Erste Hilfe bei Epilepsie: Ein umfassender Leitfaden der Johanniter Unfall Hilfe

Epilepsie und Krampfanfälle können beängstigend sein, sowohl für die Betroffenen als auch für die Ersthelfer. Die Johanniter Unfall Hilfe bietet Informationen und Anleitungen, um in solchen Situationen richtig zu handeln und die Sicherheit der Betroffenen zu gewährleisten. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Aspekte der Ersten Hilfe bei Krampfanfällen zusammen und gibt Einblicke in die verschiedenen Ursachen, Symptome und Maßnahmen.

Was ist ein Krampfanfall?

Ein Krampfanfall ist ein plötzliches, unkontrolliertes Ereignis, bei dem die normale Funktion der Nervenzellen im Gehirn vorübergehend gestört ist. Die Nervenzellen sind plötzlich überaktiv und senden ihre Signale nicht mehr geordnet ab. Dies kann sich in verschiedenen Symptomen äußern, von kurzen Bewusstseinsaussetzern bis hin zu schweren, unkontrollierten Ganzkörperkrämpfen. Ein Krampfanfall ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom.

Arten und Symptome von Krampfanfällen

Krampfanfälle lassen sich in drei Haupttypen einteilen:

  1. Generalisierte Anfälle: Hierbei ist das gesamte Gehirn betroffen. Typische Anzeichen sind plötzlicher Bewusstseinsverlust, Sturz ohne Vorwarnung, Verkrampfen der gesamten Muskulatur, rhythmisches Zucken der Gliedmaßen, Zungenbiss oder Einnässen sowie Atemstillstand. Nach dem Anfall kann Verwirrtheit oder Schläfrigkeit auftreten.

  2. Fokale Anfälle: Diese Anfälle beginnen in einem begrenzten Bereich des Gehirns. Je nach Ausbreitung bleibt das Bewusstsein erhalten oder ist verändert. Mögliche Symptome sind Zuckungen oder Kribbeln in nur einem Körperteil, verändertes Empfinden, Sehstörungen, Sprachprobleme, plötzliche Angstgefühle, automatisierte Bewegungen oder ein verändertes Bewusstsein.

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  3. Absencen: Diese Art betrifft vor allem Kinder und Jugendliche und äußert sich durch kurze Bewusstseinsaussetzer.

Ursachen von Krampfanfällen

Die Ursachen für einen Krampfanfall sind vielfältig. Manchmal reicht schon eine akute körperliche Belastung, damit das Gehirn überreagiert. Es ist wichtig zu wissen, dass ein einzelner Krampfanfall nicht automatisch bedeutet, dass jemand Epilepsie hat.

Akute Auslöser (Gelegenheitsanfälle)

  • Hohes Fieber, vor allem bei Kindern (Fieberkrampf)
  • Unterzuckerung bei Diabetes oder nach langem Fasten
  • Flüssigkeits- und Salzmangel
  • Schlafmangel
  • Stress
  • Alkoholentzug oder Drogenmissbrauch
  • Bestimmte Medikamente oder Wechselwirkungen

Wiederkehrende Krampfanfälle

Mögliche Ursachen von wiederkehrenden (chronischen) Krampfanfällen sind:

  • Epilepsie, eine Erkrankung mit dauerhaft erhöhter Neigung zu Anfällen
  • Hirnschädigungen durch Unfälle, Schlaganfälle oder Tumoren
  • Entzündungen im Gehirn

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Krampfanfall

Ein Krampfanfall kann dramatisch wirken, klingt aber in den meisten Fällen von selbst und ohne bleibende Schäden ab. Wichtig ist, die betroffene Person vor Verletzungen zu schützen und Ruhe zu bewahren.

  • Ruhe bewahren und Umgebung sichern: Gefährliche Gegenstände wie spitze Ecken oder harte Möbel zur Seite schieben. Wenn möglich, die Person vorsichtig zu Boden bringen und den Kopf mit etwas Weichem polstern. Enge Kleidung am Hals öffnen, damit die Atmung nicht behindert wird.
  • Nicht festhalten: Niemals versuchen, die Bewegungen zu stoppen oder die Person festzuhalten, denn das kann zu Verletzungen führen.
  • Nichts in den Mund stecken: Keine Gegenstände oder Finger in den Mund legen, da so das Risiko für Verletzungen oder Ersticken erhöht wird.
  • Zeit im Blick behalten: Die Dauer des Anfalls ist wichtig für die medizinische Einschätzung. Anfälle unter zwei bis drei Minuten sind meist unkritisch.
  • Nach dem Anfall in Seitenlage bringen und beruhigen: Ist der Anfall vorbei, die Person in die stabile Seitenlage bringen. So bleiben die Atemwege frei.

Wann den Notruf wählen?

In den meisten Fällen endet ein Krampfanfall von selbst und ohne Folgen. Es gibt jedoch Situationen, in denen sofort medizinische Hilfe notwendig ist:

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  • Der Anfall dauert länger als fünf Minuten.
  • Es treten mehrfach Anfälle kurz hintereinander auf.
  • Die Person verletzt sich während des Anfalls.
  • Die Person hat Schwierigkeiten zu atmen.
  • Es ist der erste Anfall.
  • Die Person hat eine bekannte Vorerkrankung wie Diabetes oder eine Herzerkrankung.

