Myelin Wert Blutwerte: Ein umfassender Überblick

Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Myelin-bezogenen Blutwerten im Kontext verschiedener neurologischer Erkrankungen, insbesondere der Multiplen Sklerose (MS), der MOG-Antikörper-assoziierten Erkrankung (MOGAD) und des Multiplen Myeloms. Er soll sowohl für medizinische Fachkräfte als auch für Betroffene und Interessierte verständlich sein und einen umfassenden Überblick über die Thematik bieten.

Myelin und seine Bedeutung für das Nervensystem

Myelin ist eine schützende Schicht, die Nervenfasern umgibt und eine schnelle und effiziente Weiterleitung von Nervenimpulsen ermöglicht. Eine Schädigung des Myelins kann zu einer Vielzahl neurologischer Symptome führen, da die Nervenimpulse nicht mehr korrekt weitergeleitet werden können. Erkrankungen, die das Myelin angreifen, können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen haben.

MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung (MOGAD)

Was ist MOGAD?

MOGAD ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise Antikörper gegen das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) produziert. MOG ist ein Protein, das sich auf der Oberfläche der Myelinscheide befindet. Die Antikörper greifen das MOG an und beschädigen die Myelinscheide, was zu Entzündungen im zentralen Nervensystem führt. Dies kann zu verschiedenen neurologischen Symptomen führen, die denen der Multiplen Sklerose ähneln können.

Forschungsergebnisse zu MOGAD

Ein internationales Forschungsteam hat bedeutende Fortschritte im Verständnis der MOGAD erzielt. Durch die Identifizierung von MOG-reaktiven B-Zellen, den Antikörperfabriken des Immunsystems, aus dem Patientenblut konnten sie die genetische Anleitung für die Anti-MOG-Antikörper entschlüsseln.

Bedeutung der Forschungsergebnisse

  • Verschiedene B-Zell-Subtypen: Die Forschung zeigte, dass MOG-Reaktivität in verschiedenen B-Zell-Subtypen vorhanden ist. Einige B-Zellen sind von Anfang an spezifisch für MOG, während andere diese Reaktivität erst im Verlauf ihrer Reifung entwickeln.
  • Antikörpermechanismen: Die im Labor hergestellten Antikörper nutzen verschiedene Mechanismen, um MOG-produzierende Zellen zu eliminieren. Nicht alle MOG-Antikörper sind jedoch gleich effektiv bei der Nutzung dieser Mechanismen. Dies könnte auf Unterschiede in der Bindungskapazität der Antikörper oder auf die strukturelle Interaktion des MOG-Antigens und des Antikörpers zurückzuführen sein.

Diagnose von MOGAD

Die Diagnose von MOGAD umfasst eine neurologische Untersuchung, eine Nervenwasserpunktion, Blutuntersuchungen und eine Magnetresonanztomografie (MRT) von Kopf und Rücken. Entscheidend ist der Nachweis von MOG-Antikörpern im Blut.

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Symptome der MOG-Antikörper-assoziierten Erkrankung

Die MOG-Antikörper-assoziierte Erkrankung kann sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußern, abhängig davon, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind. Häufige Symptome sind:

  • Sehstörungen: Entzündungen des Sehnervs (Optikusneuritis) können zu verschwommenem Sehen, Schmerzen bei Augenbewegungen und Gesichtsfeldausfällen führen.
  • Taubheit oder Schwäche: Entzündungen des Rückenmarks (Myelitis) können zu Taubheit, Schwäche oder Lähmungen in Armen und Beinen führen.
  • Weitere Symptome: Insbesondere bei Kindern kann auch das Großhirn betroffen sein, was zu vielfältigen Symptomen wie Krampfanfällen, Verhaltensänderungen und kognitiven Beeinträchtigungen führen kann.

Verlauf von MOGAD

Der Verlauf der MOG-Antikörper-assoziierten Erkrankung kann unterschiedlich sein. Es gibt zwei Hauptformen:

  • Monophasisch: Ein einmaliger Schub, nach dem sich die Symptome vollständig oder teilweise zurückbilden.
  • Rekurrierend: Wiederholte Schübe, die in unterschiedlichen Abständen auftreten können.

Behandlung von MOGAD

Die Behandlung von MOGAD zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren und die Symptome zu lindern.

  • Akuter Schub: Ein akuter Schub wird in der Regel mit intravenösem Cortison über 3-5 Tage behandelt.
  • Rezidivierender Verlauf: Patienten mit einem rezidivierenden Verlauf können mit Medikamenten behandelt werden, die die Häufigkeit und Schwere der Schübe reduzieren sollen.

MOGAD in der Neuropädiatrie

In der Neuropädiatrie wird bei der ersten Vorstellung die Diagnose gestellt, bei Bedarf eine Schubtherapie durchgeführt und das Krankheitsbild mit Patienten und Eltern besprochen. Bei den folgenden Verlaufskontrollen wird überprüft, ob die Erkrankung weiterhin besteht, ob sie fortschreitet und ob eine Dauertherapie notwendig ist.

Multiple Sklerose (MS) und Neurofilament Light Chain Protein (NfL)

Multiple Sklerose: Eine chronisch-entzündliche Erkrankung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheide angreift. Dies führt zu Schäden an den Nervenfasern und beeinträchtigt die Signalübertragung im Gehirn und Rückenmark.

