Gewöhnliche Kopfschmerzen sind weit verbreitet, doch Migräne unterscheidet sich deutlich von Spannungskopfschmerzen. Migräne zeichnet sich durch pulsierende, lähmende Schmerzen aus, die oft von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet werden. Bewegung, Licht und Geräusche verschlimmern die Symptome häufig und klassische Schmerzmittel helfen wenig. Um Migräne effektiv zu behandeln, ist es wichtig zu wissen, woher die Migräne kommt. Die Migräne hat im Gegensatz zum gewöhnlichen Spannungskopfschmerz viele Gesichter. Bei manchen Betroffenen tritt sie nur ein- bis zweimal jährlich auf. Zu den starken, anfallsartigen Schmerzen gesellen sich weitere Symptome wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Der Körper reagiert manchmal auch auf starke Gerüche und Bewegung. Gelegentlich treten Sehstörungen auf, die als Migräne-Aura bezeichnet werden.
Vielfalt der Migräne und ihre Symptome
Migräneattacken können sich sehr unterschiedlich äußern. Während manche Betroffene nur ein- bis zweimal im Jahr betroffen sind, leiden andere häufiger. Neben den starken, anfallsartigen Schmerzen treten oft Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit auf. Auch starke Gerüche und Bewegung können die Beschwerden verstärken. Einige Menschen erleben vor der eigentlichen Kopfschmerzphase Sehstörungen, die als Migräne-Aura bekannt sind. Unter vestibulärer Migräne verstehen Fachleute Schwindelattacken mit Übelkeit und Erbrechen. Der Schwindel hält meist für wenige Minuten bis viele Stunden an.
Auslöser und Ursachen von Migräne
Externe und interne Triggerfaktoren
Es gibt viele Situationen und Umstände, die als Migräne-Auslöser infrage kommen. Diese sogenannten Trigger können innere und äußere Ursachen haben. Typische äußere Auslöser sind verrauchte Räume, Alkohol, flackerndes Licht, Lärm, starke Gerüche oder Wetterveränderungen. Auch Nahrungsmittel wie Käse, Zitrusfrüchte oder Schokolade werden häufig im Zusammenhang mit einer Migräneattacke genannt, konnten aber als direkte Auslöser der Attacke noch nicht von Wissenschaftlern nachgewiesen werden. Innere Ursachen für eine Migräneattacke sind dagegen oft ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus und Tagesablauf, Unterzucker, Stress, starke Emotionen oder hormonelle Veränderungen durch beispielsweise die Pille. Wer unter immer wiederkehrenden Migräneattacken leidet, sollte versuchen, mögliche Auslöser zu vermeiden. Die meisten Migränepatienten haben außerdem Verwandte im engeren Familienkreis, die ebenfalls unter Migräne leiden. Da nicht jeder Mensch unter Migräne leidet, muss es zusätzlich zu Erbfaktoren und Triggern noch grundlegendere Ursachen für Migräne geben.
Migränepatienten sind häufig in der Lage, spezifische Triggerfaktoren zu identifizieren, die ihre Attacken auslösen. Hormonelle Veränderungen und bestimmte Nahrungsmittel können bei Migränepatienten einen Anfall auslösen. Etwa 90 % der Migränepatienten berichten, dass bei ihnen solche Triggerfaktoren eine Attacke auslösen können.
Häufige Auslöser sind:
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- Schlafstörungen: zu viel oder zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus (z. B. Ausschlafen am Wochenende und frühes Aufstehen während der Woche)
- Hormone: Frauen klagen über häufige Migräneanfälle während ihrer Periode, die während der Schwangerschaft abnehmen.
Weitere Triggerfaktoren, die bei Migränepatienten einen Anfall auslösen können, sind:
- Hoher Kochsalzkonsum in Kombination mit dem Verzehr von Fleischwaren
- Alkohol - Besonders Rotwein, durch Tyramin und Sulfite
- Entlastung nach Stresssituationen - Plötzliche Entspannung
Genetische Veranlagung und familiäre Häufung
Die Veranlagung ist genetisch bedingt. Viele Betroffene scheinen eine besonders hohe Aufmerksamkeit für verschiedenste Reize und eine schnelle Reizverarbeitung zu haben, was das Nervensystem irgendwann überlastet. Insgesamt handelt es sich um eine neurobiologisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns. Im Verlauf einer Attacke kommt es wahrscheinlich zu entzündlichen Vorgängen an den Blutgefäßen im Gehirn. Die meisten Migränepatienten haben außerdem Verwandte im engeren Familienkreis, die ebenfalls unter Migräne leiden. Da nicht jeder Mensch unter Migräne leidet, muss es zusätzlich zu Erbfaktoren und Triggern noch grundlegendere Ursachen für Migräne geben.