Diagnose von Krampfanfällen

Ziel der ärztlichen Untersuchung ist es, herauszufinden, welche Ursache hinter dem Anfall steckt. Die Diagnose beinhaltet meist folgende Schritte:

  • Anamnese: Das ärztliche Gespräch mit der betroffenen Person und Augenzeugen.
  • Körperliche und neurologische Untersuchung: Prüfung von Reflexen, Muskelkraft, Sprache und Bewusstsein.
  • Elektroenzephalographie (EEG): Messung der elektrischen Aktivität im Gehirn.
  • Bildgebung: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT).
  • Blutuntersuchungen: Identifizierung von Stoffwechselstörungen, Infektionen oder Mangelzuständen.

Maßnahmen zur Behandlung von Krampfanfällen

Wie genau ein Krampfanfall behandelt wird, hängt davon ab, warum der Anfall überhaupt aufgetreten ist.

  • Akute Auslöser: In solchen Fällen reicht es oft, die auslösende Störung zu korrigieren.
  • Epilepsie: Hier steht die Dauertherapie mit Antiepileptika im Fokus.
  • Psychogene Anfälle: Wenn die Ursache psychisch ist, steht eine Psychotherapie im Mittelpunkt.

Der Johanniter-Hausnotruf als zusätzliche Sicherheit

Der Johanniter-Hausnotruf bietet zusätzliche Sicherheit und entlastet Angehörige. Er ermöglicht es, schnell professionelle Hilfe zu rufen, falls etwas passiert. Dies ist besonders relevant für Menschen mit chronischen Krankheiten wie Epilepsie, Asthma oder Diabetes.

Wie funktioniert der Johanniter-Hausnotruf?

Herzstück des Johanniter-Hausnotrufs ist ein kleiner Sender, der als Armband oder Halskette getragen werden kann. Wenn Hilfe benötigt wird, genügt ein Knopfdruck, um die Hausnotrufzentrale der Johanniter zu erreichen. Fachkundige Mitarbeiter nehmen rund um die Uhr den Notruf entgegen und veranlassen die notwendige Hilfe. Auf Wunsch werden automatisch die Angehörigen informiert.

Der Johanniter-Begleiter

Der „Johanniter-Begleiter“ ist ein mobiles Notrufsystem, das besonders für Epilepsiepatienten geeignet ist. Durch den Notruf wird man mit der Hausnotrufzentrale der Johanniter verbunden. Diese melden und erkundigen sich, was los ist. Sollte keine Rückmeldung erfolgen, wird man durch GPS geortet.

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Erste Hilfe bei Kindern

Bei Kindern gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Krampfanfälle können durch Fieber ausgelöst werden (Fieberkrampf).

Maßnahmen bei Kindern

  • Ruhe bewahren: Verfallen Sie nicht in Hektik.
  • Notfallstelle absichern: Sichern Sie die Umgebung des Kindes.
  • Bewusstsein und Atmung prüfen: Ist das Kind ansprechbar und atmet es normal?
  • Notruf absetzen: Wählen Sie die Telefonnummer 112 und geben Sie das Alter des Kindes an.
  • Kind warmhalten: Vermeiden Sie unnötigen Wärmeverlust.

Spezielle Maßnahmen bei Krampfanfällen bei Kindern

  • Kind nicht festhalten: Verletzungsgefahr!
  • Gefährliche Gegenstände entfernen: Sichern Sie die Umgebung.
  • Stabile Seitenlage: Bringen Sie das Kind in die stabile Seitenlage (oder Bauchlagerung bei Säuglingen), sobald der Krampfanfall vorbei ist.
  • Ablauf beobachten: Achten Sie auf Muskelbewegungen und Auffälligkeiten im Bereich der Augen.
  • Dauer notieren: Notieren Sie die Dauer des Krampfanfalls.

Affektkrämpfe

Affektkrämpfe treten typischerweise zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat auf. Das Kind steigert sich dabei so lange in etwas hinein, bis es blau anläuft und kurz bewusstlos wird. Komplikationen sind äußerst selten.

Vergiftungen und Erste Hilfe

Vergiftungen sind besonders bei Kindern ein wichtiges Thema. Das Wichtigste ist die Vorbeugung.

Maßnahmen bei Vergiftungen

  • Ruhe bewahren: Vermeiden Sie Panik.
  • Umgebung prüfen: Achten Sie auf Substanzen, Tabletten oder Pflanzen, die Symptome auslösen könnten.
  • Giftnotrufzentrale anrufen: Wenn das Kind noch keine Symptome aufweist, rufen Sie die Giftnotrufzentrale an.
  • Giftreste sicherstellen: Geben Sie Giftreste dem Rettungsdienst mit.
  • Kein Erbrechen auslösen: Versuchen Sie nicht, das Kind zum Erbrechen zu bringen.
  • Äußerliche Verätzungen spülen: Spülen Sie die Haut mit lauwarmem Wasser.

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