Ischämischer Schlaganfall und Hirnblutung: Unterschiede, Diagnose und Behandlung

Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der auftritt, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird. Dies kann entweder durch eine Blockade eines Blutgefäßes (ischämischer Schlaganfall) oder durch das Platzen eines Blutgefäßes (hämorrhagischer Schlaganfall oder Hirnblutung) verursacht werden. Beide Arten von Schlaganfällen können zu schweren Hirnschäden und dauerhaften Behinderungen führen, daher ist eine schnelle Diagnose und Behandlung entscheidend.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn bestimmte Bereiche im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und dadurch beschädigt oder zerstört werden. Dies kann aufgrund eines Hirninfarktes oder einer Hirnblutung der Fall sein. Er kommt nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich meist über Wochen oder Monate im Voraus an.

Ischämischer Schlaganfall

Der ischämische Schlaganfall ist die häufigste Form des Schlaganfalls und wird durch eine Blockade eines Blutgefäßes im Gehirn verursacht. Diese Blockade kann durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder eine Embolie verursacht werden. Ein Thrombus bildet sich in der Regel aufgrund von Arteriosklerose, einer Verengung der Arterien durch Fettablagerungen. Eine Embolie ist ein Blutgerinnsel, das sich an einer anderen Stelle im Körper bildet und dann ins Gehirn wandert, wo es ein Blutgefäß verstopft.

Ursachen und Risikofaktoren für einen ischämischen Schlaganfall

  • Arteriosklerose: Ablagerungen in den Blutgefäßen, die zu Verengungen führen können.
  • Blutgerinnsel (Thrombus oder Embolie): Diese können Blutgefäße im Gehirn verstopfen.
  • Vorhofflimmern: Eine Herzrhythmusstörung, die das Risiko von Blutgerinnseln erhöht.
  • Bluthochdruck: Erhöht das Risiko für Arteriosklerose und Blutgerinnsel.
  • Rauchen: Schädigt die Blutgefäße und erhöht das Risiko für Blutgerinnsel.
  • Diabetes: Kann die Blutgefäße schädigen und das Risiko für Arteriosklerose erhöhen.
  • Fettstoffwechselstörungen: Erhöhte Cholesterinwerte können zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen.
  • Übergewicht und Bewegungsmangel: Tragen zu Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen bei.

Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung)

Ein hämorrhagischer Schlaganfall, auch Hirnblutung genannt, tritt auf, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut in das umliegende Hirngewebe austritt. Dies kann durch einen hohen Blutdruck, ein Aneurysma (eine Schwächung der Blutgefäßwand) oder eine angeborene Gefäßfehlbildung verursacht werden. Das austretende Blut schädigt das Hirngewebe und kann den Druck im Schädel erhöhen.

Arten von Hirnblutungen

Mediziner unterscheiden verschiedene Arten von Hirnblutungen, je nachdem, wo die Blutung auftritt:

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  • Intrazerebrale Blutung: Die Blutung tritt direkt im Hirngewebe auf. Ursachen sind oft Bluthochdruck und Arteriosklerose.
  • Subarachnoidalblutung: Die Blutung erfolgt im Raum zwischen der Arachnoidea (einer Hirnhaut) und der Pia mater (der innersten Hirnhaut). Häufigste Ursache ist ein geplatztes Aneurysma.
  • Epidurale Blutung: Die Blutung tritt zwischen dem Schädelknochen und der Dura mater (der äußeren Hirnhaut) auf. Diese Art von Blutung wird meist durch ein Schädel-Hirn-Trauma verursacht.
  • Subdurale Blutung: Die Blutung erfolgt zwischen der Dura mater und der Arachnoidea. Auch diese Blutung wird oft durch ein Trauma verursacht.

Ursachen und Risikofaktoren für eine Hirnblutung

  • Bluthochdruck: Schwächt die Blutgefäße und erhöht das Risiko, dass sie platzen.
  • Aneurysma: Eine Schwächung der Blutgefäßwand, die zum Platzen neigen kann.
  • Gefäßfehlbildungen: Angeborene Anomalien der Blutgefäße, die anfälliger für Blutungen sein können.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Kann zu Blutungen im Gehirn führen.
  • Blutverdünnende Medikamente: Können das Risiko für Blutungen erhöhen.
  • Drogenkonsum: Bestimmte Drogen können den Blutdruck erhöhen und das Risiko für Hirnblutungen steigern.