Es gibt klare Hinweise darauf, dass genetische Prädispositionen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Eine spezielle Form der Migräne, die familiäre hemiplegische Migräne (FHM), wird durch Mutationen in spezifischen Genen, wie dem CACNA1A-Gen, vererbt. Diese genetische Ursache erklärt, warum Migräne in bestimmten Familien gehäuft auftritt und warum die Erkrankung als nicht heilbar gilt.
Die Rolle von Stress und psychischer Belastung
Neben einer genetischen Disposition sind vor allem Stress und psychischer Druck die Hauptursache für Migräne. Kreisende Gedanken, Sorgen oder Ängste überfordern Körper und Geist und zeigen sich in Form von Anspannung und Kopfschmerz. In diesem Sinne ist das Auftreten von Migräne ein klares Warnsignal des Körpers mehr auf Ihre Bedürfnisse zu achten.
Um Migräne-Anfälle zu verringern, ist es deshalb wichtig vermehrt auf Ihr Wohlbefinden Rücksicht zu nehmen und Ruhemomente im Leben zu schaffen, in denen Sie Stress abbauen und neue Energie und Kraft auftanken können. Achtsamkeitstraining, Entspannungsübungen und Yoga können zu einem Rückgang von Migräneattacken beitragen.
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Ernährung als möglicher Auslöser
Auch Ernährungsgewohnheiten und Veränderungen davon, können Migräneattacken auslösen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Unregelmäßige Nahrungsaufnahme
- Alkoholkonsum, insbesondere Rotwein
- Kaffee
- Lebensmittelzusätze
- Diverse Nahrungsmittel wie z. B. Käse, Schokolade, Nüsse sowie Gewürze
- Zu wenig Wasser - 2L pro Tag sind empfohlen
Diese Faktoren sind jedoch von Patient zu Patient verschieden und müssen daher immer individuell betrachtet werden.
Die Rolle der Blutgefäße und des Nervensystems
Frühere Annahmen und neue Erkenntnisse
Woher also kommt die Migräne? Früher hielt man eine Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn, eine kurzzeitige Verengung und folgend eine plötzliche Erweiterung der Blutgefäße für die Ursache der Migräne. Inzwischen geht die Forschung aber davon aus, dass die Migräne durch eine Störung im Gleichgewichtszustand von Schmerzzentren des Hirnstamms entsteht. Dieser bestimmte Bereich im Hirnstamm (periaquäduktales Grau), welcher als Migräne-Zentrum bezeichnet wird, reagiert empfindlich auf alle einströmenden Reize.
Früher gingen Wissenschaftler von einer Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn aus. Demnach verengen sich kurz vor einer Migräneattacke die Blutgefäße, weswegen die betroffene Hirnregion schlechter durchblutet wird. In einer überschießenden Gegenreaktion erweitern sich anschließend die Blutgefäße. Diese Gefäßdehnung verursacht dann die migränetypischen Schmerzen.
Der Trigeminusnerv und seine Bedeutung
Eine weitere wichtige Verbindung für die Entstehung einer Migräne ist die Schnittstelle des Trigeminusnervs (Gesichtsnerv) und der Blutgefäße im Gehirn. Feine Äste des Nervs stehen mit den Blutgefäßen in Kontakt. Kommt es nun zu einer Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm, meldet dies der Trigeminusnerv an das Gehirn. Als Folge schüttet das Gehirn Botenstoffe (in dem Fall: vasoaktive Neuropeptide) aus, die Blutgefäße dehnen sich, werden durchlässiger für Flüssigkeit und es kommt schließlich zu einer Art Entzündung des Hirngewebes. Diese Entzündung wird als neurogene Entzündung bezeichnet. Sie ist für jene Schmerzimpulse verantwortlich, die als der pulsierende Migräneschmerz bekannt sind.
