Der Zusammenhang zwischen Nervus Vagus, Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden

Der Nervus vagus, auch bekannt als der zehnte Hirnnerv, ist der längste und komplexeste der Hirnnerven. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung verschiedener Körperfunktionen, darunter Verdauung, Herzfrequenz und Atmung. In diesem Artikel werden wir den Zusammenhang zwischen dem Nervus vagus, Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden untersuchen und wie man den Nervus vagus beruhigen kann.

Die Rolle des Nervus vagus bei der Verdauung

Die Magennerven, ein Teil des enterischen Nervensystems, steuern die Bewegungen des Magens und die Ausschüttung von Magensaft. Sie durchziehen den gesamten Magen und halten die Abläufe im Gleichgewicht. Das enterische Nervensystem, auch Bauchhirn genannt, kontrolliert alle Vorgänge im Magen-Darm-Trakt und ist über den Nervus vagus mit dem Gehirn verbunden.

Der Nervus vagus reguliert das Sättigungsgefühl und den Blutzuckerspiegel während der Nahrungsaufnahme. Er reagiert auf mechanische Reize der Organe, wie die Ausdehnung des Magens, und auf chemische Signale, also Substanzen aus unserer Nahrung.

Gereizte Magennerven: Symptome und Auslöser

Wenn die Magennerven aus dem Gleichgewicht geraten, können unangenehme Symptome auftreten:

  • Völlegefühl und/oder Magendruck
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Magenschmerzen
  • Blähungen
  • Sodbrennen

Diese Beschwerden entstehen durch eine Reizung der Magennerven oder eine Störung der Reizweiterleitung. Die Nerven sind überempfindlich und reagieren überzogen auf äußere Verdauungsreize.

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Mögliche Auslöser für gereizte Magennerven sind:

  • Ernährungsweise
  • Stress
  • Psychische Belastungen

Wie man die Magennerven beruhigen kann

Um Verdauungsbeschwerden loszuwerden, ist es wichtig, die Magennerven schonend zu beruhigen. Hier sind einige Möglichkeiten:

  • Pflanzliche Arzneimittel: Iberogast® ADVANCE vereint die Wirkung von 6 verschiedenen Heilpflanzen und kann so dazu beitragen, die sensiblen Nerven eines Magens zu beruhigen. Iberogast® Classic kann bei gelegentlichen Bauchschmerzen rasch Abhilfe schaffen.
  • Stressreduktion: Psychische Belastungen sollten nicht überhandnehmen. Entspannungsübungen wie Yoga oder Qi Gong können helfen, Stress abzubauen.
  • Ärztliche Beratung: Bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte ein Arzt / eine Ärztin die Ursache der Beschwerden abklären und eine passende Behandlung einleiten.

Der Vagusnerv und Stress

Stress, Sorgen oder Daueranspannung führen dazu, dass der Körper kaum noch in den Erholungsmodus wechselt. Der Vagusnerv kann helfen, Körper und Geist wieder runterzufahren.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Menschen mit einer schwächeren Aktivität des Vagusnervs oft auch höhere Stresswerte und geringere Erholungsfähigkeit haben.

Möglichkeiten zur Aktivierung des Vagusnervs

  • Bewusstes, ruhiges Atmen: Schon nach kurzer Zeit kann sich der Puls beruhigen, und der Körper schaltet in den Erholungsmodus.
  • Summen oder leises Singen: Die Vibrationen im Hals- und Rachenraum können den Vagusnerv anregen.
  • Kältereiz: Morgens das Gesicht mit kaltem Wasser abspülen oder beim Duschen zum Schluss kaltes Wasser über den Nacken laufen lassen.
  • Leichte Bewegung: Spazierengehen, Radfahren oder Yoga wirkt sich positiv auf den Vagusnerv aus.
  • Emotionen: Lachen, freundliche Gespräche oder Nähe zu vertrauten Menschen fördern die Ausschüttung von Wohlfühlhormonen.
  • Lavendelöl: Ätherisches Lavendelöl hilft in stressigen Zeiten abzuschalten.

Der Vagusnerv und das enterische Nervensystem

Der Magen-Darm-Trakt und das Gehirn stehen in ständigem Austausch, man spricht hier auch von der Darm-Hirn-Achse. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Vagusnerv. Unter anderem wird so das Sättigungsgefühl und der Blutzuckerspiegel während der Nahrungsaufnahme reguliert.

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Stress als Histamintrigger

Bei Stress schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus, das das Nervensystem (hauptsächlich den Sympathikus) aktiviert und den Körper in den „Kampf-oder-Flucht“-Modus versetzt. In diesem Zustand schaltet der Körper auf Energiesparmodus um, wodurch alle nicht unmittelbar überlebenswichtigen Funktionen wie Verdauung und Zellreparatur eingestellt werden.

Gleichzeitig werden Neurotransmitter wie Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt, um den Körper in Alarmbereitschaft zu halten und das Immunsystem zu aktivieren. Das Immunsystem reagiert auf den Alarmzustand, indem es Mastzellen triggert, die Histamin freisetzen.

Chronischer physiologischer Stress verursacht eine kontinuierliche Histaminausschüttung, die das Immunsystem und andere Organsysteme überlastet und schwächt, was die Selbstheilung des Körpers verhindert.

