Hirntumor-Rückfall: Ursachen, Symptome und Behandlungsstrategien

Ein Hirntumor-Rückfall, auch Rezidiv genannt, stellt für Betroffene und Angehörige eine belastende Situation dar. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsoptionen im Falle eines Hirntumor-Rezidivs und bietet einen umfassenden Überblick über aktuelle Erkenntnisse und Therapieansätze.

Einführung

Hirntumoren sind seltene onkologische Erkrankungen bei Erwachsenen, stellen jedoch bei Kindern die zweithäufigste Krebsart dar. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 7.330 Menschen neu an Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS), wozu Gehirn und Rückenmark gehören. Das Gehirn ist ein hochspezialisiertes Organ, das komplexe Körperfunktionen steuert und für die Persönlichkeit verantwortlich ist. Aufgrund seiner Lage im knöchernen Schädel und der starren äußeren Begrenzung können Erkrankungen, die die Gehirnmasse vergrößern, den Druck im Schädelinneren lebensbedrohlich erhöhen.

Gliome, die von den Gliazellen abstammen, sind mit etwa 50 Prozent aller primären ZNS-Tumoren die häufigsten Hirntumoren. Astrozytome, die aus den sternförmigen Stützzellen des Gehirns (Astrozyten) entstehen, sind die häufigsten Gliome und können in allen vier WHO-Graden auftreten. Meningeome, die sich aus Zellen der Hirnhäute entwickeln, machen etwa 20 Prozent aller Hirntumoren aus und treten überwiegend bei Menschen im mittleren und höheren Lebensalter auf, vor allem bei Frauen.

Ursachen und Risikofaktoren für Hirntumoren und Rezidive

Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind weitgehend unbekannt. Experten vermuten, dass sie hauptsächlich zufällig (sporadisch) entstehen, beispielsweise durch Fehler in der Zellteilung. Auch die Risikofaktoren für die Entstehung von Hirntumoren sind bisher weitestgehend unklar. Folgende Faktoren können das Risiko jedoch geringfügig erhöhen:

  • Genetische Vorbelastung (Verwandte ersten Grades sind an einem Hirntumor erkrankt)
  • Bestimmte genetische Erkrankungen wie Neurofibromatose Typ 1 und Typ 2, tuberöse Sklerose, Li-Fraumeni-Syndrom und Turcot-Syndrom
  • Starke Strahlung

Ein Meningeom ist die häufigste Krebserkrankung des Gehirns. In der Regel umfasst die Therapie das operative Entfernen des Krebsgewebes. Während manche dieser Hirntumoren eher langsam wachsen und nach der Operation nicht wieder auftreten, entwickeln sich andere aggressiv und kehren zurück. Die Gründe, warum einige Meningeome aggressiver wachsen als andere, werden derzeit von Wissenschaftlern untersucht.

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Symptome eines Hirntumor-Rezidivs

Die Symptome eines Hirntumor-Rezidivs können vielfältig sein und hängen von der Lage, Größe und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige Patienten berichten zunächst von lang andauernden, starken Kopfschmerzen, die sich durch die Einnahme von Schmerzmitteln nicht merklich verbessern. Auch von Übelkeit bis hin zum Erbrechen wird berichtet. Hauptverantwortlich für diese unspezifischen Symptome ist meist eine Flüssigkeitsansammlung im Umkreis der Metastase (Ödem). Da sich das Gehirn aufgrund des ihn umgebenen Schädelknochens nicht ausdehnen kann, führt das Ödem zu einem Anstieg des Hirndrucks. Dies äußert sich in Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Schwindel. Viele Symptome einer Hirnmetastase sind relativ unspezifisch. Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel können also viele, meist weniger dramatische Ursachen haben. Oftmals handelt es sich dabei auch um Nebenwirkungen von Medikamenten, die Krebspatienten einnehmen müssen. Bei lang anhaltenden, starken und ungewöhnlich verlaufenden Kopfschmerzen oder sich nicht bessernder Übelkeit, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, der gegebenenfalls Untersuchungen zur Abklärung der Symptome veranlassen wird.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Neurologische Ausfallerscheinungen wie Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen oder Gleichgewichtsprobleme
  • Psychische Auffälligkeiten und Wesensveränderungen (hirnorganisches Psychosyndrom)
  • Epileptische Anfälle

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten mit einem Hirntumor-Rezidiv alle diese Symptome aufweisen. Die Symptome können auch schleichend auftreten und sich im Laufe der Zeit verstärken.

