Millionen Menschen weltweit leiden jedes Jahr unter Rücken- und Nackenschmerzen. Häufige Ursachen sind Schmerzen der Gelenke, die die Wirbelsäule verbinden und stabilisieren, auch bekannt als Facettengelenke oder Sakroiliakalgelenk (ISG). Wenn konservative Behandlungen nicht helfen, kann eine Denervierung (Nervenverödung) in Betracht gezogen werden. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken, das Verfahren selbst und alternative Behandlungsmöglichkeiten.
Ursachen und Diagnose von ISG- und Facettengelenksschmerzen
Schmerzen in Rücken und Nacken können vielfältige Ursachen haben. Oftmals sind die kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) oder das Kreuzdarmbeingelenk (ISG) betroffen. Diese Gelenke sind essenziell für die Beweglichkeit und Stabilität der Wirbelsäule und des Beckens. Degenerative Veränderungen, Entzündungen, Fehlbelastungen, Verletzungen oder rheumatische Erkrankungen können zu Schmerzen in diesen Bereichen führen.
Die Diagnose von Facetten- und ISG-bedingten Schmerzen gestaltet sich oft schwierig, da die Symptome denen anderer Rückenprobleme ähneln. Eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren (Röntgen, CT, MRT) sind notwendig, um andere Ursachen auszuschließen. Eine entscheidende Rolle spielt die sogenannte diagnostische Blockade, bei der ein Lokalanästhetikum in das betroffene Gelenk injiziert wird. Eine deutliche Schmerzreduktion nach der Blockade deutet darauf hin, dass die Schmerzen tatsächlich von diesem Gelenk ausgehen.
Was ist ISG und wie entstehen Schmerzen?
Das Iliosakralgelenk (ISG) verbindet das Kreuzbein der Wirbelsäule mit dem Darmbein des Beckens. Es fängt Kräfte ab, die auf das Becken wirken. Alterserscheinungen, Belastungen und Verschleiß können die stabilisierenden Bänder lockern, was zu Reibung und Irritation der Nervenfasern führt. Fehlhaltungen, Übergewicht sowie langes Stehen, Sitzen oder Liegen können das ISG zusätzlich überlasten.
Die ISG-Denervierung (Nervenverödung)
Bei der Denervierung, auch Neurotomie, Neurolyse oder Verödung genannt, werden Nerven, die Schmerzsignale von der Wirbelsäule oder dem ISG transportieren, gezielt unterbrochen oder zerstört. Dies geschieht meist mittels Hochfrequenzenergie (Thermokoagulation). Im Falle des ISG-Syndroms sind dies kleine, sensible Nervenäste, die im Bereich des Iliosakralgelenks verlaufen. Die Nervenverödung kann an Facetten- oder ISG-Gelenken durchgeführt werden.
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Ablauf des Eingriffs
- Vorbereitung: Vor der Denervierung erfolgt eine sorgfältige Aufklärung über den Eingriff und mögliche Risiken. Der Patient sollte seinen Arzt über alle eingenommenen Medikamente informieren.
- Medialzweigblockade: Vor der eigentlichen Denervierung wird eine Medialzweigblockade durchgeführt, um die Schmerzlinderung durch die Nervenblockade zu testen.
- Durchführung: Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant. Der Patient liegt meist auf dem Bauch. Nach Desinfektion und lokaler Betäubung wird unter Ultraschall- oder Röntgenkontrolle eine dünne Nadel in die Nähe der zu verödenden Nerven platziert.
- Stimulationstests: Sensorische und motorische Stimulationstests werden durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Nadel richtig positioniert ist und keine anderen Nerven ungewollt betroffen sind.
- Verödung: Mittels Hochfrequenzstrom oder anderen Methoden (z.B. Laser, Kälte) werden die schmerzleitenden Nervenfasern verödet.
- Erholung: Nach dem Eingriff erfolgt eine Überwachung für etwa eine Stunde. Der Patient sollte am Tag des Eingriffs nicht Auto fahren oder schwere Maschinen bedienen.
