Die Neurologie ist ein komplexes und sich ständig weiterentwickelndes Feld, das sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Um in diesem Bereich erfolgreich zu sein, ist nicht nur fundiertes medizinisches Wissen erforderlich, sondern auch die Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzubilden und sich an neue Entwicklungen anzupassen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Neurologie, von den Lebensläufen erfahrener Neurologen bis hin zu den spezialisierten Behandlungsangeboten in neurologischen Fachabteilungen.
Lebensläufe ausgewählter Neurologen
Ein Blick auf die Lebensläufe erfahrener Neurologen gibt Einblicke in die vielfältigen Karrierewege und Spezialisierungen innerhalb dieses Fachgebiets.
Dr. Ulrich Hofstadt-van Oy, MBA
- Persönliche Daten: Geboren 1965 in Mülheim/Ruhr.
- Ausbildung:
- 1985: Abitur.
- 1987-1994: Medizinstudium an der Universität Witten/Herdecke mit Auslandsaufenthalten an der McMaster University (Kanada) und in Bern (Schweiz). Koordination der Curriculumreform (Problemorientiertes Lernen).
- 1995: Promotion (magna cum laude) zum Thema „Die Schmerzzeichnung („patient pain drawing“) als Screening-Methode für Lumboischialgie-Patienten“.
- 2014 - 2016: Studium Master of Business Administration (MBA) Health care Management (Universität Bayreuth), Masterthesis: Integration ausländischer Ärzte und Ärztinnen in Deutschland: Eine empirische Studie an den Akutkliniken für Neurologie in Westfalen-Lippe
- Beruflicher Werdegang:
- 1994-1999: Facharztausbildung an der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie der Universität Witten/Herdecke, Klinikum Wuppertal. Forschung in neurologischer Intensivmedizin, klinischer Neuroimmunologie und Multipler Sklerose.
- 1999: Facharzt für Neurologie.
- 2005: Zusatzbezeichnung Psychotherapie.
- Ab 1999: Leitender Oberarzt am St. Josef Krankenhaus Zell/Mosel.
- 2001-2007: Oberarzt am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier, Leitung des Labors für klinische Neurophysiologie und der Multiple Sklerose- und der neuromuskulären Ambulanz.
- 2007 - 2014: Leitender Oberarzt Klinikum Bayreuth, Leitung der klinischen Neurophysiologie, stv. Leiter des MS-Zentrums, Leiter der neuromuskulären Ambulanz, Ausbilder für EMG, EP und EEG der Deutschen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie (DGKN).
PD Dr. med. Saskia Meves
- Qualifikationen: Zusatzbezeichnungen in Geriatrie, Intensivmedizin, Physikalische Therapie, Sozialmedizin und Sportmedizin.
- Zusätzliche Qualifikationen: DEGUM-Stufe III - Kursleiterin für die Neurologische Ultraschalldiagnostik, FEES-Zertifikat (flexible endoskopische Evaluation des Schluckakts).
- Studium:
- 1987 - 1994: Studium der Humanmedizin an der Ruhr-Universität Bochum.
- 1991 - 1992: Studium der Humanmedizin an der Medical School, University of Newcastle upon Tyne, Großbritannien.
- Klinischer/Wissenschaftlicher Werdegang:
- 1994 - 1995: ÄiP, Klinik für Neurologie, St. Josef-Hospital, Ruhr-Universität Bochum.
- 1996: Erlangung des Grads eines Doktors der Medizin.
- 1995 - 2001: Assistenzärztin, Klinik für Neurologie, St. Josef-Hospital, Ruhr-Universität Bochum.
- 2002 - 2015: Oberärztin, Klinik für Neurologie, St. Josef-Hospital der Ruhr Universität Bochum.
- 2002 - 2006: Partner UMEDS-Projekt "Ultrasonographic Monitoring and Early Diagnosis of Stroke" (Forschungsprojekt European Commission).
- 2007 - 2009: Partner get-ABI-Studie (German Epidemiological Trial on Ankle-Brachial Index), Förderung durch BMBF sowie Educational Grant von Sanofi-Aventis Pharma, Berlin.
- 2013: Habilitation und Venia Legendi für das Fach Neurologie an der Med. Fakultät der Ruhr-Universität Bochum.
- 2015 - 4/2023: Oberärztin der Contilia Gruppe an 2 Standorten, St. Marienhospital Mülheim, St. Josef-Krankenhaus Essen-Kupferdreh.
- Seit 5/2023: Chefärztin der Fachklinik für Neurologie in der MEDICLIN Fachklinik Rhein/Ruhr in Essen.
Weitere Neurologen
- Chefarzt Dr. med. (Gesundheitscampus, Zeppelinstr.)