Diagnose eines Hirntumor-Rezidivs

Bei Verdacht auf ein Hirntumor-Rezidiv wird der Arzt zunächst eine ausführliche Anamnese erheben und eine neurologische Untersuchung durchführen. Anschließend werden bildgebende Verfahren eingesetzt, um das Gehirn darzustellen und den Tumor zu lokalisieren. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist dabei das wichtigste diagnostische Verfahren. Oft erhalten Betroffene vor der Untersuchung ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Astrozytome nehmen das Kontrastmittel unterschiedlich stark auf. Im Bild entsteht dadurch ein leuchtendes Areal. Ein pilozystisches Astrozytom leuchtet stark und gleichmäßig auf, ein diffuses oder anaplastisches Astrozytom nimmt hingegen meistens kein oder wenig Kontrastmittel auf und erscheint eher dunkel. Ein Glioblastom formt mit Kontrastmittel eine charakteristische ringförmige Struktur. Wenn aus verschiedenen Gründen keine MRT möglich ist, setzt der Arzt alternativ eine Computertomografie (CT) an.

Bei einem Astrozytom vom WHO-Grad 2 oder höher entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe und untersucht diese im Labor. Im Einzelfall sind weitere Untersuchungen angezeigt. So entnimmt und analysiert der Arzt in manchen Fällen zusätzlich Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquordiagnostik) oder führt eine Messung der elektrischen Hirnströme (EEG) durch.

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Therapie und Behandlungsmöglichkeiten bei Hirntumor-Rezidiv

Die Behandlung eines Hirntumor-Rezidivs ist komplex und erfordert eine individuelle Therapieplanung. Die Therapiemethoden sind vom Gewebetyp des Tumors, vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten und von der Größe und Lage des Tumors im Gehirn abhängig. Grundsätzlich gilt auch hier, je früher ein Gehirntumor erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. In Abhängigkeit von der WHO-Klassifikation des Tumors ist meist jedoch keine Heilung, sondern eine Symptomkontrolle ggf. mit Verlängerung des Überlebens und Stabilisierung bzw. Reduktion der Tumorgröße möglich. Drei verschiedene Therapiemöglichkeiten können alleine oder auch in Kombination zum Einsatz kommen:

Operation

Im Idealfall, der sehr selten auftritt, kann der Gehirntumor vollständig operativ entfernt werden, ohne Tumorzellen zurückzulassen. Häufig gelingt es jedoch nur, einen Grossteil des Tumors zu entfernen. In manchen Fällen, z.B. bei schlechtem Allgemeinzustand des Patienten oder ungünstiger Tumorlage, kann auch nur die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe (Biopsie) zur Diagnosesicherung möglich sein.

Strahlentherapie

Da in den allermeisten Fällen keine vollständige Entfernung der Tumorzellen möglich ist und durch eine ausgedehnte Operation lebenswichtige Strukturen des Gehirns verletzt werden würden, ist eine Nachbehandlung mittels Strahlentherapie und/oder Chemotherapie angeraten. Auch bei vollständiger Tumorentfernung ist in Abhängigkeit vom WHO-Grad des Tumors eine Nachbehandlung sinnvoll.

Eine Strahlentherapie als Ersttherapie wird insbesondere dann eingesetzt, wenn der Tumor an einer besonders kritischen Stelle im Gehirn liegt und deswegen nur eine Biopsieentnahme und keine Operation möglich ist. Die Anzahl der Bestrahlungssitzungen und die Bestrahlungsintensität sind abhängig vom Gewebetyp. Während der Strahlentherapie können Nebenwirkungen wie Kopfdruck, Kopfschmerzen, Übelkeit, Haarausfall und ggf. Müdigkeit auftreten. Die meisten Nebenwirkungen können jedoch häufig durch den Einsatz von verschiedenen Medikamenten gemildert werden.

