Verkalkungen im Gehirn, auch bekannt als Hirnverkalkungen, können ein Zeichen für verschiedene zugrunde liegende Erkrankungen sein. Die potenziellen Gefahren hängen stark von der Ursache, dem Ausmaß und der Lokalisation der Verkalkungen ab. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Verkalkungen im Gehirn, um ein umfassendes Verständnis dieser Thematik zu ermöglichen.
Ursachen von Verkalkungen im Gehirn
Verkalkungen im Gehirn können verschiedene Ursachen haben. Eine der häufigsten Ursachen ist die Arteriosklerose, bei der es zu Verengungen der hirnversorgenden Gefäße kommt.
Arteriosklerose und Gefäßstenosen
Bei Stenosen der hirnversorgenden Gefäße handelt es sich um Verengungen der Arterien, die an bestimmten Stellen sowohl am Hals als auch im Kopf gehäuft vorkommen. Die häufigste Ursache ist dabei die Arteriosklerose. Durch Bindegewebewucherung, Einlagerungen von Cholesterin, Fettsäuren und Kalk sowie Anhäufung von Kollagen und Proteoglykanen kommt es zu einer Verhärtung und Verdickung der Gefäße, die mit Verengung und einer abnehmenden Elastizität einhergeht. Als Risikofaktoren für die Entstehung arteriosklerotischer Gefäßkrankheiten gelten heute arterielle Hypertonie, Übergewicht, Hyperlipidämie, Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus, männliches Geschlecht, Alter, aber auch die Lebensweise, wie kalorien- und fettreiche Ernährung, Rauchen, Stress, sowie genetische und konstitutionelle Faktoren. Selten werden Gefäßstenosen durch einen Gefäßwandeinriss (Dissektion), Entzündung (Vaskulitis) u.a. verursacht.
Morbus Fahr
Eine weitere Ursache für Verkalkungen im Gehirn ist Morbus Fahr, eine seltene neurologische Erkrankung, die durch abnormale Kalziumablagerungen in den Basalganglien und anderen Hirnbereichen gekennzeichnet ist. Die genauen Ursachen von Morbus Fahr sind noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen.
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Ursachen hierfür können Ablagerungen in Blutgefäßen, Blutgerinnsel oder Hirnblutungen auch in kleinerem Umfang sein. Diese können dazu führen, dass Bereiche des Gehirns mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden. Hierdurch können Hirnzellen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns geschädigt werden oder absterben. Das Risiko für eine vaskuläre Demenz kann steigen, wenn das Herz-Kreislaufsystem beeinträchtigt ist.
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Andere Ursachen
Neben Arteriosklerose, Morbus Fahr und vaskulärer Demenz gibt es noch weitere, seltenere Ursachen für Verkalkungen im Gehirn, darunter Infektionen, Entzündungen, Stoffwechselstörungen und genetische Erkrankungen.
Symptome von Verkalkungen im Gehirn
Die Symptome von Verkalkungen im Gehirn können sehr vielfältig sein und hängen stark von der Ursache, dem Ausmaß und der Lokalisation der Verkalkungen ab. In vielen Fällen verursachen Verkalkungen im Gehirn zunächst keine Symptome. Erst wenn ein gewisser Grad an Einengung vorliegt, können sich Blutgerinnsel bilden, welche zu einem Verschluss der Hals-/Hirnarterie führen.
Neurologische Störungen
In Abhängigkeit von der Lokalisation und des Ausmaßes der Stenose können neurologische Störungen wie Lähmungen, Seh-, Gefühls- und Sprachstörungen auftreten, die entweder nur wenige Minuten anhalten (Transistorische ischämische Attacke, TIA), oder dauerhaft bestehen bleiben (Schlaganfall).
