Gehirnscan-basierte Personenidentifizierung: Fortschritte, Möglichkeiten und ethische Überlegungen

Die Fähigkeit, Personen anhand von Gehirnscans zu identifizieren, hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Diese Technologie, die auf der Analyse von Hirnaktivitätsmustern basiert, birgt ein enormes Potenzial für verschiedene Anwendungen, von der Verbesserung der medizinischen Diagnostik bis hin zur Erhöhung der Sicherheit. Dieser Artikel untersucht die Grundlagen, Fortschritte und ethischen Implikationen der gehirnscanbasierten Personenidentifizierung.

Grundlagen der Gehirnscan-basierten Personenidentifizierung

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das aus verschiedenen Regionen mit unterschiedlichen Funktionen besteht. Die graue Substanz enthält Nervenzellen, die weiße Substanz enthält Verbindungsfasern und Liquor umgibt das Gehirn. Die Volumina der einzelnen Hirnregionen variieren und können sich im Laufe der Zeit verändern, entweder aufgrund natürlicher Alterungsprozesse oder aufgrund neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer, Multipler Sklerose oder Parkinson.

Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) ist eine nicht-invasive Neuroimaging-Technik, die die Hirnaktivität misst, indem sie Veränderungen im Blutfluss erfasst. Wenn ein Hirnbereich aktiv ist, benötigt er mehr Sauerstoff, was zu einer Erhöhung des Blutflusses in diesem Bereich führt. fMRT-Scans liefern detaillierte Bilder des Gehirns in Aktion und zeigen, welche Hirnregionen bei verschiedenen Aufgaben besonders aktiv sind.

Fortschritte in der Gehirnscan-Entschlüsselung

In den letzten Jahren haben Forscher bedeutende Fortschritte bei der Entschlüsselung von Informationen aus Gehirnscans erzielt. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen konnten sie Decoder entwickeln, die mit bemerkenswerter Genauigkeit den Inhalt von Gedanken, gehörten Geschichten und sogar gesehenen Filmen rekonstruieren können.

Ein Forscherteam entwickelte einen Decoder, der den Inhalt der Geschichten, die eine Person im Scanner hörte oder sich vorstellte, mit relativ hoher Genauigkeit wiedergeben konnte. Der Decoder konnte sogar die Handlung eines Kurzfilms erraten, den sich die Probanden im Scanner ansahen, allerdings mit geringerer Genauigkeit.

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Diese Fortschritte basieren auf der Verwendung von KI-Sprachmodellen, wie z. B. GPT-1, einem frühen Vorläufer des Modells hinter ChatGPT. Diese Modelle werden darauf trainiert, die Daten des Scanners mit den parallel dazu aufgezeichneten Sprachdaten in Verbindung zu bringen. Anschließend sagen sie für jede vorgegebene Wortfolge die zu erwartende Hirnaktivität voraus. Oder anders gewendet: Gibt man ihnen eine gemessene Hirnreaktion vor sowie einen Satz auf Englisch, sagen sie einem, mit welcher Wahrscheinlichkeit der gegebene Satz zur gegebenen Hirnreaktion führt.

Anwendungen der Gehirnscan-basierten Personenidentifizierung

Die gehirnscanbasierte Personenidentifizierung hat ein breites Anwendungsspektrum, darunter:

Verbesserung der medizinischen Diagnostik

Die Analyse von Hirnscans kann Ärzten helfen, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson frühzeitig zu erkennen. Durch die Messung von Veränderungen des Hirnvolumens und der Hirnaktivität können Ärzte subtile Anomalien erkennen, die bei der visuellen Befundung möglicherweise übersehen werden.

Die Software AIRAscore structure analysiert beispielsweise MRT-Scans des Gehirns und ordnet die Voxel den einzelnen Gehirnstrukturen zu. Die Auswertungsergebnisse werden in einem übersichtlichen Bericht zur Verfügung gestellt, der Ärzten hilft, Veränderungen im Hirnvolumen zu diagnostizieren und ihre Diagnose zu stützen.

Unterstützung von Menschen mit Kommunikationsschwierigkeiten

Die Gehirnscan-Entschlüsselung kann Menschen helfen, die nicht sprechen oder anderweitig nach außen hin kommunizieren können, wie z. B. Patienten nach einem Schlaganfall oder Personen mit amyotropher Lateralsklerose. Durch die Übersetzung von Hirnaktivitätsmustern in Wörter und Sätze können Forscher Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickeln, die es diesen Menschen ermöglichen, mit der Außenwelt zu kommunizieren.

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Vorhersage zukünftiger Fähigkeiten und Verhaltensweisen

Einige Forscher glauben, dass es möglich ist, mit Hirnscans individuelle Prognosen über unsere künftigen Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu erstellen. Beispielsweise könnte man vorhersagen, welche Jugendlichen eines Tages zu Drogen greifen werden oder wer zu Heißhungerattacken neigen wird.

Eine Studie hat gezeigt, dass sich mit einer simplen Standard-MRT-Aufnahme des Gehirns vorhersagen lässt, welche psychisch kranken Menschen nach ihrer Erstdiagnose zunehmen werden und damit ihr Risiko für körperliche Erkrankungen erhöhen - und welche nicht.

Erhöhung der Sicherheit

Die gehirnscanbasierte Personenidentifizierung könnte in Hochsicherheitsbereichen wie dem Pentagon eingesetzt werden. Im Vergleich zur Identifizierung per Finger- oder Augenscan schützt die Gehirnwellenmethode besser vor Betrügern. Fingerabdrücke können geklaut und missbraucht werden, während der Betroffene im unwahrscheinlichen Fall eines „Brainprint“-Klaus seinen eigenen Abdruck gezielt manipulieren kann, indem er seine Reaktionen ändert - und damit einen neuen Gehirnabdruck erstellt.

Ethische Implikationen der Gehirnscan-basierten Personenidentifizierung

Die gehirnscanbasierte Personenidentifizierung wirft eine Reihe ethischer Fragen auf, darunter:

Schutz der Privatsphäre

Die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle aus Gehirnscans zu lesen, birgt das Risiko, dass die mentale Privatsphäre verletzt wird. Es ist wichtig, Maßnahmen zum Schutz der mentalen Privatsphäre zu entwickeln, um sicherzustellen, dass diese Technologie nicht missbraucht wird.

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Diskriminierung

Die Verwendung von Hirnscans zur Vorhersage zukünftiger Fähigkeiten und Verhaltensweisen könnte zu Diskriminierung führen. Beispielsweise könnten Menschen aufgrund ihrer Hirnscans von bestimmten Arbeitsplätzen oder Bildungsprogrammen ausgeschlossen werden.

Autonomie

Die gehirnscanbasierte Personenidentifizierung könnte die Autonomie des Einzelnen untergraben. Wenn unsere Gedanken und Gefühle von anderen gelesen werden können, könnten wir uns weniger frei fühlen, unsere Gedanken und Gefühle auszudrücken.

Die Zukunft der Gehirnscan-basierten Personenidentifizierung

Die gehirnscanbasierte Personenidentifizierung ist ein sich schnell entwickelndes Feld mit großem Potenzial. In Zukunft können wir erwarten, dass diese Technologie noch genauer, zuverlässiger und zugänglicher wird. Es ist jedoch wichtig, die ethischen Implikationen dieser Technologie sorgfältig zu berücksichtigen und Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass sie verantwortungsvoll eingesetzt wird.

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