Die Strahlentherapie hat, wie auch die Chemotherapie, die Vernichtung der Krebszellen zum Ziel. Durch eine gezielte Strahlenkonzentration sollen die Krebszellen geschädigt, das gesunde Gewebe aber verschont werden. Da bei den Tumoren des Gehirns operativ meist keine komplette Entfernung des Tumors möglich ist, sollen durch eine Bestrahlung im Anschluss an eine operative Tumorentfernung oder Biopsie die restlichen noch verbliebenen Tumorzellen zerstört werden. Somit soll ein erneutes lokales Tumorwachstum bzw. eine weitere Tumorausbreitung mit Wiederauftreten von Beschwerden verhindert werden. Aus diesem Grund erfolgt meist nach der Operation von Gehirntumoren eine Strahlentherapie, die häufig ambulant durchgeführt werden kann. Durch eine Bestrahlung kann das Risiko eines erneuten Tumorwachstums vermindert werden. Auch bei weit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen mit großen Tumoren oder Metastasen kann die Strahlentherapie eingesetzt werden, in diesem Fall insbesondere zur Kontrolle der Beschwerden und zur Schmerzlinderung.

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Chemotherapie

Eine Chemotherapie alleine, ohne Operation und Strahlentherapie, zeigt bei den meisten Gehirntumoren eine nur geringe Wirkung. Jedoch kann eine Chemotherapie bei kombiniertem Einsatz mit der Strahlentherapie die Wirkung der Strahlentherapie verbessern. Die Chemotherapie kann nach Ende der Bestrahlung bei nachgewiesener Wirksamkeit fortgesetzt werden, um die bis dahin erreichte Wirkung (Symptomkontrolle, Größenstabilisierung oder Größenreduktion) aufrecht zu erhalten und weiter zu verbessern. Auch bei Einsatz einer Chemotherapie nach einer Strahlentherapie, wenn diese nicht mehr möglich ist, z.B. im Falle eines erneuten Auftretens eines Tumors, kann durch verschiedene Substanzen und durch verschiedene Kombinationen eine Symptomkontrolle ggf. mit Ansprechen des Tumors (Größenstabilisierung oder Größenreduktion) erreicht werden.

Seit kurzem stehen zur Chemotherapie von Gehirntumoren neuere gutverträgliche Substanzen zur Verfügung, für die eine Wirksamkeit bei verschiedenen Tumoren des Gehirns gezeigt werden konnte und für andere Tumoren im Weiteren noch gezeigt werden muss. Da aufgrund neuer Erkenntnisse die Wirksamkeit vieler bekannter und neuentwickelter Substanzen in der Therapie der Gehirntumoren untersucht werden, ist es grundsätzlich für Patienten mit einem Gehirntumor ratsam, diese tumorspezifischen Therapien von spezialisierten Ärzten an "Therapiezentren" und falls möglich innerhalb "klinischer Studien" durchführen zu lassen. Ein Teil dieser Therapien kann ambulant durchgeführt werden.

Weitere Therapieansätze

Neben den genannten Standardtherapien gibt es weitere Therapieansätze, die in bestimmten Fällen in Betracht gezogen werden können:

  • Zielgerichtete Therapien: Diese Therapien zielen auf spezifische Merkmale der Tumorzellen ab und können das Tumorwachstum hemmen.
  • Immuntherapie: Diese Therapieform aktiviert das Immunsystem des Körpers, um die Tumorzellen zu bekämpfen.
  • Stereotaktische Radiochirurgie: Hierbei wird eine hohe Strahlendosis punktgenau auf die Metastase ausgerichtet. Die genaue Lokalisation wird zuvor mittels MRT bestimmt. Eine punktgenaue Bestrahlung schont das umliegende Hirngewebe und kann in wenigen Behandlungstagen meist ohne Krankenhausaufenthalt durchgeführt werden. Die stereotaktische Strahlentherapie kann in jeder Hirnregion und dadurch auch bei inoperablen Metastasen eingesetzt werden. Die gezielte Bestrahlung kommt in der Regel auch nach einer Operation als ergänzende Therapie zum Einsatz. Durch die Bestrahlung sollen vereinzelte Tumorzellen, die möglicherweise nach der Operation im Gehirn verblieben sind, abgetötet werden. Damit soll ein Rückfall verhindert werden.
  • Klinische Studien: Die Teilnahme an klinischen Studien kann Patienten Zugang zu neuen und vielversprechenden Therapieansätzen ermöglichen.

Prognose bei Hirntumor-Rezidiv

Die Prognose bei einem Hirntumor-Rezidiv ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie dem Tumortyp, dem WHO-Grad, dem Zeitpunkt des Rezidivs, dem Allgemeinzustand des Patienten und den verfügbaren Therapieoptionen. Generell ist die Prognose bei einem Rezidiv ungünstiger als bei der Erstdiagnose. Dennoch gibt es auch bei einem Rezidiv Behandlungsmöglichkeiten, die das Tumorwachstum verlangsamen, die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern können.

Glioblastom-Rezidiv

Gerade beim Glioblastom - dem häufigsten bösartigen Hirntumor - ist ein Rezidiv nahezu unvermeidlich: Glioblastome lassen sich nicht dauerhaft vollständig entfernen, und selbst nach intensiver Erstbehandlung müssen Patientinnen und Patienten leider mit Rückfällen rechnen. Statistisch erleiden bis zu 90 % der Glioblastom-Patienten innerhalb von zwei Jahren nach der ersten Diagnose ein Glioblastom-Rezidiv. Häufig tritt das erste Glioblastom-Rezidiv sogar schon nach sechs bis neun Monaten auf. Ein rezidivierendes Glioblastom wächst meist schneller und ist schwieriger zu behandeln als der initiale Tumor, da es oft auf die herkömmlichen Therapien nicht oder schlecht reagiert.

Leider ist die durchschnittliche Überlebenszeit nach Auftreten eines Glioblastom-Rezidivs begrenzt: In Studien liegt sie oft bei nur bei etwa sechs bis neun Monaten, wenn keine wirksame weitere Therapie mehr möglich ist. Diese Zahlen sind Mittelwerte - einzelne Betroffene können kürzer oder aber auch deutlich länger leben.

Meningeom-Rezidiv

Jeder sechste Patient mit einem Tumor der Hirnhaut, einem sogenannten Meningeom, erleidet nach der Therapie einen Rückfall. Auch gutartige Meningeome können nicht immer vollständig entfernt werden. Sie können dann erneut wachsen. Bei diesen Betroffenen, aber auch bei solchen, bei denen der Tumor komplett entfernt werden konnte, sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich.

Unterstützung und Nachsorge

Die Diagnose eines Hirntumor-Rezidivs ist eine große Belastung für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Es ist wichtig, sich professionelle Unterstützung zu suchen, um mit der Situation umzugehen. Psychoonkologen, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen können helfen, die psychischen und sozialen Folgen der Erkrankung zu bewältigen.

Auch die Nachsorge spielt eine wichtige Rolle. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (CT und/oder MRT) sind notwendig, um ein erneutes Tumorwachstum frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln. Die Nachsorge sollte in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Ärzteteam erfolgen.

Forschung und Ausblick

Die Forschung im Bereich der Hirntumoren und ihrer Rezidive schreitet stetig voran. Ziel ist es, die Ursachen für das Tumorwachstum besser zu verstehen, neue Therapieansätze zu entwickeln und die Prognose der Patienten zu verbessern. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung von zielgerichteten Therapien und Immuntherapien, die spezifisch gegen die Tumorzellen wirken und das gesunde Gewebe schonen.

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