Symptome bei Morbus Fahr
Typische Symptome bei Morbus Fahr sind Bewegungsstörungen. Diese können sehr unterschiedlich aussehen. Betroffene haben beispielsweise Gangstörungen oder ihre Bewegungen wirken „wächsern“. Andere fallen auf, weil sie sehr ungeschickt sind. Auch Tics, Muskelkrämpfe, Zittern oder Sprach- und Schluckstörungen sind möglich. Bei manchen Patienten erinnern die Bewegungsstörungen an einen Morbus Parkinson oder es treten epileptische Anfälle auf. Die Bewegungsstörungen können entweder auf beiden Körperseiten auftreten oder nur auf einer Hälfte.
Neben den Bewegungsstörungen leiden manche Patienten auch immer wieder an Kopfschmerzen oder Migräne. Es kann sogar sein, dass die Migräne das einzige Symptom der Erkrankung ist.
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Oft wirkt sich Morbus Fahr auch auf die Psyche aus. Relativ häufig sind Depressionen oder Angststörungen. Auch Impulskontrollstörungen sind möglich, Betroffene können ihr impulsives Handeln dann nur noch schwer oder gar nicht kontrollieren. Dazu können kognitive Einschränkungen vorliegen. Die Spannweite reicht von leicht ausgeprägten Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen bis hin zur Demenz.
Symptome bei vaskulärer Demenz
Bei vaskulärer Demenz können zu Beginn vor allem Probleme mit Aufmerksamkeit, verlangsamtem Denken sowie Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Dazu können Gangstörungen oder Kontrollverluste der Blase sowie Probleme mit der Sprache kommen. Auch Gedächtnisstörungen können auftreten, stehen aber zu Beginn nicht immer im Vordergrund.
Weitere Symptome
Weitere mögliche Symptome von Verkalkungen im Gehirn sind Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Sehstörungen, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen, Angststörungen, Impulskontrollstörungen und epileptische Anfälle.
Diagnose von Verkalkungen im Gehirn
Die Diagnose von Verkalkungen im Gehirn umfasst in der Regel eine Kombination aus neurologischer Untersuchung, Anamnese und bildgebenden Verfahren.
Neurologische Untersuchung und Anamnese
Zunächst werden die Symptome und deren Verlauf erfasst. Dies gibt möglicherweise schon Hinweise, ob es sich um eine vaskuläre Demenz handelt. Um diese festzustellen werden zunächst das Herz-Kreislauf-System sowie neurologische Funktionen, zum Beispiel der Gleichgewichtssinn, untersucht. Blutuntersuchungen können Hinweise auf Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen geben.
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Bildgebende Verfahren
Die wichtigsten bildgebenden Verfahren zur Diagnose von Verkalkungen im Gehirn sind die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Im CT festgestellte Verkalkungsprozesse der Basalganglien werden symptomatisch behandelt. Die Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße kann eine fast vollständige, durch eine Arteriosklerose verursachte Verengung der rechten, vorderen Halsschlagader aufzeigen. Besteht ein Verdacht auf eine Gefäßverengung und liegen Risikofaktoren wie Herzkrankheiten, Diabetes, hoher Cholesterinspiegel, periphere-arterielle Verschlusskrankheit oder genetische Veranlagung vor, empfiehlt sich eine präventive Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern.
Behandlung von Verkalkungen im Gehirn
Die Behandlung von Verkalkungen im Gehirn richtet sich nach der Ursache, dem Ausmaß und der Lokalisation der Verkalkungen sowie den vorliegenden Symptomen.
Konservative und medikamentöse Behandlung
Zunächst sollten die konservativen und medikamentösen Behandlungsoptionen bei Patienten mit symptomatischen Stenosen der hirnversorgenden Arterien ausgeschöpft werden. Medikamentös lässt sich eine Verengung maximal eingrenzen und der Prozess einer zunehmenden Verengung aufhalten. Das gelingt aber nur in Verbindung mit der optimalen Einstellung von Blutfettwerten, Blutdruck, ggf.