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Zwischen den Blutgefäßen des Gehirns und den Nervenzellen des Gesichtsnervs (Nervus trigeminus) besteht eine wichtige Verflechtung. Feinste Verästelungen des Trigeminus-nervs befinden sich in den Wänden aller Blutgefäße im Gehirn. Die Überaktivität der Nervenzellen im Hirnstamm führt dazu, dass die (C-)Fasern des Trigeminusnervs Schmerz-signale an das Gehirn senden (über den trigemino-thalamischen Trakt). Dies hat auch eine vermehrte Ausschüttung so genannter Botenstoffe (vasoaktive Neuropeptide) zur Folge, die eine Dehnung der Blutgefäße bewirken und die Gefäßwände für Blutflüssigkeit durchgängig machen (Extravasation) und bestimmte Blutbestandteile (z.B. entzündliche Eiweißstoffe) freisetzen. Es kommt zu einer Aufschwemmung und einer Art Entzündung des Hirngewebes und der Hirnhäute. Diese so genannte neurogene Entzündung verursacht wiederum Schmerzimpulse, welche ausstrahlen und den Migränekopfschmerz bewirken.
Die Rolle von CGRP
Der für die Migräneforschung wichtigste Botenstoff ist dabei das Eiweiß CGRP (Calcitonin gene related peptide). Die effektivste Behandlung von Migränepatienten setzt direkt beim überstimulierten Trigeminusnerv und dem Eiweiß CGRP an. Bisher wurde das CGRP bei Migräne vor allem durch bestimmte Schmerzmittel, den Triptanen, behandelt. Sie hemmen die Freisetzung des CGRP. Da diese allerdings gefäßverengend wirken, dürfen sie bei Patienten mit Durchblutungsstörungen und während der Schwangerschaft oder Stillzeit nicht verwendet werden. Auch Fälle von Unwirksamkeit und Überempfindlichkeit von Triptanen erfordern eine alternative und ebenso effektive Behandlung. Hier setzt man inzwischen auf den Einsatz von CGRP-Antagonisten. Diese wirken nur auf die CGRP-Rezeptoren und blockieren sie. Die Migräne-Behandlung kann dadurch unerwünschte Nebenwirkungen wie Gefäßverengungen verhindern. Durch die blockierten Rezeptoren kann das CGRP bei Beginn einer Migräneattacke nicht mehr andocken.
Während eines Migräneanfalls ist die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns reduziert, was zu einer gestörten Funktion der Nervenzellen führen kann. Es wird angenommen, dass diese Minderversorgung einen zirkulären Mechanismus auslöst, der die Freisetzung von vasoaktiven Substanzen und entzündlichen Molekülen verstärkt. CGRP ist eines der wichtigsten Neuropeptide, das während eines Migräneanfalls freigesetzt wird. Es wirkt gefäßerweiternd und trägt zur Entzündung und Sensibilisierung der schmerzleitenden Nervenfasern bei. Weitere Neurotransmitter wie Serotonin spielen ebenfalls eine Rolle bei der Migräneentstehung.