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Neurofilament Light Chain Protein (NfL) als Biomarker

Forscher haben das Neurofilament Light Chain Protein (NfL) als potenziellen Biomarker für Nervenschäden bei MS identifiziert. NfL ist ein Bestandteil des Zellskeletts von Nervenzellen. Bei der Zerstörung von Nervenzellen, wie sie bei MS auftritt, wird NfL freigesetzt und kann im Blutserum gemessen werden.

Zusammenhang zwischen NfL und Krankheitsaktivität

Studien haben gezeigt, dass höhere NfL-Werte im Blut mit einem größeren Ausmaß an Läsionen im Gehirn und einem geringeren Gehirnvolumen korrelieren. Dies deutet darauf hin, dass NfL ein nützlicher Biomarker sein könnte, um den Schweregrad der Erkrankung und das Fortschreiten der MS zu beurteilen.

NfL zur Überwachung der Behandlungswirksamkeit

NfL könnte auch verwendet werden, um die Wirksamkeit von MS-Behandlungen zu überwachen. Eine Verringerung der NfL-Werte unter Therapie könnte darauf hindeuten, dass die Behandlung wirksam ist und die Nervenschäden reduziert werden.

Multiples Myelom und Blutwerte

Was ist Multiples Myelom?

Das Multiple Myelom ist eine Krebserkrankung des Knochenmarks, bei der es zu einer unkontrollierten Vermehrung von Plasmazellen kommt. Plasmazellen sind ein Teil des Immunsystems und produzieren Antikörper. Beim Multiplen Myelom produzieren die veränderten Plasmazellen jedoch nicht-funktionierende Antikörper, sogenannte monoklonale Proteine (M-Proteine).

Wichtige Blutwerte beim Multiplen Myelom

Verschiedene Blutwerte sind wichtig für die Diagnose, Überwachung und Behandlung des Multiplen Myeloms.

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Immunglobuline (IgG, IgA, IgM)

Beim Multiplen Myelom ist meist eine der Immunglobulinklassen (IgG, IgA oder IgM) deutlich erhöht. Es ist wichtig festzustellen, ob die Erhöhung der Immunglobuline durch die Produktion nur eines fehlerhaften Antikörpers erfolgt (was für ein Multiples Myelom spricht) oder ob insgesamt zu viele funktionierende Antikörper gebildet werden (was für eine Aktivierung des Immunsystems anderer Ursache spricht).

Monoklonales Protein (M-Protein)

Dieser Wert gibt die Menge des monoklonalen Proteins (also des monoklonalen IgG, IgA oder IgM) im Blut an.

Freie Leichtketten

Freie Leichtketten sind Fragmente von Antikörpern, die im Überschuss produziert werden. Sie haben eine kleine Molekülmasse und werden daher durch die Nieren ausgeschieden und können dann auch im Urin gemessen werden.

Serumelektrophorese

Bei dieser Untersuchung werden die Serum-Proteine aufgetrennt, sodass unter anderem die einzelnen Immunglobulinfraktionen getrennt sichtbar werden. Ein hoher spitzer Ausschlag in einer der Immunglobulinfraktionen spricht für das Vorliegen eines monoklonalen Proteins (M-Protein).

Immunfixation

Diese Technik wird verwendet, um die genaue Art der monoklonalen Proteine zu identifizieren.

Beta-2-Mikroglobulin

Beta-2-Mikroglobulin ist ein Marker für die Krankheitsaktivität und die Tumorlast. Hohe Werte deuten auf eine größere Krankheitslast und eine schlechtere Prognose des Multiplen Myeloms hin.

Albumin

Albumin nimmt fast 60% des Gesamteiweißes im Blut ein und wird von der Leber produziert. Ein niedriger Albuminwert kann ein Zeichen für eine fortgeschrittene Erkrankung sein.

Laktatdehydrogenase (LDH)

LDH ist ein Enzym, das freigesetzt wird, wenn Zellen geschädigt oder zerstört werden. Erhöhte LDH-Werte können auf eine hohe Krankheitsaktivität hinweisen.

Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff)

Diese Werte geben Hinweise auf die Nierenfunktion, die durch die abgelagerten M-Proteine und freien Leichtketten beeinträchtigt werden kann. Erhöhte Werte weisen auf eine Nierenschädigung hin.

Calcium

Erhöhte Calciumwerte können beim Multiplen Myelom durch die Zerstörung der Knochen (Osteolyse) verursacht werden. Zu hohe Calciumwerte im Blut (Hyperkalzämie) sind ein ernstes Symptom, das umgehend behandelt werden muss.

Elektrolyte (Natrium, Kalium, Chlorid)

Diese Werte helfen, den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt zu beurteilen, der durch Komplikationen des Multiplen Myeloms gestört sein kann.

Kleines Blutbild

Das kleine Blutbild gibt Auskunft über die Anzahl der Blutzellen (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten). Eine Blutarmut (Anämie) kann im Rahmen eines Multiplen Myeloms vorliegen.

Blutbildveränderungen im Rahmen der Therapie

Im Rahmen der Therapie gegen das Multiple Myelom können Blutbildveränderungen auftreten, die als therapieassoziierte Nebenwirkungen bezeichnet werden. Zytostatika und neuere Wirkstoffe können die Bildung von Blutzellen im Knochenmark beeinträchtigen, was zu einer verminderten Anzahl von Blutzellen führen kann (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie).

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