Unterschiede zwischen ischämischem und hämorrhagischem Schlaganfall

MerkmalIschämischer SchlaganfallHämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung)
UrsacheBlockade eines Blutgefäßes im GehirnPlatzen eines Blutgefäßes im Gehirn
HäufigkeitHäufiger (ca. 80-85% der Schlaganfälle)Seltener (ca. 15-20% der Schlaganfälle)
HauptrisikofaktorenArteriosklerose, Vorhofflimmern, Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, FettstoffwechselstörungenBluthochdruck, Aneurysma, Gefäßfehlbildungen, Schädel-Hirn-Trauma, blutverdünnende Medikamente
BehandlungThrombolyse (Auflösung des Blutgerinnsels), Thrombektomie (mechanische Entfernung des Blutgerinnsels), gerinnungshemmende Medikamente, Behandlung der RisikofaktorenBlutdruckkontrolle, Operation zur Entfernung des Bluts und Reparatur des Gefäßes, Behandlung von Komplikationen (z.B. Hirndruck), Rehabilitation
PrognoseAbhängig von der Größe des betroffenen Gebiets und der Geschwindigkeit der Behandlung; mögliche bleibende Schäden wie Lähmungen, Sprachstörungen, kognitive BeeinträchtigungenOft schwerwiegender als ischämischer Schlaganfall; höhere Sterblichkeitsrate und häufiger bleibende Schäden; Prognose hängt von der Größe und Lage der Blutung ab
DiagnoseCT oder MRT des Gehirns zur Feststellung der Blockade; Doppler- und Duplexsonographie zur Beurteilung der Blutgefäße; EKG zur Erkennung von Herzrhythmusstörungen; Bluttests zur Überprüfung der GerinnungCT oder MRT des Gehirns zur Feststellung der Blutung; CT- oder MR-Angiographie zur Darstellung der Blutgefäße und Identifizierung von Aneurysmen oder Gefäßfehlbildungen; Bluttests zur Überprüfung der Gerinnung

Symptome eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und können je nach betroffenem Hirnareal variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schwäche oder Taubheitsgefühl: Plötzliche Schwäche oder Taubheitsgefühl im Gesicht, Arm oder Bein, oft nur auf einer Körperseite.
  • Sprachprobleme: Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache (Aphasie), undeutliche Sprache (Dysarthrie).
  • Sehstörungen: Plötzliche Sehverschlechterung, Doppeltsehen oder Verlust des Sehfelds.
  • Gleichgewichtsstörungen: Schwindel, Koordinationsprobleme oder Schwierigkeiten beim Gehen.
  • Starke Kopfschmerzen: Plötzliche, heftige Kopfschmerzen, oft in Verbindung mit anderen Symptomen.
  • Verwirrung oder Bewusstseinsverlust: Plötzliche Verwirrung, Desorientierung oder Bewusstseinsverlust.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome eines Schlaganfalls je nach betroffenem Hirnareal variieren können. Bei einem Verdacht auf Schlaganfall sollte sofort der Notruf (112) gewählt werden, da jede Minute zählt.

Der FAST-Test

Der FAST-Test ist eine einfache Methode, um einen Schlaganfall zu erkennen:

  • F (Face): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herunter?
  • A (Arms): Bitten Sie die Person, beide Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen nach oben zu drehen. Kann die Person beide Arme gleichmäßig heben?
  • S (Speech): Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
  • T (Time): Wenn eines dieser Symptome auftritt, wählen Sie sofort den Notruf (112).

Diagnose eines Schlaganfalls

Eine schnelle und genaue Diagnose ist entscheidend für die Behandlung eines Schlaganfalls. Die Diagnose umfasst in der Regel:

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die neurologischen Funktionen des Patienten, wie z.B. Kraft, Sensibilität, Reflexe, Koordination und Sprache.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Computertomographie (CT): Ein CT-Scan des Gehirns kann schnell eine Blutung oder einen Hirninfarkt erkennen.
    • Magnetresonanztomographie (MRT): Ein MRT-Scan des Gehirns liefert detailliertere Bilder des Gehirns und kann auch kleinere Blutungen oder Hirninfarkte erkennen.
    • CT-Angiographie oder MR-Angiographie: Diese Verfahren können die Blutgefäße im Gehirn darstellen und helfen, Blockaden oder Aneurysmen zu identifizieren.
  • Weitere Untersuchungen:
    • Elektrokardiogramm (EKG): Ein EKG kann Herzrhythmusstörungen erkennen, die zu einem Schlaganfall führen können.
    • Bluttests: Bluttests können helfen, Risikofaktoren wie hohe Cholesterinwerte oder Diabetes zu identifizieren.
    • Doppler-Sonographie: Diese Ultraschalluntersuchung kann den Blutfluss in den Halsarterien messen und Verengungen erkennen.