Ein Forschungsteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt eine mögliche Erklärung dafür gefunden. Der im Fachmagazin Neurology* veröffentlichten Studie zufolge bilden betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP. Frauen sind dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Besonders zahlreiche und heftige Attacken erleben sie rund um die Regelblutung, aber auch bei Eintritt in die Wechseljahre. Dagegen verbessern sich die Symptome in vielen Fällen während der Schwangerschaft, und auch mit Abschluss der Menopause werden die Migräneattacken seltener. Dass Hormonschwankungen mit Migräne in Zusammenhang stehen, ist also seit Langem bekannt. „Aus dem Tiermodell haben wir Hinweise, dass Schwankungen von weiblichen Hormonen - insbesondere von Östrogen - zu einer verstärkten Freisetzung des Entzündungsbotenstoffs CGRP im Gehirn führen“, erklärt Dr. Bianca Raffaelli vom Kopfschmerzzentrum der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie am Charité Campus Mitte, die die Studie geleitet hat. „CGRP steht für ‚Calcitonin Gene-Related Peptide‘ und ist eine körpereigene Substanz, die bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert. Anhand von insgesamt 180 Frauen prüfte die Charité-Forschungsgruppe nun, ob der Zusammenhang zwischen weiblichen Hormonen und der Ausschüttung von CGRP auch beim Menschen besteht. Dazu bestimmten die Forschenden bei Migränepatientinnen zweimal im Verlauf des Zyklus den CGRP-Spiegel, und zwar während der Monatsblutung und zum Zeitpunkt des Eisprungs. Ein Vergleich mit Frauen ohne Migräne belegte: Während der Menstruation ist die Konzentration an CGRP bei Migräne-Betroffenen deutlich höher als bei den gesunden Probandinnen. „Wenn also der Östrogenspiegel zur Einleitung der Periode sinkt, schütten die Migränepatientinnen vermehrt CGRP aus“, sagt Dr. Raffaelli, die auch Fellow des Clinician Scientist Programms ist, das die Charité zusammen mit dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) unterhält. Bei Frauen, die die Pille einnehmen, gibt es kaum Schwankungen des Östrogenspiegels. Wie die Forschenden in der aktuellen Studie nachwiesen, verändert sich auch die CGRP-Konzentration im Verlauf des „künstlichen Zyklus“ nicht und ist bei Migränepatientinnen vergleichbar mit gesunder Frauen. „Auch wenn diese Daten noch durch größere Studien bestätigt werden müssen: Sie deuten darauf hin, dass beim Menschen die Freisetzung von CGRP abhängig vom hormonellen Zustand ist“, resümiert Dr. Raffaelli. „Tatsächlich kann die Einnahme der Pille und das Ende der Wechseljahre manchen Migränepatientinnen Linderung verschaffen. Wie aber aus unserer Studie ersichtlich wird, gibt es Frauen, die auch ohne Hormonschwankungen Migräne bekommen. Wir vermuten, dass bei ihnen andere Prozesse im Körper eine Rolle bei der Entstehung einer Attacke spielen. Aufgrund der zentralen Funktion von CGRP in der Migräneentstehung sind in den letzten Jahren neue Medikamente entwickelt worden, die sich gegen den Botenstoff richten - sogenannte CGRP-Inhibitoren. Dr. Raffaelli: „Auf Basis unserer Studie stellt sich nun die Frage: Haben CGRP-Inhibitoren bei verschiedenen hormonellen Zuständen eine unterschiedliche Wirkung? Wäre es also zum Beispiel sinnvoll, diese Medikamente zyklusabhängig zu verabreichen? Künftig wird das Forschungsteam untersuchen, welche weiteren körperlichen Prozesse durch den Menstruationszyklus beeinflusst werden und zur Entstehung von Migräneattacken beitragen könnten - zum Beispiel die Funktion der Blutgefäße oder die Erregbarkeit des Gehirns. Außerdem planen die Forschenden, auch den CGRP-Spiegel bei Männern unterschiedlicher Altersgruppen genauer in den Blick zu nehmen.
Serotonin als weiterer wichtiger Botenstoff
Die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) sind chemische Substanzen, die u.a. Nervensignale weiterleiten, die Ausdehnung oder Verengung der Blutgefäße steuern und Schmerzsignale auslösen. Von allen Botenstoffen spielt das Serotonin bei der Entstehung der Migräne eine besondere Rolle. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt u.a. das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus.
Vermutlich spielt der Neurotransmitter Serotonin eine Rolle, dessen Konzentration sich bei einer Migräneattacke verändert und zu einer Verengung der Blutgefäße im Gehirn führen kann. Der pochende Kopfschmerz kann dann auf den pulsierenden Blutstrom zurückzuführen, der durch die Blutgefäße fließt.
Diagnose und Behandlung von Migräne
Diagnosemethoden
Für die Diagnose macht die Ärztin oder der Arzt eine körperliche Untersuchung und benötigt eine detaillierte Beschreibung der Beschwerden, die während eines Anfalls auftreten. Entscheidend sind Angaben, wo genau der Schmerz sitzt und wie lange er anhält. Ebenfalls wichtig ist der Abstand zwischen den Attacken und eventuelle Begleitsymptome. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch (in Papierform oder als App) erleichtern die Diagnose.