- Prof. Dr. med. (St. Johannes Krankenhaus Sieglar)
Spezialisierte Schwerpunkte in der Neurologie
Die Neurologie umfasst ein breites Spektrum an Erkrankungen und Behandlungen. Viele Kliniken und Fachabteilungen haben sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert, um ihren Patienten eine optimale Versorgung zu bieten.
Vaskuläre Neurologie
Ein Schwerpunkt vieler neurologischer Kliniken ist die vaskuläre Neurologie, die sich mit Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn befasst. Dazu gehören insbesondere Schlaganfälle, die durch den Verschluss oder die Ruptur von Hirngefäßen verursacht werden.
- Diagnostik: Moderne bildgebende Verfahren wie kontrastmittelunterstützte Computertomographie und Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Arterien ermöglichen eine schnelle Diagnose. Die komplette Diagnostik bis auf die DSA der hirnversorgenden Gefäße wird im Hause mit neuroradiologischer Expertise (sowohl CT- und CT-Angiographie als auch MRT und MR-Angiographie über jeweils 24 Stunden) durchgeführt.
- Behandlung: Die Behandlung von Schlaganfällen zielt darauf ab, verschlossene Hirngefäße so schnell wie möglich wieder zu eröffnen. Bei kleineren Gefäßen kann eine medikamentöse Gerinnsel auflösende Behandlung (Lysetherapie) eingesetzt werden. Bei größeren Gefäßverschlüssen ist oft eine Thrombektomie erforderlich, bei der das Gefäß mit einem Katheter wieder eröffnet wird.
- Stroke Unit: Patienten mit akuten Schlaganfällen werden auf spezialisierten Schlaganfallstationen (Stroke Units) behandelt. Hier erfolgt eine kontinuierliche Überwachung und eine frühzeitige Rehabilitation und Frühmobilisation durch ein interdisziplinäres Team.
- Sekundärprävention: Die enge Kooperation mit der Kardiologischen Klinik ermöglicht die schnelle Ursachenabklärung des Schlaganfalls, die für die langfristige Verhinderung von Rezidiven, die sogenannte Sekundärprävention, von entscheidender Bedeutung ist.
Neurodegenerative Erkrankungen
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Parkinson und Demenz.
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- Morbus Parkinson: Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch einen Mangel an Dopamin verursacht wird. Die Symptome umfassen Tremor, Steifheit der Muskulatur, langsame Bewegungen und Probleme mit der Balance.
- Komplex-Behandlung: Viele Kliniken bieten eine sogenannte Komplex-Behandlung für Parkinson-Patienten an, die einen individuellen Therapieplan mit diagnostischen, medikamentösen, physio-, ergo- und logopädischen Elementen umfasst.
- Demenz: Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit einhergehen.
- Diagnostik: Die Diagnose von Demenz basiert auf der Vorgeschichte des Patienten, dem klinischen Befund, den Angaben der Angehörigen sowie bildgebenden Untersuchungsmethoden und Labordiagnostik.
- Behandlung: Neben der medikamentösen Therapie ist eine verständnisvolle, beratende Angehörigenbegleitung von großer Bedeutung.
Multiple Sklerose
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark, die vornehmlich jüngere Menschen betrifft.
- Diagnostik: Wichtig ist die frühzeitige Diagnose, denn je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, umso besser sind die Langzeitergebnisse der Patienten.
- Behandlung: Nach Diagnosestellung erfolgt zumeist die Schubbehandlung. Die Weiterbehandlung erfolgt dann zumeist beim niedergelassenen Neurologen ambulant oder in einer spezialisierten Ambulanz für MS-Patienten.
Weitere Schwerpunkte
Neben den genannten Schwerpunkten bieten viele neurologische Kliniken auch spezialisierte Sprechstunden und Behandlungen für weitere Erkrankungen an, darunter:
- Epilepsie
- Schwindel
- Nerven- und Muskelerkrankungen
- Botulinumtoxin-Behandlung (z.B. bei Dystonien)
Diagnostische Verfahren in der Neurologie
Für die Diagnose neurologischer Erkrankungen stehen verschiedene moderne diagnostische Verfahren zur Verfügung.
- Klinisch-neurologische Untersuchung: Die genaue Schilderung der Symptome durch den Patienten und die klinisch neurologische Untersuchung sind oft entscheidend für die Diagnose.