Interventionelle und operative Behandlung
Je nach Lage der Stenose erfolgt der Eingriff in Lokalanästhesie (bei Stenose der vorderen und hinteren Halsschlagader) oder in Vollnarkose (bei Stenose der Hirnarterie). Um zu der Stenose zu gelangen, wird zuerst eine Leistenschlagader punktiert und ein etwa 2-4 mm dickes Röhrchen (Schleuse) eingelegt. Über die Schleuse wird dann ein Katheter eingebracht, der unter Durchleuchtung vor der entsprechenden Stenose positioniert wird. Mit einem sehr feinen und flexiblen Draht (Durchmesser 0,4 mm) wird die Stenose passiert. Über diesen Draht wird das im Trägerkatheter zusammengefaltete Gitterröhrchen (Stent) vorgeschoben und über der Stenose freigesetzt. Nach Beendigung des Eingriffes erfolgt die Entfernung von Katheter und Schleuse und die Leiste wird mit einem Fibrinpfropf verschlossen.
Es gibt verschiedene Formen von Schlaganfällen. Diese können durch einen Verschluss eines Gefäßes durch Kalkablagerungen oder Einschwemmen von Blutgerinnseln oder Kalkablagerungen aus anderen Körperregionen verursacht werden. Beim Nachweis von hochgradigen Verengungen besteht ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. In diesem Fall kann eine operative Ausschälung oder Stent-Implantation in das Gefäß erwogen werden.
Bei einer Operation wird die Plaques aus dem Gefäß entfernt, während das Einsetzen eines Stents dafür sorgt, die Plaques zu stabilisieren und das Blutgefäß offenzuhalten. Mit der Entfernung der Plaques verringert sich das Risiko eines erneuten Schlaganfalls bezogen auf das operierte Gefäß wesentlich.
Behandlung von Morbus Fahr
Da man bisher so wenig über die Zusammenhänge und Prozesse von Morbus Fahr weiß, gibt es auch keine wirkliche Therapie der Krankheit. Das Fahr-NET Register ist eine erste Form von Beobachtungsstudie, die mit Grundlagenforschung an Tier-Modellen einhergehen und Studienkohorten aufbauen soll, um neue Therapieansätze zu entwickeln und zu testen. Bei den symptomlosen Morbus Fahr-Erkrankungen wird bisher therapeutisch nicht eingegriffen, was aber auch daran liegt, dass keine Diagnose gestellt wurde. Aber auch bei festgestelltem Morbus Fahr sind die Therapiemöglichkeiten sehr begrenzt, im Grunde können die Störungen zum aktuellen Zeitpunkt nur begleitend behandelt werden. Gut zu wissen: Zu Morbus Fahr gibt es bisher Untersuchungen und einige wissenschaftliche Aussagen, wirklich erforscht und auch nur ansatzweise verstanden ist das Krankheitsphänomen bislang nicht. Man weiß, dass die Krankheit langsam voranschreitet, passende Medikamente gibt es noch nicht.
Im CT festgestellte Verkalkungsprozesse der Basalganglien werden symptomatisch behandelt. Die Betroffenen erhalten Ergotherapie oder Physiotherapie, um ihre körperlichen Beeinträchtigungen zu verbessern. Vielmehr kann aber nicht gegen die langsam fortschreitende Erkrankung getan werden. In der Literatur ist davon die Rede, dass mit einer Korrektur des Kalzium-Spiegels Verbesserungen bei Sprachstörungen und Kopfschmerzen erreicht werden können. Diese Therapie greift wahrscheinlich gerade dann, wenn eine endokrinologische Störung vorliegt, die ursächlich für die Kalkablagerungen in den Basalkernen ist. Dinatriumetidronat ist ein Wirkstoff, der in der Osteoporose-Therapie und bei Störungen des Kalziumstoffwechsels eingesetzt wird.
Behandlung von vaskulärer Demenz
Durchblutungsstörungen im Gehirn können mit Medikamenten behandelt werden, ebenso einige Risikofaktoren, wie zum Beispiel Bluthochdruck.
