Prozesse aus dem Gleichgewicht. Auf körperlicher Ebene beginnt dieser Prozess in der Matrix, der extrazellulären Grundsubstanz, die sämtliches Bindegewebe und damit die Struktur der Knochen, Organe, Blutgefäße und Haut bildet. Die Matrix besteht aus kollagenen und elastischen Fasern sowie einem retikulären Gitter, das die gesamte Grundsubstanz durchzieht. Glukosaminoglykane in der Matrix binden Wasser und dienen als biologisches Schmiermittel. Bei Stress und toxischen Einflüssen kann es zur Reduzierung von Glucosamin kommen, was zu Degeneration führt.
Die Bedeutung der Matrix für degenerative Prozesse
Von der Matrix aus können degenerative Prozesse auf sämtliche Organe und Gewebsstrukturen übergehen. In der Praxis zeigt sich dies häufig im Skelett-, Kreislauf- und Nervensystem. Eine katabole Entgleisung aufgrund mangelnder anaboler Aktivität kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter Stoffwechselstörungen und psychische Belastungen.
Diagnostische Maßnahmen zur Beurteilung des Zellstoffwechsels
Um den Zellstoffwechsel bei ALS-Patienten zu beurteilen, können verschiedene diagnostische Maßnahmen eingesetzt werden, darunter die Kontrolle des Kohlenhydrat- und Mineralstoffwechsels in Serum und Vollblut, die Überprüfung der Schilddrüsenaktivität (TSH und fT3) und die Bestimmung des Zonulin-Werts (Darmbarriere). Harnstoff und Vitamin B12 können Aufschluss darüber geben, ob ein alkalisches Milieu im Darm besteht. Die Bestimmung von Eisen im Vollblut gibt Auskunft über den Eisenstoffwechsel und die Entgiftungskapazität (Glutathion).
Homöopathie bei ALS
Die Homöopathie versteht sich als Regulationstherapie, die auf einem anderen Wirkungsprinzip beruht als die Pharmakologie. Gegner der Homöopathie argumentieren, dass die Wirkstoffmenge oft so gering ist, dass eine pharmakologisch-chemische Wirkung nicht mehr möglich ist. Als Regulationstherapie funktioniert die Homöopathie jedoch auf der informellen Ebene. Wie bei einem Computervirus braucht es zur Heilung ein genau passendes Antivirus-Programm, also eine spezifische Information. Damit besteht die Möglichkeit, regulativ in den Körper einzugreifen und sogar Lähmungen zu beeinflussen.
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Ziel der homöopathischen Behandlung
Das Therapieziel der homöopathischen Behandlung bei ALS ist es, den Verlauf der Krankheit zu verzögern oder sogar zu stoppen. Die homöopathische Therapie zielt darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und das individuelle Gleichgewicht wiederherzustellen.
Fallbeispiel eines ALS-Patienten
Ein Fall aus der Anfangszeit eines Arztes (1991) beschreibt einen ALS-Patienten, der über Jahre begleitet wurde. Der Patient, Herr H., 52 Jahre alt, kam im Frühjahr 1991 mit einer Schwäche im rechten Fuß, die ihn beim Gehen behinderte. Bei der klinischen Untersuchung fand sich eine Fußheberschwäche des rechten Fußes. Aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen erfolgte die homöopathische Erstanamnese erst später.
Herr H. hatte immer gerne im Fußballverein gespielt. Vor ca. 3 Jahren sei er dann häufiger mit dem rechten Bein weggeknickt. Er habe dann erst mal eine Trainingspause eingelegt, aber die Schwäche wurde nicht besser. Im Gegenteil, es entwickelte sich eine Fußheberschwäche, die letztendlich dann neurologisch abgeklärt wurde. (Erst später wurde dann letztendlich die Diagnose ALS gestellt).
