Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen und Begleitsymptome wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen gekennzeichnet ist. Es handelt sich um eine Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, einschliesslich ihrer Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die sich meist durch pulsierende, intensive Kopfschmerzen äussert, die häufig nur eine Kopfseite betreffen. Typische Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit, wodurch alltägliche Aktivitäten stark eingeschränkt sein können. Die chronische Form, bei der Betroffene an mindestens 15 Tagen pro Monat unter Kopfschmerzen leiden, ist besonders belastend.
Migräne mit und ohne Aura
Es gibt verschiedene Formen der Migräne, darunter Migräne mit Aura und Migräne ohne Aura. In etwa 10-20 % der Fälle tritt vor der Migräne eine sogenannte Aura auf. Diese äussert sich meist in visuellen Störungen wie Flimmerskotomen (Gesichtsfeldausfall in Verbindung mit hellem, flimmernden Licht), Verlust des räumlichen Sehens und Unschärfe. Die Aura entwickelt sich typischerweise über 20 bis 30 Minuten und klingt etwa eine Stunde vor Beginn der Kopfschmerzphase wieder ab.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen für Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass ein komplexes Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt, wobei häufig auch eine genetische Veranlagung besteht.
Häufige Auslöser
Bestimmte Faktoren können Migräneattacken auslösen oder begünstigen. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
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- Stress: Anhaltender und/oder starker Stress ist ein bekannter Migräneauslöser.
- Schlafmangel: Unregelmässige Schlafzeiten oder Schlafmangel können Migräneattacken provozieren.
- Hormonelle Schwankungen: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren Migräne auslösen.
- Bestimmte Nahrungsmittel: Einige Nahrungsmittel wie Käse, Rotwein, Schokolade oder Zitrusfrüchte können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Alkohol- und Drogenkonsum: Der Konsum von Alkohol und Drogen kann Migräne begünstigen.
- Wechselnde Wetterlagen: Wetterumschwünge und Veränderungen des Luftdrucks können bei manchen Menschen Migräne auslösen.
- Grelles, blitzendes Licht: Helles oder flackerndes Licht kann Migräneattacken provozieren.
- Stundenlanges Fernsehen oder Sitzen vor dem PC oder Smartphone: Längere Bildschirmarbeit kann Migräne begünstigen.
Die Rolle der Reizverarbeitung im Gehirn
Die Ursache für Migräne und Auren liegt oft in einer angeborenen Besonderheit der Reizverarbeitung im Gehirn. Die Gehirne von Migränepatienten nehmen Reize früher und schneller auf und verarbeiten sie rascher. Wenn zu viele Eindrücke zu schnell und plötzlich einströmen, werden die Nervenzellen stark aktiviert, was zu einer Entgleisung der Steuerung der Nervenfunktionen führen kann.
Symptome der Migräne
Migräne äussert sich durch eine Vielzahl von Symptomen, die von Person zu Person unterschiedlich sein können. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Intensive Kopfschmerzen: Meist pulsierend, pochend oder hämmernd, oft nur auf einer Kopfseite.
- Übelkeit und Erbrechen: Viele Migränepatienten leiden unter Übelkeit und Erbrechen während einer Attacke.
- Licht- und Lärmempfindlichkeit: Betroffene sind oft sehr empfindlich gegenüber Licht und Lärm und ziehen sich in dunkle, ruhige Räume zurück.
- Sehstörungen: Auren können sich in Form von Flimmerskotomen, Lichtblitzen, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldausfällen äussern.
- Schwindel: Schwindelgefühle können vor, während oder nach einer Migräneattacke auftreten.
- Müdigkeit: Viele Betroffene fühlen sich vor und nach einer Attacke erschöpft und müde.
- Konzentrationsschwierigkeiten: Konzentrations- und Wortfindungsstörungen können auftreten.
- Kribbeln: Ein Kribbeln in den Händen oder im Gesicht kann Teil der Aura sein.
Diagnose von Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert in der Regel auf der Anamnese (Krankengeschichte) und einer neurologischen Untersuchung. Der Arzt wird nach Art, Häufigkeit und Dauer der Kopfschmerzen sowie nach Begleitsymptomen und möglichen Auslösern fragen. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschliessen.
Abgrenzung zu anderen Erkrankungen
Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten und neurologischen Erkrankungen abzugrenzen. Insbesondere bei Auren muss eine transitorische ischämische Attacke (TIA), ein Vorbote eines Schlaganfalls, ausgeschlossen werden. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist sofort der Notruf 112 zu wählen.
Behandlung von Migräne
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome während einer akuten Attacke zu lindern und die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren.
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Akutbehandlung
Zur Akutbehandlung von Migräne stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:
- Schmerzmittel: Leichte bis mittelschwere Migräneattacken können oft mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden.
- Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die bei stärkeren Attacken eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Blutgefässe im Gehirn verengen und die Ausschüttung von Entzündungsstoffen reduzieren.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika helfen, die Symptome zu lindern.
Prophylaktische Behandlung
Wenn Migräneattacken häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine prophylaktische Behandlung in Erwägung gezogen werden. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Schwere der Attacken zu reduzieren.
- Betablocker: Betablocker wie Metoprolol können zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
- Kalziumkanalblocker: Flunarizin ist ein Kalziumkanalblocker, der ebenfalls zur Migräneprophylaxe verwendet werden kann.
- Antidepressiva: Einige Antidepressiva wie Amitriptylin können bei Migräne helfen.