Akuttherapie mit Triptanen und CGRP-Antagonisten
Die Leitlinie zur Therapie von Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt bei akuten Attacken, möglichst früh Medikamente einzunehmen. Denn grundsätzlich gilt: je früher der Zeitpunkt der Einnahme, desto besser die Wirkung. Wirksame Medikamente zur Therapie mittelschwerer bis schwerer Migräneattacken sind die Triptane. Diese spezifischen Migränemedikamente wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Außerdem verhindern sie die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Triptane mit den Wirkstoffen Almotriptan, Naratriptan und Sumatriptan gibt es als Tabletten in kleiner Packung rezeptfrei in der Apotheke. Voraussetzung: Die Migräneerkrankung wurde ärztlich bestätigt. Größere Packungen sowie die Wirkstoffe Eletriptan, Frovatriptan, Rizatriptan und Zolmitriptan gibt es nur auf Rezept. Triptane dürfen bei bestimmten Vorerkrankungen - wie zum Beispiel nach Herzinfarkten und Schlaganfällen - theoretisch nicht eingesetzt werden und es gibt mögliche Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Engegefühle in der Brust. Doch ihr Nutzen überwiegt in den meisten Fällen die Nebenwirkungen. Allerdings ist darauf zu achten, dass 20 Tage im Monat komplett frei von der Einnahme von Schmerz- und Migränemitteln bleiben.
Die effektivste Behandlung von Migränepatienten setzt direkt beim überstimulierten Trigeminusnerv und dem Eiweiß CGRP an. Bisher wurde das CGRP bei Migräne vor allem durch bestimmte Schmerzmittel, den Triptanen, behandelt. Sie hemmen die Freisetzung des CGRP. Da diese allerdings gefäßverengend wirken, dürfen sie bei Patienten mit Durchblutungsstörungen und während der Schwangerschaft oder Stillzeit nicht verwendet werden. Auch Fälle von Unwirksamkeit und Überempfindlichkeit von Triptanen erfordern eine alternative und ebenso effektive Behandlung. Hier setzt man inzwischen auf den Einsatz von CGRP-Antagonisten. Diese wirken nur auf die CGRP-Rezeptoren und blockieren sie. Die Migräne-Behandlung kann dadurch unerwünschte Nebenwirkungen wie Gefäßverengungen verhindern. Durch die blockierten Rezeptoren kann das CGRP bei Beginn einer Migräneattacke nicht mehr andocken.
Vorbeugende Maßnahmen und Medikamente
Wenn eine Patientin oder ein Patient an vier oder mehr Tagen im Monat Migräne hat oder wenn die Behandlung mit Triptanen keine ausreichende Besserung von Anfällen bietet, gibt es die Möglichkeit, die Migräne vorbeugend zu behandeln. Zur Prophylaxe mit Tabletten kommen unter anderem Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie infrage. Bevor moderne Antikörper zur Migräneprophylaxe verschrieben werden können, muss mindestens eine der Tablettentherapien versucht werden, manchmal auch mehrere. Migräne-Antikörper werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen CGRP - das steht für Calcitonin Gene-Related-Peptide, ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. Eine neue Wirkstoffgruppe, die sogenannten Gepante, sollen verhindern, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.
Alternative Behandlungsmethoden
In den sozialen Medien kursieren Gerüchte, dass ein Ohr-Piercing (Daith-Piercing) gegen Migräne helfen soll. Es wird im Bereich des Ohrknorpels an einem der Akupunkturpunkte, die zur Migränebehandlung genutzt werden, gesetzt. Hilft das wirklich? Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) betont: "Das Verfahren beruht auf keiner nachvollziehbaren pathophysiologischen Grundlage." Außerdem gebe es keine wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit belegen. Mehr noch: Das Piercing könne sich entzünden und gerade im Bereich des Ohrknorpels sei das Risiko für eine gestörte Wundheilung höher.
Verhaltensänderungen und Lebensstil
Wer Tagebuch über seine Migräneattacken führt, kommt so möglicherweise den individuellen Triggern auf die Spur - und kann sie meiden. Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren sowie Entspannungsverfahren, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Für viele Patientinnen und Patienten hilfreich ist Regelmäßigkeit. Das gilt für Schlafens- und Aufwachzeiten aber auch für Mahlzeiten. Hetze, Unregelmäßigkeit, Naschen und Überspringen von Mahlzeiten können Migränebeschwerden verschlimmern.