Als klinische Befunde wurden notiert: Fußheberschwäche, rechts mehr als links; Kraftminderung rechts. Verdauungsbeschwerden: Hatte vor Jahren mal mehrfach Ulcera duodeni (Zwölffingerdarmgeschwüre), jetzt immer noch Blähungsgefühl nach dem Essen, schlimmer, wenn etwas auf den Bauch drückt (z. B. enger Gürtel). Mag gerne Deftiges, sehr gerne Milch, gerne Süßigkeiten. Stuhlgang: Hier ist auffällig, dass er regelmäßig morgens um kurz nach 6 Uhr („kann die Uhr danach stellen“) Stuhlgang hat. Bewegt sich gerne, ist gerne an der frischen Luft. Gemüt: Ist in allem sehr genau, möchte alles immer schnell und gut zu Ende bringen. Perfektionist. Kann auch aufbrausend und schnell gereizt sein (sagt die Ehefrau). Im Urlaub wird er schnell unruhig, will dann lieber wieder nach Hause um liegengebliebene Dinge zu erledigen. Schlaf: unruhig. Ängste: um die Gesundheit, Höhenangst, „Lampenfieber“.
Nach der Mittelgabe von Lycopodium C200 ging es dem Patienten jedenfalls deutlich besser. Sogar die Fußheberschwäche und das Gangbild besserte sich, wenn auch nur für einige Zeit (immerhin einige Monate). Dann schritt die Krankheit fort. Es wurden noch einige andere homöopathische Mittel gegeben und auch andere Therapien (Akupunktur etc.) genutzt, so dass der Patient überdurchschnittlich lange für einen ALS-Patienten lebte.
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Herausforderungen der homöopathischen Behandlung bei ALS
Charakteristische Symptome sind vor allem diejenigen, die man unabhängig von der Grundkrankheit nicht unbedingt erwartet: z. B. Lähmungen an sich treten bei ALS immer auf, charakterisieren die Krankheit, aber nicht den individuellen Fall. Daher sind die Symptome wie „Schwäche im Fuß und Bein“ zu unspezifisch. Die „Angst um die eigene Gesundheit“ ist ja wohl bei einer solchen Krankheit auch logisch.
Alternative Therapieansätze bei ALS
Neben der Homöopathie gibt es eine Reihe weiterer alternativer Therapieansätze, die von ALS-Patienten genutzt werden.
Mikronährstoffe und Ernährung
Viele ALS-Patienten setzen auf Mikronährstoffe und spezielle Diäten, um die Nervenzellen vor oxidativem Stress zu schützen und den Stoffwechsel zu verbessern. Häufig angewandte Substanzen sind Vitamine (A, B, C, D, E), Selen, Omega-3-Fettsäuren, Kreatin, Coenzym Q10 und L-Carnitin.
- Selen: Obwohl Selen ein wichtiges Spurenelement mit antioxidativen Eigenschaften ist, war es in Kohortenstudien ein Risikofaktor für das Auftreten von ALS und hatte in Mäusen toxische Wirkungen auf Nervenzellen.
- Omega-3-Fettsäuren: Eine reichliche Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren reduzierte in einer Fall-Kontrollstudie das Risiko, an ALS zu erkranken. In sehr hohen Dosen waren Omega-3-Fettsäuren in Tierversuchen jedoch toxisch auf Nervenzellen.
- Vitamin E: Menschen mit einem höheren Serumspiegel an Vitamin E hatten in einer großen Kohortenstudie ein geringeres Risiko, an ALS zu erkranken.
- Vitamin A: Die Einnahme reichlicher Mengen von rotem Gemüse, das natürlich vorkommendes Vitamin A (Carotinoide) enthält, war in einer großen Studie mit einem geringeren Risiko für das Auftreten von ALS assoziiert.
- Kreatin: Kreatin war in einer Dosierung von 5g/Tag über neun Monate bei Patienten mit ALS unwirksam.
- L-Carnitin: L-Carnitin war dagegen wirksam bei ALS: Patienten, die über zwei Jahre Riluzol plus täglich drei Gramm L-Carnitin einnahmen, hatten eine signifikant bessere Selbständigkeit als die Patienten der Placebo-Gruppe.
- Vitamin D: Vitamin D wirkt als Gegenspieler zum Glutamat, das bei ALS eine schädliche Wirkung haben kann und führte bei ALS-Mäusen in hohen Dosen zu einer Funktionsverbesserung. Studien bei ALS-Patienten, die die Einnahme von Vitamin D auf den Verlauf der Erkrankung untersuchten, gibt es allerdings noch nicht.