- Antiepileptika: Topiramat ist ein Antiepileptikum, das auch zur Migräneprophylaxe eingesetzt wird.
- Botulinumtoxin (Botox): Botox kann bei chronischer Migräne eingesetzt werden, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden. Die Wirkung von Botox hält etwa drei Monate an.
- CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die gezielt gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) wirken, einen Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt.
Alternative und ergänzende Behandlungsmethoden
Neben der medikamentösen Behandlung gibt es auch alternative und ergänzende Behandlungsmethoden, die bei Migräne helfen können:
- Magnesium: Magnesium kann bei manchen Menschen die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren. Eine Studie von 1996 ergab, dass die Migräneattacken unter 600 mg Magnesium für 3 Monate eine Reduktion der Häufigkeit um 41,6 % ergaben, unter Placebo hingegen nur 15,8 %. Allerdings weisen andere Studien methodische Unstimmigkeiten auf und konnten keine eindeutige Wirksamkeit von Magnesium zur Migräneprophylaxe zeigen.
- Entspannungsverfahren: Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelrelaxation können helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
- Akupunktur: Akupunktur kann bei manchen Menschen die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der man lernt, Körperfunktionen wie Muskelspannung oder Herzfrequenz bewusst zu beeinflussen. Dies kann bei der Migräneprophylaxe hilfreich sein.
Augenmigräne: Eine Sonderform der Migräne
Augenmigräne ist eine Sonderform der Migräne, bei der Sehstörungen im Vordergrund stehen. Fachleute sprechen deshalb auch von einer ophthalmischen Migräne. Bei einer Augenmigräne treten optische Phänomene auf, die jenen einer Migräne mit Aura gleichen. Meist ist von einer Augenmigräne die Rede, wenn die Sehstörungen allein auftreten und nicht in eine Phase der pochenden Kopfschmerzen übergehen. In der Regel bilden sie sich nach wenigen Minuten zurück und hinterlassen keine bleibenden Schäden.
Symptome der Augenmigräne
Die hauptsächlichen Symptome einer Augenmigräne sind Störungen des Sehens:
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- Einschränkungen oder Ausfälle des Gesichtsfelds wie ein "blinder Fleck" (Skotom)
- Flackern und Flimmern vor den Augen (Szintillationen), zum Teil auch bei geschlossenen Augen; in Kombination mit Skotom "Flimmerskotom" genannt
- Grelle, kurze Lichtblitze
- Zickzacklinien oder farbige "Girlanden", die sich durch das Sichtfeld ziehen
Die Symptome halten bei einer Augenmigräne in der Regel für fünf bis zehn Minuten an, in seltenen Fällen bis zu einer Stunde. Manche Betroffene berichten über begleitende Kopfschmerzen oder Schwindelgefühle.
Ursachen und Auslöser der Augenmigräne
Die genauen Ursachen für eine Augenmigräne sind noch nicht vollständig geklärt. Forschende gehen aktuell davon aus, dass die Blutgefässe in bestimmten Gehirnregionen bei einer Migräne fehlreguliert sind und sich zum Teil krampfhaft zusammenziehen. Bei einer Augenmigräne erhält die Sehrinde - der sogenannte visuelle Cortex - dadurch vorübergehend zu wenig Sauerstoff, wodurch es zu den typischen Sehstörungen kommt.
Bestimmte Auslöser (Trigger) begünstigen aber bei vielen Betroffenen eine Episode:
- Anhaltender und/oder starker Stress
- Grelles, blitzendes Licht
- Alkohol- und Drogenkonsum
- Hormonelle Schwankungen
- Wechselnde Wetterlagen
- Bestimmte individuelle Nahrungsmittel
Was hilft bei Augenmigräne?
Viele Betroffene benötigen bei einer Augenmigräne keine medikamentöse Therapie. Während eines akuten Anfalls kann es hilfreich sein, sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückzuziehen und abzuwarten, dass die Sehstörungen vorübergehen. Ein feuchter Waschlappen oder ein Kühlpack auf der Stirn können ebenfalls lindernd wirken. Bei anhaltenden Symptomen können nach ärztlicher Rücksprache schmerz- und entzündungslindernde Mittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) und andere Medikamente zur Migräne-Therapie infrage kommen.
Wann mit Augenmigräne zum Arzt?
Treten die genannten Symptome auf, sollten Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Auch dann, wenn die Attacke rasch wieder vergeht. Eine Augenmigräne ist nicht gefährlich, die Sehstörungen können jedoch auf ernste Ursachen zurückgehen. Dazu zählen eine Netzhautablösung oder ein Schlaganfall.
Vorbeugende Massnahmen
Um Migräneattacken vorzubeugen, können verschiedene Massnahmen ergriffen werden:
- Stressmanagement: Regelmässige Entspannungsübungen wie Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Regelmässiger Schlaf: Eine geregelte Schlafroutine mit ausreichend Schlaf ist wichtig.
- Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit regelmässigen Mahlzeiten kann helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Migräneattacken vorzubeugen.
- Vermeidung von Auslösern: Wenn bestimmte Nahrungsmittel, Getränke oder andere Faktoren Migräneattacken auslösen, sollten diese vermieden werden.
- Regelmässige Bewegung: Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, die eigenen Auslöser zu kennen und Strategien zu entwickeln, um mit den Attacken umzugehen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann ebenfalls hilfreich sein.