So belastend Migräneattacken auch sind - durch eine richtige Behandlung können viele Betroffene gut mit den Beschwerden umgehen. Wer seinen Alltag umstellt und mögliche Trigger versucht zu vermeiden, kann bereits viel zur Migräneprophylaxe beisteuern.
Um Migräne-Anfälle zu verringern, ist es deshalb wichtig vermehrt auf Ihr Wohlbefinden Rücksicht zu nehmen und Ruhemomente im Leben zu schaffen, in denen Sie Stress abbauen und neue Energie und Kraft auftanken können. Achtsamkeitstraining, Entspannungsübungen und Yoga können zu einem Rückgang von Migräneattacken beitragen.
Migräne und Blutdruck: Ein möglicher Zusammenhang
Migräne und Blutdruck, hängen sie zusammen? Wahrscheinlich schon. Zumindest deuten darauf einige wissenschaftliche Erkenntnisse hin. Auf diese Frage haben selbst Wissenschaftler keine eindeutige Antwort. Das liegt unter anderem daran, dass der Zusammenhang schwierig zu untersuchen ist. Beispielsweise gibt es viele Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht, die Bluthochdruck zur Folge haben können. Außerdem definieren manche Studien Migräne und Bluthochdruck unterschiedlich. Lange Zeit herrschte die Meinung, dass Blutdruck und Migräne nicht in Verbindung stehen. Allerdings deuten einige Studien mittlerweile auf das Gegenteil hin. Manche Forscher vermuten, dass ein bestimmter Regelkreis mit Hormonen und Enzymen, das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, eine Rolle spielen könnte. Er ist an vielen Vorgängen beteiligt, unter anderem reguliert er unseren Blutdruck. Für diese Theorie spricht, dass manche Medikamente, die gegen Bluthochdruck wirken, auch vorbeugend gegen Migräne eingesetzt werden. Außerdem deuten einige Untersuchungen darauf hin, dass Menschen mit Migräne wahrscheinlicher erhöhten Blutdruck haben als andere. Das gilt speziell für Frauen. Der untere, sogenannte diastolische, Blutdruckwert ist dann leicht höher als bei Menschen, die keine Migräne haben.
Erhöht Migräne das Risiko für Bluthochdruck?
Ja, das ist so. Besonders Frauen nach den Wechseljahren sollten das im Hinterkopf haben: Während mit dem Alter die Migräne-Attacken nachlassen, steigt generell das Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln - bei Menschen mit Migräne stärker als bei anderen. Forscher aus Finnland beispielsweise haben Gesundheitsdaten von über 8.000 Menschen ausgewertet. Die Daten stammen aus den Jahren 1998, 2003 und 2012. Ein Teil der Menschen hatte laut eigener Angabe Migräne, die Blutdruckwerte lagen anfangs im Normbereich. Nach 15 Jahren hatten einige von ihnen erhöhten Blutdruck - bei den Migränikern waren es aber 37 Prozent mehr als bei den Nicht-Migränikern. Nicht nur Bluthochdruck, auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen können mit Migräne einhergehen.
Empfehlungen für Betroffene
Hoher Blutdruck bei Migräne? Dann ist Vorsicht geboten, denn das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Bekommt man Migräne durch Bluthochdruck? Wahrscheinlich nicht. Studien, die den Zusammenhang von Blutdruck und Migräne untersuchen, kommen jedenfalls nicht zu diesem Ergebnis. Die meisten Menschen bemerken leicht erhöhten Blutdruck gar nicht. Wenn zu einem sehr hohen Blutdruck Kopfschmerzen dazukommen, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen. Steigt der Blutdruck bei Migräne? Oder anders gefragt: Haben Blutdruckschwankungen einen Einfluss auf Migräne? Eher nicht. Eine Studie aus der Türkei mit 60 Migräne-Patienten zeigte keine Veränderung des Blutdrucks kurz vor, während oder kurz nach einer Migräne-Attacke. Die Forscher fanden keinen Hinweis auf Bluthochdruck bei Migräne.
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