- Bildgebende Verfahren:
- Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns
- Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Arterien
- Neurophysiologische Untersuchungen:
- Elektroenzephalographie (EEG) zur Messung der Hirnströme
- Elektroneurografie und Elektromyografie zur Untersuchung von Nerven- und Muskelerkrankungen
- Evozierte Potentiale (EP)
Kooperationen und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Eine enge Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen ist in der Neurologie von großer Bedeutung. Häufige Kooperationspartner sind:
- Neurochirurgie (z.B. bei akuten neurochirurgischen Notfällen)
- Neuroradiologie (für bildgebende Diagnostik)
- Kardiologie (bei Schlaganfällen zur Ursachenabklärung)
- Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie (für Rehabilitation)
- Sozialdienst und Seelsorge (zur Unterstützung von Patienten und Angehörigen)
Unterstützung für Patienten und Angehörige
Neurologische Erkrankungen können für Patienten und ihre Angehörigen eine große Belastung darstellen. Viele Kliniken bieten daher zusätzliche Unterstützungsangebote an, wie z.B.:
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- Familiale Pflege (Informationsgespräche, Pflegetrainings, Pflegekurse für Angehörige)
- Seelsorge
- Sozialdienst (psychosoziale Betreuung, Unterstützung bei der weiteren Versorgung nach dem Krankenhausaufenthalt)
Wissenschaftliche Publikationen im Bereich Neurologie
Die Neurologie ist ein forschungsintensives Gebiet. Zahlreiche Studien werden durchgeführt, um neue Erkenntnisse über die Entstehung, Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen zu gewinnen.
Publikationen von Jost ST et al.
- Jost ST, Visser-Vandewalle V, Rizos A, Loehrer PA, Silverdale M, Evans J, Samuel M, Petry-Schmelzer J, Sauerbier A, Gronostay A, Barbe MT, Fink GR, Ashkan A, Antonini A, Martinez-Martin P, Ray Chaudhuri K, Timmermann L & Dafsari HS (2021). Non-motor predictors of 36-month quality of life after subthalamic stimulation in Parkinson disease. npj Parkinson’s Disease, 7(1): 48, doi: 10.1038/s41531-021-00174-x.
- Jost ST, Ray Chaudhuri K, Ashkan K, Loehrer PA, Silverdale M, Rizos A, Evans J, Petry-Schmelzer J, Barbe MT, Sauerbier A, Fink GR, Visser-Vandewalle V, Antonini A, Martinez-Martin P, Timmermann L & Dafsari HS (2021). Subthalamic stimulation improves quality of sleep in Parkinson disease: a 36-month controlled study. Journal of Parkinson’s Disease, 11(1):323-335, doi:10.3233/JPD-202278.
- Jost ST, Sauerbier A, Visser-Vandewalle V, Ashkan A, Silverdale M, Evans J, Loehrer PA, Rizos A, Petry-Schmelzer J, Reker P, Fink GR, Franklin J, Samuel M, Schnitzler A, Barbe MT, Antonini A, MartinezMartin P, Timmermann L, Ray Chaudhuri K & Dafsari HS (2020). A prospective, controlled study of non-motor effects of subthalamic stimulation in Parkinson's disease: results at the 36-month follow-up. Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry, 91(7):687-694, doi: 10.1136/jnnp-2019-322614.
Weitere Publikationen
- Schedlich-Teufer C,* Jost ST,* Krack P, Witt K, Weintraub D, Baldermann JC, Sommerauer M, Amstutz D, van Eimeren T, Dafsari HS, Kalbe E, Visser-Vandewalle V, Fink GR, Kessler J & Barbe MT (2021). Assessment of affective-behavioral states in Parkinson's Disease patients: toward a new screening tool. Journal of Parkinson’s Disease, 11(3): 1417-1430, doi: 10.3233/JPD-202375. *geteilte Erstautorenschaft
- Kaesberg, S., Flitsch, L. J., Kalbe, E., Kessler, J., Fink, G. R. (2021). NP-KISS. Neuropsychologisches Kitteltaschen Schlaganfall-Screening. Göttingen: Hogrefe.
- Kalbe, E., Calabrese, P., Kessler, J. (2021). Parkinson Neuropsychometrie Dementia Assessment. Köln: ProLog.
- Kessler J, Linden P & Folkerts AK (2021). Der andere Anti-Demenz-Ratgeber: Wie Sie mit falscher Ernährung, wenig Bewegung und Einsamkeit Ihren Verstand schädigen. Berlin: Springer.
- Scheffels J, Kräling H, Jeschke M, Kalbe E & Kessler J (2020). Kölner Exekutiv-Test. Diagnostikum zur Erfassung exekutiver Funktionsstörungen unter Einbeziehung von Emotionserkennungsleistungen und Verhaltensauffälligkeiten. Köln: Prolog.
- Kaesberg, S., Kalbe, E., Finis, J., Kessler, J. & Fink, G.R. (2014). Kölner Neuropsychologisches Screening für Schlaganfall-Patienten (KöpSS). Göttingen: Hogrefe.
- Weiss-Blankenhorn, P., Kalbe, E., Kessler, J. & Fink, G.R. (2013). Der Kölner Apraxie-Test.
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