Rehabilitation
Kommt es im Zuge einer Durchblutungsstörung des Gehirns zu einem Schlaganfall, steht dem Patienten nach der ärztlichen Notversorgung ein breites Spektrum an Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache sowie der Lokalisation des Schadens. Die Therapie ist zudem immer individuell und zielt darauf auf, dass der Patient größtmögliche Selbstständigkeit erlangt. Je nach gesundheitlicher Verfassung und Schweregrad der Folgeschäden, sind unterschiedliche Reha-Maßnahmen möglich, die die Einschränkungen des Patienten berücksichtigen. Den Anfang einer jeden Reha bildet das Erstgespräch, in dem der Arzt gemeinsam mit dem Patienten persönliche Ziele festlegt. Zu den gängigsten Rehabilitationsmaßnahmen zählen Therapien aus den Bereichen der Physiotherapie, der Logopädie, der Ergotherapie sowie der Sporttherapie. Ergänzt werden diese Maßnahmen zudem oftmals durch aktivierende Pflegekonzepte sowie Ernährungsberatungen und Schulungen hinsichtlich des Lebensstils. Je nach Gesundheitszustand des Patienten kann der Arzt zudem auch neuropsychologische Maßnahmen verordnen. Im Zuge dieser Therapien erlernen Patienten den besseren Umgang mit ihrer Erkrankung und etwaigen Folgeschäden. Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall erfordert Geduld und Ausdauer. Viele Patienten stehen vor der Aufgabe, das Sprechen und Gehen wieder neu zu erlernen und die geschwächte Muskulatur zu kräftigen. Ob eine Rehabilitation ambulant oder stationär durchgeführt wird, richtet sich nach dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, den Lebensumständen sowie dessen Wünschen.
Lebensstiländerungen
Bei leichtgradigen Veränderungen sollte vor allen Dingen eine Änderung des Lebensstils (z. B. fettarme Ernährung, Beendigung des Nikotinkonsums, Gewichtsreduktion) im Vordergrund stehen und ggf. Es sind vor allem die lebensstilbedingten Risikofaktoren, die sich minimieren lassen. Dazu gehört eine gesunde, beispielsweise mediterrane Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen. Orientieren Sie sich an der mediterranen Küche, die reich an Gemüse und ungesättigten Fettsäuren (Oliven- oder Rapsöl) ist. Achten Sie auf ausreichend Ballaststoffe, sie können helfen, das ungesunde Cholesterin zu senken. Ballaststoffe finden sich vor allem in Vollkornprodukten, in faserigem Gemüse wie bspw. Kohlarten, in Hülsenfrüchten, Naturreis, Nüssen und Samen. Reduzieren Sie Salz.
Prävention von Verkalkungen im Gehirn
Die Prävention von Verkalkungen im Gehirn zielt in erster Linie auf die Reduzierung von Risikofaktoren für Arteriosklerose und andere zugrunde liegende Erkrankungen ab.
Risikofaktoren reduzieren
Als Risikofaktoren für die Entstehung arteriosklerotischer Gefäßkrankheiten gelten heute arterielle Hypertonie, Übergewicht, Hyperlipidämie, Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus, männliches Geschlecht, Alter, aber auch die Lebensweise, wie kalorien- und fettreiche Ernährung, Rauchen, Stress, sowie genetische und konstitutionelle Faktoren.
Gesunde Lebensweise
Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressmanagement kann dazu beitragen, das Risiko von Verkalkungen im Gehirn zu reduzieren.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere bei Vorliegen von Risikofaktoren, können helfen, Verkalkungen im Gehirn frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Bereits Frühformen der Arteriosklerose lassen sich im hochauflösenden Ultraschall der Halsschlagadern gut darstellen. Mit den modernen Ultraschallgeräten können schon Wandverdickungen von 0,1 mm sicher nachgewiesen werden. Aus großen Studien weiß man, dass beim Vorhandensein solcher Ablagerungen an den Halsgefäßen auch arteriosklerotische Veränderungen in anderen Gefäßbereichen (z. B. Leider kann bei unauffälligem Befund das Auftreten eines Schlaganfalles nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden.
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