Die Polyvagal-Theorie

Die Polyvagal-Theorie von Dr. Stephen Porges bietet einen neuen Blickwinkel auf das autonome Nervensystem, insbesondere auf den Vagusnerv, und dessen Rolle in der Verhaltensregulation, emotionalen Kontrolle und sozialen Interaktion.

Porges' Theorie schlägt vor, dass das autonome Nervensystem drei verschiedene Zweige hat:

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  • Ventraler Vaguskomplex: Dieser Teil des Vagusnervs ist mit sozialen Kommunikationsfähigkeiten, beruhigenden Verhaltensweisen, Gesichtsausdrücken und der Fähigkeit zuzuhören verbunden.
  • Sympathisches Nervensystem: Dieser Teil des autonomen Nervensystems ist für die Mobilisierung von Energie zuständig.
  • Dorsaler Vaguskomplex: Im Gegensatz zum ventralen Vaguskomplex ist der dorsale Vaguskomplex an Reaktionen auf extremen Stress beteiligt, wie z.B. „Totstellreflex“ oder Zustände der Dissoziation.

Die Polyvagal-Theorie hat besondere Bedeutung in der Psychologie und Psychotherapie, insbesondere in der Behandlung von Traumata und Stressstörungen.

Weitere Möglichkeiten zur Aktivierung des Vagusnervs

  • Atemübungen: Tiefes, langsames Atmen aktiviert den Vagusnerv und fördert Entspannung.
  • Meditation und Achtsamkeit: Regelmäßige Meditation und Achtsamkeitsübungen können dein parasympathisches System aktivieren.
  • Bewegungsübungen: Drehe den Kopf langsam nach links und rechts und fixiere dabei mit den Augen einen nahen Gegenstand.
  • Kältereiz: Lege einen kalten Umschlag auf deine Stirn oder mache Wechselduschen.
  • Gesang und Summen: Singen, Summen oder Gurgeln kann den Vagusnerv durch Vibrationen im Halsbereich stimulieren.
  • Gesunde Ernährung: Vermeide unnötige Trigger aus der Nahrung und achte darauf, dass du ausreichend stilles Wasser über den Tag verteilt trinkst.
  • Massagen: Sanftes Streichen mit den Fingern entlang der Seiten des Halses kann entspannend wirken.

Der Vagusnerv als "Gefühlszentrum Bauch"

Gefühle und Gedanken stehen in engem Zusammenhang mit unserem Magen-Darm-Trakt. Das enterische Nervensystem, auch Bauchgehirn genannt, reagiert auf die Umwelt und arbeitet autonom. Es koordiniert die Tätigkeit von Speiseröhre, Magen und Darm selbstständig.

Probleme mit der Verdauung schlagen möglicherweise auf die Stimmung - und umgekehrt können Gefühle wie Nervosität oder Angst den Magen-Darm-Trakt beeinflussen und zu Durchfall oder Verstopfung führen.

Symptome einer Vagusnerv-Reizung

Ein eingeklemmter oder gereizter Vagusnerv kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die sich auf verschiedene Körpersysteme auswirken:

  • Verdauungsprobleme
  • Herzrhythmusstörungen
  • Veränderte Stimmqualität
  • Gastroösophagealer Reflux (GERD)

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Daher sollte bei Verdacht auf eine Beeinträchtigung des Vagusnervs eine genaue Diagnose durch einen Arzt erfolgen.

Vagotomie

Eine übermäßige Produktion von Magensäure oder eine unkontrollierte Besiedlung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori kann die Entstehung eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs zur Folge haben. Sollten sämtliche medikamentöse Therapien nicht ausreichen, so kann man eine Vagotomie erwägen. Hierbei wird der Vagusnerv für die Versorgung des Magens operativ durchtrennt, sein Einfluss auf den Magen dadurch unterbunden und die Säurebildung lässt stark nach.

Vagusnerv-Synkope

Bei einer Vagusnerv-Synkope, auch vasovagale oder Reflexsynkope genannt, kommt es durch Angst oder Stress zur Auslösung einer Reflexkette, welche eine Verminderung der Aktivität des Sympathikus und eine Zunahme der Parasympathikusaktivität zur Folge hat. Dies führt zu einer abrupten Verringerung des Blutdrucks und der Herzfrequenz, was in einem kurzzeitigen Kreislaufzusammenbruch resultiert.

Stimulation des Vagusnervs am Ohr

Eine nicht-invasive Stimulation des Vagusnervs am Ohr kann die Kommunikation zwischen Magen und Gehirn innerhalb von Minuten verstärken. Dies kann neue Therapieoptionen bei Depressionen, Adipositas und Essstörungen ermöglichen.

Der Nervus phrenicus und Reflux

Der Nervus phrenicus entspringt an der Halswirbelsäule direkt aus den Segmenten C3,C4 und C5. Seine Hauptaufgabe ist die motorische Innervation des Zwerchfells. Sind diese Bewegungen gestört, so hat das viele Auswirkungen und es kann auch zu Reflux kommen.

Eine Reizung des Nervus phrenicus kann auch bei einer Bauchspiegelung durch das dabei verwendete Gas entstehen oder aber schlicht durch eine zu üppige Mahlzeit.

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