Behandlung eines Schlaganfalls

Die Behandlung eines Schlaganfalls hängt von der Art des Schlaganfalls und der Schwere der Symptome ab.

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Behandlung des ischämischen Schlaganfalls

Das Hauptziel der Behandlung eines ischämischen Schlaganfalls ist die Wiederherstellung der Blutversorgung des Gehirns. Dies kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Thrombolyse (Lyse-Therapie): Medikamente, die das Blutgerinnsel auflösen und die Durchblutung des Gehirns wiederherstellen. Die Thrombolyse muss innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn der Symptome erfolgen, um wirksam zu sein.
  • Thrombektomie: Ein minimalinvasiver Eingriff, bei dem ein Katheter in ein Blutgefäß im Gehirn eingeführt wird, um das Blutgerinnsel mechanisch zu entfernen. Die Thrombektomie kann innerhalb von 6 Stunden nach Beginn der Symptome durchgeführt werden.

Zusätzlich zur Wiederherstellung der Blutversorgung können Medikamente zur Vorbeugung weiterer Blutgerinnsel eingesetzt werden. Dazu gehören:

  • Aspirin: Ein Thrombozytenaggregationshemmer, der die Bildung von Blutgerinnseln verhindert.
  • Antikoagulantien: Medikamente wie Warfarin oder neue orale Antikoagulantien (NOAKs), die die Blutgerinnung hemmen.

Behandlung des hämorrhagischen Schlaganfalls

Das Hauptziel der Behandlung eines hämorrhagischen Schlaganfalls ist die Kontrolle der Blutung und die Reduzierung des Drucks im Gehirn. Dies kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Blutdruckkontrolle: Medikamente zur Senkung des Blutdrucks, um weitere Blutungen zu verhindern.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um das Blut zu entfernen und das geplatzte Blutgefäß zu reparieren.
  • Behandlung von Komplikationen: Maßnahmen zur Behandlung von Komplikationen wie Hirndruck, Krampfanfälle oder Hydrozephalus (Ansammlung von Flüssigkeit im Gehirn).

Rehabilitation

Nach der Akutbehandlung eines Schlaganfalls ist die Rehabilitation ein wichtiger Bestandteil der Genesung. Die Rehabilitation kann helfen, verlorene Funktionen wiederzuerlangen und die Lebensqualität zu verbessern. Die Rehabilitation kann folgende Maßnahmen umfassen:

  • Physiotherapie: Übungen zur Verbesserung der Kraft, Koordination und Beweglichkeit.
  • Ergotherapie: Übungen zur Verbesserung der Feinmotorik, der Alltagsfähigkeiten und der kognitiven Funktionen.
  • Logopädie: Therapie zur Verbesserung der Sprache, des Sprechens und des Schluckens.
  • Neuropsychologie: Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnisproblemen, Aufmerksamkeitsstörungen oder Problemlösungsfähigkeiten.

Vorbeugung von Schlaganfällen

Viele Schlaganfälle können durch die Kontrolle von Risikofaktoren verhindert werden. Zu den wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Schlaganfällen gehören:

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  • Kontrolle des Blutdrucks: Regelmäßige Blutdruckmessungen und Behandlung von Bluthochdruck.
  • Gesunde Ernährung: Eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie wenig gesättigten Fetten und Cholesterin.
  • Regelmäßige Bewegung: Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung an den meisten Tagen der Woche.
  • Nichtrauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Schlaganfälle erheblich.
  • Kontrolle von Diabetes: Regelmäßige Blutzuckerkontrolle und Behandlung von Diabetes.
  • Kontrolle von Cholesterin: Regelmäßige Cholesterinmessungen und Behandlung von hohen Cholesterinwerten.
  • Behandlung von Vorhofflimmern: Medikamente oder andere Behandlungen zur Kontrolle von Vorhofflimmern.
  • Mäßiger Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann das Risiko für Schlaganfälle erhöhen.

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