Methoden der Nervenverödung
- Thermokoagulation (Radiofrequenzablation): Hierbei werden die Nervenfasern durch Hitze (Radiofrequenzstrom) verödet.
- Kryodenervation: Bei dieser Methode werden die Nerven durch Kälte (bis zu -60°C) stillgelegt.
- Chemische Neurolyse: Hierbei wird ein chemisches Mittel (z.B. Alkohol) verwendet, um die Nerven zu zerstören.
- Laser-Neurolyse: Die Nerven werden mit Laser durchtrennt.
Vorteile der Thermokoagulation
- Langfristige Schmerzlinderung: Viele Patienten berichten von einer deutlichen Schmerzbesserung über Monate oder sogar Jahre.
- Minimal-invasiv: Der Eingriff erfolgt ohne größere Schnitte, was das Risiko von Komplikationen verringert.
- Ambulante Durchführung: In der Regel kann der Eingriff ambulant durchgeführt werden, sodass die Patienten schnell wieder ihren Alltag aufnehmen können.
- Schnelle Erholung: Nach dem Eingriff ist die Erholungszeit kurz, und es sind nur leichte Einschränkungen im Alltag notwendig.
Risiken und Komplikationen
Wie bei jedem medizinischen Eingriff bestehen auch bei der Denervierung gewisse Risiken. Schwerwiegendere Komplikationen sind jedoch selten. Zu den möglichen Risiken gehören:
- Schmerzen an der Einstichstelle: Diese klingen meist nach kurzer Zeit ab.
- Blutergüsse: Kleine Blutergüsse an der Einstichstelle sind möglich.
- Infektionen: Infektionen sind selten, aber möglich.
- Nervenverletzungen: In sehr seltenen Fällen kann es zu Verletzungen von Nerven oder Nervenwurzeln kommen.
- Vorübergehende Schwäche oder Taubheit: Das Lokalanästhetikum kann vorübergehende Schwäche oder Taubheit in Arm oder Bein verursachen.
- Instabilität der Wirbelsäule: In seltenen Fällen kann die Verödung zu einer Instabilität der Wirbelsäule führen.
Langfristige Ergebnisse
Die Denervierung hat eine zeitlich begrenzte Wirkung. Die verödeten Nerven können mit der Zeit nachwachsen, aber im Allgemeinen kommt es bei den Patienten zu längerer Schmerzlinderung (nicht selten 1 bis 2 Jahre oder länger). Während der Zeitspanne der Schmerzlinderung kann eine Physiotherapie begonnen werden, um die betroffenen Gelenke zu stärken.
Alternative Behandlungen bei ISG- und Facettengelenksschmerzen
Bevor eine Denervierung in Betracht gezogen wird, sollten konservative Behandlungsmethoden ausgeschöpft werden. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rücken- und Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Haltungsschulung.
- Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAIDs) oder andere Schmerzmittel zur Linderung der Schmerzen.
- Injektionen: Injektionen von Lokalanästhetika und/oder Kortikosteroiden in das betroffene Gelenk zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
- Manuelle Therapie: Chiropraktische oder osteopathische Behandlungen zur Lösung von Blockaden und Verbesserung der Gelenkfunktion.
- Akupunktur: Kann bei manchen Patienten zur Schmerzlinderung beitragen.
- Beckenorthese: Eine stabilisierende Beckenorthese kann das ISG entlasten und Schmerzen lindern.
- Übungen: Es gibt bestimmte Übungen, die ISG-Schmerzen reduzieren können.
Operative Alternativen
Wenn konservative Behandlungen nicht ausreichend helfen, können operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Eine Möglichkeit ist die ISG-Versteifung (Arthrodese), bei der das Gelenk dauerhaft miteinander verbunden wird. Minimalinvasive Techniken haben sich hierbei etabliert, um die Belastung für den Patienten zu reduzieren.
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