- Ketogene Diät: Aus Tierversuchen mit ALS-Mäusen gibt es positive Ergebnisse für den Einsatz der ketogenen Diät. Die Mäuse, die ketogen ernährt wurden, hatten im Vergleich zu den normal ernährten Tieren einen besseren Funktionserhalt und eine längere Überlebenszeit.
Weitere alternative Ansätze
- Aromatherapie, entspannungsfördernde Tees, Entspannungsverfahren und Akupunktur: Bei Schlafstörungen oder Ängsten können Aromatherapie (Lavendelsäckchen), entspannungsfördernde Tees (z. B. Passionsblumentee), Entspannungsverfahren (z. B. Yoga, MBSR) oder auch Akupunktur erfahrungsgemäß wirksam sein.
- Bitterstoffe und entblähende Tees: Bei Appetitmangel werden in der Naturheilkunde Bitterstoffe (z. B. Enzianwurzel, Artischockenblätter) und entblähende Tees (z. B. aus Kümmelfrüchten, Fenchelfrüchten) eingesetzt.
- Adaptogene: Bei vermehrter Müdigkeit ohne andere Ursache kann ein Versuch mit sogenannten Adaptogenen (leistungsfördernden Mitteln) erfolgen.
Resveratrol
Resveratrol, ein Inhaltsstoff von Rotwein, rückt in das Blickfeld von Forschern, die einen Therapieansatz für ALS untersuchen. Studien haben gezeigt, dass Resveratrol die Menge an Sirtuin-1 steigern kann, einem Enzym, das eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Proteinverklumpung in Nervenzellen spielt. Die Verklumpung des Proteins TDP-43 in Nervenzellen ist ein Kennzeichen der ALS. Resveratrol zeigt antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften, die bei neurodegenerativen Erkrankungen wie ALS von Bedeutung sind. Erste klinische Studien zeigen, dass Resveratrol gut verträglich ist und entzündliche Marker bei neurodegenerativen Erkrankungen reduziert. Ein großes Hindernis bleibt die geringe Bioverfügbarkeit von Resveratrol.
Bedeutung einer hyperkalorischen Ernährung
Der Energiestoffwechsel von ALS-Patienten ist in frühen Krankheitsphasen verändert. Ein prognostisch ungünstiger Faktor ist ein starker Gewichtsverlust. Umgekehrt wirken gewichtsstabilisierende Maßnahmen protektiv. Eine hochkalorische Trinknahrung mit hohem Fettgehalt kann bei Patienten, die rasch an Gewicht verlieren und bei denen die Krankheit schnell fortschreitet, die Überlebenszeit verlängern.
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Konventionelle Behandlungsmethoden
Die konventionelle Behandlung der ALS umfasst in erster Linie die Verabreichung von Riluzol, einem Medikament, das den Krankheitsverlauf verlangsamen kann. Weitere Maßnahmen umfassen:
- Symptomlindernde Therapie: Behandlung von Speichelfluss, Muskelkrämpfen und Unterstützung der Beatmung.
- Hilfsmittelversorgung: Um den Alltag zu erleichtern und die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.
- Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie: Zur Erhaltung der Muskelkraft, Verbesserung der Koordination und Unterstützung der Kommunikationsfähigkeit.
- Nicht-invasive Heimbeatmung: Zur Verlängerung der Überlebenszeit und Verbesserung der Lebensqualität.
- Behandlung von Schluckstörungen: Um eine ausreichende Ernährung sicherzustellen, ist oft eine Magensonde erforderlich.
- Pneumonieprophylaxe: Durch die verschlechterte Atmung und das Liegen ist die Gefahr einer Lungenentzündung erhöht.
- Speichelreduktion: Infolge der Schluckstörung können die Erkrankten ihren eigenen Speichel oft nicht mehr schlucken, er droht, über die Atemwege in die Lunge zu gelangen und dort eine Lungenentzündung auszulösen.
- Thromboseprophylaxe: Bei Bettlägerigkeit droht die Entwicklung einer Thrombose.
- Behandlung von Muskelkrämpfen: Hier verordnen die Ärzte oft Magnesium oder Chininsulfat, gegen die Spastik kommen neben der Physiotherapie auch manchmal Baclofen oder Botulinumtoxin-Injektionen zum Einsatz (beides off-label).
- Behandlung der finalen Atemstörung: Die ALS führt immer zu einer finalen (tödlichen) Atemlähmung.
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